Stoverock im Interview I

hier bei der Standard

Keine Paywall. Guter Journalismus ist halt teuer – soll ich jetzt trotzdem bei der Zeit…? Nä.

Erstmal Standard-Fragen (no pun vermeidable)

Unsere Zivilisation wurde von Männern geschaffen und schließt Frauen seit Tausenden von Jahren aus, sagt die Evolutionsbiologin Meike Stoverock.

„Meine“ Zivilisation ist nicht so alt, aber hey! Sie ist Biologin, keine Historikerin. Oder Anthropologin. Aber, wie schon erwähnt, es gibt eine Menge zivilisatorische Errungenschaften, die Frauen nutzen auf Kosten von Männern.

Damit laufe das Geschlechterverhältnis gewissermaßen entgegen der Evolution.

Es ist nicht gegen Gott, es ist gegen die Evolution! Genau wie Kleidung, Kochen, Werkzeug und Brillen.

STANDARD: Die Damenwahl gilt vor allem bei Tieren. Was hat das mit uns Menschen zu tun?

Und ist das nicht ein naturalistischer Fehlschluss? Warum fragt das nie jemand?

Stoverock: Eine ganze Menge. Es gibt insgesamt eine Vielzahl von Hinweisen darauf, dass die Damenwahl auch uns Menschen in den Genen liegt.

Gene wie die, die in der Altsteinzeit ganz nützlich waren, aber heute zu Übergewicht und andere Zivilisationskrankheiten führen? Nebenbei, wenn ein Mann argumentierte, dass Fremdgehen in seinen Genen liege, wäre das vermutlich wahr, würde aber trotzdem als eher schwache Ausrede eingestuft.

Ein Mann kann jeden Tag rund um die Uhr Kinder zeugen. Eine Frau hingegen hat nur ein sehr enges Zeitfenster von wenigen Stunden im Monat.

Seht Ihr? Wenn die Natur offenbar will, dass Männer 24/7 Kinder zeugen, dann müssen sie es auch TUN!

STANDARD: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass die Damenwahl einst auch für uns Menschen entscheidend war. Erst mit der Sesshaftigkeit vor rund zehntausend Jahren habe sich daran etwas geändert. Inwiefern?

Die Mütter- und Kindersterblichkeit verringerte sich, hurra!

Stoverock: Sexualität ist ein Urinstinkt, ein Grundbedürfnis, ein angeborener Trieb. Die Damenwahl führt jedoch dazu, dass ein großer Teil der Männer keinen Sex haben kann, weil ihnen die Frauen diesen verwehren.

Es gibt Tierarten, bei denen das Männchen höchstens genauso groß wird wie das Weibchen, welches den Sex recht leicht verwehren kann. Bei den anderen ist es so, dass die Weibchen den Sex verwehren, indem sie die Aufmerksamkeit eines größeren, stärkeren und irgendwie auch immer attraktiveren Männchen auf die Szene lenken. Welches sofort herbeieilt, das andere Männchen vertreibt oder ordentlich eine reinhaut, und dann diesen Triumpf mit Sex feiert. (Also ungefähr wie in einem ganzen Haufen Bücher, Filmen und sonstigen Medien, die von Menschen handeln…)

Mit der Erfindung der Landwirtschaft sicherten sich die Männer Besitz und Ressourcen. Sie hatten plötzlich ein Druckmittel gegen die wählerischen Frauen. Die Frau wurde abhängig gemacht, sodass sie sich an einen Mann binden musste.

Erstens, das Druckmittel bestand aus warmen Unterkünften, wie mies ist das denn bitte. Zweitens, zur Abwehr unerwünschter Männer brauchten Frauen auch vor Sesshaftwerdung die Hilfe erwünschter Männer. Drittens, warum bauten sich die Frauen nicht einfach selber Häuser? Viertens, es sind nicht mehrheitlich Frauen, die ein Leben zurück zur Natur führen. Oder unter freien Himmel schlafen.

STANDARD: Sie sehen auch die Ehe als eine Form der Unterdrückung. Aber kann sie nicht auch auf Gegenseitigkeit beruhen und beiden Partnern Vorteile und Erfüllung bringen?

HAhAHAhAhAhAhhA. Nein, natürlich nicht. In der Natur gibt es keine lebenslangen Partnerschaften. Außer bei Termiten, Kranichen, Seepferdchen…

Stoverock: Über die Geschichte betrachtet würde ich ganz klar sagen: Nein. Die Ehe war immer ein Werkzeug, um Frauen unselbstständig zu machen und in engen sexuellen Bahnen zu halten.

Ja, dann.

Die männliche Zivilisation spürt, dass die Ehe wichtig ist, um Frauen unter Kontrolle zu halten.

Männer spüren gar nichts. Sonst hätten sie ja Gefühle. Wie die ganzen sehr frauenfreundlichen Ausgänge von Scheidungsprozessen in dieses Bild passen, weiß natürlich nur der Gilb.

Aber seit vielen Tausend Jahren steht die Ehe eben auch auf unfreiwilliger Basis. Da kann man nicht sagen, die Frau hat auch etwas davon.

Eine Sache, die der Mann davon hat, der hier aber nicht thematisiert wird, ist die Garantie der Vaterschaft. Der Deal geht so: Frau gibt das Versprechen, nur mit einem bestimmten Mann zu schlafen, dafür beteiligt sich dieser an der Aufzucht ihrer Kinder. OHNE diesen Deal wäre es für den Mann evolutionär gesehen schlauer, sich um die Kinder seiner (Halb-)Schwestern (mütterlicherseits) zu kümmern. Geht prinzipiell auch, aber manche Leute haben keine Schwestern, bzw. keine Brüder, und da sind die Versorgungskapazitäten ungleich verteilt.

STANDARD: Wann und wodurch hat sich an dieser Ungleichheit etwas verändert?

Ja, ich weiß es!

Stoverock: Ein echter Game-Changer war die Pille. Sie hat dazu geführt, dass Frauen wirklich Kontrolle über die Reproduktion erlangten.

Tja. Bzgl. der Elternschaft ändert es trotzdem wenig.

STANDARD: Männer und Frauen sind mehr als ihre Triebe. Sie binden sich nicht nur aneinander, um sich fortzupflanzen. Finden nicht auch viele Menschen Erfüllung in langjährigen Beziehungen?

Ja, aber eine Partnerschaft ohne Kinder großzuziehen, das wäre gegen die Evolution.

Stoverock: Natürlich geht es auch um soziale Prozesse. Hinter der lebenslangen Beziehung steckt oft viel mehr Gesellschaftserwartung als eigener Antrieb und Liebe.

Was sollen die Nachbarn sagen? Hey, man kann doch umziehen.

STANDARD: Sie wagen in Ihrem Buch einen weiten Blick in die Zukunft und sprechen vom „Ende der männlichen Zivilisation“. Was meinen Sie damit?

Wer die menschliche Zivilisation will…

Stoverock: Wir werden irgendwann in einer Zivilisation landen, in der die Frau wieder die alleinige Herrschaft über ihre eigene Sexualität hat

Solange die Frau nicht die alleinige Kindererziehung stemmt, nutzt ihr das knapp die Hälfte.

 Es geht nicht darum, dass die Frau die Herrschaft über den Mann haben soll. Aber Männer werden automatisch in eine demütigere Position gebracht.

Süß ist es und ehrenvoll, in einem Schützengraben zu verbluten.

Damit meine ich nicht, dass sie gedemütigt oder Bittsteller werden sollen.

Ähh, doch?

Aber ganz viele Männer laufen mit dem Selbstverständnis durch die Gegend, dass die ganze Welt nur darauf wartet, dass sie ihr Gegenüber mit ihrer Meinung und ihrem Wissen erhellen.

Ja, niemand, und ich meine absolut niemand, hält Frauen ernsthaft davon ab, schüchterne Männer anzusprechen, die bescheiden sind, ihre Gegenüber nicht mit ihrer Meinung und ihrem Wissen erhellen wollen, und die auch nichts gegen unverbindlichen Gelegenheitssex hätten. Trotzdem tun sie es eher selten. Sich dann trotzdem zu beschweren, dass sie dann Männer wie Lobo heiraten, auf den die obige Beschreibung nunmal zutrifft, ist etwas schwach.

STANDARD: Was bedeutet diese Entwicklung für unsere Beziehungen?

Ähem.

Stoverock: Mit dem Rückgewinn der weiblichen Sexualität werden viele Männer keine Partnerin mehr finden. Es wird mehr Incels geben, also Männer, die unfreiwillig zölibatär leben und teilweise gewaltbereit werden können. Diese Männer müssen wir abfangen, müssen ihnen mit mehr Mitgefühl begegnen.

Mehr Mitgefühl als Null Mitgefühl. yayqoq! yayHey!

Daneben wird auch die Industrie der Sexpuppen und Sexroboter boomen.

Irgendwie glaube ich jetzt mehr an die Sexroboter als an ihr Mitgefühl. Vor allem, Sexroboter kann man kaufen.

STANDARD: Können diese Roboter wirklich eines Tages reale Beziehungen ersetzen?

Irgendwann gibt es auch künstliche Gebärmütter. Also ja.

Stoverock: … Ich wage zu bezweifeln, dass die Männer am Ende so glücklich sein werden wie in einer Beziehung mit einer lebenden Frau.

Andererseits gibt es auch viele Männer, die sagen, dass sie nur wegen einer Frau unglücklich seien. Und zwar in ihren Abschiedsbriefen. Also, wenn Roboter im Durchschnitt glücklicher machen als Frauen…

STANDARD: Wenn ich es etwas provokant formulieren darf: Bedeutet Ihre Vision dann nicht, dass wir schon den Jungen in den Schulen vermitteln müssten, dass es einmal völlig normal ist, keinen Sex zu haben?

Ja. Aber das ist nur die eine Hälfte der Konsequenz…

Stoverock: Auf jeden Fall! Je wählerischer Frauen bei der Partnerwahl werden, desto weniger wahr wird das Narrativ von „jeder Topf hat einen Deckel“.

…die andere ist, dass manche Töpfe mehrere Deckel haben werden (sie meint mit Töpfen offenbar die Jungen). Also, liebe Mädchen, die Tante Stoverock sagt, dass Ihr Euch in Zukunft zu zweit oder so einen Mann teilen müsst. Also gewöhnt Euch schon mal dran.

 Das wäre besser, als den Jungen immer beizubringen, dass eine Frau, der sie nur genug Geschenke machen, irgendwann die Beine breitmacht.

Bringt ihnen eigentlich niemand bei, oder fast niemand. Stereotypen bedienen ist progressiv.

STANDARD: Wäre eine Welt, in der Frauen mehr Macht besitzen, eine bessere?

Stoverock: Eine Welt, die von Frauen gestaltet ist, ist auf jeden Fall gerechter.

Hachja. Weil Frauen gerechter sind und nur die Männer Sex kriegen, die ihn auch verdient haben? Wer Frauen für gerechter hält als Männer hat offenbar sexistische Vorurteile. Morgen mehr.

Ein Gedanke zu “Stoverock im Interview I

  1. Eine gerechtere Welt, in der 80% der Männer leer ausgehen aber trotzdem mit ihrer Arbeit die Gesellschaft am Laufen halten und ganz besonders über Steuern den Unterhalt der Weiber stemmen sollen. Männer, Väter reißen sich den Arsch auf für ihre Kinder; die Frau stellt sich zwischen Vater und Kind in der Ressourcenkette und lebt sehr profitabel davon. Diese Leistung des Mannes soll nun vom männlichem Individuum, dem Vater, der noch eine Beziehung zu seinen Kindern führt, auf den kollektiven Mann verschoben werden: Der Steuerzahler zahlt für die Frau und ihr Lebensmodell. Das könnte aber nach hinten los gehen, denn warum sollte sich der Mann in einer Gesellschaft, in welcher er nur der Depp vom Dienst ist, den Arsch aufreißen?

    Als Beispiel könne man die „Grasfresser“ in Japan hernehmen. Junge Männer, die nur das nötigste brauchen; und dieses Nötigste ist ein leistungsstarker PC, mehr nicht. Sie ziehen sich in ihre Fantasiewelten zurück, wo sie gegen Drachen kämpfen und unbekannte Sterne erforschen. Sie leben vom Nötigsten, fressen Gras, und denken nicht im Traum daran, das Leben mit Übervollzeitarbeit zu verbringen, um Frauen zu ernähren, von denen sie nicht vorhaben, sie zu heiraten. Wie sagte Esther Vilar? Männer sind bescheiden.

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