Pandemie der Probleme

Hachja.

PANDEMIE DER UNGLEICHBERECHTIGUNG

Zur Gefahrenabwehr werden bestimmte Rechte eingeschränkt, was man im Detail oder auch grundsätzlich kritisieren kann, selbst OHNE verschwörungstheoretischen Hintergrund. Hier geht es aber um Rechte, die tatsächlich nicht von Staat oder Gesellschaft beeinflusst werden.

Das sieht nicht gut aus. Also nicht nur der Umstand, dass wir es mit neuen Coronamutanten zu tun haben, die Impfstoffverteilung nicht in die Gänge kommt und die politisch Verantwortlichen sich verhalten, als gäbe es außer ihnen noch sonst irgendjemanden, der Entscheidungen treffen muss.

Nachdem man ernsthafte Probleme aufzählt, kommen jetzt die Allgemeinplätze.

Sondern auch die Auswirkungen dieser in ihr zweites Jahr gehenden Pandemie auf Zivilgesellschaft, Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit.

Ja, sowas wie Männer, die härter erkranken, aber nicht beim Impfen bevorzugt werden?

Es hatte sich ja schon zu Beginn dieser Krise angekündigt: Muttis werden es richten müssen.

Weil Mütter heilende Hände haben, woll? Magic! Hurra.

Schließlich wurden und werden Frauen nach wie vor für den überwiegenden Teil der Care-Arbeit verantwortlich gemacht, da ist es nur folgerichtig, wenn ihnen jetzt der Großteil der mehranfallenden Sorgearbeit zugemutet wird.

Wenn da jetzt „Krankenschwestern“ stehen würde. Care-Arbeit wird mehr, weil Schulen und Kindergärten halt geschlossen bleiben sollten, aber die Hauptarbeit, um eine Krankheit zu bekämpfen, wird logischerweise von medizinischen Berufen gestemmt. Wenn irgendwo eines Nachts die Grundschule brennt, und Mütter ihre Kinder ein paar Tage zu Hause betreuen müssen, ist das auch Mehraufwand, ja. Aber irgendwie nicht dasselbe wie die Arbeit der Feuerwehrleute, oder der Leute, die neue Klassenräume organisieren. Oder später eine neue Schule bauen.

Also sitzen sie an der Homeschooling-Front, ersetzen die ausgefallenen Kita- und Schulmittagessen, trösten, erklären, putzen – und sind nebenbei auch noch irgendwie im Homeoffice.

Front. Homeschooling ist Krieg. Klar. Und Homeoffice ist dann bestimmt die zweite Front.

Das heißt nicht, dass Väter nicht auch im Homeoffice wären oder sich zu Hause nicht mehr einbringen würden.

Achwas? Ja, sonst müsste man die Verräterschweine auch an die Wand stellen, ne?

Aber selbst wenn die Steigerungsrate von kaum Care-Arbeit zu deutlich mehr Care-Arbeit bei Männern der bei Frauen von viel Care-Arbeit zu extrem viel Care-Arbeit entspricht, kann von Gleichberechtigung keine Rede sein.

Es gibt kein Recht darauf, eine bestimmte Obergrenze an Care-Arbeit zu tun. Insofern ist „Gleichberechtigung“ hier ein Främing. Es wäre nebenbei auch sehr autoritär, wenn der Staat die private Arbeitsteilung seine Bürger regeln wollte.

Die Realität sieht zu oft so aus, wie sie der Tagesspiegel beschreibt:

Wie oft wäre „ausreichend oft“?

“Die Väter retten sich ins einzige abschließbare Zimmer der Wohnung und führen dort den ganzen Tag Video-Calls…“

Bei mir wäre das das Klo. Ok, ich will das nicht genauer wissen.

Für dieses Mehr an Care-Arbeit, fürs Kümmern und fürs Übernehmen der Verantwortung werden Frauen übrigens nicht nur finanziell durch “Erziehungszeiten, Teilzeitjobs und geringere Gehälter” benachteiligt, wie das ZDF richtig festhält.

Hat jetzt nur ganz Allgemein mit Corona zu tun, aber gut.

Sie werden auch aufgefordert, selber etwas dagegen zu unternehmen.

Oh, nein, wie schrecklich! Frauen – erwachsene Menschen – selbst: etwas unternehmen! Das klingt doch wie eine völlig sinnlose Aneinandereihung bedeutungsloser Wörter.

Also nicht etwa mehr Geld verlangen wie im Mai 2020. Das wäre ja unweiblich, unmütterlich, gierig und überhaupt nicht mehr weich und kümmernd.

Ja, die Argumentation dabei war leider auch etwas schlecht. Aber natürlich kann eine Frau ihrem Ehemann ihre Arbeit in Rechnung stellen. Evt. bezahlt er sie sogar…

Mütter sind die, die hüpfend und gut gelaunt in schwierigen Zeiten zu leisten haben.

Wohingegen das BMFSFJ einfach nicht will, dass Männer Spaß mit ihren Kindern haben. Also ist das für alle Beteiligten diskriminierend. yayqoq.

Und für spätere Zeiten sollen sie gefälligst besser vorsorgen.

Sie bezahlen ja auch ihre Krankenversicherung, ihre Unfallversicherung und was dergleichen mehr ist, ja auch selber, oder?

Ein Mann ist schließlich keine Altersvorsorge. Das ist selbstverständlich richtig, aber wieso sollte die Verbesserung der Altersvorsorge eigentlich auf diejenigen abgewälzt werden, die um sie betrogen werden?

Warum sollte irgendwas auf diejenigen abgewälzt werden, die davon profitieren wollen? Aber im konkreten Fall: weil Frauen nicht um ihre Altersvorsorge betrogen werden.

Was ist mit dem vollumfänglichen Anrechnen von Erziehungszeiten, mit der Aufwertung von Teilzeitarbeit und fairen Gehältern?

Was soll damit sein? Keine Frau wird abgehalten, z.B. eine Lebensversicherung abzuschließen. Es werden auch keine Informationen diesbezüglich gezielt nur Männern zur Verfügung gestellt.

Wer B sagt (Frauen kümmern sich zu wenig um ihre Finanzen), der sollte auch A gesagt haben und dagegen ausreichend Schritte unternommen haben:

Das ist eine Börsenexpertin. Inwieweit sollte eine Börsenexpertin dafür verantwortlich sein, was andere Erwachsene tun oder lassen? Nebenbei, ob Aktien jetzt tatsächlich die Lösung sein sollen, ist noch ein anderes Thema, aber die Aussage ist: „Frauen kümmern sich zu wenig um ihre Finanzen.“, nicht: „Männer müssen sich mehr um die Finanzen ihrer Frauen kümmern.“

Frauen werden ums Finanzielle beschissen.

Manche bestimmt. Ist dann aber strafbar. Die Informationen, die Frauen benötigen, um sich selbst um Antialtersarmut-Maßnahmen zu kümmern, sind vorhanden. Ein Problem wäre es, wenn jemand sie aktiv daran hindern würde.

Also muss und wird, wie Daniel Gernhard in der Zeit schreibt, Gleichberechtigung weh tun.

Heißt: Der Staat muss eingreifen, weil Eheleute sonst nicht machen, was gut für sie ist.

Ein bisschen feministisch zu twittern und sich im Ernstfall dann doch wieder in geschlechterstereotype Floskeln zum Schutz der eigenen Privilegien zu flüchten – das wird nicht reichen.

Feministisch twittern ist ganz doof. Aus Anlass der Fastenzeit verzichte ich darauf schon seit bevor es Twitter gibt. Bewundert meine Selbstaufgabe und entbehrungsreiche Askese!

Hier und jetzt, in dieser für die meisten schwierigen und zähen Pandemie, wird verhandelt, wie Liebe und Beziehung gestaltet werden, was sie wert sind und mit wie viel Wertschätzung wir einander begegnen.

Scheißegal wie „wir“ einander begegnen. Meine Liebe, meine Beziehung und meine Familie ist nichts, was von Unbeteiligten „verhandelt“ werden wird. Grundsätzlich nicht. Ich „verhandele“ ja auch nicht die Wertschätzung anderer Leute.

Spoileralerm: Dass fast 70% der Frauen den Haushalt schmeißen und die Kinder betreuen, während etwa genauso viele Männer der Auffassung sind, die Aufgaben seien gerecht verteilt, ist nicht hilfreich.

Wenn es 50:50 wären, wäre es auch nicht hilfreich. Die Steuereinnahmen des Staates brechen so oder so weg, Firmen gehen weiterhin pleite, Leute sterben mangels Impfung, aber DAS ist natürlich das schlimmste.

Es gibt Umfragen, die darauf hinweisen, dass sich die Scheidungsrate nach Ende der Pandemie – also wenn die Menschen auch wirklich wieder frei sind, ihrer Wege zu gehen – um ein Fünffaches erhöhen könnte.

Naja, in guten, wie in schlechten Zeiten? Wenn es das Fünffache wird, ist das halt so, aber wenn das an der „Nähe“ liegt, dann ist die hälftig geteilte Hausarbeit doch eher mehr ein Grund? Dafür werden nach Corona die Arbeitslosenzahlen wieder sinken. Irgendwann…

Es wird sich rächen, dass wir Liebe, Beziehung und Verantwortlichkeit nicht schon vor der Pandemie gleichberechtigt gestaltet haben, weil wir in Krisenzeiten gar nicht in der Lage sind, strukturell etwas zu verbessern.

„Wir“ haben überhaupt keinen Regelungsbedarf. Dieselbe Problematik in Coronazeiten, Leute können nicht arbeiten, weil sie Kinder zu betreuen haben, gäbe es bei JEDER denkbaren Care-Arbeits-Aufteilung.

Im Überlebensmodus greift man auf die Strukturen zurück, die man angelegt hat und hofft, dass sie tragen.

Das stimmt wohl auch. Es ist mir als Single eigentlich auch völlig egal, wie andere Menschen in normalen und in Krisenzeiten ihre Arbeit, Kinderbetreuung oder wasauchimmer organisieren. Uneigentlich:

Wir haben aber keine Gleichberechtigung auf Vorrat angelegt.

DER Artikel wäre eigentlich eine eigene Besprechung wert. Die Möglichkeiten, nicht irgendwelche imaginierten „Rechte“, sondern praktische Möglichkeiten, in der Krise Homeoffice zu machen, in die Firma zu fahren, Außendienst zu machen, in Kurzarbeit zu gehen oder überhaupt noch einen Job zu haben, sind je nach Beruf und Branche sehr unterschiedlich. Wenn also irgendein Paar nicht die Arbeitsteilung hat, die pinkstinks gerne hätte, ist das also nicht notwendigerweise die Schuld dieses Paares.

Und genau deswegen sieht es, wie eingangs erwähnt, leider gar nicht gut aus.

Prioritäten, liebe Leserschaft, Prioritäten.

Ein Gedanke zu “Pandemie der Probleme

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