Metawissen

Irgendwann in ferner Zukunft, wenn ich Zeit habe, werde ich die Der-Goldene-Kompass-Trilogie besprechen. Bevor die Welt sich wandelt.

Aber bis dahin nehme ich DEN Beitrag als Anlass, über Killer-Will zu reden. „Das Magische Messer“ (The Subtle Knife) ist mein Lieblingsteil der Trilogie, Will ist ein toller Chara, und meine Kritik an der Geschichte hat mit dem folgenden Detail wenig zu tun.

Es nervt mich nur ein bisschen.

Wer sich für die ganze Geschichte nicht spoilern will, hier eine kurze Zusammenfassung. Am Anfang von „Magisches Messer“ ist Will, ein zwölf-dreizehnjähriger Junge, allein zu hause, weil er mit einem Einbruch rechnet (oder ähnlichem Ärger). Sein Vater ist seit Jahren verschollen, seine Mutter, die er woanders untergebracht hat, leidet unter einer Geisteskrankheit, und er will nicht zur Polizei gehen, weil die möglicherweise das Jugendamt ruft. Stattdessen stellt er sich selbst den Einbrechern. Als einer die Treppe hochkommt, stürmt er aus der gegenüberliegenden Tür gegen den Einbrecher, der stolpert über die Katze, fällt die Treppe runter und bricht sich das Genick. Will flieht aus dem Haus und gerät wenig später in eine Parallelwelt, wo er auf Lyra trifft, die Protagonistin. Ok soweit, ist vllt. ein etwas großer Zufall, aber es war kein Mord. Wir können Wills Gedanken lesen, weil die da im Buch stehen, und da steht nichts von der Absicht, jemanden zu töten, weiterhin ist es eine Verkettung von Umständen, die zum Tod des Einbrechers führen, über die Will kaum Kontrolle hat – auch, wenn er offenbar eine gewisse Beziehung zu Katzen hat – und außerdem verteidigt er sich und das Haus, in dem er wohnt.

Aber er ist trotzdem ein Kind, so dass es verständlich ist, dass er sich selbst für einen Mörder hält (oder denkt, dass man ihn fälschlich für einen halten könnte).

Der Logikfehler entsteht, als Lyra ihr Alethiometer – der namensgebende Goldene Kompass – befragt, welches ein unfehlbares Wahrsagegerät ist, ob sie Will vertrauen könne. Mögliche Antworten wären mMn: „Ja“, „Nein“ und „Kommt drauf an“. Oder, wenn es ausführlich wäre: „Ja, er plant nicht, dich zu hintergehen.“ – „Ja, er ist ein verlässlicher Gefährte, der nicht absichtlich gegen deine Interessen verstoßen wird, und falls er irgendwann getrennte Wege gehen will, wird er es rechtzeitig sagen.“ – „Nein, er plant, dich zu hintergehen.“ – „Nein, er ist unzuverlässig, auch wenn er Dir nicht schaden will.“ – „Kommt drauf an, wie Du ihn behandelst.“ – „Kommt drauf an, ob er je zwischen Dir und einem seiner Elternteile entscheiden muss.“ (Ja, ich komme ins Labern.)

Was der Goldene Kompass ihr antwortet, ist: „Er ist ein Mörder.“ Im Original steht da „Killer“, es geht also nicht direkt um die juristische Definition. Punkt ist aber, dass Will an der Stelle in der Geschichte den Tod eines Menschen zwar verursacht hat, aber in einem so indirektem Weg und mit so wenig Absicht, dass ein Autofahrer, der durch Schneiden den Unfall zweier weiterer Autos mit einem Todesopfer auch ein „Killer“ wäre. Außerdem interpretiert Lyra das als „ja, man kann ihm vertrauen“, was mich eeetwas verwundert zurücklässt, weil der Kompass, wenn Lyra ihn benutzt, keine Ungenauigkeiten hinterlässt. Andere Orakel geben mit Absicht orakelhafte Antworten, damit sie hinterher immer sagen können: „Genau SO habe ich es doch gemeint.“ Aber hier? Eine Interpretation wäre, dass das heißen soll: „Will hat die generelle Willensstärke, jemanden zu töten, wenn nötig, was ihn zu einem wertvollen Verbündeten macht.“ Aber dann könnte das Alethiometer das doch auch genau so sagen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s