Batman vs. Superman vs. Theory of Mind

Weil ich nicht immer über nervig-übertriebene Frauenfiguren herziehen will, mal etwas Kontrastprogramm. Die wunderbare Welt von DC im Kino.

Nervig-übertriebene Männerfiguren.

In dem Fall: Lex Luthor.

Ich habe mir bei dem Film gefragt, ob es sein kann, dass Lex Luthor und der Joker ein und dieselbe Person sind. Ich meine, hat jemand man die beiden schon zusammen… Ja, hat man! Ok, aber vllt. war einer der beiden ein Doppelgänger, und das war alles nur ein Trick. Jedenfalls grinst Lex hier so verdächtig irre…

Wie auch immer, der titelgebende Konflikt rührt nicht nur daher, dass Batman und Superman in vielen Aspekten das Gegenteil voneinander darstellen, und auch nicht, dass sich Superman im Vorgängerfilm als gefährliches Alien erwiesen hat, dass seine friedlichen Absichten nicht annähernd unter Beweis gestellt hat, sondern Lex arbeitet daran, die beiden gegeneinander aufzuhetzen. Ok. (Marvel wird in Hinsicht auf Charakterentwicklung deutlich mehr gelobt, aber Luthor traue ich so eine Intrige eher zu als irgendsoeinem Typen aus Sokovia.)

Um den gefährliches-Alien-Winkel besser einzufangen, der Vorgängerfilm ist Supermans Entstehungsgeschichte. Die erste Hälfte vom Film handelt von Clarks Überlegungen, was er mit seinen Fähigkeiten überhaupt anfangen soll. In der zweiten wird er mit anderen Kryptoniern konfrontiert, die auf der Erde einen neuen Krypton errichten wollen, was seine Entwicklung zum Superhelden beschleunigt. Lange Rede kurzer Sinn, am Ende liegt halb Metropolis in Schutt und Asche, und er hat General Zod, dem Hauptgegner, das Genick gebrochen. Und eigentlich bringt Superman keine Leute um, uneigentlich ist er gerade erst Superman geworden und hat vllt. noch keine nicht-töten-Philosophie. Außerdem hatte er keine Möglichkeit, Zod festzunehmen. Und Zod hat es offenbar auch darauf angelegt. Er hat zwar ab und zu Leuten geholfen, ist aber nicht der strahlende Held, der andauernd abstürzende Flugzeuge auffängt oder Umweltkatastrophen verhindert oder sonstwie konstant beweist, dass er zwar ein Mensch mit Superkräften von einem anderen Plaaneten ist. Aus Sicht der Erdbevölkerung ist er möglicherweise nur das kleiner Übel im Vergleich zu Zod und dessen Leuten.

Jedenfalls, Luthor främt die beiden als verbrecherische Typen und stellt ihre bürgerlichen Iche einander vor. Wie er ihre Geheimindentitäten herausgefunden hat – was sonst immer die bestgehütesten Geheimnisse von Superhelden sind – weiß mal wieder nur der Gilb. Wayne wird er persönlich kennen, von irgendeinem Milliardärs-Stammtisch, und in den vielen Jahren, in denen Batman da schon aktiv ist, wird Luthor was aufgefallen sein. Bei Clark Kent wundere ich mich etwas mehr, weil Superman wirklich erst seit kurzem bekannt ist, dieser keine Maske trägt und theoretisch auch auf dem Mars wohnen könnte. Aber ja, „zufällig“ gab’s den ersten Kryptonier-Kampf in Smallville, Kansas. (Womit haben die eigentlich früher bezahlt – irgendsoeine Krypto-Währung). Jedenfalls ist ein Teil von Luthors Plan wohl herauszufinden, wie die beiden reagieren, wenn sie sich zum ersten Mal begegnen. Offenbar können sie sich nicht leiden, haben sich aber anscheinend nie zuvor getroffen. (Oder sie schauspielern gut, aber dann würden sie einfach Gleichgültigkeit vorspielen.) Jedenfalls hat Luthor jetzt Grund zur Annahme, dass das Aufhetzen überhaupt klappt. Abgesehen davon, das Wayne/Batman ein argwöhnischer Mensch ist und Superman/Kent ein gefährliches Alien, dessen friedliche Absichten zur Diskussion stehen.

Die eigentlichen Plotlöcher, die mMn den Film auch sehr belasten, fangen aber an, als Luthor Martha Kent entführt und Superman mit diesem Druckmittel auffordert, Batman zu töten. Ok, Superman hat seine Bio-Eltern und seinen Adoptiv-Vater verloren, ein viertes totes Elternteil wäre selbst für den Mann aus Stahl ein übler Tiefschlag. Aber da kommt jetzt alles zusammen: Martha ist nicht besonders gut versteckt vor einem Superwesen mit Röntgen- und Teleskop-Blick. Und wenn wer daraufhinweisen möchte, dass Luthor von diesen speziellen Kräften nichts weiß: Superman hat offenbar keinen Versuch unternommen, sie zu finden, was man daran erkennt, dass es ihm in deutlich unter einer Stunde gelungen wäre. Aber das ist noch nicht das eigentliche Loch in der Handlung. Das Loch ist bei Lex Luthor.

Er steht vor einem gefährlichen Alien, dessen Friedfertigkeit er gerade hart auf die Probe stellt. Wir – das Publikum – wissen, dass Superman nicht einfach mit Lex ein paar Kilometer hoch in die Luft fliegen wird, wo dieser gerade noch atmen kann, ihm sagt, dass er ihn jetzt loslassen wird, und dann solle Lex ihm sagen, wo Supermans Mutter ist, und wenn Superman sie retten könne, bevor Luthor unten ankommt, würde er ihn auffangen. Das ist Folter, Superman tut das nicht, und wir wissen das. Luthor aber nicht. Was stimmt nicht mit dem Typen? (Der Comic-Luthor, nach Jahrzehnten der Erzfeindschaft und zahlreichen Rettungsaktionen von Seiten Supermans wäre zuversichtlich, dass Supie ihn schon nicht ermordet und würde dergleichen Drohungen als Bluff durchschauen. Aber das ist halt ein Kontinuum, wo er das nicht wissen kann.) Jedenfalls, Luthor hat keine Theory of Mind bzgl. Supermans, und die Drehbuchautoren wissen vermutlich nicht mal, was das ist.

Außerdem, was war Luthors Plan B? Doomsday? Wenn Superman überlebt, muss Luthor Martha freilassen und hat ab dann kein Druckmittel mehr. Sowohl für ein kriminelles Genie wie Lex Luthor, als auch für einen kriminellen Wahnsinnigen, der aber psychologisch versiert ist, wie der Joker, ist dieser Plan recht mäh. (Warum sagt Luthor nicht einfach, dass Batman Martha entführt hat?)

Aber weil der spannende, namensgebende Konflikt so dämlich beendet wird, interessiert sich kaum jemand mehr dafür. Superman wird durch Kryptonit geschwächt und bittet Batman, in den letzten Zügen, „Martha“ zu retten. Wie rein zufällig auch Batmans tote Mutter heißt. Dem irritiertem Batman erklärt Lois, die gerade rechtzeitig auftaucht. was Superman meint. Weil Superman halt nicht mehr genug Superpuste für „rette meine Mutter!“ oder dergleichen hatte. Aber Kryptonier sind eben kryptisch. So hat der Name einer Frau und die Erklärungen einer anderen den Konflikt gelöst, den ein Mann ohne Einfühlungsvermögen ausgelöst hat und zwei Männer austrugen. Frauen gut, Männer böse. Wenigstens ist kein Mensch toxisch, auch, wenn er mit dem für Kryptonier giftigen Kryptonit kämpft.

Und dann taucht noch Wonderwoman auf, um gegen Doomsday zu helfen. Weil ein Film, der „x gegen y“ heißt, ja nicht vorbei ist, wenn der Kampf x gegen y vorbei ist.

Immerhin, Ruhm und Ehre dem Umstand, dass es keine Dreiecksgeschichte gibt. Eine Frau, zwei Männer, null Liebesdreieck. Die Welt wurde wieder einmal gerettet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s