Don’t shut up about plot holes

Ist schon ein älterer Beitrag, aber nunja.

tl,dw: Typ lästert über Leute, die über „Plotholes“ in Filmen lästern, Listen davon machen und das als Filmkritik benutzen. Okee, mache ich manchmal auch.

Zunächst mal ist das ein Fall, warum Definitionen wichtig sind. Die Definition, die im Video verwendet wird: „Film widerspricht den selbstgesetzten Regeln“ ist eigentlich die Definition von „logic bug“ oder Logikfehler.

Ein Plothole ist ein Loch in der Handlung. Ein Plothole im eigentlichen Sinne, nennen wir das Typ I, ist: „Ein (für die Geschichte relevantes) Problem wird irgendwann gelöst, ohne das gezeigt oder erklärt wird, wie.“ Also Fragen wie: „Wie ist Chara X von A nach B gekommen?“, „Wieso ist Gegenstand Y von Zustand 0 in Zustand I versetzt worden?“ und „Woher weiß Z das?“

Und im allgemeineren Sinne, Typ II, ist ein Plothole, wenn ein Problem zwar gelöst wird, aber es gibt (fürs Publikum) eine einfacherer Lösung, ohne dass erklärt wird, warum DIE nicht verwendet wird.

Und dann gibt es noch Anschlussfehler, Mist, der beim Schneiden passiert und sonstige Schnitzer im Filmhandwerk. Jedenfalls sind Typ-II-Löcher häufiger auch Logikfehler als Typ-I-Löcher, die offenbar oft einfach fehlende Szenen sind.

Im Video wäre Batmans Reise zurück nach Gotham City bspw. ein Plotloch nach Typ I, und Voldemorts Idee, den Feuerkelch als Portschlüssel zu verwenden, ein Plotloch nach Typ II.

Jetzt kann man sich für beides natürlich auch selber Erklärungen überlegen:

Bruce Wayne entkommt aus diesem Verlies, findet sich in der Steppe von Indien(?) wieder, nutzt sein Ninja-Training, um auf einen Bus oder Laster zu kommen, fährt in die jeweils nächstgößere Stadt, bis er in eine kommt, wo es eine Filiale von Wayne Enterprises gibt, wo er sein Milliardärstraining einsetzt, um ein Flugticket in die USA zu kaufen… Jedenfalls ist es absolut möglich, dass genau diese Figur in Gotham City ankommt, selbst, wenn das einen engen Zeitrahmen hat. Es wäre trotzdem interessant zu sehen, oder zu wissen.

Voldemort ist eine eitle Dramaqueen, die sich regelmäßig aufwändiger inszeniert, als es möglicherweise nötig ist. Vllt. können magische Gegenstände wie der Feuerkelch leichter verzaubert werden als ganz normale, unverzauberter. Vllt. fällt es beim Feuerkelch einfach nicht auf, wenn zusätzlich zum sonstigen Magiekram noch der Portuszauber darauf liegt. Aber es passt zu Voldemort, dass er angeben will. Er will vermutlich auch Harry deshalb erwischen, wenn dieser bestens vorbereitet ist und nicht abends auf dem Weg zum Klo abfangen, damit die Todesser hinterher nicht sagen: „Ein müdes, ahnungsloses Kind mit dem Todesfluch erwischen. Der dunkle Lord hat es einfach drauf.“ Jedenfalls könnte er irgendeinen Gegenstand, den Harry mal anfassen würde, in einen Portschlüssel verwandeln, aber dann könnte er auch irgendeinen Stein in einen Horkrux verwandeln, und so ist Voldemort eben nicht. Das ist tatsächlich eine Schwäche seinerseits. Das ist tatsächlich das eine Argument. Das andere ist, wenn es, abgesehen von Voldemorts Schwäche für dramatische Showdowns, tatsächlich einen praktischen oder magischen Grund für dieses Vorgehen gäbe, so würde Harry diesen nicht mitkriegen. Und weil Harry Potter aus der Perspektive von Harry Potter erzählt wird, müsste man hier die Erzählperspektive wechseln (oder Dumbledore erzählt ihn, aber pff…), was ein Bruch im Gesamtkunstwerk wäre, für den dieses Detail einfach nicht wichtig genug ist. Außerdem hieße der Film sonst: „Harry Potter und der zufällig herumliegende Gegenstand“. (Man spreche das bitte mit Coldmirrors genervt-gelangweiltsten Näselstimme aus, um zu spüren, was für eine dumme Idee das wirklich wäre.)

Und, um zu einem Ende zu kommen, manche Plotholes sind nicht so schlimm wie andere, manche machen tatsächlich eine Aussage über die Figuren, und manchmal sollen Dinge auch gar nicht erklärt werden. Der Rest ist dafür trotzdem nervig.

2 Gedanken zu “Don’t shut up about plot holes

  1. Erklärung zu Typ I: Nicht selten, z. B. bei deinem Beispiel „The Dark Knight Rises“, hat das erzählerische, dramaturgische Gründe. Der Film war zu dem Zeitpunkt recht fortgeschritten in seiner Erzählung und Dramaturgie. Da dann minutenlang zu zeigen, wie Bruce Wayne sich wieder nach Gotham durchschlägt, hätte den kompletten Spannungsbogen des Films nachhaltig beschädigt. In diesem Sinne: sinnvoll, es dem Zuschauer zu überlassen, sich auszumalen, was in den nicht dargestellten Tagen / Wochen passiert sein mag, denn eines ist gewiss: spannend war es sicher nicht (Typ reist per Anhalter in die nächste Stadt und fährt mit Bahn in die nächste Großstadt und bucht Flugticket in die USA).

    Ein sehr störendes Plot Hole dieser Art hatte ich in TLOU2. Ellie stellt dort im Krankenhaus eine von Abbys Freundinnen, verhört sie, es kommt zu einer Verfolgung, die in einem kontaminierten Bereich endet, wodurch die Verfolgte Infiziert wird und Ellie spricht nochmals mit ihr, ohne mehr aus ihr rauszubekommen als „Ich verrate meine Freunde nicht!“. Dann schlägt sie mit einer Eisenstange auf sie ein, was mit Sicherheit tödlich und somit das Ende des Gespräches ist. SCHNITT! Ellie kehrt zu ihren Freunden zurück und hat die Info, dass Abby im Aquarium ist. Woher hat sie diese Info. Ich habe mir zuletzt ALLE Gespräche genauestens angehört. Ellie kann das aus keinem davon gehabt haben.

    Aber Neil Druckman scheint eh Meister dieser Art von Plotholes zu sein. Ich denke da an Elenas plötzliches Auftauchen irgendwo mitten im Dschungel am Allerwertesten der Welt. Wie zum Henker ist sie da hingekommen? Bleibt auch alles völlig offen und wird nie in einem Dialog angerissen, obwohl das aus Nates Sicht die offensichtlichste und erste Frage hätte gewesen sein müssen.

    Mich stören im Übrigen auch Plot Conveniences sehr. Also dass Autoren quasi ihre Helden in extrem prekäre Situationen schreiben und dann diese aufgelöst werden durch plötzlich auftretende Zufälle. Das ist schon alleine aus erzählerischer und dramaturgischer Sicht übelster Stil, weil es die „Heldenreise“ beschädigt, wenn man ständig das Gefühl hat, der Held hat diese oder jene Situation nicht mit seinem Mut, seiner Cleverness, seiner Heldenhaftigkeit bewältigt, sondern eigentlich nur, weil er unfassbaren und irgendwie auch in der Ballung unglaubwürdigen Dusel hatte.

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