Verwandelt mehr Frauen in Tiere!

Jetzt mal wieder

Lasst auch nicht-weiße Charaktere in Trickfilmen menschlich sein!

Oder halt nicht-weibliche Charaktere.

In Animationsfilmen verwandeln sich BIPoC-Hauptcharaktere viel zu oft in Tiere. Warum das schade ist.

„Viel zu oft“ ist relativ. Wie oft wäre „oft genug“, wie oft „zu selten“? Nebenbei gibt es tatsächlich nicht-weiße menschliche Charaktere in Trickfilmen. Nein! Doch! Ohh!

(Den Spoilerteil habe ich übersprungen, vllt. sehe ich mir den noch an…)

Weiße Charaktere durchlaufen kaum Transformationen zum Tier

Auch „kaum“ ist relativ. Wie viele wären hier genug?

Ich habe da mal nachgezählt: Insgesamt hat Disney seit 1937 58 Filme in seiner Meisterwerke-Reihe veröffentlicht.

hier

Darunter 20 Filme mit weißen Hauptcharakteren und elf Filme mit BIPoC-Protagonist*innen.

Ja, die Weißen müssen nicht gegendert werden. Sorry Belle.

Die restlichen Filme drehen sich um Tiere und Objekte.

Jaaa, philosophische Frage: ist Winnie Pu ein Tier oder ein Objekt? Nebenbei, wenn knapp die Hälfte aller Protagonisten in Disneyfilmen Tiere sind, scheint Disney Tiere ja ganz gern zu haben, so dass die Verwandlung in solche evt. keine Verschlechterung sein soll.

In drei der insgesamt elf Filme, also gut 25 Prozent, werden die nicht-weißen Hauptcharaktere in Tiere verwandelt. Bei den 20 Filmen mit weißen Leads trifft das nur in zwei Fällen zu, nämlich beim Biest in „Die Schöne und das Biest“ (1991) und beim weniger bekannten Film „Die Hexe und der Zauberer“ (1963).

Bei „Die Hexe und der Zauberer“ liefern sich die Titelfiguren ein Gestaltwandelduell. Aber gemeint ist wohl der Junge Floh, der in verschiedene Tiere verwandelt wird, um bestimmte Lektionen zu erlernen. Bei pingeliger Aufzählung sind das sogar DREI Weiße in einem Film, die sich in Tiere verwandeln bzw. verwandelt werden.

Pixar hat bisher 23 Spielfilme veröffentlicht, darunter fünf mit weißen Hauptcharakteren („Die Unglaublichen“ Teil eins und zwei, „Oben”, „Merida”, „Alles Steht Kopf”), zwei mit nicht-weißen Hauptcharakteren („Soul” sowie „Coco” aus dem Jahr 2017), der Rest dreht sich um Tiere und Gegenstände.

Die Hauptfiguren in Toystory sind zwar Spielzeuge, also Gegenstände, sehen aber aus wie Weiße. Ist ja nett, dass da der Weißenanteil runtergerechnet wird, aber naja. Nebenbei, wenn man Nebenfiguren mitzählt, gibt es in Merida eine Schottin – so weiß, wie man als Nicht-Albino sein kann – die ebenfalls Tierform annimmt. Aber gut, die Filmliste bei Pixar ist vielleicht auch nicht lang genug, um da eine Tendenz abzulesen.

Ich glaube nicht, dass hinter diesem Narrativ eklatanter Rassismus steckt. Angesichts existierender rassistischer Stereotype, die bestimmte Menschen mit Tieren gleichsetzen und somit abwerten, hat es aber einfach einen faden Beigeschmack, wenn animierte BIPoC zu Tieren verwandelt werden und nicht als Menschen agieren dürfen, während das bei weißen Figuren fast nie der Fall ist.

Ja, die Rubrik heißt übrigens „female gaze“. Ich stelle fest, dass von fünf Hauptfiguren, die bei Disney Tiergestalt annehmen, vier männlich sind. Das heißt, von zwölf menschlichen Protagonistinnen (ohne Arielle) wird nur eine „zum Tier“. Also seltener als Weiße. Weiterhin stellt sich die Frage, ob Micky Maus als Tier gilt? Wenn nicht, als Weißer? Was ist mit Mogli (PoC) und Tarzan (Engländer), die sich zwar beide nicht in Tiere verwandeln, aber mit ihnen sprechen können und im Dschungel leben? Was ist mit Robin Hood (noch ein Engländer), der als anthropomorpher Fuchs gezeichnet wird? Er verwandelt sich zwar nicht in ein Tier, wird aber mit tierischen Eigenschaften dargestellt, was bezüglich Assoziationen und Konnotationen wenig Unterschied macht, würde ich sagen. Was ist mit „Basil, der Mäusedetektiv“, der die tierische Version von Sherlock Holmes (Engländer III) darstellt? Oder „Oliver und Co.“? Oliver Twist – ratet mal dessen ursprüngliche Staatsbürgerschaft – als Kätzchen, aber in New York. Und was auch immer die Leute in „Der Schatzplanet“ sein sollen; die Hauptperson, ein (englischer) Junge namens Jim Hawkins, sieht ja noch recht menschlich aus, aber der Rest… jaaa, es gibt auch Engländer, die nicht weiß sind, aber die literarischen Vorlagen dieser Disney-Tiermenschen stammen alle aus dem Mittelalter bzw. der Kolonialzeit, wo der Anteil hellhäutiger Menschen dort besonders hoch war. Mit dem erwähnten Floh (dem späteren König Arthur (von England)) und Alice im Wunderland, die sich nicht in Tiere verwandelt, aber ihre Größe verändert, scheint für Disney England das Epizentrum gestaltwandlerischer Umtriebe zu sein. ENGLAND. Das Epizentrum der Melaninmangelmutanten ist natürlich weiterhin Schottland, aber trotzdem. Demgegenüber: ein Franzose (das Biest), ein Inka (Lama), ein nordamerikanischer Ureinwohner der Eiszeit (Bär) und eine Afroamerikanerin (Frosch). Quoten-Nicht-Engländer, alle miteinander.

Wie auch immer, die Tier-Mensch-Grenze ist bei Disney sowieso recht unscharf, so dass es etwas irreführend ist, nur Hauptfiguren in die Statistik einzupflegen, und nur die konkrete Verwandlung Mensch-Tier, aber wenn man das schon tut, dann wird das Narrativ „Frauen werden seltener zum Tier“ mindestens so bedient wie „Weiße werden seltener zum Tier“. Aber Ersteres ist ja „woke“.

Nebenbei, ist Arielle eine Weiße? Sie hat helle Haut und rote Haare. Sie ist aber kein Mensch, der sich in ein Tier verwandelt, sondern ein Tier-Mensch-Mischwesen, das ein Mensch wird. Ist das schon das „Frauen werden nicht nur seltener zum Tier, sondern hören auch noch öfter auf, ein Mischwesen zu sein“-Narrativ?

Zum Glück gibt es noch Pinocchio. Eine Pflanze (Baum) wird ein Gegenstand (Holzpuppe), dann teilweise ein Tier (Esel), stirbt (Leiche) und wird als Mensch (Junge) zum Leben erweckt. Ein weißer, männlicher Mensch. Der aber zur Abwechslung Italiener ist.

Puuuh, Klischee vermieden.

Jedenfalls, „fast nie der Fall“ ist irreführend, wenn es mehr nicht-weiße Figuren gibt, die NICHT als Tiere, Mischwesen oder anthropomorph dargestellt werden, und wenn es gleichzeitig viele doch-weiße Figuren gibt, bei denen das schon der Fall ist.

Indem Animationsfilme die wenigen nicht-weißen Figuren in Tiere oder andere Wesen verwandeln, wird die geringe Bildschirmzeit nur noch mehr gekürzt.

Dafür passiert das mit männlichen Figuren, um deren enorme Bildschirmzeit zu verkürzen. Ist doch schön.

Wieso ist es überhaupt wichtig, dass BIPoC auch in Animationsfilmen repräsentiert werden? Die Antwort ist simpel: Die Zielgruppe sind Kinder. Und die sehnen sich nach Identifikationsfiguren. Mulan, Chihiro, Phoebe aus „Hey Arnold!“

Mit (Zeichentrick)-Mulan und Chihiro (Phoebe kenne ich nicht) kann ich mich auch so identifizieren. Magic!

Wichtig ist dabei übrigens, dass es Identifikationsfiguren mit positiven Attributen gibt

Ja, aber dann haben die bei Realfilm-Mulan hart übertrieben. Ich verstehe ja, dass man sich als Mädchen mit ostasiatischen Vorfahren am liebsten mit einem ostasiatischen Mädchen identifiziert, und am allerliebsten mit einem, dass tatsächlich irgendwas gut kann. Aber wenn jemand nur makellose Supermenschen als Vorbild akzeptieren würde – ich behaupte nicht, dass die Autorin das so sieht, aber anscheinend Disney – wäre dieser jemand sehr fragwürdig.

Journalismusprofessor Hemant Shah erklärt, dass Kinder bei angemessener „racial representation“ lernen, wie eine diverse Gesellschaft aussehen könnte.

Wie die Hunde und Katzen, die in „Oliver und Co.“ Freunde sind?

Umgekehrt kann die Darstellung von rassistischen Stereotypen zur Verinnerlichung dieser führen.

Engländer, immer diese Engländer.

Wenn es um rassismuskritische Perspektiven im Zusammenhang mit Animationsfilmen und -serien geht, scheint die Diskussion erst richtig angefangen zu haben.

Ja, den Eindruck habe ich allerdings auch. Ist Arielle jetzt weiß oder nicht?

Im Zuge der Black Lives Matter-Bewegung traten einige weiße Synchronsprecher*innen, die Schwarze und Charakteren of Color ihre Stimme liehen, zurück.

Jaaaa, echt jetzt? Kann man die Hautfarbe anhand der Stimme erkennen? Die Eltern von Simba sind dieselben wie die vom Prinz aus Zamunda. Zum Glück ist Simba nicht Eddie Murphy. Heißt das jetzt, das Löwen schwarz sind?

Es stellte sich die Frage, wer überhaupt wen sprechen darf.

Wie die völlig sachliche Debatte, ob eine Frau aus Israel eine gebürtige Ägypterin darstellen darf. Und wer dürfte Fantasywesen sprechen? Und was ist mit Synchronsprechern – muss die Frau, die Mulan in Swaheli synchron-spricht, ostasiatische Vorfahren haben?

Studios versuchen zudem diverse Beratungsteams zusammenzustellen, um bei der Darstellung unterschiedlicher Kulturen keine Stereotype zu bedienen.

Achwas? Stereotype über Männer stören doch auch niemanden. Ok, Indianer, Chinesen und Araber, die einfach nur Klischees sind, ist nichts, was man in Kinderfilmen, oder Erwachsenenfilmen, was das betrifft, zeigen sollte. Aber eine Geschichte, in der sich ein Mensch in ein Tier verwandelt, ist offensichtlich fantastisch und stellt nicht die Wirklichkeit dar.

Ein Gedanke zu “Verwandelt mehr Frauen in Tiere!

  1. Autoren lassen ihre Charaktere sich in Tiere verwandeln, weil sie eine gute Geschichte erzählen wollen. Schlimm die heutigen Zeiten, überall lauern missgünstige Gestalten, die einen Rassismus und Sexismus anhängen wollen. Man darf gar nichts mehr. Spaß verboten. Die Autoren der Asterixreihe z.B. merken an, dass es sehr schwer geworden ist, unterhaltsame Literatur zu schaffen, die politisch korrekt ist.

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