Keira Knightley

Keira Knightley dreht keine Sexszenen mehr.

Waaaaas

Ach, nicht so schlimm, ich sehe sie tatsächlich mehr wegen der tollen Charakterdarstellung an. Und, weil ich sie immer mit Natalie Portman verwechsle. Außerdem dreht sie ja nicht gar keine mehr, sondern nur keine vor Männern.

Keira Knightley hat in ihrem Leben viele Sexszenen gedreht – vor allem für Filme, die von Männern gemacht wurden.

Jaaaa, es gibt mehrheitlich männliche Regisseure in Hollywood.

Drei Beispiele: „Niemandsland“ (2019, Regie: James Kent), „Abbitte“ (2007, Regie Joe Wright), „Colette“ (2018, Regie: Wash Westmoreland).

Ich kenne ehrlich gesagt nur die „Szene enthält einen Lapdance“-Stelle in „Domino“. Und an die zwei Stellen in „Black Swan“. Könnte es sein, dass Sexszenen gar nicht SO wichtig sind?

Jetzt sagte die 35-Jährige im Podcast „Chanel Connects“, sie habe keine Lust mehr, dem „male gaze“ ausgesetzt zu sein.

Ja, ok. Hauptsache, sie kloppt sich mit Frauen. „Sind das Pickel oder Mückenstiche?“ – „Hast Du Dir die Nase machen lassen?“ – „Nein.“ – *ZACK!* SO, liebe Kinder, wird der Bechdel-Test bestanden!

Dieser Begriff bezeichnet einen sexualisierten, männlichen Blick auf Frauen und den weiblichen Körper.

Ach? Das ist der Grund, warum manche Frauen Schleier tragen.

Aus diesem Grund werde sie keine Sexszenen mehr vor einem männlichen Team unter einem männlichen Regisseur drehen.

Hurra, mehr Regisseurinnen, Kamerafrauen, Beleuchterinnen und weibliche [wie die Leute mit der Klappe heißen]. Und die Sexszene ist dann natürlich auch ohne männlichen Schauspieler, sondern entweder mit einer (imaginären) Frau (z.B. Mila Kunis), oder komplett alleine. Weil die Filmfigur in „Black Swan“ AUCH einen (männlichen) Regisseur hat, der sie auf ihre Masturbationspraktiken anspricht. „Black Swan“ hat das Thema also problematisiert. (Bitte nicht falsch verstehen, das IST tatsächlich übergriffig und trägt zu der Gesamtproblematik bei.)

Nach zwei Jahrzehnten im Schauspiel-Business, sagte Keira Knightley, sei sie sich des männlichen Blicks bewusst geworden – und der Tatsache, dass dieser oft die Art und Weise bestimmt, auf die Sex und vor allem Frauen beim Sex im Film dargestellt werden.

Blitzmerkerin. Jetzt wäre eine Sexszene mit einer komplett weiblichen Crew, die aber alle Heteras sind, nur die halbe Miete, weil im Kino trotzdem Männer sitzen.

„Ich möchte einfach nicht mehr nackt vor einer Gruppe von Männern stehen“, sagte sie.

Ganz vorsichtig formuliert: jetzt ist sie so gut etabliert, dass sie sich das leisten kann. Wenn andere Schauspielerinnen das sagen, heißt es: „Gut, dann nehmen wir eine, die das macht.“

Es sei wahnsinnig wichtig, mehr Frauen in mächtige Positionen in der Filmbranche zu bringen, als Regiseurinnen und Producerinnen.

Ähh, heißt das nicht „Regisseurinnen und Produzentinnen“? Ich bin ja schon froh, dass die explizit weibliche Form nicht gegendert wird, aber trotzdem.

Wenn sie zu einem Mann sage: „Eine Frau würde das niemals machen“, dann sei die Antwort meist: „Ja, okay, aber mach es trotzdem.“

Es gäbe für alles eine Frau, die das realiter macht. Es gäbe auch eine Regisseurin, die dann genau das sagt. Außerdem, ist „Domino“ jetzt eine realistische Darstellung des Kopfgeldjägerdaseins? Wenn nein, wieso sollten Sexszenen realistisch sein?

Natürlich gebe es Momente, in denen Sex notwendig für die Geschichte sei.

Ja, ne, ist klar.

Dafür brauche es dann aber einfach eine Person, „die heiß aussieht“

Mila Kunis?

das könne dann auch ein Körperdouble tun, sagt sie.

Natalie Portman ist für sowas aber inzwischen zu teuer, oder?

Ob sie dann einfach andere Frauen dem „male gaze“ aussetzen wolle, wird im Podcast nicht thematisiert.

Irgendwann ist die CGI SO gut, dass man auch keine Körperdouble mehr bräuchte…

Und nennt als weiteren Grund ganz offenherzig auch ihre eigene Eitelkeit – sie habe zwei Kinder zur Welt gebracht (ihr zweites Kind wurde 2019 geboren) und habe keine Lust mehr auf klassische Sexszenen, in denen „alle eingeölt sind und grunzen“. 

Wie, eingeölt? Ich dachte, Hollywoodstars hätten alle diese tolle Haut? Ich fühle mich enttäuscht und betrogen.

Es gebe durchaus Momente, in denen sie sich vor der Kamera ausziehen würde, sagt Keira Knightley. Aber nicht, um sich für den männlichen Zuschauer möglichst heiß in Szene zu setzen, im Gegenteil.

Gegenteil hieße: „Zuschauerinnen“? Ich frag für eine Freundin.

Regie müsste eine Frau führen.

Ich gehe davon aus, das auch Regisseurinnen Ahnung haben, wie man etwas für die Heteros in Szene setzt. Ist ja nicht so schwer zu verallgemeinern.

Sie nennt ein Beispiel: „Wenn es um die Mutterschaft ginge, darum, wie außergewöhnlich dieser Körper ist, darum, dass man plötzlich diesen Körper, den man kennengelernt hat und der einem gehört, auf eine ganz andere Art und Weise sieht und dass er sich auf eine Art und Weise verändert hat, die für einen unergründlich ist, bevor man Mutter wird, dann ja, dann wäre ich total bereit, das mit einer Frau zu erforschen, die das verstehen würde.“

Ok, „Prometheus“ war in Hinsicht auf Geburt und Schwangerschaft eher so suboptimal. Wie in den meisten anderen Hinsichten auch. Also braucht sie einen Film, wo sie eine Schwangere spielt. Alles klar. (Klar haben auch Schwangere Sex, aber eine Fußballerin, eine Teilzeitpiratin in der Kolonialzeit oder eine Piktin, die mit König Arthur den Brexit vollzieht – Britannia exit imperio romano – sind eigentlich interessantere Rollen.)

 „Es ist brutal für junge Frauen in diesem Business“, sagt Keira Knightley im Podcast.

Das ist wohl auch so. Mehr Angebot als Nachfrage. Weshalb die Diskussionen darüber, was man bei Sexszenen alles machen muss, aus einer schlechten Verhandlungsposition für die Schauspielerin geführt werden. Insofern sind Vertrauenspersonen für solche Filme ein Verbesserung. Mehr, als die Frage, welches Geschlecht die Regie übernimmt.

Und erinnert sich auch an die Massen von Paparazzi, die sie verfolgten und eine „Schlampe“ nannten, um sie zum Weinen zu bringen – ein solches Bild sei wertvoller gewesen als eines, auf dem sie lächelte.

Ja, Paparazzi sind eine Pest. Wir brauchen mehr Paparazze. (Plural von Paparazza. Femininum von Paparazzo.)

„Als ich jünger war, habe ich meist gemacht, was man mir gesagt hat“, sagt sie rückblickend. Das sei heute anders.

Was – wie gesagt – daran liegt, dass sie sich das jetzt leisten kann. Gönne ich ihr ja auch. Ist aber nicht zuende gedacht.

Wenn Frauen nur noch vor Frauen Sexszenen drehen – drehen dann Männer Sexszenen nur noch vor Männern? „Sorry, nichts gegen Heteroas, aber explizite Beziehungen nur noch in homosexuell!“ Ich glaube, so lange müssen wir auf komplette CGI-Sexszenen auch nicht mehr warten, dann ist das Thema durch.

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