„Maskulistisch“? – egal

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„RASSISTISCH“ – NA UND?

Polemik ist wie nackte Haut: Irgendwer guckt immer!

Einst kam die Zensur von der konservativen und moralistischen Rechten.

„Zensur“ kann nur von Leuten kommen, die genug Macht dazu haben. Das waren mal Rechte und mal Linke.

Nunmehr entspringt sie der Linken; oder vielmehr einer bestimmten, nämlich ihrerseits moralistischen und identitären Linken.

Ich bin eigentlich kein Freund davon, den Zensur-Begriff allzuweit auszudehnen, aber wenn alles, worüber sich jetzt im Folgenden beschwert ist, „Zensur“ ist, dann kann man den „Zensurvorwurf“ auch auf die „Emma“ selbst anwenden.

Wenn sie doch nur gegen die wirklichen Gefahren anschriee: die extreme Rechte und den wiederaufkommenden Wunsch nach kultureller Herrschaft!

Wenn Zensur doch nur von den richtigen Leuten eingesetzt würde! Oder jedenfalls gegen die richtigen Leute! Also, in einer idealen Welt zensieren die richtigen Leute die Leute, die es verdienen. Hurra.

Aber nein, sie streitet für nichts, ereifert sich über alles und wettert gegen Stars, Werke und KünstlerInnen.

Das stimmt, und das halte ich auch für fragwürdig, aber nun, Emma wettert eher nur gegen männliche Künstler. Wenn das der einzige Unterschied ist, wäre ich tatsächlich mehr auf Seiten der linken Moralisten.

Das Zeitgeschehen schäumt über vor unsinnigen Kampagnen, die im Namen der kulturellen Aneignung geführt werden.

Solange die Franzosen mich nicht JEDESmal um Erlaubnis bitte, bevor sie irgendwas von Beethoven spielen…

Man rebelliert gegen Rihanna wegen ihrer angeblich „afrikanischen“ Zöpfe

Okeee. So, wie sie aussieht, ist es nicht ihre Schuld, dass sie keine Afrikanerin ist, weil ihre Vorfahren nicht freiwillig den Kontinent verlassen haben.

man ruft dazu auf, Jamie Oliver zu boykottieren, weil er einen „jamaikanischen Reis“ kreiert hat

Wer ist Jamie Oliver?

in Kanada fordern Studenten die Streichung eines Yogakurses, um sich bloß nicht die indische Kultur „anzueignen“

Ja, das ist albern. Wer nicht will, muss ja nicht hingehen.

an amerikanischen Universitäten fahnden sie nach asiatischen Menüs in der Mensa

Warum nicht nach europäischen?

Indessen weigern sie sich, klassische Werke zu studieren, da diese „beleidigende“ Passagen enthielten

Hachja Ok, geht nicht explizit um „klassische“ Werke, aber das eine ist die logische Konsequenz vom anderen.

Man nimmt Anstoß am geringsten Widerspruch, der als „Mikroaggression“ wahrgenommen wird, was so weit geht, dass man „Safe spaces“ fordert: sichere Räume, in denen die Leute unter sich bleiben und lernen, dem Anderssein und der Debatte zu entfliehen.

Wie die Emma-Redaktion?

Selbst das Rederecht wird einer Genehmigungspflicht unterworfen, je nach Geschlecht und Hautfarbe.

Jaaaa, wie sind die wohl auf die Idee gekommen, Rederecht nach Geschlecht zu ordnen? Nach Hautfarbe ist dann immerhin die logische Konsequenz.

Frankreich hält sich noch ziemlich gut. Doch gehen auch in diesem Land bereits Gruppen von Studenten gegen Ausstellungen und Theaterstücke vor,

Ohnein, wie schrecklich! Kennt Ihr noch das Titanic-Cover?

um deren Aufführung zu unterbinden, oder einen Redner, der ihnen missfällt, am Reden zu hindern.

Kachelmann halt.

Manchmal zerreißen sie auch seine Bücher.

Also, buchstäblich jetzt, nicht metaphorisch? Uhhhhhhhh

Autodafés, die an das Schlimmste erinnern.

Ja, genau. Spanische Inquisition. Was sonst?

Diese Kulturpolizei geht von keinem autoritären Staat aus, sondern von der Gesellschaft und insbesondere von einer Jugend, die „aufgeweckt“ sein will, weil ultraempfindlich gegen jedwede Ungerechtigkeit.

HAHHAHAHAahHaHaHAhAhahAhAHAhAhAhHaHAhAhhaahHa. Genau wie gewisse andere Feministinnen, die ich nennen könnte und die auch mal jung waren oder wie?

Was großartig wäre, wenn sie dabei nicht auf Unterstellungen und inquisitorische Methoden verfiele.

Emma-Chefredaktuerin und -verlegerin hat mal für die BILD über den Kachelmann-Prozess berichtet. Ohne Erfahrungen als Gerichtsreporterin, wobei man DAS natürlich auch mit einer geeigneten Kollegin hätte machen lassen können. Jetzt könnte man denken, etwas komisch, dass ausgerechnet Schwarzer ausgerechnet für BILD schreibt, aber so erreicht sie Leute, die eher nicht EMMA lesen, und zeigt denen mal, wie guter Journalismus geht. Ist aber falsch. Eine recht deutliche Erwartungshaltung ihrerseits, wie der Prozess hätte ausgehen sollen, war wohl recht offensichtlich.

Die Millennials gehören weithin einer identitären Linken an, die den wesentlichen Teil der antirassistischen Bewegungen und der LGBTQI-Szene beherrscht und sogar den Feminismus spaltet.

Also bitte! DEN Feminismus gibt es doch gar nicht – wie kann man ihn da spalten?

Ohne einen Aufschrei wird ihr kultureller Sieg vollständig sein.

Ich dache, die identitären Rechten…? Nein.

Der Einfluss ihrer Netzwerke auf Gewerkschaften, Fakultäten und politische Parteien wird größer, und sie gewinnen die Oberhand über die Welt der Kultur.

Ja, stört Euch das jetzt erst? Oder stört es Euch, das IHR keinen kulturellen Einfluss habt?

Ihre Kabale lasten immer schwerer auf unserem geistigen und künstlerischen Leben.

Jetzt ist es plötzlich „unser“ geistiges und künstlerisches Leben? Ja, dankeschön. Und wenn man schon ein Wort für „Intrige“ verwendet, vllt. nicht eines, das ausgerechnet aus dem Hebräischen kommt? Nicht wegen kultureller Aneignung jetzt, sondern wegen der jüdischen-Weltverschwörungs-Klischees? (Ja, Klassiker: Schiller wollte „Kabale und Liebe“ „Louise Millerin“ nennen.)

Selten bringt jemand den Mut auf, ihnen zu widersprechen.

Außer Caroline Fourest jetzt, unterstützt von den wackeren Widerstandskämpferinnen der EMMA. Bundesverdienstkreuz anyone?

Einerseits blüht, dank Nachgiebigkeit und Deregulierung, das Geschäft mit der Aufstachelung zum Hass, zur Lüge und zur Desinformation wie noch nie, geschützt im Namen der Redefreiheit.

Was viele Feministinnen auch ordentlich ausnutzen…

Andererseits genügt es, dass eine kleine Gruppe von Inquisitoren sich für „beleidigt“ erklärt, um Entschuldigungen eines Stars oder die Zurücknahme einer Zeichnung, eines Produkts oder eines Theaterstücks zu erwirken.

Manche Sachen sind wirklich schlimm, manche nicht, und manche sind Geschmackssache. Wer aber – wie Frau Schwarzer – nicht nur von Kunstwerke, sondern auch von Gerichtsurteilen „beleidigt“ wird, ist vllt. nicht die allerbeste Verlegerin und Chefredakteurin für solche Beschwerden.

Gestern kämpften Minderheiten gemeinsam gegen Ungleichheiten und patriarchale Herrschaft. Heute kämpfen sie, um herauszufinden, ob der Feminismus „weiß“ oder „schwarz“ ist.

Naidoo so: „Niemand nimmt mich ernst. Nur weil ich Schwarzer bin.“ Seehofer so: „Keiner mag mich, nur weil ich Schwarzer bin.“ Emo so: „Alle machen sich über mich lustig. Nur weil ich Schwarzer bin.“ Alice so: „Männer ey – was soll ich denn sagen?“

Weit entfernt davon, die ethnisierenden Kategorien der suprematistischen Rechten in Abrede zu stellen, bestätigt diese identitäre Linke sie und schließt sich selbst darin ein.

Ja, wenn Feminismus in Männerfeindlichkeit nicht nur umschlagen kann, sondern es auch tut, was dachtet Ihr denn, wohin Antirassismus umschlägt? Bitte nicht verallgemeinern, es gibt tatsächlich Feministen und Antirassisten – alles mwd – die genau DAS nicht tun. Aber nunja…

WIR DÜRFEN DIE ABSURDEN ANSCHULDIGUNGEN KULTURELLER ANEIGNUNG NICHT HINNEHMEN

Ihr eignet Euch doch eh nichts an. Ihr interessiert Euch für nichts, was Männer gemacht haben. EUCH kann das total egal sein. Heult doch.

Der Generation Y, den Millennials, sind Sklaverei, Kolonialismus, Deportationen oder Stalinismus gänzlich unbekannt.

Das mag mit ein Grund sein, ja. Ist aber tatsächlich nur der halbe Grund, weil einerseits nicht alles eitel Sonnenschein ist, und andererseits auch ältere dabei mitmachen.

In einem Dossier zum Thema „Rassenbesessenheit“ beschreiben Étienne Girard und Hadrien Mathoux, zwei Journalisten der linksliberalen Zeitschrift Marianne, den „Krieg der Fakultäten“, der sich in Frankreich vor allem in der Soziologie abspielt.

Soziologie ist eben keine Naturwissenschaft. Und keine Ingenieurwissenschaft. Es ist natürlich die Wissenschaft davon, wie die Gesellschaft ist, aber es gibt da auch Leute, die eine Meinung dazu haben, wie sie sein soll. Sowas passiert bei Zoologen eher selten.

Das Ergebnis ist deutlich: Die Universalisten haben verloren, und die Identitären haben sich überall fest etabliert.

Ja, gut, dass Emma-Feminismus nicht für Universalismus steht, woll?

In der öffentlichen Meinung jedoch befindet sich die postmoderne Linke im freien Fall. Wann immer sie das Wort ergreift, gewinnt die Rechte an Bedeutung.

Ja, wenn man sieht, was Rechte so raushauen, ist es für die wirklich die schlauere Strategie, die Linke was raushauen zu lassen und dann zu sagen: „SO dumm sind wir ja zum Glück nicht.“ (Es gibt auch Linke, die NICHT identitär sind, oder höchstens in Klassenfragen. Aber hey!)

Anstatt sie zu lehren, beim Urteilen stets Intention und Kontext zu berücksichtigen

DER war gut. Also, wenn es aus der Emma kommt.

Lange ist es her, dass das Unglück die Unterdrückten sowohl mit Würde als auch mit einem dicken Fell ausstattete.

Jaja, die Jugend von heute – dass „der“ Feminismus Frauenprobleme in d. weitgehend gelöst hat, so dass Gratis-Tampons und B*innen-Stern die verbleibenden HAUPTprobleme sind, fällt irgendwie niemanden auf. Jedenfalls niemand, die oder der mit eine Zeitung darüber Geld verdient.

Wenn man der Redefreiheit jedes Mal Einhalt gebietet, sobald eine Gruppe oder eine Person daran Anstoß nimmt, wird jede Diskussion, ja jede bloße Unterhaltung und sogar die Demokratie erstickt.

Einerseits ja, andererseits ist es jetzt nicht so, dass Feministinnen von vor Generation Y so super offene Gespräche führten.

Aus diesem Höllenkreis muss man ausbrechen, indem man all das nicht länger geschehen lässt; indem man sich weigert, diese inquisitorische und sektiererische Vorstellung von Identität und Kultur ernst zu nehmen.

Die Wiederholung des Begriffes inquisitiorisch ist antikatholisch, nebenbei. „Stasimäßig“ wäre genauso gut als Metapher.

In einem glänzenden und durch Belege gestützten Pamphlet

Pff, Belege.

klagt der amerikanische Politologe Mark Lilla die identitäre Linke an, sie habe „Amerika in Stücke gehauen“.

Ach, zu viel der Ehre. Die Rechte hat da fleißig mitgemacht. Linke und Rechte, vereint gegen den gemeinsamen Feind!

Der Traum fluider Identitäten, freier Sexualitäten, des Transkulturalismus und einer gemischten Gesellschaft bezeichnet das genaue Gegenteil der Welt der identitären Linken, die sich von Konflikten, die die Menschen in ihre jeweilige Schublade stecken und Opferkonkurrenz nährt.

Also, keine Frauenquote demnach?

Wie auch immer, wenn es ok sein soll, sich evt. „rassistisch“ nennen zu lassen, um eine gleichberechtigte Gesellschaft zu ermöglichen, dann sollte „maskulistisch“ ja erst recht ok sein.

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