Im Merzen ist man kummervoll…

… man weiß nicht, was man sagen soll.

Stellvertretend für alle merzkritischen Journalisten die taz.

Als katholischer Wham aus NRW kann es mir ja egal sein, welchen Vertreter meiner Gruppe (und Spahn) die CDU für den Vorsitz wählt. Ich wähle die eh‘ nicht. Aber die taz und viele, viele andere CDU-nahe Medien machen sich natürlich Sorgen, dass der, die oder sogar das Beste, was die Partei zu bieten hat, potentieller Kanzlerkandidatus/a/um wird, woll?

Zwischendurch hatten wir uns kurz mal ein bisschen erschrocken.

Wir CDU/CSU-Wählerinnen und/oder Wähler, natürlich nur.

Da hatte Friedrich Merz Ende Oktober letzten Jahres wegen der Verschiebung des CDU-Parteitags angesichts der steigenden Coronazahlen getwittert „Es läuft seit Sonntag der letzte Teil der Aktion ‚Merz verhindern‘ in der CDU.

Joah, die CDU ist dermaßen intrigant, die wählen ihn einfach nicht, die tricksen rum, um ihn nicht nicht-wählen zu müssen. Klar, Laschet hatte so ein paar Wochen mehr, sich als Krisenmanager zu profilieren. Aber das kann ja auch eine pro-Merz-anti-Laschet-Taktik gewesen sein. Ich meine, wo hat DER sich denn bitte profiliert?

 Und das läuft mit der vollen Breitseite des Establishments hier in Berlin.“

Wer zweimal mit denselben pennt… Ok, Merzens Theorie einer Verschwörung gegen ihn macht ihn zu einem Verschwörungstheoretiker. Warum sollte man ihn genug Macht geben, um auch Verschwörungspraktiker zu werden?

Plötzlich klang der biedere Neunziger-Jahre-Mann wie eine Art Sauerland-Trump, der als millionenschwerer Geldsack im Privatflieger gegen die Eliten wettert…

Ein bisschen schon. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

Dumm nur, dass nicht immer, wenn jemand sich wie ein verwöhntes Einzelkind aufführt, das es gewohnt ist, seinen Willen sofort und nicht erst zu Weihnachten erfüllt zu bekommen, die Leute gleich den dringenden Wunsch verspüren, das Kapitol zu stürmen – oder doch wenigstens das Sauerland-Museum in Arnsberg.

Was haben die gegen das Sauerland? Kann ja nicht jeder arm, aber sexy in Berlin leben.

Zum einen sind die Delegierten des CDU-Parteitags halt weniger Establishment als vielmehr Kreisvorsitzende von Villingen-Schwenningen-West

Und die sind nicht etabliert, weil… Doppelname?

 die dann eben doch die Triage bedrohlicher als das Trio Merkel/Laschet/Kramp-Karrenbauer finden.

Ja, sowas. Ich würde eher sagen, dass das Establishment eher aus älteren Jahrgängen besteht, und die wählen eben eher Leute ihrer Altersklasse. Wenn Merz trotzdem nicht gewählt wird, kann das tatsächlich an ihm liegen.

undenkbar, dass die Präsenzveranstaltung im Dezember hätte stattfinden können

Weil das Establishment noch keine E-Wahl etabliert hat. Ausgefuchster Plan oder digitale Inkompetenz?

im Nachhinein müsste er der Parteiführung dankbar sein, dass sie seinem terminlichen Beharren nicht nachgegeben hat. Wenn vier Wochen später das Unvermeidliche doch eingetreten wäre, wäre jedem klar gewesen, dass Merz die Coronawachstumszahlen einfach nicht richtig kapiert hat.

Ich vermute, eine Menge CDUler haben Merzens „Kompetenzen“ schon eher verstanden, weil CDUler tatsächlich nicht so blöd sind, wie die taz immer tut.

Und so einer will globale Wirtschaftsentwicklungen lenken?

Globale Wirtschaftsentwicklungen verlaufen i.d.R. nicht exponential, von daher wäre das noch kein Grund. Anderseits, jemand, der eine legitime Entscheidung mit gescheiter Begründung als Verschwörung gegen sich persönlich främt, argumentiert so wie jemand, der überall Diskriminierung wittert.

Gut möglich also, dass diese unüberlegte Bemerkung Merz die entscheidenden paar Stimmen gekostet hat…

Ja, daraus lernen wir, liebe Kinder: macht das nicht!

Wie überhaupt mangelnde Affektkontrolle rückblickend das markanteste Merkmal der Merz-Kampagne war.

Kohl ist mal auf Leute in Halle zugerannt, die ihn mit Eiern und dergleichen bewarfen. Es befand sich aber ein Gitter dazwischen, dass Schlimmeres verhinderte. „Für wen, habe ich nicht gesagt.“ (Natürlich hätten ein paar dürre Juso keine Schnitte gehabt.) Auf dem Level hat sich Merz (mangels Masse) nicht begeben, andererseits hat sich der Obereierwerfer für den Teil der Aktion hinterher entschuldigt, und Kohl erstattete keine Anzeige, was belegt, das früher beide Gruppen in der Lage waren, selbst mit solchen Eskalationen noch wie zivilisierte Menschen umzugehen. Hach, früher. Heute wird weniger mit Eiern geworfen, aber dafür sind die Leute viel schneller beleidigt. Danke Twitter!

Kaum fragt ihn jemand etwas zu Homosexuellen, purzeln ihm Gedanken über Pädophile aus dem Kopf

Ja, das war so etwas wie: „Wie stehen sie zu Drogen wie Cannabis.“ – „Sind ok, aber bei Kokain ziehe ich die Grenze.“

da hat vermutlich selbst Alice Weidel pikiert den Kopf gesenkt.

Die ausländische Lesbe?

Als Merz in der Debatte um Lockdownlockerungen darauf beharrte, der Staat habe sich nicht einzumischen, wie er mit seiner Familie Weihnachten feiert

Okeee…

mag auch manch knallkonservative Parteifreundin aus der Hochrisikogruppe kurz überlegt haben, ob ihr da das Leichenhemd nicht vielleicht näher ist als der wirtschaftsliberale Rock.

…das zumindest ist nicht wirtschaftsliberal. Ungeachtet der Tatsache, dass Merz niemanden zwingen wollte, Weihnachten mit der Familie zu feiern (hoffe ich), war das jetzt mehr eine Frage der persönlichen Freizügigkeit.

Ganz zu schweigen von der vielleicht nicht völlig durchdachten Äußerung, er könne schon deshalb kein Frauenproblem haben, weil er mit einer Frau verheiratet sei.

Ok, wenn Merz irgendetwas sagt, wird das automatisch auf die schlimmstmögliche Art interpretiert. Der Satz: „Ich habe nichts gegen xy, einige meiner besten Freunde sind xy…“, soll eigentlich heißen: „Wenn ich was gegen xy hätte, wäre ich nicht mit denen befreundet, UND die nicht mit mir.“ Was meistens dadurch unterlaufen wird, dass viele dieser „guten Freunde“ oft „flüchtige Bekannte“ sind, wenn sie überhaupt existieren. Mit jemanden aus der fraglichen Gruppe verheiratet zu sein, macht das Argument tatsächlich stärker als üblich. Hallo, Herr Spahn. Aber andererseits, vllt. ist Frau Merz nur noch wegen der Kinder mit ihm zusammen. Oder er bezahlt sie anständig, damit sie sich nicht scheiden lässt.

Aber ist das nicht eigentlich sympathisch? Statt stets auf seine Außenwirkung zu achten, lässt Merz einfach alles raus.

Ja, aber nicht bei Konservativen. Oder jedenfalls nicht SO.

Das passt so gar nicht zum Bild des kaltherzigen Neoliberalen.

Das ist vllt. der eigentliche Grund, warum sie ihn nicht zum Vorsitzenden gewählt haben. Die Konservativen stehen weder auf „Neo“, noch auf „Liberal“. (Dass Linke da keinen Unterschied sehen, liegt hauptsächlich an den Linken selbst.)

Und in der Tat: Zum ähnlich unkontrolliert plappernden Profi Lindner würde Merz perfekt passen.

Gar keinen Unterschied.

Jetzt, wo Merz verhindert wird, werden die größten Merzgegner aber trotzdem nicht CDU wählen. Weil die nie CDU wählen. Wenn Menschen, die tatsächlich Laschet zum Kanzler wählen wollen würden, sich derartig gegen Merz aussprächen, oder Leute, die die CDU/CSU als Regierungspartei wollen, aber ihr mit Merz insgesamt schlechtere Chancen ausrechnen, selbst, wenn sie selbst sich nicht an Merz stören würden, sehe ich die Aufregung noch ein. Und natürlich bei allen, die gerne CDU/CSU wählen, Merz aber für den schlechtesten Kandidaten EWar halten, und im Falle von dessen Kanzlerkandidatur nichts zu wählen hätten. Aber sonst? Wenn man die CDU verhindern will, müsste man sich doch einen möglichst schlecht aufgestellten Deppen als CDU-Vorsitzenden wünschen, der keine Wechselwähler anzieht, sondern Frauen, Homosexuelle und Corona-Risiko-Gruppen möglichst abschreckt.

Übrigens, ein Argument pro Merz war, dass der Wechselwähler von rechts angelockt hätte, d.h., die CDU hätte Stimmen auf Kosten der AfD angezogen, was diese geschwächt hätte, und möglicherweise unter die 5%-Hürde gebracht. Ist jetzt hintenrum ins Auge, ja. Aber manche wollen lieber, dass AfD-Wähler AfD wählen als CDU, und das sind komischerweise nicht nur AfD-Politiker, sondern auch Linke. WTF, Linke, WTF. Wenn die CDU jetzt die nächsten Wahlen derartig hoch gewinnt, dass Knuddelbär Laschet und Killerkaninchen Lindner die nächste Bundesregierung stellt, heult leise.

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