Cancel-Willkür

Ja, mächtig polemischer Titel.

Ich bin auch nur ein kleines bisschen genervt.

Anlass war die Art, wie der Wendler aus DSDS herausretouchiert wurde. Die ich insofern ok finde, weil da nicht so getan wird, als ob es eine Person namens „der Wendler“ nie gegeben hat, weil der KZ-Spruch jetzt schon sachlich falsch ist, und weil ich DSDS eh‘ nicht gucke, mit Wendler oder ohne. (Persönlich habe ich den Verdacht, dass da auch kaufmännische Erwägungen dahinter stehen, was muss man machen, um das eine Publikum nicht abzuschrecken, aber genug andere neugierig zu machen, so dass die weglaufenden der-Wendler-Fans nicht so viel ausmachen.)

Aber dann kam DIESE Diskussion.

Und mal wieder eine „Darf man Kunst vom Künstler trennen“-Diskussion. Ja. Darf man. Muss man eigentlich sogar. Man darf sogar die Verbrechen eines Künstlers von der Kunst trennen, oder den Künstler vom Publikum.

Die ganzen rhetorischen Fragen in der Richtung sind praktisch immer Boykottaufrufe. Ich halte die „Diskussion“ dazu für überflüssig, da ich machen will, was ich will, und nicht, was die Öffentlichkeit meint, was gemacht werden müsse.

Aber aus Spaß am zwanglosen Argument:

  • Weinstein ist ein verurteilter Verbrecher
  • Jackson wurde rechtskräftig freigesprochen
  • gegen Allen wurde noch nichtmal Anklage erhoben
  • Polanski hat sich der US-Strafverfolgung entzogen

Sollte man deren Filme zeigen, Musik spielen oder an dergleichen Vorführungen als Publikum teilnehmen? Kein „darf“, sondern die Frage, ob das in irgendeiner Hinsicht „gut“ oder „schlecht“ ist.

Vier verschiedene Fälle, vier verschiedene Sachverhalte, theoretisch bis zu vier verschiedene Handlungsanweisungen oder meinetwegen Handlungsempfehlungen. Selbst, wenn man der Ansicht ist, dass Freigesprochene und Verurteilte trotz Rechtsstaatsprinzip und so über denselben Kamm geschoren werden sollte, sollte man sagen, warum (gilt auch für den Fall, dass man beide in keinerlei Hinsicht sanktionieren will). Wenn man das Thema, was ja nicht nur juristisch, sondern auch ethisch-moralisch nicht ganz einfach ist, diskutieren will, sollte man also zumindest anerkennen, dass diese Fälle unterschiedlich sind, wonach es oft nicht aussieht.

Und weil das halt nicht oft danach aussieht, dass man dem Thema so differenziert gegenüber steht, wie mMn angemessen, bin ich „der“ Gesellschaft gegenüber misstrauisch.

Drei Juden und ein Afroamerikaner sollen boykottiert, sanktioniert oder sonstwie bestraft werden, wobei rechtsstaatliche Vorgehensweisen entweder ignoriert oder erweitert werden? Jaaa, dergleichen ist ja noch nie gut für die ausgegangen.

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