Tamponeid

„Wir geloben…“

„Wir geloben…“

„Bei diesem Tampon…“

„Bei diesem Tampon…“

„Die Zuffnizität zu wahren und zu ehren…“

„Zuffnizität zu wahren und zu ehren…“

„Die Glibschigkeit zu bekämpfen, wo immer sie ihr hässliches Haupt erheben möge…“

„…erheben möge…“

„Und Rechtschaffenheit und Kontrollwut – sagen Sie, ist das etwa eine BINDE?“

„…ups, muss weg.“

Ok, ich stelle mich hier ganz dumm. Es ist kein Tamponeid, sondern (Mëtälstimme ON):

Tamponneid

So wahr mir Gott helfe.

Hachja. Pickert mal wieder.

Meine Güte, was war das zwischen den Jahren für eine Aufregung.

Meine Güte, ist Pickert mal wieder merkbefreit. Ihm fehlt es an Empathie, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, an Logik, andere Argumente zu verstehen, und an gesundem Menschenverstand generell, weil er bestimmte Forderungen nicht zu Ende denkt.

Alles begann damit, dass das schottische Parlament einstimmig ein Gesetz verabschiedete, mit dem Mentruierenden in öffentlichen Räumen Hygieneprodukte kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Hmm, vllt. sind die auch die ganzen Schottenwitze leid und machen etwas völlig Anti-Geiziges?

Binden und Tampons sollen zukünftig unter anderem in Gemeindezentren, Jugendclubs und Apotheken ausliegen. In Schulen und Universitäten tun sie das bereits seit 2018.

Ja, wie schon gefragt, wer bezahlt die? Und natürlich, wie viele müssen ausliegen? Wie oft werden die ersetzt? Was passiert, wenn keine ausliegen, kriegt die jeweilige Frau Schadenersatz? Wie viele darf sich jede Frau mitnehmen? Muss die Frau Besucherin sein oder (zahlende) Kundin?

Erst seit 2020 werden Tampons, Binden und Menstruationstassen in Deutschland nicht mehr wie Luxusgegenstände mit 19% besteuert, sondern mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7% für Dinge des täglichen Bedarfs belegt.

Ein und dieselbe Sache verwandelt sich von „Luxus“ zum „täglichen Bedarf“, je nachdem, ob man sie vor Ort ißt oder mitnimmt. Die Logik dahinter ist also nicht ganz schlüssig. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Steuererleichterungen und Geschenken.

Trotzdem bedurfte es der unermüdlichen Arbeit von Aktivist*innen, um die Bundesregierung zum Einlenken zu bewegen. Das hat zum einen damit zu tun, dass Staaten ungerne auf bereits bestehende Einnahmequellen verzichten

Nicht nur Staaten, nebenbei. Aber ja, bei aller Unlogik und Widersprüchlichkeit des MWST-Systems hierzulande sehe ich das Argument ein.

und häufig den Eindruck haben, dass man es mit Frauen und Menschen mit Gebärmutter ja machen kann (siehe Gender Pay GapGender Care GapAltersarmut etc.).

Das hat alles nichts mit dem Staat zu tun. Aber ja, wenn man sich nicht wehrt, lebt man halt verkehrt.

Zum anderen liegt es daran, dass das Thema nach wie vor stark tabuisiert und als eklig markiert wird.

Ähh, ja. Deshalb war die MWST auf Monatshygiene früher bei 19%. Weil sie nicht thematisiert wurde. Ähh, und Klopapier?

Nichtmenstruierende dagegen fühlen sich zu häufig dazu berufen, die Debatte mit ihren absurden Ansichten zu torpedieren,

Naja, manche Ansichten sind tatsächlich absurd. Andererseits wollen manche Menschen Geschenke, aber nur solche, von denen Männer nichts haben. Auf dem Niveau muss man sich keine Mühe mehr geben.

 indem sie beispielsweise – selbst wenn sie das schottische Vorgehen befürworten – die grafische Darstellung eines Tampons als “obszön” bezeichnen, weil sie “Körperflüssigkeiten impliziert” und ihre “Krümmung suggestiv ist” .

Das steht jetzt zwar nicht alles in dem verlinkten Tweet, aber gut, wird wohl jemand getwittert haben – ist das jetzt das häufigste (oder stärkste) Argument, dass man das als erstes widerlegen muss?

Aber das Geld spielt eben auch eine Rolle.

Wieso „auch“? Wieso AUCH? Das Geld spielt offenbar die Hauptrolle.

Nicht nur weil die Hersteller die steuerliche Differenz einfach wieder draufgeschlagen haben.

Ja. Wer hat DEN Move nicht kommen sehen? Dafür reichte es, einen der Skills „Empathie“, „Logik“ und „Gesunder Menschenverstand“ auf 2 gelevelt zu haben, Ihr weltfremden Antikapitalisten.

Sondern weil es immer noch ziemlich viele Menschen gibt, die die finanzielle Mehrbelastung für Menstruierende entweder unerheblich finden …

Das steht da SO nicht. „Periodenarmut??? Tampons gibt es ab 4, Binden ab 10 Cent. … Habe in meinem Leben Tausende von Frauen aus allen sozialen Schichten kennengelernt. Keine einzige dabei, die durch Periodenkosten verarmt ist.“ Es geht also nicht darum, dass das „unerheblich“ sei, sondern darum, dass der Posten Monatshygiene allein keine Armut verursacht. (Bzw. als Armutsbekämpfung wäre das mehr ein Fall für Obdachlosenunterkünfte und Suppenküchen, mMn.)

… oder so erheblich, dass sie auch was haben wollen – wenn Tampons und Co. gratis werden sollten.

Das kommt mir sehr wie Sarkasmus vor. Der Typ – oder generell Männer, die dergleichen twittern – wollen nicht wirklich etwas gratis, sie wollen sich über die Idee lustig machen, das es etwas gratis gibt. Empathie und Menschenkenntnis, so wichtig.

Womit wir beim Tamponneid wären, der einige im Zuge der Entscheidung des schottischen Parlaments befallen zu haben scheint.

Ja. Angenommen, Schottland würde beschließen, dass in öffentlichen Toiletten, aber nur in denen für Frauen, gratis Müsliriegel verteilt würden. Welche Reaktion würde man erwarten?

Hauptsächlich junge Männer, die es sehr, sehr furchtbar finden, wenn Frauen etwas kostenfrei zur Verfügung gestellt wird.

„Kostenfrei“ heißt ja nicht, dass o.b., Carefree und andere jetzt verstaatlicht und per Zwangsarbeit dazu gebracht werden, ihre Produkte ohne finanzielle Gegenleistung herzustellen, sondern, dass diese nicht mehr von den Nutzerinnen, sondern von der Allgemeinheit bezahlt werden. Wie Behindertenrampen. Nur, dass Frauen nicht behindert sind.

 Dazu ein paar Anmerkungen:

Yäy, Liste!

1.
Ernsthaft?

Ernsthaft. Frauen sind keine Behinderte. Also, die meisten Frauen.

2.
Die bringen dann aber schon auch ihr eigenes Wasser und ihr Toilettenpapier mit, wenn sie sich in öffentlichen Räumen um Körperfunktionen kümmern müssen, für die sie nichts können, oder?

Es ist nicht möglich, so viel Wasser mitzubringen. Wasser und Klopapier werden nicht querfinanziert, d.h., der männliche Student zahlt es durch die eigene Studiengebühr, bzw. später durch die Steuern, dito der männliche Behördengänger. Monatshygiene mitzuführen ist tatsächlich zumutbar.

3.
Als ob es so schlimm wäre, wenn wir als Gesellschaft das Leben von Frauen ein wenig verbessern würden. Es wäre zumindest ein Anfang.

Ich als Mann soll per Gesetz dazu gebracht werden, Frauen etwas zu schenken. Ja, meine Konfettikanone klemmt leider gerade. Warum kommen auf Männerklos keine Tampons gratis? Ein Mann könnte seine Frau oder Freundin welche mitbringen wollen, die gerade nicht zur Uni oder aufs Amt muss.

4.
ERNSTHAFT!!?

Ernsthaft.

5.
Stellt euch mal vor Frauen würden sich über Pissoirs auf Männertoiletten aufregen.

Tun sie doch auch. Offensichtlich gerade.

Die werden sogar (!) in staatliche Toiletten eingebaut.

Es gibt halt Vorschriften.

Dabei sind sie nur einem Geschlecht zugänglich.

Das stimmt, allerdings sind in Frauentoiletten infolge derselben Vorschriften mehr Sitzklos vorhanden.

Warum zahle ich dafür, wenn ich gar keinen Penis habe?

Ja, ne. Sitzklos sind in Anschaffung und Reinigung vermutlich teurer, sonst würden Männerklos ja einfach mehr Sitzklos haben.

Und wieso glauben die eigentlich, mit Verweis auf andere Produkte, “die ja dann auch kostenlos zur Verfügung stehen sollten”, irgendeinen Punkt machen zu können?

Wie gesagt, ist in großen Teilen Sarkasmus, keine echte Forderung.

Das hat nämlich einerseits nichts mit dem Thema zu tun

Teilweise schon.

und ist andererseits oft weder falsch noch überzogen.

Jaaaaaaaaa. Gut. Ist es wohl teilweise wirklich nicht. Aber die folgenden Beispiele für nicht überzogenes…

Warum zahlen Krankenkassen zwar bis zu einem gewissen Alter für die Pille, aber nicht für Kondome oder Vasektomie und Sterilisation als Teil der Familienplanung.

Das ist ein Beispiel für „hat nichts mit dem Thema zu tun“. Krankenkassen schenken nichts. Wenn sie diese Leistungen aufnehmen wollten, müssten sie diese auf die Beiträge umlegen. Aber gut, ein besserer Vergleich wäre: „Warum gibt es keine Gratiskondomautomaten in Schulen, Unis und Apotheken?“ (Bei Apotheken, weil die sonst Kondome verkaufen…)

Warum ist Notdurft in der Öffentlichkeit kostenpflichtig?

Weil das Geld kostet? Ok, blöde Antwort. Weil Geld nicht stinkt.

Warum bezahlen wir für Tickets der deutschen Bahn, wenn das ein komplett staatseigenes Unternehmen ist?

Warum sind auf öffentlichen Grundstücken Parkgebühren fällig? Wieso kosten Personalausweise etwas? Wieso Wasser und Strom? Was ist das nur für ein Gott, der solche Dinge zulässt? Ok, bei Bahnfahrkarten ist es klar: wenn nur Ausländer welche bezahlen müssten, und der Rest per Steuereinnahmen finanziert würde, wäre das bestimmt wieder ein Verstoß gegen EU-Recht. Außerdem, wenn Bahnfahren gratis ist, würden Obdachlose den ganzen Tag Bahn fahren. Ok, wäre natürlich auch ein Möglichkeit, Obdachlosigkeit zu bekämpfen, aber es gibt Gründe, bestimmte Dienstleistungen der öffentlichen Hand nicht komplett per Steuern zu finanzieren, sondern auch durch die, die diese konkret nutzen.

Denn die tatsächliche Unverschämtheit ist, dass wir immer noch darüber diskutieren müssen.

Wenn ich Eure Gratisdienstleitungen querfinanzieren soll, ist es mein RECHT, das zu diskutieren.

Ein Gedanke zu “Tamponeid

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