Ist Geschlecht etwa angeboren?

Sagt so ein sogenannter „Natur“-Wissenschaftler der NZZ.

Frauen und Männer verhalten sich nicht gleich. Dennoch haben sie während Jahrtausenden in egalitären Gesellschaften bestens kooperiert.

Wieso „dennoch“? Arbeitsteilung. Und „egalitär“ und „bestens“ sind vllt. auch hinterfragbar, aber davon mal abgesehen.

Carel van Schaik erklärt im Gespräch mit Markus Schär, wie es zur Ungleichheit der Geschlechter und zur Unterdrückung der Frauen kam.

Okeeeee.

Verbirgt sich hinter Ihrem freundlichen Lächeln eigentlich ein streitbarer Geist, Herr van Schaik?

Nein, im Gegenteil. Ich möchte helfen, den Graben zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften zuzuschütten.

Es sind eigentlich mehr die Sozial- als die Geisteswissenschaften, die in DER Hinsicht Diskussionsbedarf haben.

Dabei versuche ich, Fakten aufzuzeigen und Vorurteile abzubauen. Etwa jenes, dass die Biologie einen normativen Anspruch erhebe, also vorschreibe, wie wir leben sollen.

Der normative Anspruch kommt in der Tat mehr aus anderen Richtungen. Allerdings sollte Biologie auch keine Ausrede sein.

Immerhin legten Sie sich in Ihrem letzten Buch, «Das Tagebuch der Menschheit», mit den Bibelgläubigen an.

Mit denen, die die Bibel für das tatsächliche Wort Gottes halten. Aber vielen anderen gefiel das Buch erstaunlich gut.

Das ist jetzt mal ein Vorurteil über „Bibelgläubige“, ich nehme mal an, die meinen die sogenannten Christen: alle Christen nehmen alles in der Bibel total wörtlich. Dabei gibt’s mehr als eine Stelle, wo Jesus eine Metapher raushaut, Jünger nehmen die wörtlich, Jesus facepalmt. Ok, nicht explizit „facepalmt“, aber man hört den stummen Schrei: „Oh, mein Gott! Warum bin ich von lauter Idioten und Vollpfosten umgeben?!“ – „Mein lieber Sohn, steht nicht geschrieben: ‚Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes‘?“ – „Äh. Nein?“ – „Das sollte es aber…“

Nicht weniges in der Bibel ist ja Protowissenschaft, ein Versuch, die Welt zu erklären. So auch, warum das Patriarchat herrschte: Das sei eine Strafe Gottes.

Nein, das ist die weltweite Verschwörung der globalen Archaisierung!

Aber das ist für uns die Lüge über Eva.

Weshalb, erklären Sie in Ihrem neuen Buch. Auch damit wagen Sie aber einen Streit, vor allem mit den Biologieleugnerinnen.

Ja, erstmal so ein paar Evangelikale zum warmwerden; wenn man das überstanden hat, kommen die richtigen Fanatiker(m/w/d).

Nein, wir suchen ihn nicht. Um Missverständnissen vorzubeugen: «Die Wahrheit über Eva» ist kein Buch, das Wahrheiten über Frauen verkünden will.

Ähh, einen Streit nicht zu suchen heißt nicht, dass man ihn nicht wagt.

Es ist nicht einmal ein Frauenbuch, sondern eine andere Geschichte der Menschheit, die zeigt, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass Frauen um Gleichberechtigung kämpfen müssen.

Eigentlich haben sie inzwischen (wieder) Gleichberechtigung. Jedenfalls in diesem unseren Lande. Und in der Schweiz. Aber gut, das ist vllt. global gemeint.

Unsere Antwort: Daran sind weder Gott noch die Biologie schuld, 99 Prozent der Evolutionsgeschichte lang war Gleichberechtigung die Normalität.

Ähh, die Lungenfische, Ursäuger oder Affenmenschen hatten keinen Staat, ergo gab es kein „Recht“, und damit auch keine Berechtigung, weder Gleich- noch Ungleich-.

Selbst Biologieskeptiker sollten damit kein Problem haben. Wie viele Leute glauben denn wirklich, dass das Geschlecht überhaupt nichts mit der Biologie zu tun habe?

Mehr als gut ist. Es gibt auch zu viele, die die Welt für eine Scheibe halten. Außerdem „Biologieskeptiker“ oder „Biologieleugner“?

Die Befunde leuchten doch zumindest allen ein, die sich mit Tieren auskennen.

Aber offenbar nicht jeder Akademikerin.

Ist das jetzt generisches Femininum oder meinen die ausschließlich Frauen? Maskulistische Seite oder nicht, es gibt auch „genug“ (zu viele) männliche Leute, die so denken.

Meinen Sie? Den Einfluss der Biologie zu bestreiten, kann einerseits eine Debattenstrategie sein: Man nimmt eine Extremposition ein, dann horchen alle auf.

Jaaaaaaaaa, aber dafür kompletten Mist zu erzählen ist vllt. trotzdem nicht dis schlauste Strategie.

Und anderseits lässt sich so klarmachen, dass die kulturellen Einflüsse verdammt wichtig sind.

Der Unterschied zwischen „verdammt wichtig“ und „ausschließlich relevant“ ist nicht so verwaschen, wie manche suggerieren.

Die Probleme, mit denen die Frauen heute kämpfen, kommen von der Kultur, nicht von der Biologie.

Ja, weil die Kultur größtenteils damit befasst ist, biologische Probleme des Menschen – Hunger, Durst, Hitze, Kälte und dergleichen – zu lösen, mit Feuer, Werkzeugen, Kleidung, Ackerbau und Viehzucht…

Wir Verhaltensforscher, unter uns viele Frauen, sehen jetzt, dass die Menschen nur zu verstehen sind, wenn wir die kulturelle Evolution einbeziehen.

Ja, ich bin z.B. laktosetolerant. Alle Säugetiere werden laktosertolerant geboren – außer den Monotremata, die laktosetolerant schlüpfen – aber wenn sie älter werden, verlieren die Fähigkeit, Milchzucker zu verdauen, weil dieser außerhalb von Milch zu selten ist, als dass sich das lohnt. Außer, man domestiziert andere Säuger und trinkt die Milch von denen.

Wenn also Simone de Beauvoir oder Judith Butler sagen, Frauen würden nicht als Frauen geboren, dann hören Biologen schon länger genau zu und sprechen heute auch über Gender.

Was auch absolut wichtig ist, weil biologisches Geschlecht und soziales Geschlecht zwei paar Sachen sind. Hosen und Röcke sind offensichtlich nicht angeboren.

Eigentlich wollen Sie den Feministinnen als Frauenversteher ja helfen.

Ich bin kein Aktivist, sondern Wissenschafter, und ich glaube auch nicht, dass Feministinnen meine Hilfe brauchen.

Und „Frauenversteher“ steht meist für „könnte schwul sein“. Aber die Frage hat er gut gekontert, finde ich.

Wir wollen nicht «die Frauen» verstehen; «die Frauen» gibt es ebenso wenig wie «die Männer». Wir wollen eher zeigen, wie sich die Welt fairer machen lässt, wie es auch die heutige Debatte über Intersektionalität versucht.

Hmm, indem man Reinigungskräfte so viel Zahl wie Akademikern(m/w/d)? Weiter oben hat er noch gesagt, dass die Biologie keine normativen Ansprüche erhebt, dann kann sie also auch nicht definieren, was „fair“ ist.

Ich sehe ja schon an meiner Biografie, dass Männer unverdiente Privilegien haben.

Anekdotische Evidenz – seine Biographie weist möglicherweise unverdiente Privilegien auf.

Wappnen Sie sich für verständnislose Reaktionen?

In meinem Alter ist mir das fast egal.

Warum macht er das dann überhaupt? Ok, gemeint sind nicht „ausschließlich verständnislose Reaktionen“. Aber trotzdem…

So viele Mythen geistern herum, etwa dass die Männer die Frauen seit je unterdrückt hätten, weil sie physisch meist stärker seien. Manche glauben wirklich an die Steinzeit-Machos, die die Frauen an den Haaren in die Höhle zogen.

Yabadabbadu!

Das ist Unfug, damals herrschten ziemlich egalitäre Machtverhältnisse in den Gruppen, auch zwischen den Geschlechtern. Wer sollte auf solche Einsichten verständnislos reagieren? Höchstens die Machos.

Gut, dass ich kein Macho bin. Ich meine, in irgendeinem antiken Stück, meint Medea, dass in der Schlacht einen Speer abzukriegen nicht so schlimm ist, wie Kinder zur Welt zu bringen. Konnte der Autor natürlich nicht vergleichen, aber Schwangerschaft und Geburt waren in der Steinzeit kein Zuckerlecken, das war dann ein ähnlich harter Nachteil wie Mammutjagd.

Wer sich heute mit solchen Themen auseinandersetzt, bewegt sich allerdings in einem Minenfeld.

Leider, aber ich sehe gute Chancen, den Streit um Natur gegen Kultur zu befrieden.

In der Steinzeit gab es noch keine Minen. Während Geburtshilfe also enorme Fortschritte, besonders, was die Mütter- und Kindersterblichkeit betrifft, sind die Methoden, meist männlich wahrgenommen werdende Soldaten zu töten, immer besser geworden. Oder, was heißt „besser“? Effektiver.

Dieser Streit gehört ja eigentlich ins letzte Jahrhundert.

Also DOCH noch relevanter als die Kugelform-der-Erde-Hypothese?

Würden Sie sich noch trauen, in der Vorlesung einen Witz zu machen wie: «Der ‹Playboy› lag richtig: Die Männer stehen nun mal auf Frauen mit einer Sanduhr-Figur»?

Das ist ja kein Witz.

Markt regelt – wenn der Playboy mit bestimmten Frauenbildern den meisten Umsatz macht, ist das schon ein recht gutes Argument, dass er sich damit auskennt.

Aber das ist eine Beschreibung, keine Rechtfertigung. Anders als ein Gott ist die Evolution keine moralische Instanz, die den Menschen irgendetwas vorschreibt.

Ja, aber der Vorwurf ist ja ein anderer: wenn man die Aussage macht: „Männer mögen dasunddas.“ rechtfertigt das, dass „dasunddas“ zum Beispiel in der Werbung gezeigt wird. Böse Biologie, böse!

Natürlich sagen mir Frauen: «Das ist ungerecht, ich habe keine Sanduhr-Figur.» Klar, aber ich habe auch nicht den Body von Arnold Schwarzenegger.

Es ist ja auch nicht ungerecht, dass man bestimmte Figuren nicht hat, es ist ungerecht, dass andere sich nicht bewusst die Figur präferieren, die man stattdessen hat. Das ist halt das Problem mit „fair“, und wie es definiert wird.

Übrigens sind in der realen Welt Vorzüge wie Humor, Intelligenz oder Hilfsbereitschaft bei der Partnerwahl viel wichtiger.

Ja, das rede ich mir auch immer ein.

Heute ist doch schon anstössig, was Sie in der Vorlesung sagten und auch im neuen Buch schreiben: Es gebe zwei Geschlechter, die Tiere mit den grossen Keimzellen seien die Weibchen, jene mit den kleinen die Männchen.

Genau, und ich hatte für das Buch ausserdem mehr über Hormoneffekte und Intersexualität geschrieben, doch das ging zu sehr ins technische Detail.

„Er lästert der reinen Lehre! Verbrennt den Ketzer! Aber umweltfreundlich!!!“

Aber niemand kann doch sagen, die Biologie sei irrelevant, um die menschliche Sexualität in ihrer bunten Diversität zu verstehen: «Was dreieinhalb Milliarden Jahre Evolution bewirkten, gilt für Orang-Utans, aber nicht für Menschen.» Wie plausibel ist das?

Der Evangelikale sagt jetzt vllt., dass Gott nicht will, dass Menschen wie Orang-Utans leben. Oder, dass Orang-Utans nicht von diesem Baum aßen. Der Punkt bei den „Biologieskeptikern“ ist aber, dass sie Evolutionstheorie verdächtigen, eine biologistische Universalausrede zu sein für alles, was ihnen nicht passt.

Der Unterschied wirkt sich bei der Reproduktion aus: Bei den meisten Arten sorgen die Weibchen für den Nachwuchs, die Männchen weniger oder gar nicht. Und das prägt die Geschlechter.

Ja, bei allen Säugetieren werden die Weibchen schwanger.

Monotremata sind also keine „richtigen“ Säugetiere. Das ist mMn aber nicht der Grund. Der Hauptunterschied zu Vögeln ist der, dass Säugerjunge Milch brauchen, und das kriegen sie nur vom eizellenspendenden Elternteil. Bei Vögeln hingegen kann die Elternarbeit völlig anderes aufgeteilt werden.

Wir sollten aber nicht vergessen, dass es bei unserer Evolution die längste Zeit «cooperative breeding» gab.

Also: jetzt nicht mehr?

Das heisst, wie Sie lehren: Alle halfen mit, Kinder grosszuziehen. Dass die Mütter Beistand bekamen, von Geschwistern, Grossmüttern, sogar Vätern, ist für Sie das Erfolgsgeheimnis unserer Spezies.

Eigentlich ist DAS die Kompensation dafür, dass Menschenkinder bei der Geburt schon so groß und mit so großen Köpfen sind. Das ist also kein Erfolgs“geheimnis“, sondern bittere Notwendigkeit.

Genau. Bei den Menschenaffen, unseren Verwandten, kümmern sich nur die Weibchen um den Nachwuchs. Dagegen zogen unsere Vorfahrinnen ihre Kinder mithilfe ihrer Gruppe auf.

„Nur die Weibchen“ heißt wohl „nur die jeweilige Mutter“. Bei Löwinnen helfen auch Großmutter, Schwester oder Tante dabei. Und der Vater. Hat aber auch Nachteile, wie Kindertötung, wenn ein neues Löwenmännchen das alte verjagt oder tötet.

Warum nicht davon lernen? Mütter mit Kindern sollten nicht allein aufgeschmissen sein.

Naja, Mütter ohne Kinder aber schon?

Und Frauen dürfen wegen der Fortpflanzung keinen Nachteil im Berufsleben haben.

Ich war als Kind viel bei meiner Oma.

Dafür muss die Gesellschaft Lösungen finden.

Ich verdiene derzeit Geld im Zusammenhang mit der Errichtung von Kindergärten. Feiert mich!

Auch bei den Menschen wirkte aber die sexuelle Selektion: Die Frauen haben seit zwei Millionen Jahren mit ihrer Auswahl die Männer geschaffen, die sie sich wünschen – stark, tüchtig, kämpferisch, also der Konkurrenz überlegen.

Das ist eine weitverbreitete These, aber eher ein Mythos.

Sondern? Frauen wünschen sich eher schwache, untüchtige und unkämpferische Männer, aber irgendwie hat deren Konkurrenz sie alle erschlagen?

Schon bei den Jägern und Sammlern standen die Frauen doch auf den erfolgreichsten Mann.

Das ist richtig, aber diese Männer traten meist bescheiden und höflich auf.

Ja, wie James Bond? Bzw., wie definiert sich „erfolgreich“? Erfolg bei der Jagd? Erfolg beim Kampf gegen Raubtiere oder die Nachbarhorde? Wie?

In den Gruppen der Jäger und Sammler gab es keine Alphatiere. Dass gewalttätige Männer herrschen, gilt erst seit weniger als zehntausend Jahren, also seit die Menschen Landwirtschaft betreiben und Eigentum verteidigen mussten.

Alphatiere im Sinne, dass ein einziger Mann sich mit allen Frauen paart? Dass sich nomadisch lebende Menschen weniger um Territorium und Eigentum kloppen mussten, heißt ja NICHT, dass kurzsichige, kleine, unsportliche Männer irgendwie besser bei Frauen ankamen.

Die Ironie ist aber, dass in genau dieser Zeit die Frauen ihren Partner meist nicht mehr selbst wählen konnten.

Inzwischen schon. Das heißt nur, dass „Erfolg“ inzwischen anders erreicht wird, nicht, dass Erfolg kein Faktor bei der Partnerwahl ist.

Jedenfalls gibt es aufgrund der sexuellen Selektion seit Millionen von Jahren angeborene Neigungen und Fähigkeiten bei Knaben und Mädchen.

Ja – aber! Die Anlagen mögen da sein, aber sie sind individuell unterschiedlich ausgeprägt.

Wenn Männer im Allgemeinen deutlich besser zum Möbelschleppen einsetzbar sind als Frauen, ist es fast egal, ob manche davon besonders gut oder nur einigermaßen dafür einsetzbar sind. Die Gesellschaft wird keinen Grund haben, dass anders zu sehen.

Wie kommen sie in der Gesellschaft zum Ausdruck?

Männer schleppen Möbel.

Bei den Jägern und Sammlern benehmen sich die Männer nicht wie Paschas, denn es bringt ihnen nichts.

Ja, um Pascha zu sein, muss man andere Männer unterdrücken. Das ist in so einer Steinzeithorde etwas schwierig. Vor allem, weil ein zu sehr unterdrückter Mann einfach gehen kann. Er weiß alles, was er braucht, um in der Wildnis einige Zeit alleine zu überleben, und in einer anderen Horde sind die Umstände vllt. besser für ihn.

Da sehen wir eine gegenseitige Abhängigkeit, das Überleben lässt sich nur mit Kooperation sichern. Wir können also beobachten, unter welchen Umständen Männer dominieren, und uns entscheiden, diese Umstände zu vermeiden.

Die u.a. medizinischen Fortschritte, die uns von der Steinzeit trennen, sind nur in einer hochgradig komplexen und arbeitsteiligen Gesellschaft nutzbar. Hier muss man zwar erst recht kooperieren, aber weil nicht mehr alle alles können, ist man voneinander stärker abhängig und daher LEICHTER unterdrückbar.

Deshalb versuchen wir im «Eva»-Buch zu zeigen, was da schiefgelaufen ist, also das relativ ausgeglichene Verhältnis der Geschlechter zerstört hat, und was davon bis heute fortwirkt.

Ok, ich habe das Buch nicht gelesen, es ist vermutlich keine „Edle-Wilde“-Verklärung. Auch wenn es mir ein wenig so vorkommt.

Viele Studien weisen nach, dass sich gerade in den Ländern mit dem egalitärsten Geschlechterverhältnis die Frauen eher für soziale als für technische Berufe entscheiden, sich also für Menschen, nicht für Maschinen interessieren.

Im Durchschnitt neigen Männer zur Technik, Frauen zum Sozialen, ja.

Was jetzt tatsächlich interessant ist – wann sollte sich eine Vorliebe für Maschinen evolutionär entwickelt haben?

Niemand bestreitet doch, dass es statistische Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.

Wirklich? In den USA tobt die Debatte darüber. So entliess Google einen Software-Ingenieur, weil er in einem internen Memo den Forschungsstand zu den Neigungen von Männern und Frauen korrekt zusammengefasst hatte.

Chrchrchr… „Niemand“ ist eh‘ ein großes Wort. „Kaum einer“ oder „kaum eine“ oder „eine kleine Minderheit“ machen das Leben so viel einfacher.

Dass die Frage der Geschlechterunterschiede solche Emotionen weckt, lässt sich erklären: Viele fürchten, wenn es sie gäbe, könnten sie die soziale Ungleichheit der Geschlechter irgendwie «natürlich» erscheinen lassen.

Vor allem hieße das, dass es keine böse Weltverschwörung gibt, die Frauen in soziale Berufe und Männer in die Fabriken drängt, und möglicherweise noch nicht einmal eine, die soziale Berufe aus Frauenhass schlechter bezahlt.

Nur was völlig konträr zu den biologischen Anlagen wäre, sehen wir kaum. Ich erwarte deshalb zum Beispiel eher nicht, dass es je Gesellschaften gibt, in denen die meisten Morde von Frauen verübt werden.

Ja, ist wie Möbelschleppen. Frauen lassen morden. D’oh!

Der Mann, den ich am besten kenne, spielte als Kind kaum mit Modellautos und Baukästen, machte viel bessere Noten in den Sprachen als in der Mathe

Mir kräuseln sich die Fingernägel bei „in der Mathe“. Aber die Jungen in meiner Schule waren in Mathe auch alle nicht so gut wie ich.

und denkt weit weniger analytisch als seine äusserlich sehr feminine Frau.

Und innerlich hat sie keine Gebärmutter? Oder heißt das, dass sie sich sehr viel schminkt?

Was stimmt mit ihm nicht?

Alles bestens, diese Verteilungen überlappen sich ja stark. Die Binarisierung ist ein Produkt dessen, was wir in unserem Buch die «Patrix», also die patriarchale Matrix nennen. Diese männlich verzerrte Weltsicht lässt nur zwei eindeutige Positionen zu; die Patrix kann nicht mit Leuten umgehen, die in keines der beiden Kästchen passen.

Ein Mann, der schlecht in „der“ Mathe ist, wird ja sowohl von anderen Männern als auch von Frauen als Mann wahrgenommen. Umgekehrt punktet man als Mann weder beim anderen Geschlecht noch beim eigenen, weil man den Satz des Pythagoras herleiten kann.

Ich spreche von mir. Und ich fühle mich eindeutig als Mann.

Ich auch. Dabei kann ich mit Technik nichts anfangen.

Ja, aber technische Berufe sind oft gefährlich, und daher Männern vorbehalten. Sorry dafür, Jungs.

Es gibt nicht nur Fehlanpassungen im Magen, sondern auch im Kopf.

Ja, klar, das betrifft auch unser soziales Leben. Ein Beispiel, das heterosexuelle Männer kennen: Monogamie, bis dass der Tod euch scheidet, war fast zwei Jahrtausende lang das verbindliche Ziel im Leben.

Heterosexuelle Frauen nicht? Was ist mit Homosexuellen? Wie haben DIE sich eigentlich evolutionär entwickelt? Nebenbei gibt es Monogamie schon länger. Ist u.a. ein probates Mittel gegen Geschlechtskrankheiten. Wenn sich mehr an die Monogamie halten würden, wären die schon lange ausgestorben.

Weshalb schauen dann die Männer immer anderen Frauen nach? Da sehen wir auch einen kulturellen Mismatch.

Wohingegen Frauen nie anderen Männern nachschauen? Ja, ist vllt. ein Mismatsch, aber kein einseitiges.

Wie sollen wir damit umgehen?

Das muss jeder selbst entscheiden. Unsere Gesellschaft entscheidet sich ja immer mehr gegen die Kirche, die die Regel erfand, ein Mann und eine Frau müssten ein Leben lang zusammenleben, und alles andere zur Sünde erklärte.

Naja, zu einer Ehe gehören mindestens zwei. Zu Ehebruch auch. Die Kirche hat das nicht erfunden. Abgesehen davon, mater semper certa – das ganze gemeinschaftliche Kindergroßziehen ergibt für Männer biologisch nur Sinn, wenn sie mit dem Kind verwandt sind. Und kulturell nur, wenn sie dafür belohnt werden. Also entweder, man erzieht als Mann die Kinder seiner Schwestern mit, oder, man ist gegen Ehebruch.

Sie sagen, wir seien nicht für die lebenslange Monogamie gemacht.

Es gibt einen Mismatch zwischen unserem modernen Beziehungssystem und unserer biologischen Ausstattung.

Und HIER fängt es an, doch biologistische Argumente einzubringen.

Wir zeigen in unserem Buch, dass die Vorstellung von absoluter Treue eine Konsequenz der Erfindung des Eigentums ist

Ja, und demnach sind wir nicht für Eigentum gemacht? Ok, kann sein. Aber wenn man Eigentum und Erbschaft nicht abschafft, ist der Grund für Monogamie noch da, ob man biologisch dafür ausgestattet ist oder nicht.

Sie geben die Schuld an der Unterdrückung der Frauen dem Judentum und dem Christentum, weil sie den Sündenfall von Eva erfanden.

Nein, das tun wir nicht. Die monotheistischen Religionen zementierten nur die teilweise längst bestehende Unterdrückung der Frauen, indem sie behaupteten, diese sei gottgewollt.

Wenn die Monogamie wechselseitig ist, ist sie keine Ungleichbehandlung mehr und deshalb nicht notwendigerweise Unterdrückung. Wegen der Arbeitsteilung, die natürlich ungleichwertig sein kann, kann sich die eine oder andere Hälfte unterdrückt fühlen – auch zu Recht – aber davor würde eine polyamouröse Beziehung ja nicht schützen.

Der Übergang zur Landwirtschaft schwächte die Stellung der Frauen, weil sie in fremde Familien einheiraten und viel mehr Kinder gebären mussten,

und konnten

während die Männer ihr Eigentum vererbten und wenn nötig gewaltsam verteidigten.

Wie zum Beispiel genug zu essen für ein Jahr, was Jäger und Sammler selten auf einem Haufen hatten. Nebenbei, damit fing auch die Unterdrückung von Männern an.

Ja, Dörfer brachten Probleme, die Jäger und Sammler nie hatten. Städte brachten Nachteile, die Dörfer nicht hatten. Und die kulturelle Co-Evolution brachte Laktosetoleranz hervor, aber nicht direkt das Gen für Monogamie.

Schade, was?

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