Pickert erklärt

Was meint er, wenn er „Preis der Männlichkeit“ sagt.

tl,dr: Alles mögliche, was irgendwie lose mit „Männlichkeit“ zu tun hat.

Zu meinen größten beruflichen Freuden der letzten Jahre gehört die Arbeit mit Männern.

Ist wahrscheinlich Platz drei hinter Arbeit mit Frauen und Arbeit mit Kindern.

Gerade angesichts der Tatsache, dass Pinkstinks und mir immer wieder Männerfeindlichkeit vorgeworfen wird,

Ja, IHR seid noch die männerfreundlichsten aller Feminismen. yayHey.

ist es mir eine besondere Freude, vor und für Männer zu sprechen,

Du sprichst vllt. VOR Männern, aber wer hat Dich dazu gewählt, FÜR Männer zu sprechen?

mit ihnen zu arbeiten und Perspektiven zu entwickeln.

Klingt sehr nach Manager-Bla.

Ich tue das zumeist mit Verweis auf etwas, was ich den Preis der Männlichkeit nenne.

Ja, das klingt auch danach. Immerhin, HIER gibt es eine Erklärung.

Was müssen andere, was musst du dafür bezahlen, der Mann zu sein, der du heute bist? Was hat es dich gekostet, als Mann dort zu sein, wo du heute stehst? Welchen Preis haben andere dafür zahlen müssen?

Das sind ZWEI Dinge. Mindestens. Was andere bezahlen „mussten“ (wer hat sie gezwungen?), damit ich werde, wer ich bin, ist was anderes, als das, was ICH bezahle. Und wenn ich pingelig bin, ist meine Persönlichkeit, als der Mensch, der ich heute bin, und meine soziale Stellung, das „dort“, wo ich heute stehe, auch nicht deckungsgleich.

Meistens werden diese Fragen mit einem kurzen Raunen quittiert, gefolgt von einem betretenen Schweigen.

Das ist natürlich Interpretation. Pickert geht davon aus, dass alle Männer Schuldgefühle haben oder spätestens dann kriegen, wenn er neue Perspektiven entwickelt.

Ein Schweigen, das daraus resultiert, dass alle Beteiligten diverse biografische Ereignisse gedanklich überprüfen und damit beginnen, gegenzurechnen.

Hmm, mache ich mal. Ich bin selbstständig, weil ich das Büro meines Vaters geerbt habe. Das hat meinem Vater das Leben gekostet. Außerdem, weil ich Bauingenieur geworden bin, habe ich auf eine Laufbahn als Arzt, Apotheker, Jurist, Architekt, Biologe, Archäologe, Mathematiker und/oder Schriftsteller verzichtet. Was andere „bezahlt“ haben? Naja, mein Vater hat mir mein Studium finanziert. Außerdem zahlen meine Bauherren mir Geld.

Ein Schweigen, das sich deshalb in die Länge zieht, weil ich es mit einer Aufstellung darüber fülle, was mich Männlichkeitskonzepte gekostet haben, die ich genau deshalb als toxisch bezeichne:

Nun, das sind Männlichkeitskonzepte anderer Menschen. Wenn’s danach geht: als Frau hätte ich ein Jahr eher meinen Abschluss machen können, hätte ein Jahr eher anfangen können zu arbeiten und hätte ein Jahr eher meine erste Gehaltserhöhung bekommen.

 meine körperliche und psychische Unversehrtheit zum Beispiel. Ich wäre gerne ohne Gewalt aufgewachsen,

Ich BIN ohne Gewalt aufgewachsen. Ist jetzt nicht mein Verdienst.

aber die Männlichkeitsversion, die mein Vater lebte und für sich höchstwahrscheinlich leben musste, ließ das nicht zu.

Ja. Ich sag mal so – bei allem Mitgefühl mit Pickert jr. wehre ich mich dagegen, mir die „Männlichkeitsversion“ von Pickert sr. zum Vorwurf machen zu lassen.

Ich hätte in diesem Zusammenhang auch gerne über eine Sprache verfügt, die es mir ermöglicht, entspannt und anhaltend mit anderen zu kommunizieren.

In anderen Zusammenhängen nicht? Die wenigsten Männer definieren sich über eine beschränkte Sprache. Aber gut, Kommunikation ist wichtig.

Männlichkeit hat mich Geld gekostet, Freundschaften, Zeit, Nerven und noch vieles mehr.

Tja. Und wäre ich bspw. auf Partnersuche „männlicher“ gewesen, hätte ich inzwischen vllt. eine Familie. Mit „männlicher“ meine ich, immer den ersten Schritt zu machen und fordernder zu sein.

Und was wird sie andere gekostet haben?

Keine Ahnung?

Den Mädchen und Frauen, denen gegenüber ich mich wichtigtuerisch und herablassend verhalten habe, weil ich meinte, alles besser zu wissen und in allem besser zu sein?

Habe ich nie gedacht. Ich hielt Frauen immer für sozialkompetenter als mich.

Den Jungen, die ich als Jugendlicher beleidigt und erniedrigt habe, um Situationen herzustellen, in denen mal nicht ich es bin, der von anderen Jungen beleidigt und erniedrigt wird?

Habe ich auch nie gemacht. Ich bin eher anderen aus dem Weg gegangen. (Ich halte auch die meisten Männer für sozialkompetenter als mich.)

Den Männern, deren schüchterne und halbverdeckte Bitten und Anerkennung und Zuneigung ich aus Desinteresse und Ignoranz einfach übergangen habe?

Das könnte passiert sein, lag dann aber nicht daran, dass ich mich für nicht sozialkompetent hielt, sondern es nicht war.

Ein schwerwiegender, folgenreicher Irrtum von sogenannten “Männerrechtlern” besteht darin, diese Kosten nicht zusammendenken zu können, weil sie sie nicht zusammendenken wollen.

Ein schwerwiegender, folgenreicher Irrtum von Pickert ist es zu denken, dass Männerrechtler gleichzeitig dumm und böswillig sind. Manche sind das eine oder das andere, manche beides, und manche weder noch.

Wenn Feminist*innen die Rechnung aufmachen, was toxische Männlichkeit andere kostet, überschreien “Männerrechtler” die furchtbaren Zahlen mit anderen, die sie selbst in den Mittelpunkt stellen:

Ja, und? Kein Mensch ist toxisch. Weder Feministinnen noch Feministen kümmert es groß, wenn Männer Opfer von Frauen sind, und das wird auch konsequent so kommuniziert. Warum sollte man sich als Mann mit Menschen solidarisieren, die diese Solidarität nicht erwiedern?

Und es stimmt ja auch: Männer bezahlen mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben dafür, dass wir von Männlichkeit eine hegemoniale Version entwickelt haben,

Wer ist „wir“? Frauen? Ich habe wegen meines Geschlachtes auf ein knappes Jahresgehalt verzichtet. (Zivisold muss nicht versteuert werden, ja, aber ich habe in meinem ersten Job pro Stunde mehr verdient als als Zivi den ganzen Tag.)

von der wir Belastbrakeit, Unzerstörbarkeit und die permanente Nichtachtung der eigenen Leistungsgrenzen fordern.

Davon profitieren dann Frauen, die nicht an ihre Leistungsgrenzen gehen müssen.

Männer bezahlen durchaus auch mit dem Umgang mit den eigenen Kindern dafür, dass ihnen als Vätern qua Geschlecht abgesprochen wird,

Hauptsächlich von Frauen, und tatsächlich auch feministischen Frauen.

sich fürsorglich und aufopferungsvoll um den Nachwuchs kümmern zu können.

Wenn man aufopferungsvoll im Schützengraben verbluten kann, sollte das ja eigentlich ein Klaks sein.

Aber diese Kosten können nicht gegeneinander abgewogen und voneinander abgezogen werden

Das tut Ihr aber. Wenn Männer gefährliche Arbeiten zugewiesen bekommen, profitieren Frauen, die diese dann nicht tun müssen, z.B. durch eine höhere Lebenserwartung. Was tun Feministinnen? Sich beschweren, dass Medikamente und Medizinstudium mehr auf Männer ausgelegt sind.

Wenn also die Rechtsanwältin Asha Hedayati für uns die gewalt(ät)igen Kosten toxischer Männlichkeit für Frauen beziffert, dann negiert das in keiner Weise die Gewalterfahrungen von Männern.

Doch. Wer Täterinnen nicht nennt, verschweigt sie. Gewalterfahrungen von Männern als ausschließliche Gewalterfahrungen DURCH Männer zu främen, ist eine Form der Negierung, die die ganze „Patriarchat schadet auch Männern“-Argumentation hohl und unredlich werden lässt.

Es ist vielmehr der Umstand, dass Gewalt gegen Jungen und Männern von Männern zu selten als eigenständige Problematik und zu häufig als bloßer “Ja, aber” Einwand angeführt wird,

Es müsste ja gar keine eigenständige Problematik sein. Feministinnen und die meisten Feministen betrachten häusliche Gewalt als Gewalt von Männern an Frauen. Weist man sie darauf hin, wird das als „Ja, aber“-Argument abgetan. Schreibt man irgendwo anders darüber, lesen sie es nicht.

der das Leid der Betroffenen zum Mittel für einen bestimmten Zweck degradiert – nämlich Feminist*innen über den Mund und in die Parade zu fahren.

Oder, um Amber Heard zu zitieren: „Niemand wird Dir glauben.“ Wenn ein Mann eine Frau, ein Kind, einen Mann und sich selbst umbringt, soll das aber als „Femizid“ bezeichnet werden. Weil der Tod einer Frau offenbar für schlimmer gehalten wird als der eines Kindes und eines Mannes zusammen. Dass „Beziehungsdrama“ eine vllt. etwas zu euphemistische Triggerwarnung in Zeitungsüberschriften ist, bedeutet ja nicht, dass jedes Ersatzwort besser ist.

Die 122 Frauen, die 2018 von ihren (Ex)Partnern ermordet wurden, werden nicht gegen von häuslicher Gewalt betroffene Männer ins Feld geführt.

Doch.

Gewalt gegen Männer lässt sich sowohl davon unabhängig als auch gemeinsam damit thematisieren

Achwas? Wo thematisiert eine feministische Seite Gewalt gegen Menschen im Allgemeinen? In allen anderen Bereichen wird Wert darauf gelegt, beide Geschlechter zu nennen, ungeachtet der jeweiligen Anteile, aber bei Mordopfern nie.

https://pinkstinks.de/7-grunde-mannern-ins-gesicht-zu-schlagen/

Ahh. Danke. Und wo wird die „allg.“ Wehrpflicht thematisiert? Die unterschiedlichen Unfallzahlen, die daraus resultieren, dass Frauen in harmloseren Berufen arbeiten? Aber ja, wenn man Gewalt speziell gegen Männer thematisiert, werden die hundertnochwas Frauen, die von ihren (Ex)Partnern ermordet werden, exakt dagegen ins Feld geführt (super Militärvergleich – Euch sollte man einberufen). Wieso schreibst Du etwas, wenn Du exakt das, was Du bestreitest, einen Absatz tiefer per Link belegst? Außerdem: Die eher harmlose Gewalt in Werbespots ist tatsächlich verharmlosend im wörtlichsten Sinne, aber es gibt ja im RL schlimmeres.

Also was kostet uns das Ganze?

Dass man sich als Mann rechtfertigen muss, über Gewalt gegen Männer überhaupt zu reden?

Lohnt sich der Preis, den jede*r Einzelne von uns für toxische Männlichkeitskonzepte zu zahlen hat, für das, was dabei herauskommt?

Ich muss den Preis für die toxischen Vorurteile zahlen, die Feministinnen(m/w/d) über Männer verbreiten. Das lohnt sich nicht für mich, aber möglicherweise für die Feministinnen.

Nicht einmal für Macht und Privilegien.

Die ich gar nicht habe.

Und genau deshalb sollten Männer nicht nur daran erinnert werden, warum sie solidarisch mit Frauen zu sein haben,

Mit welchen Frauen? Denselben Frauen, denen ein totes Kind plus toter neuer Freund als „Femizid“ subsummiert werden muss, wenn außerdem eine Frau tot ist? Solidarität basiert auf Gegenseitigkeit.

sondern auch damit konfrontiert werden, welchen Preis sie selbst zu zahlen haben.

Achja, 80%.

Wie oft ihnen mit Verweis auf ihre Männlichkeit etwas genommen wurde.

Knappes Jahreseinkommen.

Wie viele Male sie mit Schmerz, Leid und Verlust bezahlen mussten.

Bei denen Feministinnen so gar keine Hilfe sind.

Was sie der “Spaß”, ein Mann zu sein, kostet.

Angenommen, der Ex meiner ehemaligen Freundin hätte sie, den gemeinsamen Sohn und mich aus Eifersucht erschossen – nichts gegen meine Ex, aber mein Leben wäre schon ein recht hoher Preis gewesen. Anstatt mir zu unterstellen, dass ich mit ihr als gemeinsames Opfer schon aus Prinzip, wenn auch posthumerweise, solidarisch wäre, würde man auf unsere Gräber spucken, indem man das als „Femizid“ bezeichnet und Sohn und mich sprachlich unsichtbar macht. Kein Mensch, und bestimmt auch kein Männerrechtler, sogenannt oder nicht, behauptet, dass man Spaß zum Nulltarif hätte. Nur bietet pinkstinks keine bessere Alternative an. Anstatt für Frau und Kind zu arbeiten, soll man jetzt für ALLE Frauen arbeiten.

Ein Gedanke zu “Pickert erklärt

  1. Was ein Hohlkopf. Will der allen Ernstes verkaufen, Frauen seien die besseren Menschen, die sich keines sozialschädlichen Verhaltens schuldig machten? Frauen mobben und misshandlen genauso wie Männer; gegen Kinder, Alte und Pflegebedürftige liegen sie vorne – einschließlich Mord und Totschlag, was aber noch nie für einen feministischen Menschenfreund ein Thema war, außer vielleicht, um diese Frauengewalt sofort zu entschuldigen und und zu relativieren, aber nicht, um daraus eine Kollektivschuld der Frauen zu basteln. Die Opfer werden allein gelassen, Frauen dürfen das? Warum wird das von diesem Giftbeutel nicht in die Rechnung integriert? Oder das liebe Geld: Der Geldstrom, der von Mann zu Frau fließt, hat vor der Trennung praktischerweise keinen Namen, ist also ein unsichtbares Privileg; nach der Trennung heißt er Unterhalt. Und um ihn auszurechnen, müsste man bereits mit Billionen hantieren, Milliarden würden da nichts nutzen. Oder: Männer zahlen mehr ein in Kranken- Renten- oder Arbeitslosenversicherunge,erhalten aber weniger daraus zurück, Frauen zahlen weniger ein, erhalten aber mehr daraus – welches Geschlecht kostet was? Und: Häusliche Gewalt.

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