Fragen an Frauen

Jetzt mal wieder

Hetero-Frauen, beeinflussen euch Beziehungsklischees?

Ist ja völlig diffus, die Frage. Klischees, die man über Frauen hat, oder über Männer?

Die meisten von uns glauben, Rollenklischees überwunden zu haben.

Wer ist „uns“? Uns Journalisten? Uns Männer? Und Feministen? Wer?

Aber seien wir ehrlich: In vielen Beziehungen gibt es sie immer noch.

Leute, die diese Klischees haben, oder Leute, die diese Klischees umsetzen? Ich meine, es gibt auch Klischees über Russen, und Russen kennen die. Trotzdem denken Russen ja nicht: „Ich muss diese Klischees erfüllen, sonst glauben die Deutschen ja nicht, das ich ein echter Russe bin. Pardon, ein ähchter Ruhße bihn.“

wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass ich manchmal gerne ein Alphamann bin.

Und manchmal denkt ein Russe, dass er jetzt gerne einen Wodka trinken würde. Wo ist das Problem? Bzw., das einzige Problem wäre, wenn Deine Frau Dich liebt, weil Du ein Beta bist, und Dein Alphatum stößt sie ab.

Gleichzeitig würde ich von mir sagen, dass ich ein überzeugter Feminist bin.

Das ist natürlich ein Problem; nur weibliche Feministen dürfen Alphatiere sein. Aber zum Glück nicht meines.

Dass sich diese beiden Seiten nicht so gut vertragen, zeigt sich immer wieder in meiner eigenen Beziehung:

Weil Feministinnen(m/w/d) Rangordnungskämpfe verbal austragen, und Du kannst nicht so gut mit Worten?

Ich liebe es zum Beispiel, von meiner Freundin für klassisch männliche Attribute wie Stärke und Mut bewundert zu werden.

Dann such Dir eine andere Freundin – Deine jetzige steht offenbar nicht auf Betas.

In Diskussionen kommt es immer wieder vor, dass ich sogar dann noch Recht haben möchte, wenn ich mich schon längst geschlagen geben müsste.

Nun, das ist absolut auf Linie mit dem Verhalten von Feministinnen. Aber auch DAS ist nicht mein Problem.

Ganz subtil und unreflektiert setzen sich bei vielen heterosexuellen Paaren Beziehungsklischees um, die an Gender geknüpft sind.

Jaaaaaaaaaaa, und? Wenn Dich das stört, ändere das in Deine Beziehung. Oder lass es halt. Aber nerv‘ uns andere nicht.

Bei einer Studie des europäischen Gender Care Gap Project stellten die Forschenden kürzlich ebenfalls fest: Insbesondere, wenn von institutioneller Seite keine Infrastruktur geschaffen wird, die eine egalitäre Aufgabenverteilung ermöglicht, orientieren sich Paare an den bekannten Gendervorstellungen.

Ja, jetzt sind es natürlich die Institutionen wieder. Um mich zu wiederholen: weil Leute, die Vollzeit arbeiten, schneller befördert werden bzw. Gehaltserhöhungen kriegen, ist es selbst dann sinnvoll, dass eine Hälfte der Partnerschaft Erwerbsarbeit macht und die andere Hausarbeit, aber wenn man eine gleichere Arbeitsaufteilung wegen der allgemeinen Lebenqualität lieber haben will, soll man das halt machen.

Am Ende ist es doch oft der Mann, der mehr arbeitet und verdient und die Frau, die sich mehr um den Haushalt kümmert und fürsorglicher ist.

Ok, natürlich könnte man die Rollen auch tauschen. Wer hindert eine/n? Außer dem Arbeitgeber(m/w/d) des Mannes vllt.? Oder die Mutter der Frau, die ihr erzählt und vorlebt, dass Männer einfach keine Kinder erziehen sollten?

Nicht selten ergibt sich diese Aufteilung spontan und unreflektiert. Und meist leidet dann eher die Frau.

Ja, die vielen, schrecklichen Unfälle, an denen Männer bei der Arbeit sterben. Kein Wunder, dass Frauen darunter leiden.

Wie ist es, in einer Lebenspartnerschaft zunehmende Abhängigkeiten in Kauf zu nehmen, wenn ihr euch finanziell auf euren Partner verlasst?

Nur finanziell verlasst? Echt jetzt?

Liebe Hetero-Männer,

Irgendwie glaube ich Dir das „liebe“ nicht.

ich sag’s direkt, wie’s ist: Für uns sind Beziehungs-Klischees eine größere Sache als für euch.

Ja, dann hör bitte auf, Deinen Mann für irgendwelchen Alphakram zu bewundern. Es gibt eine Menge super nette Betas, die weniger Geld verdienen als Du, die liebend gerne ihren Scheißjob hinschmeißen würden für mehr Zeit mit den Kindern, oder überhaupt Zeit mit den Kindern, und die außerdem ganz gut kochen können.

Wenn ich mir meinen Alltag so anschaue, würde ich behaupten, eine recht gleichberechtigte Beziehung zu führen.

Aber? Es kommt bestimmt ein „aber“.

Auf der Mikroebene funktioniert das also ganz gut und da wir keine Kinder haben, müssen wir uns über die Aufteilung dieser ja doch sehr aufwendigen Care-Arbeit keine Gedanken machen

Also ist das Beispiel scheiß-egal. Zwei erwachsene Berufstätige ohne Kinder, die sich eine Wohnung teilen, geht es finanziell besser als Eltern mit demselben Beruf UND als zwei Singles in zwei Wohnungen mit demselben Beruf. Diese Lebensform ist also finanziell recht optimal.

(Kinder sind übrigens meist der Faktor, an dem eine bisher gleichberechtigte Aufteilung der Sorgearbeit in einer Beziehung kippt – zulasten der Frau, natürlich).

(Wenn viele Frauen, insbesondere feministische, nicht so sehr gegen das Wechselmodell wären, hätte ich jetzt Mitleid. Aber Leute, die tatsächlich glauben, Frauen wären grundsätzlich bessere Eltern, haben keine Argumente, warum Elternarbeit hälftig aufgeteilt werden sollte. Keine.)

Trotzdem lebe ich in der beständigen Angst, Beziehungs-  oder Geschlechterklischees zu erfüllen.

Muss die Hölle sein, oder? Man ist dem eigenen Verhalten ja so hilflos ausgeliefert.

Mein Partner verdient nämlich mehr als ich und ich bin mit ihm an einen Ort gezogen, wo er ein gutes Jobangebot hatte, wo ich aber noch einmal weniger verdiene als vorher.

Tja, dann sollten feministische Männer keine Frauen suchen, die weniger verdienen; sonst wird das mit dem GPG nämlich zur selbsterfüllenden Prophezeihung. Mann findet Frau, die weniger verdient, beide kriegen Kind, Frau bleibt zu hause. Besser wäre: Frau findet Mann, der weniger verdient, beide kriegen Kind, Mann bleibt zuhause. Problem gelöst.

Ich erwische mich darum regelmäßig dabei, eine Zukunft ohne meinen Partner zu imaginieren – die ich nicht will, aber das habe ich ja nicht vollständig selbst in der Hand –, weil ich die innere Bestätigung brauche, dass ich auch ohne Mann an meiner Seite klar käme.

Als langjähriger Single kann ich nur sagen: „Tschakka, Du schaffst das!“

Ich habe auch schon mehrere Stunden damit verbracht, mit Freundinnen auseinander zu dividieren, ob ich mich zu abhängig gemacht habe, emotional oder finanziell oder beides.

Ok, aber frag Dich doch mal, ob er wohl denkt, Deine Liebe wäre abhängig von seinem Job? So rein klischeemäßig?

Ich glaube, ich lehne mich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass ihr euch diese Gedanken nicht macht.

Haste ihn ma‘ gefracht? Falls ja, hat er geantwortet, oder musste er sich diese Gedanken erst machen?

Ab und zu merkt ihr, dass ihr euch in einer Hetero-Beziehung „typisch männlich“ verhaltet – aber dann denkt ihr halt sowas wie „Naja, macht halt grade Spaß!“

Die Leute, die die Fragen bei Jetzt stellen, sind nicht besonders intelligent. Sonst würden sie intelligentere Fragen stellen.

Männliche Klischees haben schließlich oft mit Macht und Dominanz zu tun und sind darum ziemlich bequem für euch.

Ja, ich hatte als Zivi auch so richtig viel Macht und war super am dominieren. Und Vollzeit arbeiten, ist ja auch immer sooo spaßig.

Darum denken wir in Momenten, in denen wir Klischees erfüllen, eher: „Shit, reproduziere ich damit die traditionelle Benachteiligung der Frau in einer heterosexuellen Beziehung?“

Ja, aber wenn ihr nicht konsequent Männer aussiebt, die mehr verdienen, was erwartet Ihr? Oder stellt Eure Typen mal vor die Wahl: „Gehaltserhöhung oder ich!“

Weil man nämlich als heterosexuelle Frau, die sich als feministisch versteht, nicht groß rumtönen möchte, dass man gegen Ehegattensplitting und das Versorger-Modell und für eine gerechte Aufteilung der Care-Arbeit ist, während man die grundlegende Arbeit in den eigenen vier Wänden nicht macht.

Pro Wechselmodell nicht zu vergessen. Und ansonsten: das Private ist nicht politisch. Irgendwelche Rollenbilder nachzuleben, ohne darüber nachzudenken, ist sicher blöde, aber wenn man darüber nachgedacht hat und feststellt, dass dieses Rollenbild für die aktuelle Situation das beste wäre, warum ein anderes nehmen? Mal unterstellt, dass man später wieder einem anderen Modell folgen kann, UND dass man anderen Paaren das eigene Verhalten nicht ans Ohr labert.

private Entscheidungen – für oder gegen einen Job, für oder gegen ein Kind, für oder gegen den Umzug mit dem Partner – sind für uns sehr oft auch politische Entscheidungen.

Ja. Wenn Ihr die falsche Entscheidung trefft, ist das eine politische Katastrophe. Ehrlich gesagt, welchen Sinn hat eine Bewegung, die mehr Freiheiten für Frauen erkämpfen soll, wenn sie Entscheidungen von Frauen mit zusätzlichen Zwängen befrachtet?

Wir wägen ab zwischen dem, von dem wir glauben, dass es uns persönlich glücklich macht, und dem, was wir zur Veränderung von Strukturen beitragen können, wollen oder müssen.

Suzie Grimes ist eigentlich eine ziemlich nervige Feministin, aber an einer Stelle hat sie jeden Rücken von mir, den sie haben will (nagut, unterm Strich gar keinen, vermutlich): jedenfalls beschwerte sie sich in einem Video über einen Mann, der meinte, sie als Feministin sollte nicht SO rumlaufen. Grimes ist wohl mehr Team Sexpositiv, aber egal – Feminismus bedeutet „Freie Auswahl“, insbesondere Wahl dessen, was man eh‘ schon durfte. (Was mittlerweile auch erreicht ist.)

Während ihr – das Privileg der finanziellen Sicherheit vorausgesetzt

Dieses Privileg gibt es nicht. Manche Männer sind geldgeiler als andere. Es gäbe aber bei Vätern sicher Leute, die denen sagen, dass sie ihrer Kinder wegen besser den besseren Job wählen sollten.

zum Beispiel viel unbelasteter sagen könnt: „Ich möchte diesen Job nicht machen“.

Unbelastet bestimmt nicht. Aber gut, das wäre nicht politisch aufgeladen.

Für Entscheidungen, die dem männlichen Klischee nicht entsprechen, werdet ihr dabei sogar eher bewundert: Umzug für die Partnerin, mehr als drei Monate Elternzeit, regelmäßig am Bügelbrett zugange, dafür gewinnt man als Mann beinahe einen Preis!

Bei wem jetzt? Außer der Partnerin?

Als Frau, die sich ihrem Klischee widersetzt, kriegt man meistens einen „Ist ja auch zeitgemäß“-Kommentar und einen Haufen Arbeit obendrauf

Also, eine Frau, die sich dem Klischee widersetzt und Vollzeit arbeitet, kriegt Arbeit obendrauf. Logisch, Vollzeit. Könnte es sein, dass Männer, die sich dem Klischee widersetzen, dadurch Arbeit einsparen?

weil unsere Gesellschaft und unser Sozialsystem noch so sehr an den alten Rollenbildern hängen, dass sie es uns nicht immer leicht machen, außerhalb der Geschlechterklischees zu agieren.

Ich hatte unlängst eine Diskussion darüber, ob ungebetene Ratschläge zur eigenen Lebensplanung hilfreich, aber unverbindlich sind oder nervig und übergriffig. Ich bin mehr für letzteres, aber immerhin stimmt es: man ist nicht gezwungen, solche Ratschläge umzusetzen. Wenn man also keine Freunde oder Bekannte hat, die einem traditionelle Muster aufdrängen – wo ist das Problem?

Durch den Gender-Pay-Gap zum Beispiel, der zum Teil für den von euch angesprochenen Gender-Care-Gap verantwortlich ist.

Ja. Henne oder Ei? Ei. Mal wieder

Was sehr hilft: Wenn man eine Beziehung führt, in der man offen darüber sprechen kann.

Wenn man eine Beziehung führen würde, worin man nicht offen darüber sprechen kann, ist der Feminismus eher das kleinere Problem, würde ich sagen.

 In der das Gegenüber also versteht, dass die Furcht vor Beziehungsklischees für uns nicht einfach verschwindet, wenn man sich liebt und eine gute Zeit miteinander hat.

„Dann hast Du mich also nicht wegen meines Jobs genommen, sondern trotzdem? Ich bin ja so erleichtert. Ich wollte schon immer was anderes machen, was mehr Spaß macht und weniger Geld einbringt!“

Was auch helfen würde: Wenn ihr, liebe Hetero-Männer, einfach mal alle aus dem Quark kommt und eure eigenen Geschlechterrolllen kritisch reflektiert.

Weil Männer als verzichtbarer gelten als Frauen, werden Frauen zur Vorsicht erzogen und Männer zum Risiko. Die überwiegende Mehrheit aller Rollenerwartungen beruhen darauf. Fertig mit der Reflektion.

Wenn ihr in dem Moment, in dem euch bewusst wird, dass ihr gerade ein Klischee erfüllt, kurz innehaltet und drüber nachdenkt, was das für eure Beziehung bedeutet.

Dass ich immer noch/schon wieder Single bin? Ach, ne, Singles sind nicht mitgemeint. Glück gehabt.

Und ob ihr euch das für die Gesellschaft als Ganzes wünscht oder nicht.

Ob das Prinzip meines Handelns allgemeines Prinzip sein sollte? Auf jeden.

Klar werden manche jetzt sagen: „Was soll der Mist? Kann doch jeder und jede so machen, wie er oder sie will, Hauptsache, zwei Menschen sind glücklich miteinander!“

Wieso nur manche? Die meisten!

Aber ich denke, es ist klar geworden, dass es für viele (nicht alle!) von uns zum Glück dazu gehört, keine Angst davor haben zu müssen, Beziehungsklischees zu erfüllen.

Ja, das werde ich meine Ex mal sagen. Manche Frauen finden es nicht gut, wenn ER im Restaurant bezahlt.

Sich nicht fürchten zu müssen, unbemerkt in alte Rollenbilder hinein zu rutschen und dann nicht mehr heraus zu finden.

Sorry, da bin ich raus. Ich bin bspw. selbstständig und kann keinen Elternurlaub bekommen. Ich kann weniger oder gar nicht arbeiten in der Zeit, aber dann verdiene ich in der Zeit kein Geld und verliere mutmaßlich einige Kunden. Ergo bräuchte ich eine Partnerin, die das mittragen kann, und dann sieht es mit halbe-halbe mau aus.

Und dabei könnt ihr uns helfen.

Oder, ich suche mir eine, die das nicht allzu kritisch sieht.

3 Gedanken zu “Fragen an Frauen

  1. „Ich liebe es zum Beispiel, von meiner Freundin für klassisch männliche Attribute wie Stärke und Mut bewundert zu werden.“

    Nur mal so.. warum ist das in Bezug auf Feminismus schlecht? Wäre es nicht gut wenn alle Menschen stark und mutig wären? Schließlich heißt es bei Feministinnen doch immer „strong, independant woman“.

    „(Kinder sind übrigens meist der Faktor, an dem eine bisher gleichberechtigte Aufteilung der Sorgearbeit in einer Beziehung kippt – zulasten der Frau, natürlich).“

    Feministinnen benutzen das Wort, aber sie wissen einfach nicht was es bedeutet. Auch wenn die Frau sich dafür entscheidet (und maßgeblich ist hier die Entscheidung der Frauen, siehe Allensbach-Studie) zu Hause zu bleiben und die Kinder Vollzeit zu betreuen, hat sie immer noch genau die gleichen Rechte, wie wenn sie Vollzeit arbeiten würde. Ihr werden keine Recht genommen oder verwehrt. Sie kann sich auch für eine andere Aufgabenteilung entscheiden, nur muss der Partner die auch mittragen wollen. Und das ist wohl schon zu viel verlangt. Wenn Frau nicht sofort und widerspruchlos das bekommt, was sie will und alle vorherigen Abmachungen konsequenzenlos über Bord werden kann, so das andere sie ausbügeln müssen, sind Frauen nicht gleichberechtigt.

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