Neues vom Sport

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Kurzfassung: in welcher Kategorie beim Sport treten intersexuelle Menschen an? Explizit Intersexuelle, nicht Transsexuelle.

Jaaaaaaa, hmm, wenn das biologische Geschlecht doch AUCH konstruiert ist, wie das soziale?

„Sportverbände können intersexuelle Personen nicht länger ausschließen“

Stimmt schon; bzw., da es nun Menschen gibt, die als Intersexuelle nicht versuchen, sich irgendwo einzuschleichen, sondern offen sagen, dass sie biologisch gesehen nicht ganz in die üblichen Schubladen passen, aber trotzdem gerne beim Sport mitmachen wollen, sich also selbst sportlich verhalten, sollte man sie auch sportlich behandeln.

Der Sport kennt nur zwei Kategorien: Mann und Frau. Bei intersexuellen Menschen stoßen diese Kategorien jedoch an ihre Grenzen, sagt der Soziologe Dennis Krämer.

Wie man u.a. hier nachlesen kann, ist Testosteron ein Dopingmittel. Jetzt muss man feststellen, dass man Menschen in ZWEI Gruppen einteilen kann: solche mit den Drüsen, nach denen dieses leistungssteigernde Hormon benannt ist, und solche ohne solche Drüsen. Um chirurgische Eingriffe zu vermeiden, ist die sportliche Lösung: Menschen mit körpereigenen Dopingdrüsen treten nur gegen andere mit Dopingdrüse an, solche ohne die Drüsen gegen andere ohne Dopingdrüsen. Und weil das ziemlich kompliziert klingt, nennt man die eine Gruppe „Herren“ und die andere „Damen“.

Caster Semenya ist eine der schnellsten Frauen der Welt. Doch seit Jahren muss die südafrikanische Mittelstreckenläuferin dafür kämpfen, auch als diese schnelle Frau gesehen zu werden.

Ich verlinke mal auf Tante Wiki. Auch die Links sind interessant, z.B. dieser hier. Lange Rede kurzer Sinn: auch andere Drüsen erzeugen Testosteron, und bei ihr wird ein höherer Testosteronspiegel gemessen als bei ihrer Konkurrenz.

In der Leichtathletik gibt es seit 2011 einen Grenzwert für Testosteron, der festlegt, ob Athlet*innen im Frauenwettbewerb starten dürfen.

AthleTEN sowieso nicht. Aber ja, dass erscheint mir tatsächlich das fairste zu sein: für sportliche Zwecke wird „Geschlecht“ ausschließlich mit einem objektiv messbarem Zahlenwert definiert. Höchstens dessen Höhe wäre diskutierbar.

Caster Semenya, deren Testosteronwert über dieser Grenze liegt, … darf aktuell nicht mehr bei in der Mitteldistanz der Frauen antreten.

Frage: würde man sie bei den Männern mitlaufen lassen? Bzw., wollte sie das und wurde abgelehnt? Ansonsten ist die Überschrift falsch, denn man schließt sie nur von den Frauenwettkämpfen aus.

Der Fall von Caster Semenya steht exemplarisch für den vieler intersexueller Athlet*innen, also Menschen, die weibliche und männliche Körpermerkmale aufweisen. Sie stellen die Sportwelt vor eine schwierige Debatte, in der es um fairen Wettbewerb und Ethik geht.

Eigentlich wäre ich der Ansicht, dass das Privatvergnügen ist, aber die Preisgelder in der Spitzenklasse sind schon nicht schlecht.

Was macht eine Frau zur Frau? Und wer darf das entscheiden?

Ok, es ist nicht nur das Testosteron. Männer sind auch durchschnittlich größer, was in vielen Disziplinen einen Vorteil darstellt. Aber dafür gibt es ja auch Gewichtsklassen. Und das entscheiden am besten die Sportverbände.

Der Sozialwissenschaftler Dennis Krämer … sagt: Wie wir Geschlecht definieren und feststellen, hat sich über die letzten Jahrzehnte maßgeblich verändert.

„Wir“ ist jetzt „wir Leute, die wir uns mit Sportthemen befassen.“ Das nur zur Einordnung.

ze.tt: Herr Krämer, der Fall Caster Semenya … Was müsste passieren, damit sie wieder in Wettbewerben antreten darf?

(Und zwar an Frauenwettbewerben oder überhaupt?)

Dennis Krämer: Caster Semenya hat einen medizinisch sogenannten hyperandrogenen Körper. … Aus der Sicht der Weltsportverbände hat Semenya zu viele männliche Hormone, insbesondere Testosteron, … weil ihr das einen Wettbewerbsvorteil verschaffen würde. Wenn sie dennoch antreten möchte, … müsse sie ihren Testosteronwert senken, zum Beispiel medikamentös.

Also quasi Antidopingmittel nehmen. Ich verstehe, warum sie das nicht will, selbst ohne den Wettbewerbsvorteil: Hormone und andere Medikamente ohne medizinische Indikation zu nehmen ist generell ungesund. Aber das „würde“ ist falsch. Testosterun IST leistungssteigernd, und jede Frau, die sich das Zeug einfach spritzt, bekäme definitiv Ärger. Sofern man sie erwischt.

Die Sportwelt trennt scharf in zwei Geschlechterkategorien: Mann und Frau. Wo führt das zu Konflikten?

Das betrifft vor allem den Frauensport, in dem Athlet*innen ihr Geschlecht gegebenenfalls nachweisen müssen

Ok, DAS Gendersternchen beinhaltet angebliche Frauen, ist also ok. Aber wieso „vor allem“? Gab es schon Frauen oder Intersexuelle, die bei den Männern mitgemacht haben, aber aufgrund ihres Körperbaus oder Hormonhaushaltes da einen unfairen Vorteil hatten?

Das wird mit der Existenz von intersexuellen Sportler*innen begründet und damit, dass diese unter Frauen einen starken Wettbewerbsvorteil hätten, „echte“ Frauen somit einen Nachteil.

Dem Testosteron ist es egal, wo es herkommt. Bzw, den Muskeln, ob es gespritzt oder selbstgemacht ist. Die Einteilung in Menschen mit und ohne dopingmittelerzeugenden Hormondrüsen erscheint mir nach wie vor sinnvoll.

Den Männersport betrifft dies nicht. Hier wird davon ausgegangen, dass Männer grundsätzlich leistungsstärker seien als Frauen und intersexuelle Athlet*innen keinen Vorteil hätten.

Funfact: auch bei Sportlern, die sich als „männlich“ betrachten, ist es verboten, Testosteron zu spritzen. Weil: „Eier, Eier, wir brauchen Eier!“ Wenn Olli Kahn das sagt, hat das wohl einen Grund.

Laut Regularien steht es intersexuellen Sportler*innen deshalb frei, bei den Männern anzutreten.

Achwas? Doch jetzt? Ja, dann – Schlagzeile: „Sportverbände schließen Intersexuelle gar nicht aus!“

 Das Problem: … Caster Semenya versteht sich selbst unzweifelhaft als Frau.

Und ich nehme nicht an, eine eigene Umkleide + Waschräume würden das Problem lösen?

Intersexualität im Sport ist kein neues Phänomen, sondern seit dem frühen 20. Jahrhundert ein Thema. Es wurde damals jedoch von Presse und Wissenschaft noch nicht als Intersexualität benannt.

Ok, schön, dass die Wissenschaft, die Gesellschaft und der Sport sich weiterentwickeln, oder? Die vorigen Definitionen oder Zulassungsbestimmungen sind jetzt für alle Beteiligten suboptimal gewesen.

Deshalb gibt es heute eine Alternative, die die Einteilung in zwei Geschlechter nicht mehr auf der Grundlage einer binären Vermessung vornimmt, sondern Geschlecht graduell messbar macht: die Hormonwerte.

Heißa. Wo ist denn dann das Problem? Oder meinetwegen, macht eine dritte Kategorie auf – für Menschen mit intermediären Testosteronspiegel, die nicht bei den Männern Testosteronreichen antreten wollen, weil sie da nicht so gute Chancen haben, aber auch nicht bei den Frauen Testosteronarmen, weil die dann nicht so gute Chancen haben, gibt es demnächt die Mittelstrecke der Intersexuellen. Oder, Männer, die ihren Testosteronspiegel künstlich reduzieren, treten demnächt auch gegen Frauen an. Mir egal, ich finde Sport langweilig.

Gefährden intersexuellen Sportler*innen wirklich den fairen Wettbewerb?

Was fair ist, ist keine objektive Tatsache.

Sondern?

In einer Sozialwelt, die nicht einfach gegeben ist, sondern von Menschen gestaltet wird, verändern sich die Wahrnehmungen von Fairness fortlaufend.

Hat der mich gerade fett genannt? Meine Wahrnehmung der dt. Sprache ändert sich nämlich auch gerade, weil Sprache nicht einfach gegeben ist, sondern fortlaufend von Menschen gestaltet wird.

Was heute als richtig oder fair gilt, kann morgen absolut falsch oder unfair sein.

Wo heut‘ sich eine Stadt erhebt, wird morgen eine Wiese sein, darauf ein kleines Kindelein wird weiden mit den Herden.

Blickt man auf den Sport, dann stellt bereits der Anspruch, einen fairen Wettbewerb herzustellen, ein Paradoxon dar. Im Wettbewerb setzt sich immer jemand durch, der in gewisser Hinsicht besser ist als jemand anderes.

Stimmt. Warum überhaupt getrennte Wettbewerbe? Wieso soll das fair sein? Wieso ein Verbot von Doping im Allgemeinen und Testosteron im Besonderen? Ob ich drei Jahre lang täglich trainiere oder mich spritzen lasse, kann dann doch egal sein. Und wenn man gegen Spritzen ist – dass ich Testosterondrüsen habe und meine Gegnerin nicht, ist ja auch nicht meine Schuld.

Dies wird von den Teilnehmenden so lange als fair empfunden, wie sie den Bedingungen der Hierarchisierung zustimmen.

Ja, Jugendwettbewerbe und Paralympics sind auch solche Sachen. Warum darf ein Mann Mitte zwanzig, der, seit er 13 ist, Sport macht, eigentlich nicht gegen Vierzehnjährige und Behinderte antreten? Außer, dass DIE das als unfair empfinden?

Zu viel körpereigenes Testosteron wird heute ganz ähnlich gewertet wie Doping.

Woran genau würde man eigentlich unterscheiden können, ob das Testosteron körpereigen ist oder nicht?

Die Einstellung zu den Testosteron-Obergrenzen im Frauensport kann sich in einigen Jahren allerdings wieder komplett ändern. Die Veränderung der Geschlechtstests über den Lauf der Zeit macht dies ja ganz deutlich.

Ok, ich sehe ein Stück ein, dass man sich auf den genauen Oberwert einigen könnte, der möglicherweise Semenya miteinschließt. Dürften dann alle anderen Frauen, wenn sie wollten, sich so viel Testosteron spritzen lassen, dass der Grenzwert gerade unterschritten bleibt? Analog zu bei den Männern, müsste man DA nicht ebenso eine Testosteronobergrenze definieren? Bis der man sich dopen darf?

In der Diskussion um Caster Semenya wird öfter angebracht, dass der Schwimmer Michael Phelps durch seine langen Arme und großen Hände einen ähnlichen Wettbewerbsvorteil hat.

Kaulquappen-Phelps? Nein, der ist aus Sherlock Holmes… Ok, wenn Phelps längere Arme und größere Hände als JEDE Frau hat, sollte er nicht bei den Frauenwettkämpfen mitmachen.

Das werde aber nicht hinterfragt, sondern im Gegenteil bejubelt. Sehen Sie das ähnlich?

Die Sportverbände bejubeln das? Oder eher die Fans? Das sind zwei unterschiedliche Gruppen. Seine Konkurrenten bejubeln das wohl eher nicht.

Das ist eine der spannendsten Fragen. Wieso wird eine Person, die durch ihre besondere Physiologie einen offensichtlichen Wettbewerbsvorteil hat, bejubelt und nicht disqualifiziert oder in eine andere Kategorie gesteckt?

Nun, natürlich könnte man eine Kategorie: „Wettschwimmen der Männer mit extralangen Armen“ oder so einführen. Oder analog zu Gewichtsklassen beim Boxen Handflächenklassen beim Schwimmen einführen. Die Frage ist, ob Phelps Konkurrenz das ähnlich unfair fand wie die Frauen, die gegen Intersexuelle mit natürlich hohem Testosteron-Spiegel antreten sollen.

Aus dem Profibasketball wissen wir, dass viele eine sogenannte Makrosomie haben, also einen umgangssprachlichen „Hochwuchs“. Das ist, wenn Sie so wollen, eine chromosomale Besonderheit, die zu Erfolgen in diesem Sport befähigt.

Ja, die meisten Basketballer sind überdurchschnittlich groß. Überdurchschnittlich viele Tennisspieler sind Linkshänder. Footballspieler haben ein gewisses Mindestgewicht. Sein Gewicht kann man steigern, aber man braucht parallel Training, um dabei einen athletischen Körperbau zu behalten. Training ist grundsätzlich sportlich. Größe und Händigkeit sind fix angeboren. Aber Testosteron wird entweder körpereigen (in überdurchschnittlich großen Mengen) produziert oder kann einfach gespritzt werden. Es ist also nicht die Frage, ob man genetisch angelegte bzw. antrainierte Vorteile akzeptiert, sondern ob auch Vorteile, die komplett künstlich sein können, als fair und sportlich akzeptiert werden.

Warum ist das so?

Im Kern geht es nicht darum, zu ermitteln, welche Qualitäten oder Körpermerkmale erlaubt oder verboten sind. Es geht nach wie vor darum, den Frauensport rein zu halten.

Ja, zu viel Testosteron ist nicht mehr weiblich. Das gilt für die allermeisten Definitionen von „weiblich“, ist also keine bloße Konstruktion.

Und dies umfasst neben der Vermeidung von Doping auch, dass keine Männer in diesem antreten. Die Grenze zwischen Mann und Frau wird aktuell eben über Hormonwerte hergestellt.

Was – ich wiederhole mich – ziemlich schlüssig und konsequent ist, wenn sowohl „illegal“ als „auch“ männlich mit „zuviel Testosteron“ definiert wird. (Für Frauensport. Kein Mensch ist illegal.) Es gibt eigentlich auch keinen Grund, das nochmal zu ändern, solange man Männer- und Frauensport trennen will. Und wenn man eine zusatzliche Kategorie einfüht, wäre die ebenfalls per Hormonspiegel abgrenzbar.

Die Hormone sind aber eigentlich nur ein Aspekt in der ganzen Thematik. Aus meiner Sicht gibt es noch zwei andere Aspekte, die dabei außen vor gelassen werden.

Und zwar?

Kein Mensch ist toxisch. Ich sag’s nur prophylaktisch.

Dass wir heute überhaupt in dieser Art und Weise über intersexuelle Personen wie Caster Semenya sprechen, ist das Resultat einer Emanzipationsbewegung.

Ein Stück weit ja. Besser so, als jemanden wegen Betrugsvorwürfen zu disqualifizieren. Ändert nichts daran, dass man es als Athletin unfair finden kann, seinen Testosteronspiegel auf Semenyas Niveau zu bringen. Schrieb ich „seinen“? Ja. Analog dürfte ich als kurzsichtiger Mensch beim Blindenfußball ohne Brille mitmachen. Blindenfußball ist dadurch definiert, dass die Schiris sehen können.

Die Sportverbände können nicht mehr hinter verschlossenen Türen beliebig Körper untersuchen und intersexuelle Personen aussondern.

Ja, das ist doch toll. Also schickt man Personen zum Männer- bzw. Frauensport, je nach Testosteron-Level, ODER, man baut eine Klasse für sich auf.

Dann existiert ferner eine Rassismus-Debatte: Wie wir in der westlichen Welt über die südafrikanische Mittelstreckenläuferin Caster Semenya sprechen, unterscheidet sich grundlegend davon, wie zum Beispiel in der südafrikanischen Presse über sie gesprochen wird.

Weil sie Südafrikanerin ist und ihrem Land Ehre bringt? Nicht „der westlichen Welt“? Das Argument ist fehlerhaft. Bzw., man müsste eine weiße Intersexuelle finden, die ähnlicherweise NICHT für Frauensport zugelassen wurde, und über die anders gesprochen wird.

Die Kritik lautet, dass unter dem Vorwand einer scheinbar legitimen medizinischen Aufklärung eine südafrikanische Frau diskriminiert werde.

Naja, Oskar Pistorius wurde wegen seiner langen Beinprothesen auch hart angegangen, es liegt also schonmal NICHT an der Hautfarbe. „Südafrikaner“ zählen nicht als „Rasse“; und zwar nicht, weil die keine Hautfarben sehen…

Menschen das Geschlecht abzusprechen, das sie ihr bisheriges Leben für natürlich gehalten haben, kann sie in eine tiefe Krise stürzen.

Ja: „Du musst bei den Männern mitlaufen, weil Du zu gut bist.“ Ist das dann frauenfeindlich oder männerfeindlich?

Die Sportverbände sind da aber auch nicht untätig. Der Weltsportverband zum Beispiel spricht in einer aktuellen Stellungnahme über die denkbare Einführung einer intersexuellen Startkategorie.

Hihi.

Das heißt nicht, dass diese auch bald kommen wird. Aber mit Blick auf die Geschichte des westlichen Sports ist das allein schon sehr revolutionär.

Wohingegen der östliche Sport natürlich das schon immer hatte? Problem könnte sein, für jede Sportart mindestens zwei Intersexuelle zu finden. Aber Sport ist eh‘ langweilig.

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