Romantische Komödien…

Jetzt mal wieder…

tl,dr: romantische Komödien erwecken völlig unrealistische Erwartungen an Partnerschaften. Man ergänze: genau wie Pornos.

Tag für Tag projizieren sie Beziehungs- und Rollen-Klischees in unsere Wohnzimmer.

Das Problem sind die, die daran glauben, anstatt sich darüber lustig zu machen. Aber ja, das taugt nichts.

Erinnert ihr euch noch an die Kevin-James-Komödie „Der Zoowärter“?

Nein. Ich kann zuverlässig sagen, die nie gesehen zu haben.

James und seine Angebetete traben auf einem Pferd am Wasser entlang, als sie eine Flaschenpost im Sand entdecken. In der Flasche: James‘ Heiratsantrag.

Dass das so klappt, weil die weder weggetrieben noch von wem anders gefunden wird, ist SO unrealistisch. Aber hay, DAS ist nicht die unrealistische Erwartungshaltung, die dieser Film aufbaut.

als meine Kommilitonin Bea, deren Namen ich für diese Geschichte geändert habe, die Szene im Kino sah, war klar: Genau so einen Antrag will sie auch mal bekommen.

Was studierte die? Irgendwas mit Mathe? Irgendwas praktisches? Oder etwa irgendwas mit Medien? Die ganze Idee ist doch Kappes. Außerdem, reiten Kevin James UND seine Angebete auf EINEM Pferd? Bei den Dreharbeiten für diesen Film kamen zum Glück keine Tiere ums Leben, aber …

Sie zog sogar los und kaufte schon mal die passende Flasche für diese Gelegenheit. … Zu der geplanten Hochzeit kam es dennoch nicht.

Ja, mit diesen Menschen, die jedes Detail selber planen und anderen gerne Vorschriften machen, ist aber auch echt nicht zu spaßen.

Natürlich ist nicht Kevin James verantwortlich für das Scheitern dieser Beziehung.

Wenn jemand mit einem Cape von einem Hochhaus springt, ist das auch nicht die Schuld von Superman.

In fast allen Genres hat in den vergangenen Jahren ein Wandel stattgefunden: Selbst in den fantastischsten Settings sind heute realistische Charaktere und glaubhafte Handlungen gefragt.

Aus dem Anfang von GoT: „Was hält das Reich eigentlich noch zusammen?“ – „Unsere Ehe“ – *gemeinsames Gelächter* Das Reich ist leider total im Arsch, aber witziger Dialog. Und falls einer fragt, was so eine tolle Frau wie Cersei von so einem dicken, faulen Typen wie Robert will, denn Geld ja wohl nicht – da hört es dann auf, lustig zu sein.

Nur die Sitcom scheint von diesem Trend zur großen Teilen ausgenommen zu sein.

Sitcoms und Romcoms sind nicht ganz dasselbe. Aber ja, Sitcoms machen sich mehr oder weniger über Klischees lustig. Nicht unbedingt NUR über Klischees, aber selbst wenn der Witz darüber geht, dass die Figur ein Klischee NICHT erfüllt, muss man ja von der Existenz des fraglichen Klischees wissen, um darüber zu lachen. Und Romcoms machen sich um die Irrungen und Wirrungen verliebter Leute lustig. D.h., die haben die jeweiligen Klischees überhaupt erst erfunden.

Stil und Humor ändern sich, die Themen aber bleiben gleich. Im Fokus stehen traditionelle Paarbeziehungen mit einer klaren, meist konventionellen Rollenverteilung.

Ach. Keine polyamore Sechser-WG? Friends mit gewissen Vorzügen? Nein? Schade.

Die Probleme fangen schon bei der Partnerwahl an. Unsere Lieblingsserien haben nämlich ein genaues Bild davon, wer zusammenpasst und warum.

Eure Lieblingsserien vllt., meine nicht. Und bei Sitcoms zumindest ist das Bild meist nicht: x und y passen gut zusammen, sondern x und y haben bestimmte Reibungspunkte, an denen sie regelmäßig aneinandergeraten. Und bei Romcoms ist es häufig so, dass zumindest eine Hälfte des späteren Paares zumindest eine weitere geeignete Option präsentiert bekommt – also zumindest aus sicht der anderen Hälfte UND des Publikums – weil ein Traumpaar ohne IRGENDEINEN Konflikt nur einen sehr kurzen Film hergibt. Ansonsten Robert und Cersei – er hält die Bastardpopulation in der Hauptstadt quasi im Alleingang aufrecht, und sie steht tatsächlich auf Männer, die besser aussehen als Robert. Und so viel Geld haben wie ihre eigene Familie, und da wird es auf ihrem Kontinent leider ziemlich eng.

Um das Prinzip zu verstehen genügt es, sich Sitcom-Männer wie Homer Simpson, den „King of Queens“-Doug oder auch Leonard aus „The Big Bang Theory“ genauer anzusehen:

Das sind keine Romcoms. Das sind Sitcoms. Die leben davon, dass ihre Figuren Schwächen haben, die sie nie verlieren. In Romcoms haben die Figuren kleinere Schwächen, die aber irgendwie kompensiert werden, sei es durch Charakterentwicklung, sei es durch andere Stärken.

Homer und Doug sind übergewichtig, faul und nicht die hellsten Kerzen auf der Torte.

Tja, wie Bob Baratheon.

Mittlerweile laufen die „Simpsons“ in der 29. Staffel, und selbst den größten Fans ist unklar, warum Ehefrau Marge bei Homer bleibt.

Drei gemeinsame Kinder? Im Unterschied zum guten alten Bob.

Leonard aus „The Big Bang Theory“ ist weder faul, noch dumm, aber er ist ein Nerd, und das ist in den Augen der Autoren offenbar mindestens genauso unattraktiv.

Und hat Laktoseintoleranz. Aber keine sozialen Skills. Sonst wäre die Serie ja viel unlustiger, und er hätte irgendeine Frau gefunden, die besser zu ihm passt.

Alle drei Männer werden dem Zuschauer also von Anfang an als minderwertig präsentiert.

Ja, eine schnippische Kellnerin ist einem promovierten Physiker überlegen. DAS ist nur in Sitcoms so. In einer Romcom würde Penny denken, Leonard sei ARM, weil er sich keine bessere Wohnung leisten kann, am in Wahrheit ist es noch die aus Studentenzeiten, weil er und Sheldon – besonders Sheldon – extreme Gewohnheitstiere sind. Wäre das etwa besser? Feministischer gar?

Was sie rettet, ist ihr gutes Herz – und die Bereitschaft, für Partnerinnen zu sorgen, deren Hauptaufgabe in der Serie darin besteht, gut auszusehen.

Tja, hätte Robert Baratheon doch nur ein gutes Herz gehabt. *schnüff, heul, jammer, wehklag! Ansonsten benehmen diese Männer sich doch wie gute Allies, und SO gutaussehend sind die Partnerinnen von Homer und Doug nun auch wieder nicht.

Was denken wir als erstes, wenn wir eine schöne Frau an der Seite eines eher unattraktiven Mannes sehen?

„Oh, nein! Lauf, Robert, LAUF!“

Sind die Rollen umgekehrt verteilt, kann das ziemliche Verwirrung stiften.

Dass in Wahrheit ER was mit seiner Schwester hat und mit ihr nur aus dynastischen Überlegungen zusammen ist? Auch in fantastischen Settings realistische Charaktere und glaubhafte Handlung, woll?

Dialoge wie aus einer Sitcom mitten im Berliner Nahverkehr.

Berlin halt. Tag und Nacht Berlin.

Für Streit und Missverständnisse ist in unseren Lieblingsserien in aller Regel der Mann verantwortlich.

Genau – Bob ist schuld. An ALLEM!

am Ende ist es an ihm, seine Fehler einzusehen und sich zu entschuldigen.

Dazu kam es leider nicht. Aber wenn, dann hätte er sowas gesagt wie „Fickt EUCH!“ – „Schon erledigt.“ – „Mist.“ Die Dialoge am Anfang gefielen mir irgendwie am besten.

Eine ernsthafte Verfehlung braucht es dazu nicht. Um etwa eine Sitcom-Folge zu füllen, genügt es schon, wenn der Mann nicht alle Erwartungen seiner Partnerin bis ins kleinste Detail versteht oder erfüllt.

Naja, die drölfzigste schwangere Sexarbeiterin war gar nicht mal das Problem. Warum können die bei GoT nicht so lösungsorientiert sein wie die in HdR? Da haben die für Sex, Intrigen und sonstigen Romcomstuff gar keine Zeit.

Natürlich könnten die meisten dieser Probleme durch ein offenes Gespräch ohne weiteres aus der Welt geschafft werden.

Oder halt durch einen Jagdunfall. Und die Hinrichtung eines Mitwissers. Und die brutale Ermordung aller Kinder von allen Sexarbeiterinnen, die in den letzten 20 Jahren oder so geboren wurden. Offene Gespräche sind eben zu gefährlich.

Der legendäre Filmkritiker Roger Ebert nannte das einmal den „Idiot Plot“ – eine Handlung, die nur funktioniert, weil alle Charaktere plötzlich wie komplette Idioten agieren.

Idioten bei GoT? Nicht in dieser Staffel zumindest.

In der realen Welt hat sie aber nichts zu suchen. Sätze wie, „Ich will es ihm nicht sagen; ich will, dass er selbst drauf kommt“ oder „Wenn er mich wirklich lieben würde, würde er das auch wollen“ klingen wie aus einem Drehbuch.

Ja. Im Richtigen Leben sagt man natürlich sowas wie „Empathiemangel“ oder dergleichen. Aber richtig, niemand muss so dumm sein wie die Leute aus Romcoms. Noch ein Grund, keine Romcoms zu mögen.

Wo Männer meinen, für alles die Verantwortung zu tragen,

Eben. Die patriarchaische Weltverschwörung ist einfach nur ein Running Gag.

und Frauen befürchten, für den Partner weniger liebenswert zu werden, je höher die Zahl auf der Waage ist,

Immerhin, wenn er mehr auf die Waage bringt, verabschieden sich Frauen von den Lehren aus Simpsons und denken mehr wie Cersei. Hurra für überwundene Klischees!

Filme und Serien, die das nicht schaffen, müssen deswegen nicht aus der persönlichen Watchlist verbannt werden – als Beziehungsratgeber sollten sie allerdings auch nicht herangezogen werden.

Soll das heißen, GoT ist gar nicht sooo gut als Vorbild für mein Liebesleben? Also Simpsons und BBT natürlich nicht, aber Games of Thrones AUCH nicht? Ich fühle mich verraten und enttäuscht. Hey, meine Gefühle, nehmt sie mit nach Hause.

Hinweis: Dieser Text wurde am 20. November 2017 zum ersten Mal veröffentlicht und noch einmal aktualisiert.

Aber die erste Staffel GoT war da doch kein Spoiler mehr? Und was ist mit HIMYM?

Ein Gedanke zu “Romantische Komödien…

  1. »Es wird nach einem Happy End im Film gewöhnlich abgeblend’t.«
    (Kurt Tucholsky)

    Schottische Psychologen kamen in einer wissenschaftlichen Studie*) zu dem Befund:
    »Die Darstellung in Liebesfilmen unterscheidet sich mitunter erheblich von der Realität im wirklichen Leben.«
    Na, wenn das keine Überraschung ist – wer hätte das gedacht!

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