Heiraten ist eh blöd

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Kurzfassung: alte Hochzeitbräuche sind frauenfeindlich.

Hochzeitsfeiern stecken voller unterschiedlicher Bräuche und Traditionen

Ja. Niemand muss heiraten. Niemand muss die Hochzeit groß feiern. Freies Land und so. Was man diskutieren kann, ist, dass man iuse Feier der Erwartungshaltung iuser Gäste anpasst. (sic: ihre UND seine) Aber das ist nichts, was mit Frauenrechten zu tun hat.

Oft werden die Rituale einfach übernommen

Ja, wie Händeschütteln. Ein Teil davon zumindest dient der Belustigung der Hochzeitsgäste, nicht der Brautleute(m/w/d).

Viele vermeintlich schöne Bräuche haben einen sexistischen Hintergrund.

Und salutieren kommt daher, dass die alten Ritter vorm Duell das Visier hochklappten, damit der andere sah, dass er wirklich gegen den antrat, dessen Wappen geführt wurde. Macht inzwischen überhaupt keinen Sinn mehr, aber egal.

Sie sind teilweise Jahrhunderte alt und stammen damit aus Zeiten, in denen die Frau als Eigentum des Mannes betrachtet und behandelt wurde.

Eigentum stimmt so auch nicht, aber sie galt als unmündig und der Mann als Vormund. Emanzipation bedeutet eigentlich, für mündig erklärt zu werden. Ursprünglich für Männer gedacht, deren Väter noch lebten, weil sie solange ebenfalls unmündig waren. Weil das Ding Patriarchat heißt und nicht Androarchat.

Also aus zutiefst frauenfeindlichen Zeiten.

Achwas.

Wenn heute ein Mann den Vater seiner Freundin um die Hand der Tochter bittet

Ist das reine Höflichkeit, wenn diese volljährig ist.

Aber eigentlich geht es darauf zurück, dass die Tochter nicht frei entscheiden darf, sondern ein Besitz des Vaters ist.

Mündel. Bzw. ganz früher – Römerzeit – tatsächlich Eigentum. Aber das waren Söhne damals wie gesagt ebenfalls, und der Vater des Bräutigams musste den Vater der Braut fragen. Dafür wirkte das ganze dann etwas seriöser.

Genauso auch eine Tradition, dass der Vater die Braut zum Altar führt und dort an den Bräutigam übergibt.

Ja, damit sie sich nicht verläuft. Oder wegläuft. So eine Hochzeit ohne Braut ist schon eeetwas sinnlos.

Besiegelt wird der Eigentümerwechsel mit dem neuen Nachnamen der Frau: vom Namen des Vaters zum Namen des Ehemanns.

Immerhin haben Frauen inzwischen eigene Namen. Bei den alten Römern bekamen Töchter meist nur das Femininum des Familiennamens, und ggfs. eine Nummer. Julia, Cornelia, Claudia, Ämilia, Agrippina…

Interessanter Fakt am Rande: 2018 entschieden sich nur 6 Prozent der Männer, den Namen der Frau anzunehmen. 12 Prozent der Paare behielten ihre bisherigen Nachnamen.

Gäääähn.

Wie soll das jetzt unterbunden werden? Oder, wenn es nicht unterbunden werden soll, warum wird das thematisiert?

Die Vorstellung, dass es Pech bringen würde, wenn der Mann die Frau vor der Trauung im Hochzeitskleid sieht, hat mit Glück oder Unglück wenig zu tun.

Es hat generell keinen Einfluss auf günstige oder ungünstige Zufälle, das ist Aberglaube. Aufklärung und Vernunft!

Sich fremde Menschen, die sich unter Umständen vorher nie gesehen hatten, mussten miteinander die Ehe eingehen.

Achwas? Ja, sowas aber auch. Wer hätte das gedacht.

Der Bräutigam durfte deswegen vor der Hochzeit keinen Blick auf die Braut werfen, damit er nicht vielleicht abgeschreckt würde und die Hochzeit platzen lässt.

Hmm, dann ist das jetzt etwa männerfeindlich?

Beim Schleier – übrigens schon länger eine Tradition als ein weißes Kleid – geht die Interpretation in eine ähnliche Richtung

Genau. Damit kann man Leute dazu bringen, die Menschen zu heiraten, die sie eigentlich gar nicht wollten. In der Bibel: Jakob und Lea. In der Edda: Thrym und Thor. Sagte ich Leute? Ich meinte „Männer“. (Wobei die Hochzeit von Thrym und Thor schon vor den Gelübden vorbei war, weil letzterer seinen Hammer wieder in Händen hielt…)

Außerdem hat der Schleier die Tränen der Braut verborgen.

Von Männern wird erwartet, dass sie ihre Tränen unterdrücken. Tja.

Die Kinder, die vor dem Brautpaar laufen und bunte Blumen streuen, sind zwar niedlich. Aber sie stehen für das, um was es bei einer Hochzeit ursprünglich ging:

Kinder halt. Kinder sind das logischste Symbol für Kinder. Ein modernerer Brauch wären Steuervorteile, die Blumen verstreuen, aber Steuervorteile haben keine Hände. Oder halt Kinder, die Geld verstreuen. Halt, das ergibt keinen Sinn – Steuerberater, die Blumen verstreuen, das wäre am besten. Aber die Kinder machen das wohl umsonst oder für Schokolade.

Beim Wurf des Brautstraußes geht’s wirklich um Glück – allerdings ebenfalls mit zweifelhaften Motiven.

Aberglaube. Wenn man schon gegen Aberglaube anschreibt, dann soll man das bitte auch benennen.

Dahinter steckt die Vorstellung, dass die glückliche – weil endlich verheiratete – Braut an ihrem Glück teilhaben lässt.

Jede anwesende Frau darf mit dem Bräutigam ins Bett? Näh.

Wer von den armen, traurigen Unverheirateten den Brautstrauß fängt, auf die färbt das Glück ab

Keine Unverheiratete ist gezwungen, da mitzumachen. Oder überhaupt zu einer Hochzeit zu gehen. Als langjähriger Single ist mir Singleshaming nicht fremd, aber damit muss man lernen, umzugehen.

Nein, heute braucht Frau natürlich keinen Mann mehr, der sie versorgt.

Aber Männer, die die Gleichberechtigung von Frauen erkämpfen. Die unterschwellige Doppelmoral ist nach wie vor nervig.

 Die Single-Frauen zusammenzurufen und um den Brautstrauß raufen zu lassen, ist also gestern wie heute schlicht und einfach: Single-Shaming.

Wo die das schon verlinken – die bürgerliche Heteroa-Ehe wird skeptisch betrachtet, weil da nur zwei Personen eine Gemeinschaft bilden. Einen Artikel über glückliche Singles wäre ja auch ganz nett, wenn man sich vom Singel-Shäming distanzieren will.

Wenn dann auf der Party schließlich Freunde des Bräutigams die Braut entführen…

…und er sie nicht findet, dürfen die Freunde sie behalten. Möglicherweise ist die Braut mit ein paar kompetenten Typen ja sogar glücklicher als mit einem einzelnen Versager.

Aber dahinter steckt brutaler Ernst: Dieser Brauch geht zurück auf das überlieferte „Recht der ersten Nacht“ oder auch „Herrenrecht“ im Mittelalter.

Ob es dieses Recht so gegeben hat, ist fraglich, ergo ist das eher ein literarisches Motiv, was sich verselbstständigt hat. Zerbrechen wir lieber Keramik, um böse Geister zu vertreiben. (Aufklärung ist eigentlich mehr als Mittelalterbäschen, aber was will man erwarten?)

Heute bleibt es denen, die heiraten wollen, selbst überlassen, wie sie ihre Feier gestalten.

Wieso überhaupt noch heiraten, wenn die Frau da keinen Vorteil mehr von hat? Das ist dann doch erst recht frauenfeindlich.

Warum nicht einfach die Traditionen mit sexistischer Vergangenheit über Bord werfen?

Aka: Ehe.

Und dann neue, eigene Bräuche schaffen, die Spaß machen.

Sex? Drogen? Klingelstreiche?

Egal, ob man sich für oder gegen die alten Bräuche entscheidet, auf jeden Fall gilt: my wedding, my rules!

Ähh, müsste es nicht heißen: „Our wedding, our rules!“? Zu einer Hochzeit gehören mindestens zwei. Oder sagt das die Person, die das Ganze bezahlt? Vor allem müsste man ja eigentlich mehrmals heiraten, um eine Tradition zu etablieren. Hachja, diese tollen feministischen Ideen immer.

2 Gedanken zu “Heiraten ist eh blöd

  1. Anmerkung: die „Tradition“, dass der Brautvater die Braut am Altar übergibt kommt aus dem anglophonen Bereich (so wie Halloween).
    Aus dem gleichen „Kultur“ kreis kommt auch der Brauch, dass der Mann mindestens drei Monatsgehälter in einen Verlobungsring investiert, um seinen „Wert“ zu beweisen.
    Gut, es wäre naiv zu glauben, dass sowas auf pinkstinks berücksichtigt wird.

    Übrigens, bei einer katholischen Trauung wird das Brautpaar als erstes gefragt, ob sie BEIDE freiwillig und bei klarem Bewusstsein da sind. Sonst ist die Trauung ungültig.
    Aus ähnlichem Grund gibt es auch die Trauzeugen.

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