Feuilleton-Kritik

Weil es bento nicht mehr gibt und es ze:tt auch schon ganz schlecht geht:

Kai Wielands Roman „Zeit der Wildschweine“.

Bisschen meta jetzt; das Buch mag das dümmste Buch der Welt sein, aber wenn man einfach nur Fight-Club nicht leiden kann und das dann an einem Buch auslässt, das sich darauf bezieht, wird es natürlich männerfeindlich.

„Fight-Club“ kenne ich, weil eine Cousine von mir das empfohlen hat. Bzw., sie hat mich und ein paar andere Geschwisterkinder dazu gebracht, uns den anzuschauen. So richtig wurde ich mit den Figuren nciht warm, aber von der Idee her war der Film gut. Jetzt gibt es wenig Filme, die spoilerempfindlicher sind, deshalb gehe nicht ins Detail, aber bei der Stelle mit „Rückblendenhumor!“ fragte meine Cousine uns, ob wir alle den Witz verstanden hätten, und ja, der war schon nicht schlecht. Wie gesagt, es gibt mindestens eine Frau, die „Fight-Club“ mag. Zurück zur Buchkritik:

Mit dem Begriff der „toxischen Männlichkeit“ bezeichnet man gesellschaftlich geprägte Vorstellungen vom Mannsein, die seine Rolle stark limitieren und von den als unterlegen angenommenen Frauen abgrenzen sollen.

Joah. Kein Mensch ist toxisch und so. Aber ja, sich gegenseitig zu verprügeln ist tatsächlich nicht die gesündeste Art zu leben. Aber doppelt ja, Frauen zu verprügeln ist noch ungesünder, und zwar für die Frauen. Don’t try this at home. Also, beides nicht.

Stark sind sie, die richtigen Männer, abenteuerlustig, sie befinden sich in einem ewigen Wettkampf miteinander, und über Gefühle sollen sie bitte auch nicht reden, weshalb sie sich gern ein wenig wortkarg geben.

Die Hodenkrebsselbsthilfegruppe, die von einer Frau besucht wird? Tja, die hat auch keine Hoden. Aber es hilft, darüber zu reden. Ist der Verlust etwa deshalb geringer, weil man das Verlorene nie hatte? Und ist es nicht diskriminierend, wenn man Leute ausgrenzt, nur, weil diese noch andere Keimdrüsen haben? Ich rede jetzt vom Fight-Club, nicht von den Wildschweinen.

Wenn sie sich schon unbedingt mit Kunst und Kultur befassen müssen, dann wenigstens mit den breitbeinig daherstapfenden Heroen. Wenn sie schreiben, dann wie Hemingway, wenn sie fotografieren, dann wie Robert Capa an der Front, und idealerweise legen sie sich ein männliches Hobby zu, Kickboxen zum Beispiel.

Genau! Echte Männer betreiben Bildhauerei, wie Michelangelo! Oder komponieren Synphonieen, wie Beethoven! Dichten, wie Dante. Oder machen halt irgendeinen Sport. Breitbeinig ist Ballett, oder? Jedenfalls, Kickboxen ist das gemeinsame Ding der beiden Protagonisten im Roman.

Genauer gesagt begegnet dort Leon, ein Autor von Reiseführern und Reportagen, dem Fotografen Janko, und beide stellen sich nur mittelgut in dieser Disziplin an.

Was so ein bisschen den „Höher, Weiter, Schneller“-Klischees zuwider läuft. Wenn die die beiden besten in der Disziplin wären, wäre das aber natürlich auch nicht gut. Weil: Klischees halt. Und irgendeine Fight-Club-Regel.

Janko hält sich für Tyler Durden aus „Fight Club“, gespielt von Brad Pitt in jener Männlichkeitsoper von 1999, die so ungefähr jeder Mann irgendwann einmal ganz unentbehrlich fand, was ihm jetzt hoffentlich reichlich peinlich ist.

Ich fand den Film gut, aber nicht unentbehrlich, ich habe daher keinen Grund, mich zu schämen, und ein bisschen frage ich mich jetzt, was genau mit Janko eigentlich nicht stimmt. Bitte keine Spoiler in den Kommentaren! Kein Reden über den Fight-Club in diesem Dojo!

Außerdem stammt Janko aus Osteuropa, ist drahtig und tätowiert, hat eine Vergangenheit, nennt Leon „Bruder“ und sagt bedeutungstiefe Sätze

Oha – ein Chara mit mehr als einem Persönlichkeitsmerkmal? Der also Sport UND Kunst macht? Diese eingeschränkten Männlichkeitsbilder immer…

Leon hadert derweil mit seiner schwäbischen Dorfherkunft und seiner Familie, die er provinziell und langweilig findet

Ein Allemanne. Na, sowas. „You gotta Fight! For your Right! To Clubbing!!!!!!“

Nein, mit besonders sympathischen Figuren hat man es nicht zu tun, man möchte sie eigentlich dauernd abwatschen wegen ihrer großsprecherischen Bedeutungshuberei.

Tja, kann sein, dass das Absicht ist. Aber ich vermute, Frau Diener kann bestimmte Männer einfach nicht leiden. Und dann war Fight-Club leider nicht der richtige Film für sie.

Dass der Reisejournalist Leon sich dann auf eine Reise begibt, ist erst einmal nichts Besonderes, es ist ja sein Beruf. Schon wieder Frankreich, wie öde, aber diesmal … sogenannte „Lost Places“ suchen, vor allem ein aufgelassenes Dorf in einem Kohlerevier namens Nortzeele. Leon ist seltsamerweise auch von diesem komplett unrealistischen Traumauftrag angeödet.

Wieso ist das ein Traumauftrag? Gibt es da viel Geld für? Sind leere Dörfer in Kohlerevieren solche Touristenmagnete? Wenn nicht, kann ich mir vorstellen, warum das unrealistisch ist. Und wo genau ist jetzt die Verbindung zu Fight-Club?

…dafür taucht im dramaturgisch richtigen Moment eine geheimnisvolle Nixe mit grünen Augen aus dem Meer, die eventuell Zohra heißt, genauer weiß man es nicht, sonst wäre sie ja nicht geheimnisvoll.

Ahhh! Die Person, die ohne Hoden geboren worden ist! Jetzt ist mir alles klar. Kam auch in Fight-Club vor.

Man weiß sofort, mit einem der beiden wird sie irgendwann ins Bett gehen, solche Figuren tun das immer.

Hihi. Genauhau. Man spricht nicht über Fight-Club. Dass Männer die Wahl zwischen zwei Frauen haben, ist auch sonst eher die Ausnahme. Ich präferiere aber Geschichten ohne Liebesdreieck.

Die geheimnisvolle Frau hat sie tüchtig zum Narren gehalten. Und nicht nur diese beiden, denn Männer und ihre männlichen Sehnsüchte sind ja enttäuschend leicht zu durchschauen.

Außer in Fight-Club. Wieso wird dieses Buch mit Fight-Club verglichen, wenn die Figuren sich zwar darauf beziehen, aber da nichts hintersteckt? Oder kommt etwa noch ein cooler Twist? Egal. Hauptsache Männerbashing. Wer neu im Fight-Club ist, bäscht!

Das ist schade, denn Leons Geschichte vom Erwachsenwerden und seinem Abschied von den allzu männlichen Vorbildern wäre eigentlich grundsätzlich interessant gewesen – und allzu oft hat man darüber auch noch nicht gelesen.

Ähhh, bitte? Wer ist „man“?

Unvollständige Liste von Romanen, in denen Menschen erwachsenen werden und sich dabei öfters von ihren oft männlichen Vorbildern distanzieren

hier gibt’s die Kontrastmeinung zur Zeit der Wildschweine. Ich glaube, ich werde das jetzt nicht aus reinem Trotz lesen, aber ich war knapp davor.

3 Gedanken zu “Feuilleton-Kritik

  1. „…in jener Männlichkeitsoper von 1999, die so ungefähr jeder Mann irgendwann einmal ganz unentbehrlich fand, was ihm jetzt hoffentlich reichlich peinlich ist.“

    Mich überkommt das Gefühl, Frau Diener hat den Film nicht verstanden. War vielleicht zu sehr abgelenkt vom oberkörperfreien Brad Pitt, was ihr jetzt hoffentlich reichlich peinlich ist.

    Zumindest lässt das für mich deutliche Rückschlüsse zu, wie unter diesen Gegebenheiten ihre Rezensionen zu filmischen wie literarischen Werken zu werten sind. Wer ein Werk geringschätzt, weil sich darin zwar männliche Protagonisten finden, aber DENNOCH nicht in wildes Bashen – oder neudeutsch „Dekonstruieren“ – derer Männlichkeit umgeschwenkt wird, wie von ihr erhofft, sollte sich mal hinterfragen, ob ihm nicht seine eigene Ideologie inzwischen doch arg dolle den Blick auf die reale Welt und auf reale Menschen nimmt.

    Aber das scheint ja um sich zu greifen. Man beachte nur die zahlreichen vernichtenden Kritiken zu „Joker“, die irgendwie auch allesamt darauf abhoben, wie gefährlich es doch „gerade in diesen Zeiten“ ist, eine durchaus einfühlsame Charakterstudie über einen weißen, heterosexuellen Mann mittleren Alters zu bringen. Da gibt es eine regelrechte Flut Medienschaffender, bei denen Identitätsdenken so weit gediehen ist, dass sie nicht mehr in der Lage sind, sich mitfühlend in einen Buch- oder Filmcharakter hineinzudenken, sobald dieser weiß und männlich ist und sie stattdessen wollen, dass dieser Charakter ständig nur identitär auseinandergenommen wird. Besorgniserregend!

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  2. Oh Gott, wie grenzenlos dumm die sind.

    Mit dem Begriff der „toxischen Männlichkeit“ (…) und über Gefühle sollen sie bitte

    auch nicht reden, weshalb sie sich gern ein wenig wortkarg geben

    erst schreiben sie in faschistoider Weise Männer nieder, und wundern sich dann, wenn diese dazu schweigen, keine Gefühle, keine Schwächen zeigen. Klarstellung: Das geht nur in einem geschützten Raum, ich habe das ausführlich hier erläutert.

    Und dann die Fortsetzung:

    denn Männer und ihre männlichen Sehnsüchte sind ja enttäuschend leicht zu durchschauen.

    Äh nee, mal davon abgesehen, dass derjenige, der die Giftmetapher verwendet, nicht das geringste bei Männern durchschaut hat, kann ich aus persönlicher Erfahrung nur festhalten, dass mich Feministen noch nie korrekt beschrieben haben. Auch in meiner Sehnsucht nicht.

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