BMFSFJ – the Ending

Immernoch Hierzu

Ich könnte da ja noch viel herumstochern, picke aber nur ein paar Punkte heraus. Weil bald Weihnachten ist, und bis dahin will ich auf andere Gedanken kommen.

Nachdem das BMFSFJ festgestellt hat, dass auch Jungen unter bodyshaming leiden können – guten Morgen – wird darüber gesprochen, wie Leute mit männlichen Jugendlichen ins Gespräch kommen (können).

Das Genderportal „meinTestgelände“ ist eine offene Bühne für die Auseinandersetzung Jugendlicher mit Geschlechterfragen – und zeigt gerade auch Jungen und jungen Männern, wie wandelbar ist, was
gegeben scheint.

Soll das heißen, dass Mädchen von alleine wissen, wie wandelbar gegebenes ist, oder nur, dass für Mädchen eben nicht alles wandelbar ist? Ich hatte zum Beispiel schon als Kind die Frage, warum eigentlich immer der Junge den ersten Schritt machen muss.

Was ist ein Junge? Aus meiner Sicht lässt sich das recht einfach beantworten: jeder Mensch, der sich männlich, beziehungsweise als
Junge/Mann fühlt.

Das ist eine Tautologie. Was ist ein Grumpf? Jeder Mensch, der sich grumpfig bzw. als Grumpf fühlt. Merkt Ihr, dass über Gefühle zu reden nicht heißen darf, NUR über Gefühle zu reden? Was ist Hunger? Das Gefühl, wenn man hungrig ist. Und was ist dann Durst? Das Gefühl, wenn man durstig ist. Und was ist der Unterschied? Im einen Fall fühlt man sich durstig, im anderen hungrig. Wenn man die physikalischen, chemischen, biologischen, medizinischen oder sonstigen Umstände, die mit solchen Gefühlen i.d.R. zusammenhängen, nicht benennt, weil man das nicht will oder kann, taugt das Gefühl nicht als Definition. Hunger ist das Gefühl, wenn man Nahrung braucht, Durst, wenn man Wasser braucht, Schmerz, wenn man sich verletzt hat oder krank ist, und grumpfig habe ich mir gerade ausgedacht. Beweis? Essen hilft gegen Hunger, Trinken gegen Durst, und Pflege, Schonung und Medikamente gegen Schmerz.

Denn ich bin der Ansicht, dass kein behördliches Papier dieser Welt aussagekräftiger ist als das persönliche Empfinden des betroffenen Menschen.

Das stimmt zwar, beweist aber nur, dass Papier geduldig ist.

Tom fragt sich, warum er sich als junger Mann in Begegnungen mit Mädchen in einem Rollenkorsett festgezurrt fühlt, obwohl er das gar nicht will.

Weil die Mädchen das so wollen? So als Arbeitshypothese. Weil er denkt, dass die Mädchen das so wollen? Noch so eine Arbeitshypothese. Weil er beobachtet, dass andere junge Männer sich auf eine bestimmte Weise verhalten, die bei den Mädchen gut ankommt, und er kein Risiko eingehen will? Nur so als Idee.

Weiblichkeit ist in unserer Sozialisierung ein zerbrechliches Gut.
Und Männer sollen dieses Umhüllen, wie die Luftpolsterfolie einer Porzellanvase. Super Mario befreit Prinzessin Peach.

Tja, und das ist eben eine Denke, der nicht konsequent widersprochen wird. Entweder, Weiblichkeit ist etwas, was von Männern beschützt werden muss. Dann ist es konsequent, Frauen von Gefahren fernzuhalten. Oder aber, Weiblichkeit kann sich selbst beschützen. Dann braucht sie keinen männlichen Schutz und keine männlichen Allys.

Welches sind bislang die wichtigsten Erfahrungen, Erkenntnisse, Resultate?

Hmm, als empathische Menschen, die auf ihre Gefühle hören, bräuchte man keine statistischen Untersuchungen, aber hey, Aufklärung und Vernunft.

Erstens: Jungen und junge Männer wollen sich – entgegen der öffentlichen Meinung – zu Männlichkeitsthemen äußern,

Ja, warum sollten sich nur nicht-männliche Menschen zu Männlichkeitsthemen äußern? Ich äußere mich auch eher selten zum Thema Fußball.

wenn die Form und das Angebot stimmen und man ihnen mit Respekt begegnet.

Also mit so Formulierungen wie „die Klappe halten“? Ernsthaft, die machen das doch mit Absicht.

Sie beschäftigen sich übrigens durchaus auch mit Mädchenrechten und Geschlechterverhältnissen insgesamt.

Weil Mädchenrechte dieselben wie Jungenrechte sind? Oder etwa nicht?

Zweitens: Jungen und junge Männer haben große und vielfältige Probleme mit den gesellschaftlichen und zuweilen auch familiären Erwartungen, wie sie sich „männlich“ zu geben und zu leben haben.

Achwas? Ja, ein Ministerium, dass einfach die Forderung in den Raum stellt, wie sich Menschen, für die es gar nicht zuständig ist, seine Ziele umsetzen sollen, fügt diesen Forderungen und Erwartungen einfach was hinzu. Kennt man, wenn jemand schwer zu schleppen hat, ihm einfach noch was in die Hand drücken. Kein generisches Maskulinum in dem Fall.

Oft passt das überhaupt nicht zu ihrem Selbstbild.

Jetzt wäre die Konsequenz, Jungen und Männern zu sagen: „Macht doch, was IHR wollt.“ Aber nah, nachher machen die das ja wirklich.

Drittens: Die strukturelle Dominanz des Männlichen strahlt nicht (unbedingt und immer) auf den einzelnen Jungen oder jungen Mann ab.

Das könnte evt. auch daran liegen, dass „strukturelle Dominanz“ einfach gleich zwei Fälder im Bullshit-Bingo sind. Aber ja, Leuten dauernd zu sagen, dass sie nicht benachtilgt seien, weil man sie aus „strukturellen“ Gründen nicht benachteiligen könne, mag dazu führen. Ihr einfühlsamen Menschen, Ihr.

Der erlebt sich oft vielmehr verletzlich und unsicher

Deshalb ist es Blödsinn, Verletzlichkeit zuzulassen. Verletzlich ist man immer, es geht darum, Verletzungen zu verhindern.

Viertens: Trans*Jungen und junge Männer müssen besonders um Anerkennung als Jungen und junge Männer kämpfen. Sie wollen ganz normal dazugehören.

Gut, dass wenigstens Terfs sie nicht als Frauen wahrnehmen. Was? Terfs schließen beide Formen von Transsexuellen aus.

Fünftens: Es gibt kaum Öffentlichkeit für Jungen- und Männerthemen jenseits von Problembeschreibungen und Skandalisierungen.“

Na, woran die das wohl gemerkt haben? *Finger-fusselig-tipp.

Männerberatung: Ein Fachgebiet wird
erwachsen
Wie geht Jungen- und Männerarbeit? Und wo kann man das lernen? Der Sozialdienst katholischer Männer (SKM Bundesverband) bietet mit Unterstützung des BMFSFJ die erste umfassende Multiplikatoren-Ausbildung Deutschlands an.

Wer hätte es gedacht – dass BMFSFJ macht DOCH was. Konfettikanone GO!

Am Anfang stand die kritische Selbstbefragung: Woran liegt das eigentlich, dass wir in der Obdachlosenhilfe, in der Schuldnerberatung oder der Suchtberatung zur Hauptsache männliche Klienten haben?

Der berüchtigte Gläserne Fußboden. Meine Cousine: stell Dich da nicht drauf! (Die Cousine hat zwar ein Diplom in Bauingenieurwesen, aber mich dissen geht IMMER. *g Ich liebe sie trotzdem.)

Ist es unveränderlich, dass diese Männer meist (zu) spät Hilfe in Anspruch nehmen?

Keine Ahnung? Haben die keine Frau, die sie losschickt? Oder ist die ihnen weggelaufen? Fragen über Fragen. Ist bestimmt die Schuld der Männer.

Wie müssten sich Männerbild und Angebot entwickeln, damit wir sie früher erreichen?

Irgendwas mit „Verzicht“, „Zurückstehen“ und „Klappe halten“ wird bestimmt das Mittel der Wahl sein. Männer sind es eh‘ nicht gewohnt, dass man sie mit Respekt behandelt, und Obdachlose, solche ohne Geld und solche mit Drogenprobleme am allerwenigsten.

„Die Erfahrung zeigt einfach: Wenn der Berater ein Mann ist, sinkt für viele Männer die Hemmschwelle, Unterstützung in Anspruch zu nehmen“, erklärt Jähne.

Ohne Scheiß, Sherlock. Ohne Scheiß. Ok, mangels eigener Sozialarbeitsskills will ich mich nicht allzusehr darüber lustig machen. Das ist arbeit, das ist nicht unbedingt einfach, und ich bin ja froh, dass es das gibt. Aber weiter oben wird ganz unironisch Männern das Nuhrzitat gedrückt. Noch nichtmal mit der keine-Ahnung-Einschränkung.

Trotzdem: Steht die Beratung von Mann zu Mann nicht schräg im Raum, wenn es gleichstellungspolitisch doch darum geht, Geschlechterstereotypen aufzubrechen und geschlechtergetrennte Sphären stärker zu durchmischen?

Nein. Oder nicht mehr als die Forderung, dass Männer die Probleme von Frauen lösen sollten, Geschlechterstereotypen bedient. Abgesehen davon darf das BMFSFJ ja gerne Frauen für solche Beratungen abstellen, solange sie keine Männern verbietet, männliche Berater aufzusuchen. Freies Land und so.

Auch Männer brauchen Schutz vor Gewalt

Tja. Wenn man Geschlechterstereotypen aufbrechen will, muss man dafür jetzt Frauen abstellen, die Männer beschützen. In Weißrussland passiert das sogar bei Demos. Aus Dankbarkeit nenne ich diese Weißrussinen jetzt Belarusinnen. Bitte nicht „Bellarosinen“ aussprechen. Danke.

In Deutschland gibt es heute neun Männerschutzprojekte mit 29 Plätzen (Stand: Mai 2020).

Und ich dachte, es wären sogar 30! Plätze jetzt, nicht Projekte.

Natürlich und bedauerlicherweise ist der Bedarf für Kinder- und Frauenschutzprojekte viel größer.

Wieso ist DAS jetzt plötzlich „natürlich“? Hallo? Soziale Strukturen und so?

… wenn man sich die Dunkelziffer vor Augen führt, die es geben muss, wenn ein Mann das Gefühl hat, als geschlagener Mann kein ‚richtiger‘ Mann mehr zu sein. Sind es wirklich ‚nur‘ 25.000 von Partnerschaftsgewalt betroffene Männer, wie das Bundeskriminalamt sie erfasst?

Selbst ohne Dunkelziffer. 29 Plätze. Für 25.000 Mann. Ja, kombiniere, mein guter Watson, das sind zu wenig.

Wir haben also den tatsächlichen Bedarf geschätzt und eine politische Forderung entwickelt: Es braucht in Sachsen drei Männergewaltschutzprojekte, eins in Dresden, eins in Leipzig und eins in Plauen.

Nicht schätzen, RECHNEN! Mathematik und so. Und nennt den Scheiß nicht Männergewaltschutzprojekte, wenn wir schon dabei sind. Dumme Menschen könnten das mal wieder falsch verstehen.

Hachja, zum Schluss noch, wie das BMFSFJ Männer gerne hätte. Frauen aber nicht, anscheinend. Oder Frauen dürfen halt machen, was sie wollen.

Nein zu Heteronormativität, Abwertung und Ausgrenzung

Ich fühle mich von „Klappe halten“ ausgerenzt und abgewertet. Aber ja, wir können gerne Homosexualität normieren. DIN sounsoviel.

Nein zu Hyperindividualismus und kollektivem Egoismus

Ist beides schlecht, aber in dem Kontext heißt das nur: „Sei nicht feige, lass mich hintern Baum.“

Selbstbewusst Mann sein

Aber um Hilfe bitten.

Sag Ja zu dir!

Aber halt die Klappe dabei.

RESPEKTIEREN
LERNEN
VERLETZLICH SEIN
SICH ERMÄCHTIGEN

Prinzip Vielfalt

Ja, Vielfalt heißt hier Widersprüchlichkeit: „Ermächtigen“ vs. „sich verletzen lassen“, „lernen“ macht man sowieso, aber „respektieren“ ist nichts, was man vom BMFSFJ lernen kann.

Selbstbestimmt Mann sein

Dann bräuchte ich diese Liste nicht.

Gib Gas!

Äh, da würde ich sagen, dass zu vorsichtiges Fahren tatsächlich nicht das Prolem dt. Männer ist. Aber gut, kein Tempolimit!

LEISTEN
SPIELEN
STREBEN
ÜBERRASCHEN

Prinzip Freiheit

Wenn ich frei wäre, müsste ich weniger leisten und streben. Ich könnte, aber ich müsste nicht. Das ist sicher überraschend.

Sorgfältig Mann sein

Ganz viele Leute, die Realfilm-Mulan doof finden, vermissen auch die Musik, meinen aber, dass das ok wäre, wenn der Rest besser wäre. Aber man stelle sich vor, diese tollen neuen Tugenden als Lied. Stand da nicht irgendwas weiter oben, dass die jetzigen Anforderungen an Männer zu widersprüchlich UND überzogen seien, um sie je zu erfüllen? Tja.

Sei umsichtig!

Wer weiß, wer Dir in den Rücken fällt.

VERBUNDEN SEIN
SICH KÜMMERN
GLAUBEN
BEGRENZEN

Prinzip Nachhaltigkeit

Club der Toten Dichter, anyone? Das Elite-Internat hatte „Ehre, Tradition, Disziplin, Leistung“. Handelsübliche Klöster „bete und arbeite“. Pfadfinder „jeden Tag eine gute Tat.“ Aber hier werden Elite-Pfadfinder-Mönche gefordert.

Solidarisch Mann sein

Mit anderen Männern etwa? Wohl kaum…

Teile!

Aber herrsche nicht!

ZUSAMMENSTEHEN
DA SEIN
SCHÜTZEN
GEBEN

Prinzip Gerechtigkeit

Eher soldatische Tugenden. Also Elite-Pfadfinder-Krieger-Mönche, die spielen und verletzlich sind? Kann ich nicht doch einfach wieder auf Selbstmordmissionen geschickt werden?

Nein zu Dominanz, Ausbeutung und aller anderen Gewalt

Also einfach das menschliche Schutzschild geben, wenn man andere schützt? Sehr umsichtig.

Nein zu Ungerechtigkeit und patriarchaler Dividende

Man beachte den Widerspruch alleine darin.

Das Modell ist
• eine Schatzkarte, die den Weg zu noch unerschlossenen Horizonten weist

Was für eine schiefe Metapher: eine Schatzkarte weist den Weg zu einem Schatz. Der Horizont ist nicht verzeicnet, weil der vom Standpunkt des Beobachters abhängt und nicht erreicht werden kann. Aber passt zum Gesamtkonzept dieser Broschüre.

• ein Kompass, damit man(n) überprüfen kann, ob die Richtung stimmt

Ach, müssen Frauen also keine Elite-Autobahnraser-Pfadfinderinnen sein?

• ein Anker, der gewährleistet, dass man(n) auf der sicheren Seite steht

Ein Anker gewährleistet, dass man nicht abtreibt. Also, als Schiff jetzt, nicht als Frauenarzt. Wenn ich an Ort und Stelle bleibe, brauche ich aber keine Karte und keinen Kompass. Wie dumm kann das noch werden?

• ein Schutz, der sichtbar macht, wo die Grenzen sind.

Das wäre eigentlich auf einer Karte zu sehen…

Kurz: Das vorgestellte 4×4-Rahmenmodell ist ein Leitbild, das anschaulich zeigt, wie sich vermeintlich Unvereinbares vereinbaren lässt

Nämlich gar nicht.

und damit spürbar macht, dass Männer viel gewinnen können, wenn sie sich emanzipieren

Mehr Aufgaben als so schon? Also, ich spüre nichts positives. Nichts, was ich sowieso schon tue, was ich als Nachteil empfinde, oder was beides ist.

Denn gerade auch für Jungen und Männer hält Gleichstellung
viel mehr bereit als den Verlust (zwiespältiger) Privilegien.

Ja, mehr Arbeit.

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