BMFSFJ – the Beginning

Oder, wie es in 1984 heißen würde:

Mini’effde’efjot. Das „` “ ist der Knacklaut. (Wird auch als Komma angezeigt…)

Wird schon drüber berichtet, aber gut.

Fangen wir mit dem Vorwort an:

Für uns im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gilt: Gleichstellungspolitik für Männer ist kein Gegensatz zur Gleichstellungspolitik für Frauen.

Und deshalb heißt es zukünftig BMFSFJM? Bzw., nur, weil etwas kein Gegensatz ist, heißt das nicht, dass man auch beides macht. Zitroneneis ist auch kein Gegensatz zu Horoskopen, aber in einer Eisdiele kriegt man nur ersteres.

Sie stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern sind zwei Seiten
derselben Medaille.

Das klingt wie die Macht aus Star Wars. Wenn das Ding „Gleichberechtigung für alle“ hieße statt „Gleichstellungspolitik für xy“, hätten die gar keinen echten oder semantischen Widerspruch aufgebaut, den man jetzt aufwendig auflösen müsste.

Jungen und Männer in die Gleichstellungspolitik einzubeziehen, bedeutet dabei für uns, eine bedarfsgerechte Politik der fairen Chancen für alle Menschen in unserem Land umzusetzen.

Ja, die schaffen es alleine nicht, ihre Probleme zu lösen, sondern brauchen Jungen und Männer. Einfach das Gesetz abschaffen, das Arbeitgeber dazu zwingt, Männern ein Viertel bis ein Drittel mehr als Frauen für gleiche Arbeit zu bezahlen, dann würden die nämlich auch Männer einstellen. Wie, so ein Gesetz gibt’s nicht? Jaaa, wer hat’s gedacht?

Die Anforderungen an Männer sind heute vielfältig und komplex.

Im Gegensatz zu wann? Typische Männerarbeit war seit der Altsteinzeit alles was mit Jagd, Waffen, längere Reisen fern von zuhause, Booten und Schiffen, Bergbau, Bauwesen sowie Feuerwehr und Industrie zu tun hat (letztere zwei gab’s in der Altsteinzeit noch nicht).

Sie sollen emotional offen und verständnisvoll, gleichzeitig aber auch stark und „männlich“ sein.

Das ist jetzt erstmal kein Widerspruch, aber gut.

Sie sollen beruflich erfolgreich sein, aber auch aktiv am Familienleben teilnehmen und als liebevolle fürsorgliche Väter ihren Teil an der Kindererziehung leisten.

Ja, da wird’s schon schwieriger. Aber zusätzlich natürlich dem „Ministerieum für alle außer Männern und sonstigen nicht-weiblichen Erwachsenen“ helfen. Weil.

Diese unterschiedlichen Anforderungen können dazu führen, dass sich Männer überfordert fühlen und Probleme haben, ihre Sorgen offen anzusprechen, da dies ihr eigenes Lebenskonzept nicht vorsieht.

Nun, die offensichtliche Lösung, vor allem, wenn man erkannt hat, dass man jemanden überfordert oder jedenfalls Sorgen und Probleme bereitet, wäre: Mit genau diesen Anforderungen aufzuhören! Warum sollte ich über meine Probleme und Sorgen mit jemanden sprechen, die oder der weiß, dass ich überfordert bin, aber keine Anstalten macht, diese Anforderungen zu drosseln? Soe ist offenbar nicht interessiert, mir damit zu helfen.

Gründe dafür sind oft die eigene Erziehung und ein über viele Generationen gelebtes Rollenbild.

Ja, über viele Generationen. Meine Urgroßväter vor 100 Jahren wären mehr oder weniger freiwillig in den 1. WK gezogen. Offenbar lebe ich nicht so, und deren Rollenbild würde nicht verhindern, dass ich über meine Probleme rede.

Für echte Gleichberechtigung brauchen Frauen und Männer daher eine abgestimmte Gleichstellungspolitik, die für beide Seiten eine optimale Balance zwischen Beruf und Familie im Arbeitsalltag oder bei der Pflege ermöglicht.

Hängt das nicht auch damit zusammen, wie viele Kinder man hat? Wie viele pflegebedürftige Verwandte? Wie reich oder arm man ist? Soll heißen, die Unterschiede zwischen zwei Eheleuten sind selten so groß wie die zwischen einem reichem Mann und einem armen und einer armen Frau und einer reichen.

Gerade für Jungen und Männer hält Gleichstellung viel mehr bereit als den Verlust vermeintlicher Privilegien

Stimmt. Diese Privilegien sind keine, sie werden nur als solche gefrämt von Menschen, die überwiegend keine Männer sind. Erwerbsarbeit in gefährlichen Berufen bspw. ist etwas, was nur die zynischsten Personen im Miniwahr als Privileg verkaufen würden.

Es ist das erste seiner Art, das speziell Männer anspricht und thematisiert.

Es spricht über Männer, aber es spricht sie nicht an.

Darin werden gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen veranschaulicht sowie neue Perspektiven und Horizonte eröffnet – für starke, selbstbewusste und selbstbestimmt lebende Männer

Also die Art von Männern, die tatsächlich kein eigenes Ministerium brauchen? Ja, dann ist das ja einfach.

eine moderne Gesellschaft, in der Partnerschaftlichkeit nicht nur ein Wort ist, sondern aktiv gelebt wird.

Äh, Frage an Menschen mit viel Beziehungserfahrung – kann man Partnerschaftlichkeit überhaupt passiv leben, oder ist das eine Anspielung auf eine Sexpraktik, die ich gerade nicht durchschaue?

Nachdem wir, oh Gemeinschaft der Gläubigen und Ungläubigen, also das Vorwort überlebt haben, geht es weiter mit den drei Dingen, was von Jungen und Männern erwartet wird:

1. Als Akteure des Wandels („agents of change“): Denn auch Jungen und Männer haben Gleichstellungsanliegen, wollen jenseits von Geschlechterklischees frei und gut leben, ihre Potenziale und Interessen verwirklichen, Beziehungen auf Augenhöhe führen.

Jaaaa, Gesetze, gegen die Frauen nicht verstoßen können, sollten abgeschafft oder erweitert werden. Der besondere Schutz von Müttern sollte auch auf Väter und Kinder ausgeweitet werden. Spätestens, wenn die allg. Wehrpflicht wieder eingesetzt wird, sollte man sich über das „allg.“ Gedanken machen.

2. Als Unterstützer und Partner von Gleichstellung und Frauenemanzipation: Denn auch wenn Jungen und Männer selbst unter Männlichkeitsnormen leiden, bleiben sie strukturell privilegiert. Gleichstellungspolitik muss der Geschichte Rechnung tragen. Sie muss und darf von Jungen und Männern auch einfordern, dass sie sich mit ihren gewachsenen Privilegien auseinandersetzen und Gleichstellungsanliegen von Frauen solidarisch mit unterstützen

Solidarität ist keine Einbahnstraße. Die Frauen, die für reproduktive Rechte kämpfen, aber mit einer allg. Wehrpflicht nur für männliche Menschen keinerlei erkennbaren Probleme hatten, die gefährliche Arbeiten eher selten ergreifen und Frauenhäuser bauen, aber keine Männerhäuser, sind jetzt eher nicht in der Position, „Solidarität“ zu fordern. Niemand hält sie ab, sich Männer mit niedrigen Einkommen zu suchen, die Hausmann werden wollen, um ihre Karriereträume zu ermöglichen. („Ähh, doch? Der Mangel an interessierten Männern ist ein Problem dabei.“ – „Dann sollen sie halt gleich viel verdienende Männer suchen.“ – „Dann heiraten zukünftig immer mehr Menschen aus derselben Einkommensklasse?“ – „Dann sollen sie halt Männer suchen, die mehr verdienen. Ist doch toll, mehr Geld.“)

3. Als Partner in einer Allianz für Vielfalt und soziale Gerechtigkeit: Denn Gleichstellung ist nicht erreicht, wenn nur die privilegiertesten Männer und Frauen gleich viel haben und dürfen. Partnerschaftliche Gleichstellungspolitik bezieht Jungen und Männer ein in den Entwicklungsprozess hin zu sozialer Gerechtigkeit und einer equality for all gender.

Wenn Arbeitersohn und Arbeitertochter hochbezahlte Ärzte und Anwälte werden können – mwd natürlich – und unabhängig davon Akademikersöhne und -töchter heiraten können, ist DAS Problem doch behoben. Gleichberechtigung heißt gleiche Rechte. Wenn es harte, nicht-gesetzliche Hindernisse gibt, sollte man sich darüber Gedanken machen, wie man die abbaut, aber inzwischen geht es doch nur noch darum, die Statistiken gleichmäßig zu halten.

Nebenbei, soziale Gerechtigkeit und soziale Durchlässigkeit sind sicher zwei ehrenwerte Ziele, aber es ist nicht die Aufgabe von Jungen und Männern – also i.d.R.: Bürgern ohne Amt – politische Ziele umzusetzen. Wenn es darum ginge, Drogenkriminalität zu bekämpfen, wird ja auch nicht von Bürgern erwartet, Drogenhändler zu verfolgen.

Aber hey, es werden Statistiken erstmal gemacht:

Die Daten machen sichtbar, wie schnell sich Männlichkeitsbilder und Geschlechterverhältnisse auch in Deutschland verändern

Aaaalso, man muss da gar nicht nachhelfen? Dumme Frage. NaTÜRlich muss man das. Als BMFSFJ und als Mann. Und JugendlicheR.

Sich erweiternde Männlichkeitsvorstellungen geben vermehrt den Blick frei auf männliche Gewaltwiderfahrnisse.

Ein Ministerium eines Staates, der wie viele andere Staaten Gesetze und Vorschriften hat, die explizit und implizit dafür gedacht sind, Frauen vor Gefahren zu beschützen, und so quasi per Gesetz ein Frauenbild unterstützt, demzufolge man lieber Männer als Frauen Gefahren – und dazu gehört auch Gewalt – aussetzen soll, sollte diese Verwunderung weder haben noch vortäuschen. Aber Ruhm und Ehre für den tollen Euphemismus „Gewaltwiderfahrnisse“. So formuliert tut es fast gar nicht weh.

Auch die Erkenntnis, dass einseitige Männlichkeitsvorstellungen ein Gesundheitsrisiko darstellen, ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Ich sach ma so: der Mitte der Gesellschaft war das die ganze Zeit klar, Ihr weltentrückten Elfenbeintumbewohner, innen, nur IHR scheint das nicht mitbekommen zu haben. Wegen Verwunderung oder was?

Der Gender Pay Gap beträgt noch immer 21 Prozent

Ja, weil Ihr nicht rechnen könnt. Oder, weil Ihr lügt. Oder, weil Euch eine ausgeglichene Statistik wichtiger ist als alles andere.

Immerhin 40 Prozent aller anspruchsberechtigten Väter gehen mittlerweile in Elternzeit – Tendenz steigend.

Erweitert doch einfach den Kündigungsschutz für Väter. Wenn Väter schon Kündigungsschutz genössen, sobald ihr Kind unterwegs wäre, würde es sich für Arbeitgeber weniger lohnen, Männer einzustellen. D.h., es gäbe einerseits weniger Motivation, keine Frauen einzustellen, und andererseits hätten Väter weniger Sorgen, wenn sie Elternzeit nähmen.

Männer begegnen mit ihren Teilzeit- und Vereinbarkeitswünschen noch immer offenen und verdeckten Widerständen.

Tja, warum nur? Weil Elternschutz als Mütterschutz umgesetzt wird, von einem Ministerium eines Landes, welches Frauenschutzgesetze als Errungenschaft der Gleichberechtigung versteht, aber Väterschutz als frauenfeindlich främt? Nein, das ist wie mit der Homoehe – Müttern oder Frauen allgemein wird nichts weggenommen, wenn man auch Väter unter den besonderen Schutz der Gesellschaft stellt. Aber ja, da fehlt ein M im BMFSFJ.

Auch andere männliche Verletzlichkeiten und Opfererfahrungen
bleiben oft verborgen. Männerspezifische Ansätze in Prävention und Gesundheitsversorgung sind ebenso Mangelware wie männerspezifische
Unterstützungs- und Beratungsangebote für eine Vielzahl von Lebensfragen und -krisen.

Und das ist natürlich die Schuld der Männer und nicht die des nicht-zuständigen Ministeriums. Wohingegen Feministinnen und -ten beklagen, dass zu wenig in die Erforschung frauenspezifischer Leiden gesteckt wird. Frauen in D. leben inzwischen nur noch 4 Jahre länger statt der fünf, die Gott gewollt hat. Also „Gott*“ jetzt.

Ergänzende weiterführende Literatur: Man Tau

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