Rassismus gegen Indigene lohnt sich nicht

Das zumindest ist offenbar die logischste Erklärung hierfür.

Migranten, die gegen Migranten hetzen

Um das abzukürzen: es ist sicher möglich, indigene Deutsche, auch Herkunftsdeutsche oder „Bio-Deutsche“ genannt (gibt’s auch Gen-Deutsche?), zu hassen, zu verachten oder sonstwie mit rassistischen Vorurteilen zu belegen. Aber es gibt keine Unterdrückung von Deutschen ohne Migrationshintergrund. Im von hier aus gesehenen Ausland nicht, weil Deutsche im Ausland entweder nur bleiben, wenn’s denen da gefällt, oder, wenn sie dorthin auswanderen, ja Migraten wären und daher „mit Migrationshintergrund“, und im Inland nicht, weil Deutsche ohne Migrationshintergrund hier die überwältigende Mehrheit sind. Und „überwältigend“ ist nicht nur so eine Metapher.

Also, wenn man seinen gruppenbezogenen Menschenhass ausleben will, dann besser gegen Gruppen, gegen die man eine Schnitte hat.

Türken gegen Kurden, Griechen gegen Türken, Muslime gegen Juden oder umgekehrt.

Funfact: die allermeisten hiesigen Juden haben keinen Migrationshintergrund. D.h., antisemitische Türken, Kurden etc. in D. wären nicht gegen Migranten. Aber ja, das ist schonmal eine Erklärung: „Migranten“ sind keine homogene Gruppe.

Aktuell wurde das sichtbar im Fall von Xavier Naidoo, Schmusebarde der deutschen Reichsbürger und melodischer Aluhut-Agitator.

Jaaa, auch der hetzt gegen Juden, Homosexuelle und andere Personengruppen, nicht notwendigerweise gegen Migranten. Und es gibt ja auch „moderne“ Rassisten, die ihre Vorurteile nicht an irgendwelchen Genen festmachen, sondern an „Kultur“, also Erziehung und Sozialisation. Was die Sache zwar nicht gut macht, aber einiges erklärt, worüber sich Almanin Ataman sehr wundert. (Sie ist aus Stuttgart – allemannischer geht’s nicht.)

Der Soulsänger mit eingewanderten Eltern trällert seit Jahren antisemitische und rechtsgesinnte Codes zum Mitsingen.

Ist der nicht aus Mannheim, und ist Mannheim nicht fast dieselbe Mischpoke wie Stuttgart? Ich habe nichts gegen BW, einige meiner besten Freunde leben in BW, aber diese BW sind von hier, also aus NRW.

Doch erst 2020 hat RTL ihn als Juror der Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ gefeuert. Warum hat man ihn so lange gewähren lassen? Dachte man vielleicht, die fragwürdigen Liedpassagen seien ein Missverständnis, weil – ein Schwarzer könne ja schlecht gegen Migranten hetzen?

Oder, RTL ist Rassismus egal. Oder, RTL ist Rassismus nicht egal, man will aber nicht rassistisch wirken. Jemand Schwarzes zu feuern, könnte man allerdings leicht als „rassistisch“ wahrnehmen. Aber ja, die Idee, dass Schwarze nicht rassistisch sein könnten, ist bestimmt auch eine valide Erklärung.

Ebenso bemerkenswert der Einpeitscher des Verschwörungsmilieus: Attila Hildmann, Kochbuchautor und selbst ernannter „Veganerkönig“.

Ja, VegetArier sind möglicherweise böse Menschen, aber Veganer, VEGANER, nein, die doch nicht…

Bei ihm ist es etwas komplizierter. Er hat weiße, deutsche Adoptiveltern, aber seine leiblichen Eltern und sein Vorname sind türkisch.

Eigentlich ist das der gotische Name eines berühmten hunnischen Eroberers: er bedeutet „Väterchen“, was möglicherweise eine Verballhornung seines eigentlichen hunnischen Namens ist. Es gibt aber genug Belege aus der Zeit, dass Hunnen gotische Namen und Goten hunnische hatten, wegen der Multikulti-Völkerwanderungszeit, und außerdem, weil Attila u.a. auch dadurch seine Macht festigte, dass er die verschiedenen Völker und Stämme, über die er regierte, möglichst gleich behandelte, so dass das „Väterchen“ ein Spitznahme als Ausdruck verdienter Zuneigung war. Dass das (alt)türkisch sei, behaupten hauptsächlich die Türken, btw., deren Vorfahren zu der Zeit eigentlich mehr gegen China kämpften. (Böri Khan, anyone?) Kulturelle Aneignung.

Auch Hildmann hält mit seinen rassistischen Standpunkten nicht hinterm Berg. Als Star der Corona-Leugner-Szene kaut er rechtsextreme Drohszenarien wieder, propagiert Gewalt und hat Strafanzeigen wegen Volksverhetzung am Hals.

Ja, Original-Attila war ambivalent, weil er zwar die eigenen migrierenden Völker unterstützte, andere aber hart bekämpfte. Wen genau Hildmann jetzt unterstützt, weiß ich jetzt auch nicht, aber nunja. Geschichte wiederholt sich nicht, aber reimt sich manchmal.

Mittlerweile fast vergessen hingegen ist Akif Pirinçci

So ein Glück.

Wieso schürt jemand Hass auf eine Gruppe, zu der er oder sie von außen selbst zugeordnet wird?

Tja, wenn indigene Deutsche gegen andere indigene Deutsche hetzen, stört das doch auch niemenden, außer den anderen indigenen Deutschen vllt., also, so what?

Vermutlich sehen sich Xavier, Attila, Akif und Co. selbst nicht als Teil der ihnen verhassten Gruppe und wollen das klarstellen

Also, die halten sich nicht für Juden, Schwule, die Bundesregierung oder eine wieauchimmer geartete Schnittmenge davon? Gut, dass die das sagen.

In manchen Fällen geht das so weit, dass Züge von Selbstverleugnung und Selbsthass zu erkennen sind. Selbsthass, weil sie aus der Identität ausbrechen wollen, die sie offenbar als minderwertig empfinden, und sich auf die feindliche Seite schlagen.

Hmm, ein – sagen wir mal – christlicher Araber hat a) ein Interesse daran, sein radikalislamisches Heimatland zu verlassen, b) stattdessen in ein Land mit anderen Christen zu ziehen und c) einen Grund, Muslime eher nicht zu mögen. Dass man ihn aus rein statistischen Gründen für einen Muslim hält, macht es erforderlich, das stärker zu betonen, als er normalerweise täte. Nur so als Arbeitstheorie, nicht konkret auf die obigen drei bezogen…

Eine Flucht in den Rechtsextremismus, um die ersehnte Anerkennung als Deutsche zu gewinnen?

Naja, ehe man von denen erschossen wird? Man muss mit den Wölfen heulen. Altes türkisches Sprichwort.

Zum Beispiel, indem sie Bier trinken, Schweinshaxe essen und bei rassistischen Witzen besonders laut mitlachen.

Tja. Schämt Euch!

Einige gehen noch weiter und biedern sich bei Rechtsradikalen und Rechtsextremen an, wie die Migranten in der AfD.

Ja, so ein Alibi-Quoten-Ausländer ist immer gut. Das erklärt auch lesbische Schweiz-Deutsche. Deutsch-Schweizerinnen? Die halt.

Eine andere Erklärung wäre der internalisierte Rassismus.

Das scheint mir aber bei Xavier und Attila zumindest nicht der Grund zu sein. Der eine ist nicht schwarzenfeindlich, der andere nicht türkenfeindlich.

Die rassistische Hetze kann aber auch mit Nationalismen und Rassismen in den Herkunftsländern zusammenhängen.

„Ich habe nichts gegen Migranten, einige meiner besten Freunde sind Migranten. Und meine Eltern. Und meine große Schwester, wobei die da erst 18 Monate alt war. Aber DIESE Migranten kommen aus [Land mit Erzfeindschaft einfügen].“

People of Color geraten in rechtsextremen Milieus auf kurz oder lang in eine Zwickmühle: Sie können mit noch so viel Inbrunst rassistische Stammtischparolen schmettern, sie bleiben ein Teil der diskriminierten Gruppe.

Ja, sollen wir jetzt in Mitleid ausbrechen, oder eher in Victim-Bläming? Wobei die PoC, die keine Schwarzen sind, aber tatsächlich Vorurteile gegen Schwarze haben und pflegen, oder die türkischstämmigen Deutsche, die total gegen Diskriminierung von Deutschtürken sind, aber einen Präsidenten haben, der Türkeikurden diskriminiert, ja nicht aus reinem Anbiedern ins rechtsextreme Milieu gerieten, sondern wegen gewisser Gemeinsamkeiten. Karmische Gerechtigkeit.

In geschlossenen, völkischen Weltbildern gibt es nämlich nur schwarz und weiß, die Grauzone ist schon Multikulti.

Nicht nur bei denen gibt es nur schwarz oder weiß, aber ja.

Das ist erstaunlich effektiv. Rassisten und Rechtsextreme dürfen aber nicht damit durchkommen, dass sie auf Minderheiten in ihren eigenen Reihen verweisen.

Eigentlich passiert das auch nicht. Also, dass denen das abgekauft wird. Es sind halt Argumente gegen die Behauptung, dass Angehörige von Minderheiten keine Rassisten sein könnten. Sie können es bloß nicht so gut zeigen und ausleben, aus Gründen (Minderheit halt), die nicht ihr Verdienst sind.

Ärgerlich ist auch, dass manche die Existenz rassistischer Migranten dazu verwenden, sich selbst moralisch zu entlasten: Die sind ja auch nicht besser.

Tja, es ist nicht die Schuld der rassistischen Nicht-Migranten, dass es rassistische Doch-Migranten gibt. Nebenbei, wenn ich als Indigener Vorwürfe ernte wegen des Rassismus meiner Mitindigenen, dann können Migranten Vorwürfe wegen dem Rassismus ihrer Mitmigranten ernten.

Dass aber alle Menschen rassistische Einstellungen haben können, ändert nichts daran, dass Rassismus nicht alle gleich betrifft: Nur weiße Menschen werden dadurch aufgewertet und haben Vorteile, die anderen nicht.

Schon. Aber heißt das nicht in der Konsequenz, dass Rassismus entschuldbar ist, wenn man ihn nicht ausleben kann?

Also stehen Regierungen und Gesellschaften weiterhin in der Verantwortung, ihre Minderheiten vor Rassismus zu schützen.

Regierungen. Gesellschaften sind keine Personen oder Körperschaften und können daher keine Verantwortung übernehmen. Individuen in diesen Gesellschaften auch nicht, weil das Gruppenhaftung wäre. Aber, um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen,

wie ist es zu verstehen, wenn Menschen aus Einwandererfamilien rechtsextreme Verschwörungen verbreiten oder Hass auf die eigene Gruppe schüren

ich habe noch eine Erklärung, die mir am plausibelsten erscheint:

Manche Menschen mit Migrationshintergrund sind leider sehr sehr dumm.

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