Taz war so klar…

…oder eigentlich nicht. Weil hier für Achille Mbembe argumentiert wird, was woanders schon anders klang.

Aber ja, warum ist man gegen „cancel culture“ bei Lisa Eckhard, aber möglicherweise trotzdem gegen Achille Mbembe? Hmmmm.

Erstens, Eckhard versteht sich als Kabarettistin. Mbembe nicht. Einer Närrin Narrenfreiheit – oder meinetwegen auch Närrinnenfreiheit, soviel Datenspeichervolumenverbrauch muss sein – zu gewähren, einem Weisen aber nicht, ist keine Doppelmoral.

Zweitens, der Ablauf der Aktion war ein völlig anderer. Mbembe wurde gekänzelt, mit explizitem Verweis auf Aussagen, Schriften und Taten, die er völlig unironisch gemacht hat. Und nein, man muss den Ironievorbehalt nicht als Allroundausrede verstehen, aber wenn noch nicht einmal behauptet wird, dass etwa das Vorwort zu „Apardheit Israel“ ironisch verstanden werden solle, braucht man die Satirediskussion gar nicht zu führen. Eckhart hingegen wurde weder gekänzelt, weil die Bühne sagte, dass sie mit deren Humor nicht in Verbindung gebracht werden sollte – was ich ok als Teil einer Debattenkultur gefunden hätte – noch, weil der „schwarze Block“ mit Molotows gedroht hätte – was ich auch noch ok gefunden hätte, nicht vom „schwarzen Block“ jetzt, aber von der Bühne – nein, eine verdruckste angebliche Bedrohungslage wurde vorgeschoben. Das ist erstens feige und zweitens ruft man nicht „Wolf“, wenn keiner da ist.

Drittens ging es bei Eckhart nicht um Steuergelder, soweit ich weiß. Und ja, Antisemitismus geht uns alle an, aber hauptsächlich der Antisemitismus, der es irgendwie schafft, über unsere Steuergelder bezahlt zu werden, ist der, für den wir verantwortlich sind.

Viertens, das:

Am interessantesten werden die deutschen Cancel-Culture-Besorgten in der Auslassung: Sehen sie Perspektiven, Künstler und Stimmen, die jahrzehntelang gecancelt wurden? Nein.

Joah. Die Echo-Preisverleihung ist komplett abgeschafft worden. Wegen einem Witz in einer Zeile, in der KZ-Opfer vorkamen. Der Witz ging eigentlich auf Kollegah und Farid Bang, weil selbst diese zwei Auschwitz nicht für ein Fitnissstudio halten, aber ich sehe es ein, dass Menschen, die von den Nazis zu Tode geschunden wurden, es nicht verdient haben, in solchen Witzen auch nur vorzukommen. Oder wennschon, dann sollte das nicht auch noch belohnt werden. Aber weil es das Wort „cancel culture“ da nicht nicht gab (jedenfalls in D.), wurde das nicht thematisiert (un D. jedenfalls).

Womit ich sagen will, dass solche Aktionen vllt. auch irgendeine Art von Verhältnismäßigkeit haben sollten.

Zurück zu Mbembe

der die Eröffnungsrede der Ruhrtriennale halten sollte, kam nicht in den Genuss, von den Cancel-Culture-Empörten beschützt zu werden, obwohl ihm weltweit führende Denker zur Seite sprangen.

Ja, wattdennu? Führende Denker (und Denkerinnen, hallo?!) unterstützen ihn, aber trotzdem wird er nicht beschützt? Nö, er wird beschützt und verteidigt. Was jetzt meinetwegen wiederum mehr Debattenkultur als Känzelkultur ist, aber jut…

Wieso die taz, oder jedenfalls Frau Marinic (ja, da fehlt ein Haken) es unterschlägt, dass Mbembe selber mit Känzeln keine Probleme hat, wenn andere die Opfer sind, weiß der Gilb:

Nachdem israelische Forscher abgesagt hatten, darunter die mit Friedenserziehung im palästinensisch-israelischen Kontext befasste, damals schon emeritierte Psychologin Shifra Sagy, sah sich Mbembe wieder frei teilzunehmen.

Die Doppelmoral gibt’s also auf beiden Seiten – Doppeldoppelmoral? Vierfachmoral? Je mehr Moral, desto unmoralischer. Klingt komisch, ist aber so.

2 Gedanken zu “Taz war so klar…

  1. Ein Hinweis: Du verlinkst auf andere Seite und setzt dann deren Lektüre für das Verständnis deiner Blogartikel voraus. Aus Faulheit und Zeitmangel klicken aber viele nicht (ich zum Beispiel). Besser wenn Du in ein zwei Sätzen das anreißt, was für das Verständnis deines Artikels notwendig ist.

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