Jetzt ist Schluss mit lustig…

…denn ich hab erkannt:

Man hat mir statt Rekrut_Innen nur Rekruten gesandt.

Wer die Zeile erkennt und mitsingt – hurra.

Ansonsten: es gibt – aber nicht im Kino – eine weitere Disney-Klassiker-Realfilm-Neuverfilmung. Weil: Geld.

Ok, ist an sich nichts Verwerfliches, niemand muss Geld für etwas ausgeben, was soe nicht konsumieren will. Allerdings gibt’s diverse Boykottaufrufe, hauptsächlich, weil Disney sich bei den chinesischen Behörden bedanken, die sonst mit der Unterdrückung der Uiguren befasst sind, weil der Film in diesem Teil Chinas gedreht wurde. Außerdem ist der Film nicht divers genug, weil keine Minderheiten drin vorkommen, sondern nur Chinesen/Chinesischstämmige (m/w/Mulan). Scherz, das ist nicht der Vorwurf. Hey, sogar der frühtürkische Antagonist – Böri Khan – wird nicht etwa von einem Türken gespielt. (Böri; alttürkisch „Wolf“. Neutürkisch: „Kurt“. Oder, man hätte auch einen Uiguren nehmen können. Ist ja gut…)

Und ich hatte mich auch schon drauf gefreut. Aber jetzt werde ich ihn boykottieren, weil er nicht nur nicht im Kino kommt, sondern bei Disney+ – was ich nicht habe – und dann auch nur per VIP-Code für teuer Extra-Geld – mehr als eine Kinokarte – und für den VIP-Code kriegt man auch NUR Realfilm-Mulan, soweit ich das verstanden habe. Was ich einfach selbst dann nicht unterstützen würde, wenn die Produktion das menschenwürdigste Projekt aller Zeiten gewesen wäre.

Außerdem berichten diverse Kritiken davon, dass das zwar als Film, der einerseits historische Kostüme und Zustände Chinas im 5. Jhdt. chr.Z. ernst nimmt, ganz gut funktioniert, aber die Heldin hat es viel zu leicht. Weil: zu stark.

Zeichentrick-Mulan kann zwar zu Beginn der Geschichte reiten, ist aber generell eher schusselig und verpeilt. Sie muss erst lernen, eine Soldatin zu werden. Gleichzeitig wird aber gezeigt, dass auch die männlichen Rekruten ihrer Einheit nicht direkt zum Kämpfen und Kriegführen geboren sind. Sie macht also eine Entwicklung durch, beweist aber schließlich, dass es sexistisch ist, nur Männer zu rekrutieren. Und dass auch Frauen ihr Leben für Männer riskieren. Hier zwar in erster Linie für Angehörige (Vater), statt den Partner/“love interest“, aber insgesamt auch für den.

Realfilm-Mulan ist aber schon zu Beginn im Besitz eine legolasliken Feinmotorik. Merkt Euch das, liebe Mädchen, für Eure beruflichen Entscheidungen. Sie ist nicht nur besser geeignet als ein alter Mann am Stock, sondern auch besser als alle gleichaltrige Männer ohne körperliche Gebrechen. Ich weiß nicht, ob das ermutigend oder eher abschreckend sein soll.

Nebenbei, dass Mushu, das comic relief, fehlt, ist vllt. noch ok, obwohl auch der seine Muss-sich-beweisen-Geschichte hat. Aber Li Shang fehlt auch. Das, liebe Kinder, ist so, als würde man Full Metal Jacket neuverfilmen, aber ohne Sergeant Hartman. Man dreht nicht Full Metal Jacket ohne Sergeant Hartman. Es ist nicht Full Metal Jacket, wenn Sergeant Hartman fehlt. Selbst, wenn ansonsten jede Menge Vollmantelgeschosse vorkommen. Und ja, es gibt Leute, die Li Shang für bi halten, weil er Gefühle für Mulan anscheinend schon zu einem Zeitpunkt entwickelt, an dem er sie noch für einen Mann hält (die er aber nicht aufgibt, nachdem sie sich gezwangsoutet hat). Aber gerade drum: eine hyperkompetente Frau, die sich aus völlig nicht-sexuellen Gründen als Mann verkleidet, ist toll, aber ein bisexueller kompetenter Hauptmann nicht. M-hm.

Wie auch immer. In Deutschland ist die allgemeine Wehrpflicht „abgeschafft“, und Frauen dürfen zum Bund, wie sie lustig sind, und die Mehrheit von denen – und zwar sogar eine leicht größere als die Männer dort – will keine weiblichen Extrawurst-Ränge. Weil damit auf das Geschlecht verwiesen wird in Zusammenhängen, in denen es keine Rolle spielen sollte.

Dass Filme nicht einfach eine spannende Geschichte erzählen, die tatsächlich Frauen ermutigen kann, sich außerhalb ihrer Rollenerwartungsklischees zu orientieren, ist inzwischen nicht genug. Nein, man muss – im Film wie in der Wirklichkeit – Frauen über den grünen Klee loben und mit Extrawürsten ködern. Weil: Keks. Ehrlich, als Ex-Zivi stehe ich sowieso daneben und mach Ha-Haa, aber mit Zeichentrick-Mulan kann ich mich deutlich besser identifizieren. Wenn Zeichentrick-Mulan das schafft, schaffe ich das auch. Wenn Realfilm- – haha, „Real“film – also „Real“film-Mulan mit ihrer legolasliken Feinmotorik zur Superhelden wird, beweist das nur, dass man die übermenschlichen Fähigkeit eines Waldelbenprinzen benötigt, um Superheld zu sein. Oder Superheldin. yayHey.

*sing: „… jeder wiiiird super, Maaann, nur nich DU!“

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