Frauen sind die besseren Menschen

Sagt eine Frau.

Den einfachen Trick, Frauen im Text mit Weißen zu ersetzen, spare ich mir, denn das hat den sportlichen Mehrwert wie Tontaubenschießen, wenn die armen Tontauben wehrlos vor einem auf dem Boden liegen.

Mir fällt keine Frau ein, die von der Schule geflogen ist. Ich kenne nicht mal eine, die sitzen geblieben ist.

Anekdotische Evidenz und so. Ich kenne Frauen, die sitzen geblieben sind. „Von der Schule geflogen“ wegen Fehlverhaltens fällt mir jetzt keine ein, aber auch Frauen haben nicht immer die ganz glatten schulischen Karrieren.

Meine Freundinnen haben eigentlich alle ein Einser- oder Zweierabitur, danach haben sie Medizin, Jura, BWL, Lehramt oder Was-mit-Medien studiert.

Zwei von meinen Cousinen sind Bauingenieure geworden. Weil Frauen auch Mathe können. Was stimmt mit ihren Freundinnen nicht?

Nur eine hat ihr Studienfach einmal gewechselt, die hat auch jetzt noch Probleme, den Abschluss zu schaffen.

Ist das jetzt die Alibi-Quotenfrau um zu belgen, dass das jetzt nicht alles erfunden sei?

Alle anderen haben es durchgezogen, in Regelstudienzeit, mit guten Noten.

Bzw., dass es keine frauenfreundlichen Vorurteile gäbe?

Das alles ist kein Zufall.

Das ist eine nicht-zufällige Stichprobe. Eventuell ist die gute Frau Haunhorst auch einfach ein Mensch, der am besten mit intelligenten, fleißigen Frauen klarkommt.

Unser Schul- und Studiensystem belohnt die Fleißigen und Angepassten.

Ich war nicht fleißig, ich war gut. Das hat bei meinen besten Fächern sehr geholfen und bei meinen schlechtesten in den Hintern gebissen. Und direkt „angepasst“ war ich auch nicht, sondern eher der nerdige Außenseiter,  aber ok, die Kombination aus Fleiß und Anpassung ist ziemlich nützlich.

Schon als kleine Mädchen bekommen Frauen deshalb zu hören, sie sollten brav sein, nett zum Lehrer, bloß keinen Ärger machen.

Tja. Evt. sind gute Noten dann wirklich mehr das Ergebnis lehrerseitiger Vorurteile? Mein Vater meinte übrigens immer, dass Noten nicht so wichtig seien.

Dafür werden sie, zumindest kurzfristig, belohnt: Frauen in Deutschland schließen Schule und Studium besser ab als Männer.

Was natürlich nichts damit zu tun hat, dass Männer bei der Wahl ihres Berufs weniger auf Spaß, sondern auf Geld aus sind?

Sie sind sozialkompetenter,

Ach, das sieht nur so aus.

seltener kriminell

Oder werden seltener verdächtigt.

und nehmen weniger Drogen.

Ja, herzlichen Glückwunsch. Arbeitsunfälle hat sie natürlich vergessen.

Ginge alles mit rechten Dingen zu, hätten meine Freundinnen und ich also glorreiche Karrieren vor uns.

Nicht für die Schule lernen wir, sondern fürs Leben – wenn sie die Tugend „Fleiß“ von Schule und Studium in den Beruf übernehmen würden – guckt ihr – dann würden sie feststellen, dass Männer 3,7 Überstunden je Woche machen, Frauen 2,2. („Aber Mycroft, sind das die 1,5 h mehr Care-Arbeit, von denen letztens die Rede war?“ – „Hmmm, kann sein.“)

Faktisch werden wir, wie alle Frauen in Deutschland, durchschnittlich 20 Prozent weniger Lohn bekommen als die Männer.

Ach, das schon wieder.

Wir werden nicht Vorstandsvorsitzende, der Frauenanteil liegt deutschlandweit bei 10,4 Prozent (auch, weil es in den Aufsichtsräten der größten Unternehmen  seit 2015 eine Frauenquote gibt).

Wie die allermeisten Männer. Nebenbei, dasselbe Geschlecht wie die Vorstandleute zu haben, nutzt Null, weil Vorstand und Arbeitnehmer Gegner sind und keine Verbündeten.

Vermutlich werden wir nicht mal Chefin.

Es gibt massig selbstständige Friseurinnen – vllt. haben manche Frauen einfach nicht den richtigen Job?

Was meine Freundinnen und ich dafür sehr wahrscheinlich werden: Mütter – nur jede fünfte Frau bleibt kinderlos.

Ja, das ist jetzt gottgewolltes Schicksal und nichts, was man irgendwie planen könnte.

Und sehr viel häufiger arm im Alter als die Männer.

Ja, wenn man fünf Jahre länger lebt, hat man fünf Jahre mehr Zeit, das Ersparte aufzubrauchen. Ich weiß jetzt nicht, wie man sie da trösten könnte.

Mit Mitte 40 haben Frauen in Deutschland durchschnittlich sechseinhalb Jahre weniger gearbeitet und in die Rente eingezahlt als Männer.

Die steuerlichen und sonstigen Gesetze, mit denen das zusammenhängt, werden allerdings von vielen Frauen, auch solchen, die sich feministisch sehen, verteidigt.

Wer dann im Alter keinen reichen Versorgermann hat, hat ein Problem.

Wenn man keinen körperlichen harten Beruf hat, in dem man Anfang 60 einfach nicht mehr arbeiten kann, wie was-mit-Medien, ist das wiederum ein Vorteil.

Was man aber doch fragen muss, weil ja eben doch alles zusammenhängt: Liegt das alles vielleicht auch an uns Frauen? Sind wir einfach immer noch zu brav?

Ich sag mal so: Fleiß ist eine Tugend, die einem im Beruf eigentlich am meisten nützt, insbesondere, wenn man Chefin werden will. Angepasst zu sein hilft ab einem bestimmten Punkt in der Hierarchie kaum noch. (Bla und Blub Ausnahmen bestätigen die Regel und so, aber generell: angepasste, aber fleißige Menschen verlangen keine Gehaltserhöhung, unangepasste, aber faule kriegen keine. Welche Kombination aus Eigenschaften bringt einen wohl am weitesten?)

Wenn ich überlege, welche Frauen mich dazu inspiriert haben, mehr vom Leben zu fordern als ein Einfamilienhaus mit Carport und einen sicheren Job, muss ich lange nachdenken.

Chefin zu sein ist KEIN sicherer Job. Und dem Leben sind Forderungen egal. Man muss EFH, Carport und Auto erarbeiten, erben oder tatsächlich durch einen entsprechenden Partner kriegen.

Ich komme dann – und das traue ich mich fast gar nicht zu schreiben – irgendwo zwischen der britischen Feministin Laurie Penny und Angela Merkel raus.

Das tut mir jetzt aber fast leid. Vorbilder sind aber generell ein zweischneidiges Schwert – man muss den eigenen Weg gehen, nicht den von jemand anderem.

Penny, weil sie zur richtigen Zeit das für mich prägende Buch „Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution“ geschrieben hat, in dem sie einem einfach permanent um die Ohren haut, wie scheiße es ist, als Frau immer gemocht werden zu wollen.

Ja, das ist etwas, was ich mir schon zu Schulzeiten abgewöhnt habe (nicht ganz freiwillig, ehrlich gesagt). Heute ist die Wertschätzung, die ich kriege, tatsächlich in erster Linie beruflicher Natur und wird in € gemessen. Merke: vom gemocht werden kann man sich nichts kaufen.

Und dass der einzige Weg zur echten Gleichberechtigung ist, anderen (in diesem Fall: Männern) Privilegien wegzunehmen.

Nein. Bzw., das, was sie mit Privilegien meint, ist nicht das, was Privilegien eigentlich sind. Privilegien sind „Sonderrechte“, aber sie meint „Vorteile“. Sie hat aber insofern Recht, als dass

Dafür wird einen kein Mann mögen, egal wie nett man das verpackt.

Ähm, eigentlich müsste es heißen: „dafür wird einE kein Mann mögen…“ Hachja, Geschlechtergerechtigkeit beginnt in der Grammatik, richtig? Davon abgesehen, wenn ihr ihr Einkommen wichtiger ist als „gemocht zu werden“, wird sich das mittelfristig auszahlen. Also, wenn sie fleißig ist.

Angela Merkel wiederum, weil sie in Deutschland die erste Frau mit echter Macht ist, an die ich mich erinnern kann.

Sie verdient mWm auch ganz gut. Und eine gewisse Kompromissbereitschaft hat sie berufsbedingt auch, aber sie kriegt die Balance zwischen Anpassung und Ehrgeiz hin. Ist also tatsächlich ein positives Beispiel, wenn man sie nicht als Vorbild bezeichnen will.

Wie man mal aneckt, hat mir eben nie eine Frau erklärt – und auch nicht vorgelebt.

Ja, und das ist die Schuld der allumfassenden patriachaischen Weltverschwörung GmbH&CoKG. Und nicht die von ihrer Mutter.

Manchmal sagte man mir: „Schreib mal einen Text, der Leute ärgert.“

Hmmmm…..

Oder: „Sag in der Gruppe ruhig, was du bescheuert findest.“

Die Gruppe ihrer mit-fleißigen, mit-angepassten Musterschülerinnen? „Ihr seid alle angepasste Streberleichen und ich HASSE Euch!“?

Leider kam das nie von Frauen, sondern ausschließlich von Männern.

Es ist noch nicht einmal so, dass Männer ihre Tricks und Kenntnisse verheimlichen würden. Eine wahre Geheimverschwörung kann ruhig offen und ehrlich sein.

Ich fand das anfangs schlimm, ich wollte ja gemocht werden.

Allen Männern wird gesagt, und nicht nur von irgendwelchen PUAs, sondern teilweise von ihrer Mudda, dass „nett“ der kleine Bruder von „scheiße“ ist, insbesondere in Hinblick auf Frauen. Wieso ausgerechnet eine Frau diesen Mechanismus von der anderen Seite nicht kennt, entzieht sich meiner Kenntnis, aber das muss diese überlegene Sozialkompetenz sein. Mangels einer eigenen muss ich das jetzt mal einfach mal glauben.

Bis ich in einem Praktikum so lange von allen Kollegen entweder ignoriert oder mit Fleißaufgaben zugeschüttet wurde, bis ich nachts um eins heulend nach Hause ging, ohne dass auch nur unter einer gedruckten Zeile am Ende mein Name stand.

Jaaa, immerhin haben sie sie nicht mit Fake-Infos verarscht. Hoffe ich mal. Aber hey, Überstunden. Fleiß! Preußische Aufgaben!!!

Und natürlich mir die Schuld dafür gegeben habe. Ich habe dann das erste Mal in meinem Leben überlegt, etwas hinzuschmeißen.

Tja, mir hat man immer gesagt, dass das Berufsleben viel härter ist als Schule und Studium. Insofern ist „Du kannst alles werden wie die Jungs.“ gleich doppelt ein schlechter Rat, weil Jungs tatsächlich auch nicht alles werden, und weil man zweitens sagen sollte: „Du kannst alles machen wie die Jungs.“ Korrektes Wording und so.

…habe angefangen, die Kollegen und ihre Arbeit zu kritisieren, weil mir ihre Meinung einfach völlig egal war. Ich habe mich unbeliebt gemacht – und wurde auf einmal respektiert

Ergebnis-Indifferenz. Negs. Pick-Up-Kram. Sollte es etwas so sein, dass Dinge, mit denen Männer bei Frauen landen, auch in nicht-sexuellen Konkurrenz-Situationen hilfreich sind, und dass Frauen, die dergleichen bei der Partnersuche nicht benötigen, das deshalb mangels Übung nicht so perfektionieren? Naaahh, das liegt alles an den Gedankenkontrollstrahlen des Patriarchaischen Vaterschiffes. (Mutterschiffe sind für Pussys.)

Plötzlich wollte man mit mir zu Mittag essen und meine Meinung hören.

Magic!

Später hat man mir sogar einen Job angeboten.

Halleluja!

Den wollte ich dann aber nicht.

Gib’s ihnen!

Natürlich ist das eine männliche Denkweise. In einer idealen Welt würden die Fleißigen und Netten genauso respektiert wie die Rebellinnen.

Hahahahahahahahahha. Nein. Frauen denken genauso.

In einer idealen Welt würden die netten und fleißigen Männer ja auch genauso respektiert werden wie die männlichen Rebellen, und hätten damit denselben Erfolg oder Nicht-Erfolg bei Frauen. Nein. Nett ist der kleine Bruder von Scheiße, und Fleiß granzt an Stalking. Frech und rebellisch hingegen… ach, lasst Euch das von Evo-Chris erklären.

Aber ja, sie beschwert sich über eine Erfahrung, die Männer regelmäßig nicht nur mit anderen Männern machen, sondern mit Frauen. Heul doch.

Sie würden den Chefposten angeboten bekommen, ohne ihn fordern zu müssen.

Joah, wer nicht will, der hat schon. Nebenbei, WER würde jemanden den Chefposten anbieten außer dem jetzigen Inhaber? m/w/d?

Aber in so einer fairen Welt leben wir nun mal noch nicht. Damit es irgendwann dazu kommt, müssen Mädchen und Frauen das Rebellieren und Sich-unbeliebt-Machen lernen.

Wenn Frauen und Mädchen nicht bereit sind, nett als etwas anderes als den kleinen Bruder von Scheiße – ja, ich wiederhole mich, aber sie MERKT noch nichtmal, wie doppelmoralig sie ist – zu betrachten, dann ist denen eine faire Welt egal. Ergo wird das nicht passieren.

Das beginnt schon in der Schule. Ein Mädchen, das dem Lehrer widerspricht, darf keine „Zicke“ mehr sein, während der Junge ein „Philosoph“ ist.

Ein Junge, der der Lehrerin widerspricht, gilt als verhaltensauffällig. D’oh. bzw., ich kann mich an kein Mädchen erinnern, was als „Proletin“ oder „Proll“ bezeichnet wurde. Bei Jungen sah das anders aus.

Damit sich dieses Wissen allerdings auch überall durchsetzt, müssen junge Frauen rebellieren.

Joah. Aber das als Kampf für mehr Fairniss zu främen, ist ja schon dreist… ohh, alles klar.

Damit die Frauen sich das trauen, brauchen sie Vorbilder.

Nein. Falscher Ansatz. Entweder, Ihr macht was anders, dann braucht Ihr keine Vorbilder, um Mut zu generieren, oder ihr braucht Vorbilder, dann seid Ihr nicht emanzipiert. Ansonsten könntet Ihr Euch ja auch männliche Vorbilder suchen, wäret Ihr nicht so etepetete.

Frauen, die nicht den geraden Weg gegangen sind.

Welcher Mann, der berühmt wurde – als Künstler, Wissenschaftler, Politiker, Militär oder was-auch-immer – ist den „graden“ Weg gegangen?

Ja, vielleicht sogar Schul- und Studienabbrecherinnen.

Sakrileg! Blasphemie! Spar-Taa!!!

Es liegt also auch an meiner, der vielleicht letzten braven Generation, das vorzuleben. Wobei ich da eigentlich ganz optimistisch bin.

Ja. Ne. Wenn man den Splitter im Auge anderer Leute sieht, heißt das natürlich nicht, dass man einen Balken hätte. Jesus hatte eine Ausbildung in der Holzverarbeitung abgebrochen, um berühmt zu werden. Jedenfalls kannte er sich mit Holzsplittern und anderen Arbeitsunfällen aus und das mit dem Balken ist eine Metapher. Wie komme ich jetzt darauf? Achja, bald sind Wahlen: Jeder nur ein Kreuz. Soweit die Lesung aus dem Evangelium  des Riesenschlangen-Hügels.

Denn wenn dann eines Tages diese jungen Frauen oder Menschen wie meine Freundinnen auf den Chefsesseln der Republik sitzen,

…die sie mit zu viel Nettigkeit und zu wenig Ehrgeiz nicht kriegen werden, weil es genug andere – Männer wie Frauen – gibt, die genauso fleißig, aber ehrgeiziger oder auch fauler, aber selbstbewusster sind…

…ist immer noch Zeit, um die Netten und Fleißigen zu befördern, die von sich aus nie gefragt haben.

So, wie sie die netten, fleißigen Männer einladen, die sie nie um ein Date bitten? Mal abgesehen davon, dass es mehr nette und fleißige gibt als Plätze für Beförderungen.

Das wäre dann unsere eigene Form der Rebellion.

Pro-Tipp: wer auf den Chef-Sessel bereits sitzt, kann nicht mehr rebellieren. Soe kann reformieren oder alles neu machen, um die eigenen Führugnsqualitäten unter Beweis zu setzen. Oder soe kann nur Frauen aus der eigenen Clique, sozialen Schicht oder politischen Richtung befördern, wegen Stallgeruch und so. Aber all das ist kein Rebellieren. Gegen wen denn? Wer keine Ahnung von Rebellion hat, wird darin scheitern.

3 Gedanken zu “Frauen sind die besseren Menschen

  1. Hach, ich freue mich jetzt schon auf Teil 2 dieser Geschichte. Also der Teil, in dem sie dann jammert, dass es keine guten Männer mehr gibt und die wenigen für sie irgendwie akzeptablen Vertreter des männlichen Geschlechts keine Lust haben, mit einer Rebellenkönigin ein Nest zu bauen.

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