Katze auf dem Kopf

Die wunderbare Welt des Feminismus‘ wäre nicht mehr wunderbar, wenn es nichts mehr gäbe, was Frauen Männern voraus hätten.

Daher…

Viel wurde in den letzten Jahren über Care-Arbeit gesprochen und dafür gekämpft, dass Männer davon mehr übernehmen.

Tja, die Aussetzung der Wehrpflicht führte zur Aussetzung des Zivildienstes, was wiederum zu weniger Care-arbeit von Männern führte. Aber ja, harter Kampf für mehr männliche Care-arbeit. Habt Ihr ein paar erschießen lassen oder reichte es, ihnen die Knarre an den Kopf zu halten?

Es gibt jetzt einen Equal Care Day – kein Feiertag, aber immerhin ein Tag, der viel Erwähnung in den Medien findet.

Tja, mehr als der hier.

Dass Frauen sich eher um Kinder kümmern als Männer, dass die Pflege von Angehörigen eher bei ihnen hängen bleibt, das hat auch die Corona-Krise deutlich hervorgebracht.

Was jetzt nicht notwendigerweise an den Männern liegt. Aber ja, die Coronakrise. Und die aktuellen Sorgerecht-Rechtsprechung und -gesetzgebung…

Soziologin Jutta Allmendinger befürchtet, dass Frauen, alleine, weil sie sich in dieser Zeit nicht um ihre Karriere, sondern um ihre zu Hause beschulten und zu betreuenden Kinder kümmern müssen, 30 Jahre zurückgeworfen werden.

Wenn DAS die Hauptsorge ist, anstatt die, dass z.B. eine 30 Jahre alte Firma pleite geht, ist das ja sehr fragil. Es ist nebenbei nicht Schuld von Männern, dass in der Baubranche ersten noch gut weiter gearbeitet wird, Homeoffice eher schwierig ist oder dass Frauen darin so selten überhaupt versuchen, einen Beruf zu ergreifen…

Einkaufen, Kochen, Hausaufgabenbetreuen, Windelwechseln oder Elternabendewahrnehmen sein. Diese Art von „Care“-Arbeit ist eine, die man gut auflisten und zwischen verschiedenen Menschen aufteilen kann:

Stechuhr bitte nicht vergessen. Nebenbei, wenn die eine Hälfte der Partnerschaft 50% der Care-Arbeit verrichtet, wäre es fair, wenn die andere Hälfte 50% der Erwerbsarbeit verrichtet, oder?

Es gibt aber auch den Begriff „to care“, der „sich sorgen“ bedeutet. Und hier wird das mit den Strichlisten und der Aufteilung sehr schwierig.

Ja, weil „sich sorgen“ statt „jemanden versorgen“ keine Tätigkeit ist. Wenn ich mir 20 h um jemanden Sorgen mache und 2 h ioi tatsächlich helfe, sind das 2 h Arbeit.

Denn wie genau ist das, im Corona-Lockdown und Home-Office, wenn ich sehe, dass mein Kind immer trauriger wird?

Hmm, ist nicht mein Kind, was fragst Du mich. Man beachte bitte, dass sie HIER von sich und ihrem Kind redet.

Wer steht dann vom Computer im Wohnzimmer auf, um das Kind in den Arm zu nehmen, es zu ermutigen, dass es die Hausaufgaben schaffen und seine Freund*innen bald wieder sehen wird?

Dies ist tatsächlich Care-Arbeit im abrechenbaren Sinne, man könnte auf die Stechuhr hauen und hätte bspw. eine halbe Stunde Care-Arbeit mehr auf dem Konto (und eine halbe Stunde Home-Office weniger).

Wer überlegt sich ein lustiges Spiel für den Abend, damit die oder der Kleine wieder lacht?

Ja, keine Ahnung? Das Kind vllt. selber? Das I-Net? Niemand?

Wem ist es dringlicher, dieses Kinderlachen zu hören?

Da sie formal noch von sich und ihrem Kind und (implizit) dem Vater dieses Kindes spricht, teilt sie uns offensichtlich mit, dass der Vater das Kinderlachen nicht hören will. Da irgendwie da nicht der Name der Verfasserin steht, kann man nur spekulieren, aber jemand in der Familie hat ein Problem, entweder die Mutter, weil sie den Vater als gefühllos betrachtet und bezeichnet, oder der Vater, weil er tatsächlich gefühllos IST. (Oder beides, die armen Kinder…) 

Wer motiviert die große, schon jugendliche Schwester, die sich am liebsten ganz aus der Familie herausziehen möchte, mitzumachen?

Am besten niemand? Wenn sie sich offenbar alleine beschäftigen kann, wäre es nicht für alle Beteiligten besser, dass sie das auch tut? Wenn man sich über zu viel Katzen auf dem Kopf – offenbar sinnvolles Symbolbild zum Thema „Mental Load“ – beschwert, aber gleichzeitig berichtet, dass man sich unnötigerweise mehr Arbeit ans Bein bindet, als IRGENDWER verlangt hat, sieht das wie ein durchschaubarer Versuch aus, Schuldgefühle aufzubauen.

Und wer ist, weil neben der Arbeit den gesamten Tag mit einem Ohr dem Kind zugehört und sich gesorgt wird, zu müde, abends noch motivierend und zugewandt zu sein

Beide Elternteile? Oder sind Männer irgendwie sorgenfrei? Was für eine hochnäsige Herablassung.

und rafft sich meistens trotzdem auf?  

Niemand.

Die meisten von uns würden aus Erfahrungswerten wahrscheinlich „die Mutter“ antworten,

Weil die meisten von Euch Feministinnen sexistische Vorurteile haben. Auch Euch selbst gegenüber, sonst würdet Ihr auf dem Bau arbeiten und hättet dieses Problem nicht.

tatsächlich besagen Studien, dass Mütter mehr emotionale Sorgearbeit, also „mentale Last“ ( = mental load, engl.) übernehmen als Väter.

Dann kann man das also doch messen. Also irgendwer kann das, und die behauptete Schwierigkeit, das mit Strichlisten und Aufteilung gleichmäßig zu verteilen, wohnt offenbar in der „will-nicht-Straße“.

Wir finden ausreichend Studien, die besagen, dass Frauen das ja auch besser können.

Alles eine Frage der Übung? Bzw., ein Artefakt des Messverfahrens. Wenn man Männer keine Care-Arbeit verrichten lässt sondern zur Erwerbstätigkeit schickt, hat man keinen Grund zur Beschwerde.

Es gibt jedoch genauso viele Studien, die belegen, dass Empathie-Fähigkeit nur zu einem sehr geringen Prozentteil genetisch bedingt ist, sondern vor allem auf Sozialisation beruht.

Jemand, die ihrem Partner weiter oben ein Desinteresse am Lachen seines Kindes bescheinigt, sollte vllt. einfach das Thema Empathie ganz weglassen. Erstens, sich um jemanden sorgen, jemanden VERsorgen und sich in jemanden hineinversetzen (Empathie im eigentlichen Sinn) sind drei verschiedene Dinge, und zwotens hat sie vermutlich keine Empathie. (Selbst, wenn er tatsächlich so wäre, hat sie nicht eher gemerkt, dass sie mit einem Psychopathen zusammen ist.)

Schauen wir uns einmal an, wie Mädchen sozialisiert werden: „Ist das deine Puppe? Oh ist die hübsch! Hat die heute schon was gegessen? Decken wir die jetzt schön zu, damit sie gut schlafen kann?“

Habe ich noch NIE zu einem Mädchen gesagt. Ich helfe kleinen Mädchen lieber, eine Brücke über einen Bach zu bauen, oder mache Turnübungen (weil sie leider nicht zu unrecht der Meinung sind, ich sei übergewichtig) und gelegentlich das allzeit beliebte, aber sehr, sehr gruselige Zombie-Spiel. WER sozialisiert Mädchen auf Care-Arbeit?

An den Jungen gewandt: „Cooler Schuss! Komm Schatz, mach noch mal! Tob dich aus!“

Habe ich auch nie gesagt, aber hey, ich hasse Fußball und will niemanden dazu ermutigen.

Wir können das Beispiel bei Pinkstinks nicht oft genug bemühen: Aber während auf Kinderprodukten der Junge meist in Bewegung, abgewandt vom Betrachtenden in seiner eigenen Welt vertieft ist, werden uns Mädchen als stets zugewandt, devot und uns jede Sorge von den Lippen ablesend präsentiert.

„Ihhhh, ein Männershampoooo! Für wen ist das denn bitte?“ – „Erstens ist das für mich, zweitens ist das kein Männer-Shampoo, sondern ein Anti-Schuppen-Shampoo, und drittens gibt’s doch auch Shampoos extra für kleine Mädchen, oder?“ – „Nein, gibt es nicht.“(Um pädagogisch nichts falsches zu sagen, ließ ich es dabei bewenden…)

Warum das unserer heutigen Gesellschaft und Wirtschaft enorm hilft, könnt ihr hier lesen.

Nebenbei – 80% aller Einnahmen auszugeben ist nicht ganz dasselbe wie Care-Arbeit und Mentale Last. Auch, wenn mir z.B. Klamotten Kaufen keinen Spaß macht.

Wenn wir also davon ausgehen, dass Erziehung diese unterschiedlichen Herangehensweisen von Männern und Frauen an den Haushalt prägt, brauchen wir Väter, die Empathie-Fähigkeit und Verantwortungsbewusstsein für die Nöte der Kinder im Erwachsenenalter ausbilden.

Wenn die Kinder im Erwachsenenalter sind, ist es doch egal, oder? Aber wenn, wie hier offenbar nicht bestritten wird, Mütter mehr Zeit mit Kindern verbringen und demzufolge mehr Erziehungsarbeit verrichten, dann braucht IHR Mütter, die ihren Söhnen und Töchtern andere Ideen vermitteln.

Neben der Sorge um die Kinder muss die Frau also noch mehr Erziehungsarbeit leisten.

Eigentlich nicht – die Arbeit, einen Jungen zur „Care-Arbeit“ zu erziehen müsste prinzipiell dieselbe sein wie bei einem Mädchen. Umgekehrt müsste es dieselbe Anstrengung erfordern, Mädchen zur Erwerbsarbeit zu erziehen. (Ich weiß, das klingt jetzt flapsig, Erziehungsarbeit IST Arbeit, aber hier steckt die Idee dahinter, man müsse Mädchen und Jungen umerziehen. Und das ist halt die Vorstellung, die man doch bekämpfen will.)

Könnte es da nicht Listen geben, die helfen? Wie könnten die aussehen?

Mental Load – endlich quantifizierbar.

Ich checke einmal die Stunde (Uhr stellen), wie die Stimmung meines Kindes ist und überlege, ob ich mich um das Kind kümmern muss

Stechuhr, sag ich doch – wieso komme ich als fauler, weltfremder Philosoph von alleine darauf? Ich habe mal eine Stechuhr gesehen.

Ich plane die Familiensituation für den Abend: Spiel spielen? Basteln? Film schauen? Jede*r für sich vor dem Smartphone? Wie viel von jedem in der Woche?

In Corona-Zeiten ist es vllt. tatsächlich nötig, sich SO viel Stress zu machen. Aber eigentlich ist es doch Sinn und Zweck von Freizeit, dass man sich diese nicht allzusehr zuplant.

Ich mache mir nicht nur eine Liste mit den Namen der besten Freund*innen des Kindes sondern auch, warum es das jeweilige Kind so gerne hat und was es gerne mit ihm spielt.

Die eine Tochter von Bekannten von mir würde das ziemlich schwierig machen, weil in deren Clique von Erstklässlerinnen immer wer anders in Ungnade fällt.

Ich frage regelmäßig nach, wie es diesen Kindern geht und was mein Kind in letzter Zeit mit ihnen erlebt hat.

Hat ja gar nichts stasihaftes.

Ich bringe mein Kind nicht nur zum Kindergeburtstag, sondern überlege, wie es sich dort fühlen wird, ob es Vorbereitung braucht und ob wir ein Geschenk gekauft haben, mit dem sich mein Kind wohl fühlt.

Ok, dann ist DER Teil der 80% tatsächlich mentale Last. Einfach mal fragen, was sich das Geburtstagskind wünscht, ist natürlich zu kompliziert.

Ich überlege, wie meine Stimmung zu Hause ist, wie ich mich gegenüber dem anderen Elternteil verhalte und wie sich die auf das Kind auswirkt. 

Einfache Daumenregel: alles, was harmloser ist als öffentlich zu behaupten, der Partner habe sein Kind weniger lieb als man selbst, ist ok.

Deshalb ist es wichtig, wenn wir die neue Generation Männer schon empathisch erziehen:

Ist natürlich schwierig, wenn man selbst wenig Empathie besitzt und unbewusste Vorurteile gegenüber Männern hat, ne? Aber hey, Frauen können das!

Damit der Beziehungsstress, das Gefühl der Unzulänglichkeit und die Schwierigkeiten der Selbstreflektion gar nicht erst auftreten müssen.

„Schwierigkeiten mit der Selbstreflektion“ – damit ist nicht gemeint, dass man kein Spiegelbild hat. Glaube ich. Aber vllt. ist das nur selbstironische Verarsche, und mir fehlt die Hirnwindung, das zu verstehen.

2 Gedanken zu “Katze auf dem Kopf

  1. Ich persönlich halte den „mental load“ für ein feministisches Phlogiston.

    Ich erinnere mich, dass es in den letzten zwei Jahren Studien gab, dass Männer zwar weniger „Care-Arbeit“ leisten, in Summe aus Care- und „richtiger“ Arbeit aber etwas vor den rauen liegen.
    Also der Mittelwert natürlich.

    Jetzt kommt das Phlogiston: man packe jetzt den mental load der armen Frauen oben drauf und PENG, sie sind wieder stärker belastet.
    Wenn ich nach „mental load“ auf einschlägigen Seiten suche, finde ich da nie was Konkretes. Immer nur „das, was wir Frauen noch zusätzlich leisten“.

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    1. Korrekt.
      Der seit Jahren laufende Versuch ist, spezielle „Frauenarbeit“ zu erfinden (!), die auf die klassische Hausarbeit und die Kindererziehung aufgesattelt und propagandistisch verwertet werden kann.

      Der erste Versuch war, die legendäre „Doppelbelastung“ zu verkaufen – nämlich mit der Prämisse versehen, man müsse den Einstieg in die Erwerbsarbeit seitens der Frau als MEHRarbeit verstehen.
      Das war aber nicht der Fall. In Addition von Erwerbsarbeit (inkl. Wegzeit), Hausarbeit und Kindererziehung arbeiteten beide Geschlechter genauso lange.

      Alle diese Erfindungen haben die Funktion, eben das zu leisten.
      Es wird eine exklusive Zuständigkeit für diese seitens der Frauen behauptet, welche sich ja bereits aus deren Sozialisation ergibt, demnach = weibliche MEHRarbeit.

      Der Witz ist zweierlei, nämlich 1. die endlose Ausdehnung des Arbeitsbegriffs und 2. via die legendäre „Empathie“ dafür zu sorgen, dass wiederum nur solche Arbeit für Frauen gezählt wird.
      Zu 2.: Zur „Sorgearbeit“ zählt der Anruf der Frau bei den alten Eltern, die quatschen und nebenbei mitteilen, es müsse der Rasen gemäht werden, dazu brauche man aber einen neuen Rasenmäher. Anruf der Frau = als emotionale Arbeit/Sorgearbeit erfasst.
      Mann fährt zum Baumarkt, kauft einen Rasenmäher und mäht den Rasen = keine emotionale Arbeit/Sorgearbeit. Nicht erfasst.

      Zu 1.: Statt zu vergleichen, welche Tätigkeiten eine SINGLE-Frau oder ein SINGLE-Mann als EIGENARBEIT ohnehin verrichten würde und nur diejenigen Tätigkeiten als „für Andere“ zu zählen, die darüber hinaus gehen, wird hier so getan, als wäre jede weibliche Tätigkeit bereits eine Arbeit für andere.
      Nope. Wenn eine SINGLE-Frau essen will, dann muss sie ebenfalls einkaufen gehen, die Nahrung zubereiten und das Geschirr abwaschen.

      Deshalb weigern sich die feministischen „Forscherinnen“ auch so beharrlich zur Kenntnis zu nehmen, dass in Großstädten ca. 50% der Haushalte Single-Haushalte sind.
      Nur in traditionellen Partnerschafts- Familienmodellen klappt ihr Spielchen.

      Gleiches Thema: Hat ein Paar ein oder zwei Kinder, wären 50% der Betreuungsaufgaben ohnehin Sache der Mutter.
      Sie ist nämlich die Hälfte von „Eltern“.
      Wenn sie sich 2 Stunden am Tag exklusiv um die Kind/er kümmert, dann wäre die Hälfte = 1 Stunde ohnehin ihre eigene Zuständigkeit.
      Nur was über diese Hälfte HINAUSgeht, ist tatsächlich Kompensation der Zuständigkeit des Mannes.

      Das Thema „Verantwortlichkeit“ fängt nicht erst bei der Leugnung der hälftigen Zuständigkeit für die Erwerbsarbeit an, sondern der Trick findet auch Anwendung in allen anderen Bereichen.

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