Catch-22 für Fortgeschrittene

Ein Catch-22 ist eine Situation, wo es zwei Handlungsoptionen gibt, aber wie man’s macht, ist’s falsch.

Ein Catch-22 ist also so ähnlich wie Tragik, nur bei Tragik ist das ein Bug im Gesamtsystem, beim Catch-22 ist es eine Falle.

Hier bei der NZZ, die nicht das „neue Westfernsehen“ ist.

Der sterile Mann

(Da gibt es ein Zitat aus den Räubern von Schiller zu, und zwar nicht „dem Manne kan geholfen werden)

Wenn ich von Männern höre, die sich unterbinden lassen,

…muss man das unterbinden. Schweizer sind weder behindert noch eine Minderheit, also darf man sich über ihre Sprache lustig machen.

weiss ich nicht, ob ich das bewundern oder beklagen soll.

Niemand zwingt sie zu einem davon.

So wie neulich wieder: Nach dem dritten Kind unterzog sich der Mann einer Vasektomie. Er und seine Frau hielten die Familienplanung für abgeschlossen. Die Frau war es müde, täglich Hormone zu schlucken, also erklärte er sich bereit, den Schnitt zur lebenslangen Verhütung zu machen.

Nuuun – niemand zwingt die beiden. Aber ja, drei Kinder wäre ja irgendwie ein Argument, dass das nicht unüberlegt oder vorschnell gewesen ist. Nur – das Private ist vllt. politisch, aber ganz bestimmt privat.

Das ist einerseits lobenswert. Ein solcher Mann übernimmt Verantwortung. Ihm liegt an einer gleichwertigen Beziehung, wie er beweist.

Verantwortung übernahm er auch, als er drei Kinder zeugte, hoffe ich mal. Es gibt übrigens auch Leute bei MGTOW, die sich sterilisieren lassen. Und wir wissen nicht, wer die Initiative hatte. Aber ja, er hat es bestimmt gemacht, um von einer random Kolumnistin gelobt zu werden, is‘ klar.

Er bezwingt allfällige Zweifel, dass er mit der Zeugungsfähigkeit auch an Manneskraft verliert.

Weil Männer bekanntlich abergläubige Trottel sind, die ihren Aberglauben bezwingen müssen, um als gute Menschen anerkannt zu sein.

Er handelt feministisch.

Diese Behauptung. Arrggs. Er trifft eine Entscheidung, die er mutmaßlich im Einvernehmen mit seiner Frau getroffen hat. Wenn das feministisch ist, ist das auch die Einigung, wohin sie in den Urlaub fahren.

Nur: Seit der guten Tat meines Bekannten sind ein paar Jahre vergangen. Das Paar hat sich getrennt und er sich neu verliebt.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, im Dunkeln zu treiben und Ringe zu finden. Nee, falscher Text.

Der damals gelobte Feminismus des Mannes lässt seiner neuen Freundin keine Chance. Will sie mit ihm zusammenbleiben, muss sie auf Kinder verzichten.

Ja, deshalb ist es sinnlos, eine Einzelfallentscheidung als „feministisch“ zu främen. Es ist dennoch möglich, an Kinder zu kommen. Nebenbei, wenn seine erste Frau sich hätte sterilisieren lassen, wäre das aus Symmetriegründen maskulistisch gewesen?

Urologen wissen, wovon ich rede: Der gemeinsame Entschluss zur männlichen Sterilisation hat zwar etwas Romantisches,

Ich finde es eher pragmatisch als romantisch und außerdem sind Urologen jetzt vllt. nicht die ersten, die ich zum Thema Romantik befragen würde. Also, zu Liebesfragen vllt. schon, aber eher zum nicht-romantischen Teil.

Ein Paar sieht im definitiven Verhindern von Kindern ein Bekenntnis zueinander und verhält sich so, als halte es für immer. Bis jemand Neuer auftaucht.

Jemand NeueS, bitteschön. Geschlechtergerechtigkeit! Aber die Idee, dass das besonders romantisch und feministisch sei, ist nicht nur deshalb verkehrt, weil die neue Freundin des Mannes darunter leidet. Vllt. leidet er ja auch? Vllt. sieht er seine Kinder aus erster Ehe auch nicht? Vllt. hätte er eh‘ kein Geld für ein Kind mit seiner Neuen? Sowas interessiert ja auch keine.

Es kann nicht nur daran liegen, dass der kleine Schnitt, mit dem die Samenleiter durchtrennt werden, eine sichere, schnelle und billige Lösung ist.

Eine schnellere und billigere Lösung als dasselbe bei der Frau vllt.? Nur so als Idee?

Sondern Männer wollen damit ihren Beitrag an die Emanzipation leisten.

M-hm. MGTOW for Emanzipierung, HO! Es gibt sicher Männer, die das genauso främen, aber, ehrlich gesagt…

Heute bedeutet selbstbestimmt leben für viele Frauen, sich von der Pille zu befreien.

Tja, und für mich bedeutet selbstbestimmt leben, meinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. (Dafür habe ich mal eine Frau angesprochen, ohne Kondome dabei zu haben. Aber Frechheit siegt…)

Sie wollen die Kontrolle über ihren Körper, ganz ohne Chemie. Also übernimmt der Mann.

Männer machen zum Teil erstaunliche Dinge, um Sex zu haben. Das ist nicht ganz neu, und eigentlich nicht dasselbe wie Emanzipation.

Und beschneidet, falls seine nächste Frau Kinder möchte, deren Freiheit.

Nicht seine eigene Freiheit, später mit einer anderen Frau Kinder zu haben, falls sein Leben halt diese Wendung nimmt, sondern das seiner zukünftigen. Was für ein blödes Argument. Und ja, der Wurm muss nicht dem Angler schmecken, aber das Argument ist nicht, dass eine temporale Methode gegen eine permanente eingetauscht wird, das Argument ist nicht, dass ER daher mehr einbringt als SIE, das Argument ist also, kurz gesagt, nicht seine legitime Interessen, sondern die Interessen einer möglicherweise rein hypothetischen Frau. Weil hypothetische Frauen offenbar wichtiger sind als real-existierende Männer.

Ein solcher Mann kam auf ze.tt zu Wort, dem jungen Magazin der «Zeit». Frodo ist ein 23-jähriger Student und gehört der Grünen Jugend an.

Ja, sorry Leute. An den erinnere ich mich schwach. Ich kann nicht JEDE Steilvorlage verwandeln, ich habe auch einen Job.

Es störe ihn, wird Frodo zitiert, dass sichere Verhütungsmethoden noch immer eine Sache der Frau – er verbessert sich: «eine Sache von Menschen ohne Penis sind».

Kondome? („Aber, Mycroft, Du hast doch OBEN noch selbst…“ – „Schnau-Tze!“) Wenn er jetzt gesagt hätte: „…eine Sache von Menschen mit Gebärmutter.“, wäre das tatsächlich eine sinnvolle und richtige Aussage.

Frodo, gendersensibel, sieht sich als Feminist. Gleichzeitig erwägt er eine Sterilisation aus Sorge um die Umwelt.

Du musst Deinen Ehering ins Feuer werfen! Ernsthaft – wenn er keine Kinder will, wird er sich doch eh‘ auf solche Frauen konzentrieren, die das auch so sehen.

Wie viele Angehörige der Frodos-for-Future-Generation möchte er dem Planeten nicht noch mehr Menschen zumuten.

Frodo, Sohn des Drogo. Der Hengst, der die Welt besteigt. Und den Eisernen Thron. Und die Einwohnerzahl ersterer in Hinblick auf die Klimakrise nach unten korrigiert. Frodo for Weltherrschaft! (Friday ist der Chara aus Robinson Crusoe.)

Seine Freundin klingt vernünftiger. Sie sagt: «Wir sind beide noch jung, und unsere Meinung kann sich schnell wieder ändern.»

Tja. Unterschiedliche Positionen in Hinblick auf die Familienplanung sind ein sehr naheliegender Grund, sich zu trennen.

Heute diskutieren Urologen und Gynäkologinnen, ob es ethisch vertretbar sei, junge, gesunde Menschen zu sterilisieren. Ist es paternalistisch, den Wunsch der Jungen abzuschlagen?

Wir machen jetzt keinen Witz über Gene, die jetzt aussterben könnten. Das ist überhaupt nicht lustig. Nagut, ein bisschen. Aber denkt Euch die Pointe einfach selbst.

So wie sich Weltanschauungen entspannen können, so verhält es sich mit dem Kinderwunsch. Plötzlich will man von der neuen Geliebten, was vorher undenkbar war: etwas Gemeinsames, ein Kind.

Von der oder von DEM neuen Geliebten? Das Argument müsste in beide Richtungen laufen. Jedenfalls, wenn einem/r/s/e/c/t Geschlechtergerechtigkeit wirklich wichtig wäre.

Die Hast erinnert mich an den 15-Jährigen, der sich den Namen seiner Freundin stechen lässt.

Tja. Beim nächsten Mal warten, bis sie schwanger ist.

Ein Gedanke zu “Catch-22 für Fortgeschrittene

  1. Nun ja, ich behaupte mal, einer echten Feministin kann Mann es nicht recht machen.

    Speziell beim Thema Vasektomie:
    Der Mann ist da so unverschämt, sich der allgemeinen und beliebigen Verfügbarkeit (hier als Zuchtbulle) zu entziehen.

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