Warum man Weißrussinnen und -russen nicht einfach gendern kann

Ich habe mich, bzw. Übermedien, gefragt, warum Weißrussland in den Medien Belarus heißt, aber Spanien nicht España.

Antwort: da haben wir keinen eigenen Artikel, aber es gibt die hier:

Der Deutschlandfunk schreib bspw. hier darüber:
https://www.deutschlandfunk.de/in-eigener-sache-warum-auch-wir-von-belarus-sprechen.2852.de.html?dram:article_id=481918
Das ZDF hier:
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/weissrussland-bezeichnung-belarus-100.html

tl,dr: Also aus Nettigkeit zu Menschen, die in einer richtigen Diktatur leben, nennt man sie, wie sie sich selber nennen. (Aber der Diktator Lukaschenka wird mit der russischen Namensversion LukaschenkO bezeichnet – nimm DIES! (Und merken wir uns das für Angelo Merkel…))

Allerdings haben die das nicht zuende gedacht:

Folgt man der sprachlichen Logik und bedenkt man die erwähnten sprachpolitischen Überlegungen, so darf das Adjektiv nicht „belarussisch“ lauten. Es muss „belarusisch“ sein.

(Aus dem Deutschlandfunkartikel) Also sind das Belarusen. Was sich auf „Busen“ reimt, nicht „Bussen“ oder „Bußen“. Bzw. Belarusinen.

Problem? Tja, man muss das der sprachlichen Logik zufolge „Belarusinnen und Belarusen“ nennen, nicht Belarus*innen, weil man das „Belarus’innen“ ausspricht. Die Macht der Entlautverhärtunk macht das Mitten-s stimmlos, und dann klingt das wieder wie eine russische Provinz.

5 Gedanken zu “Warum man Weißrussinnen und -russen nicht einfach gendern kann

  1. Das mit dem plötzlichen Gerede und Geschreibe von Belarus statt Weißrussland ist mir auch aufgefallen. So flächendeckend, wie sich das in den Medien gleichzeitig ausbreitete, vermute ich, dass da mal wieder eine der inzwischen wohl üblich gewordenen „wie man worüber korrekt zu reden hat“-Ordern auf irgendeiner Versammlung rumgegangen ist.

    Ich habe mir da auch gleich belustigt gedacht, ob diese ganzen Laberköppe dann auch konsequent künftig von France, Great Britain oder – jetzt kommt’s – Suomi (welches wir ignoranterweise doch einfach als Finnland bezeichnen) reden / schreiben werden. Aber ich dachte mir schon, dass das mal wieder ein politisch korrekter Quatsch sein wird, mit dem man meint, das (fraglos) arme Volk Weißrusslands besonders respektvoll zu behandeln. Danke für die hiermit erfolgte Bestätigung meines Verdachtes. Es ist erschreckend, wie durchschaubar dieser ganze PC-Schmarrn wird, wenn man sich nur ein Bissel damit beschäftigt hat. Und wie immer sind es die üblichen Verdächtigen, die sich Gedanken über Probleme machen, welche die von diesen „Problemen“ vermeintlich Betroffenen gar nicht als solche sehen. Ist zwar nur anekdotisch evident, aber ich habe schon einige WEIßRUSSEN kennen gelernt und es war noch nie einer darunter, der ein Problem mit dieser Bezeichnung hatte.

    Und es zeigt auch mal wieder die bemitleidenswert kurze Halbwertzeit der Wahrnehmungsfähigkeit der Kämpfer für soziale Gerechtigkeit. Weißrussland ist schon seit vielen Jahren eine Diktatur. Nichts von dem, was da jetzt gerade passiert, ist neu. Lediglich die „Wahlen“ haben mal wieder die Aufmerksamkeit unserer Medien auf das Land gerichtet. Und in dem Kontext meinen sie zu merken, dass es doch viel netter ist und den Weißrussen sicher auch ganz doll viel helfen wird, wenn wir Deutschen (wie immer wir und unser Land in Weißrussland bezeichnet werden – ich kann leider kein Russisch) anfangen, sie als Belarusen zu benennen. Und in einem halben Jahr werden sich dieselben Klappspaten nicht mehr die Bohne dafür interessieren, sondern sich schon wieder über irgendeinen anderen Kokolores den Kopf zerbrechen – eventuell dann ob es noch gendergerecht ist, Hunde nur in Rüden und Hündinnen einzuteilen, ohne dabei die unzähligen anderen Geschlechter zu berücksichtigen, als welche sich diese Tiere identifizieren könnten. Und Belarus??? Bela… Bela… Bela-wer? Meinst du jetzt den von den Ärzten oder den italienischen Schauspieler, dem der Ärzte-Bela seinen Künstlernamen entlieh?

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    1. @Billy: Zur russischen Bezeichnung für Deutsche siehe unten (jaja, meine ukrainischen Freunde erklären mir auch immer, das sei alles total anders…)

      Wichtiger ist aber, dass Deine Idee, Hunde in „Rüden und Hündinnen“ an der sehr internationalen PC-Bewegung scheitern wird, das das im Englischen so aussieht, dass es da nur ein spezielles Wort für Hündinnen gibt – _bitch_. Und die Aktivistinnen können es in der Regel auch nicht leiden, mehrsprachig-geschlechtergerecht als „rude bitch“ angesprochen zu werden 😉

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  2. Hab die Aussage vom ZDF gelesen.

    So so. Belarus ist auch nicht richtig, weil das Gebiet der Rus nicht identisch ist mit dem der Weißrussen. Sag das mal den Franzosen usw., die uns „Alemannen“ nennen.

    „Weißrussland“ kling nach einem Anhängsel von Russland? Aber Mazedonien musste sich umbenennen… Von den Anglophonen, die die Niederländer immer noch als „Dutch“, also „Deutsch“ bezeichnen reden wir lieber gar nicht.

    Übrigens: eine Bekannte von mir aus Russland sagte mir, dass sich die Russische Föderation (wie wir sie offiziell nennen) selbst als „Russländische Föderation“ bezeichnet. Die wollen damit zeigen, dass die Russen zwar das größte Volk darstellen aber auch alle anderen darin Platz haben (Karelen, Jakuten, Tschuwaschen, Tataren, Tschetschenen, usw.).
    Aber hey, Russland müssen wir nicht politisch korrekt benennen, weil es von einem 1a-Demokraten gelenkt wird, oder?

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  3. Ist das grammatikalisch zwingend? Leute aus Russ-land sind Russ-en, die wie Leute aus Deutsch-land die Deutsch-en, aber Leute aus der Schweiz sind ja nun nicht die Schweizen (Gibt’s ein (anderes) Land, was auf „s“ endet?

    Wenn also die Weißrussen jetzt also unbedingt in Belarus leben wollen, dann sind sie stringenterweise die Belarusen (also Belarus-er und Belarus-er-innen; es gibt ja auch keien Schweizinnen).

    Ich denke aber, so richtig Sinn macht das eh nicht, Leute aus der Türk-ei sind ja nun Türk-en, Leute aus Amerik-a aber nicht Amerik-en, sondern Amerik-a-ner – im Gegensatz zu Leuten aus Chin-a, die sind weder Chin-en noch Chin-a-ner.

    Das „ka“? Ja, Südafri-ka-ner stimmt. Wie heißen Leute aus Madagas-ka? Google sagt „Madagassen“. Oh Gott.

    Damit wäre dann auch die Auslautverhärtung weg – die gibt’s hier im Süden aber eh nicht. Kannte das Wort auch nicht; ich spreche „Süd“ genau wie „Süden“; wüsste auch nicht, wie das anders gehen soll. t, p und k sind mehr so Schritftsprache – Außer bei „Scheiß-Preißen“, aber da spuckt man dabei halt. Ist wohl historisch gewachsen.

    Am Wortende werden hartes und weiches g ein „ch“. In Nämberch, zumindest. Das ist nicht identisch mit dem harten g in Nu Yoarch; es ist schon ein Unterschied zwischen dem harten ga und dem weichen ge.

    Zurück zum politischen – auf Weißrussisch (offiziell) heißt Deutschland wohl „Германия“, das spricht man „hjermannie“. Unsere Sprache – und wohl im allgemeinen Sprachgebrauch, wie in alles slawischen Sprachen, sind wir immer noch немецкий – wie in Polen Niemcy oder in Tschechien Německo, mehr oder weniger „die Fremden, die Anderen“.

    Das ist doch mal ganz politisch inkorrektes „Othering“ wie aus dem Bilderbuch, ne? Und das unterstützen wir auch noch?! Sollte man mal der Wokeness-Brigade sagen – wobei… die interessieren sich ja für alles _außer_ Deutschland. Mal abgesehen davon interessiert es die Chinesen ja auch seit bereits vor Marco Polos Zeiten genau Null, dass ihr Land nicht „China“ heißt. In keinem Dialekt, auch nicht annähernd.

    Ist wohl wieder so ein Fall wie mit den Negern und Zigeunern (sorry: Negern, Negerinnen sowie Zigeunern und Zigeunerinnen), dass es „problematisch“ sei, Wörter zu benutzen, weil *Wörter* ja irgendwas ändern.

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    1. Nein, das ist grammatikalisch nicht zwingend. Die Namen von Ländern und ihren Einwohnern ist ein regelloser Wirrwarr, weshalb es eigentlich überhaupt nicht drauf ankommt.

      Portugal – Portugiesen
      Senegal – Senegalesen

      Spanien – Spanier
      Italien – Italiener
      Serbien – Serben
      Asien – Asiaten

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