Dune 2020 – die Macht des Genderswapping

Ein Film, auf den ich mich schon vor Corona gefreut habe, ist DUNE. Auch bekannt als Dune 2020. Auch, wenn Villeneuves Blade-Runner-Fortsetzung für meinen Geschmack ein bisschen zu wenig von Geheimnis und Diskussionsfutter des Originals hatte, traue ich ihm eine tolle Umsetzung zu. Die anderen Verfilmungen haben beide Vor- und Nachteile, aber keine von denen wird dem Buch gerecht in der Art, wie z.B. Jacksons HdR-Trilogie den Büchern gerecht wird. Darüber kann ich lang und breit erzählen, aber dann dies: Dr. Kynes wird eine schwarze Frau. Statt eines weißen Mannes.

Kennt Ihr das nicht aus der Theater-AG in der Schule, wenn es mehr Mädchen als weibliche Rollen gibt, und irgendeine Rolle halt weiblich gespielt wurde? Tja, hochbudgetierte Hollywood-Produktionen müssen auf dieselben Methoden zurückgreifen…

Ach, doch nicht. Es gibt einen Grund, von Kynes Aussehen in früheren Adaptionen abzuweichen:

Sie alle waren Männer mit hellen Haaren, die Fans von Frank Herberts Science-Fiction-Klassiker seitdem wohl mit der Figur verbinden.

Ja, nicht erst seitdem. Dass Dr. Liet Kynes mit dem Aussehen verbunden wird, liegt daran, dass er in den Büchern so beschrieben wird. Und sein Aussehen hat einen GRUND. Bei Herbert hat eigentlich alles einen Grund.

Denis Villeneuve wird mit seinem Film hier allerdings aus der Reihe tanzen – und zwar ganz bewusst.

Okeeee.

In „Dune“, der am 17. Dezember 2020 in die Kinos kommen soll, werden wir nämlich erstmals keinen weißen Mann in der Rolle sehen, sondern Sharon Duncan-Brewster

Eine schwarze Frau unter lauter arabisch- ähh, zensunnischen Ureinwohnern zeigt ja, dass sie einen Migrationshintergrund hat. Wie Dr. Kynes, dessen Vater von außerplanets nach Arrakis kam. Wo wir dabei sind, müsste Dr. Wellington Yueh nicht von einem Vietnamesen dargestellt werden? Paar Jahrzehntausende in der Zukunft sehen die Leute uns wahrscheinlich ungefähr so ähnlich, wie wir den Neanderthalern, aber das Duniversum ist auf einen gewissen Wiedererkennungswert angelegt.

Wer die Filme des kanadischen Filmemachers kennt, weiß mittlerweile wohl um dessen Vorliebe für starke Frauenfiguren.

Und wo gibt es mehr starke Frauenfiguren als in „Dune“? Kein Wunder, dass der das verfilmen will, da könnte er richtig in die Vollen greifen. Zig Jahrzehntausende in der Zukunft ist das Fräulein-in-Nöten-Gen komplett ausgerottet. Die Bene Tleilax haben vllt. noch ein paar Deine-Mudda-Witz-Gene, aber sonst…

Und es hat seine Gründe, dass in „Dune“ nun eine einst männliche Figur zur Frau wird. „Denis hat mir den Mangel an weiblichen Figuren mitgeteilt – und er war immer sehr feministisch, Pro-Frauen und wollte die Rolle für eine Frau schreiben“

*blinzel, *kopfkratz, *hysterisch kicher. Mangel an weiblichen Figuren? In Dune? Dein Ernst? Hey, ich sehe ein, Kleiner-Hobbit-Verfilmung: Frauenfiguren muss man erstmal eine erfinden. Aber das hier ist Dune. Auch bekannt als der Wüstenplanet. Wenn Sarah und John Connor auch ein cooles Mutter-Sohn-Gespann sind, so haben sie Vorgänger(m/w): Jessica und Paul Atreides. Nur, dass die Maschinen in ihrer Epoche schon lange besiegt sind.

Diesem Menschen [Liet Kynes] gelingt es, den Frieden zwischen vielen Völkern zu wahren.

Naja, Friede? Im Buch ist er sowas wie ein Puffer zwischen Einheimischen und Imperium, weil er offiziell ein imperialer Beamter, inoffiziell aber ein Einheimischer ist.

Frauen sind sehr gut darin, warum kann Kynes also keine Frau sein?

Weil das erstens ein Klischee ist, und zweitens das dieses Klischee reproduziert. Wenn man diesen Blickwinkel in der Verfilmung überhaupt einbauen will. Nebenbei ist die Menschheit in Dune ein byzantinisches neo-feudalistisches Ständesystem, und nicht direkt feministisch. Ja, das ist KEIN Widerspruch zur Existenz starker Frauen…

Dr. Liet Kynes ist Anführer der Fremen sowie planetarischer Ökologe des Wüstenplaneten Arrakis, der/die in die Fußstapfen seines/ihres Vaters tritt,

Jaa, in der wunderbaren neo-byzantinischen Zukunft erbt man den Beruf seines Vaters. Notfalls auch als Frau. Mit wem ist Dr. Kynes eigentlich verheiratet?

Also, für die Story selbst ist das Geschlecht von Dr. Kynes relativ egal. Für den Weltenbau ist es etwas sonderbar. Die Erklärung, man wolle mehr starke Frauen, kommt mir SEHR abwegig vor:

Imperator Corrino hat ein gewisses Nachfolgerproblem, weil er aus irgendwelchen Gründen keine (legalen) männlichen Nachkommen hat. Paul ist technisch gesehen ein Bastard, weil seine Eltern nie geheiratet haben, was daran liegt, dass sein Vater die Option einer dynastischen Heirat offenhalten wollte. Jessica kriegt Je.Des.Mal. aufs Butterbrot geschmiert, dass sie doch besser eine Tochter hätte kriegen können, aber sie liebt den Herzog, und der wollte lieber einen Sohn… (perfekte Körperbeherrschung macht es möglich, dass das tatsächlich Jessicas Entscheidung war.) Das ist die Gesellschaft, in der die Geschichte spielt.

Das spricht nicht notwendigerweise gegen den Film an sich. Vllt. erzählt Villeneuve seinen Leute auch gerne schmeichelhafte Geschichten. Vllt. ist kommt irgendein Twist, für den es wichtig ist, dass Dr. Kynes eine Frau ist, und der nicht verraten wird. Aber eine weibliche Gelehrte in einem ansonsten eher „mittelalterlichen“ Setting? Naja…

Und morgen erzähle ich Euch, was eigentlich „Bene Gesserit“ heißt.

5 Gedanken zu “Dune 2020 – die Macht des Genderswapping

    1. Natürlich ist das ganze eine bißchen heuchlerisch. Weiße dürfen heutzutage keine Schwarzen, Asiaten oder Araber spielen, Heteros keine Homos und selbstredend keine Trans. Aber wenn ein Mann durch eine Frau oder ein Weißer durch einen Nichtweißen ersetzt wird oder man gleich behauptet das Gandalf transsexuell ist, ist das natürlich super progressiv!

      Haben die eigentlich alle keine eigenen Geschichten, die man verfilmen könnte?

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  1. Meiner Meinung nach leben die Menschen im Dune-Universum de facto in einem Matriarchat. Die Bene Gesserit kontrollieren die Erblinien und können Männer durch Sex buchstäblich versklaven (Einprägerinnen).

    Aber diese Art von starken Frauen sind wohl nicht politisch korrekt.
    Vielleicht sind sie auch zu feministisch…

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    1. Wenn ein Herzog oder der Imperator beschließt das sie ausgelöscht werden sollen, sind sie weg von Fenster.

      Sie verfolgen m.M.n. ganz andere Ziele und haben andere Prioritäten als die politischen Führer in diesem Universium. Wer gerade Dune kontrolliert, ist egal.

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