PinkStinks vs. J.K. Rowling

Endlich gibt es nach Kramer vs. Kramer und King Kong vs. Godzilla eine Konfrontation, die uns das Popcorn in den Fingern kalt werden lässt.

Hurra.

J.K. Rowling hat mit Harry Potter für viele Menschen eine emotionale Festung geschrieben.

„Murus nostra inexpugnabilis“, wie’s in einem alten Kirchenlied heißt: Unsere uneroberbare Mauer. Und das ändert sich ja nicht, weil jemand was twittert, und sei es der Autor(m/w/d) selbst. Kunst-vom-Künstler-Trennung.

Auch und gerade für heranwachsende Menschen, die sich in ihrem Alltag aus verschiedenen Gründen nicht gut aufgehoben fühlten.

Persönlich erinnert mich Hogwarts mit seinem Gruppendenken und seinem Druck, „dazu“ zu gehören, etwas zu sehr an meine eigene Kindheit und Jugend, als dass das diesbezüglich besonders viel Eskapismus generierte. Wäre ich in Hogwarts, wäre ich Ravenclaw geworden, aber vermutlich nicht sehr glücklich.

Für eine Gruppe von Menschen hat Rowling diese Festung gerade mit dem Hintern wieder eingerissen.

Funfact: die Redensart „Etwas mit den Händen bauen und mit dem Hintern wieder einreißen ist tatsächlich von einer Tochter von einer Cousine von mir umgesetzt worden.“ Zu ihrer Verteidigung: sie war da noch ein Baby.

Denn zum wiederholten Male hat sie sich online trans*feindlich geäußert und für viele zum TERF getwittert.

Was zum Terf? Wahrscheinlich „als“ Terf. Die treuen Leser und die treue Leserin hat das natürlich schon länger gewusst.

TERF steht für Trans*-Exclusionary Radical Feminist, also trans*-ausschließende*r radikale*r Feminist*in.

Also auf Deutsch: T*a*r*f*. Klingt sieht fast so geil aus wie B*e*e*e*d.

TERF ist eine Zuschreibung und wird von Frauen, die trans*Personen ausschließen, nicht als Selbstbezeichnung verwendet.

Aber von Männern, die Transpersonen ausschließen, schon? Die Nomenklatur ist hier nicht einmal im selben Absatz konsequent.

Sie weigern sich nicht nur, mit trans* Menschen gemeinsam politisch aktiv zu sein, sondern sie leugnen deren Identität und Existenz.

Echt? Es gibt niemanden, der die Existenz von Transsexuelle als SOLCHE anerkennt? Es gibt auch niemanden, der sich gemeinsam mit Transsexuellen z.B. für mehr Umweltschutz einsetzt? Gemeint ist wohl, dass Terfs ausschließlich die Probleme von Cis-Frauen als Cis-Frauen lösen wollen. Und die Existenz von Transfrauen insbesondere sind ein Problem für Menschen, die biologische Unterschiede der Geschlechter komplett verneinen, sondern diese auf soziale Konstruktionen zurückführen. Nun, Nationalitäten, Religionen, soziale Klassen und Sternzeichen sind konstruiert. Aber niemand leidet so sehr darunter, im falschen Sternzeichen oder in der falschen Klasse geboren zu sein, dass soe deshalb Selbstmordgefährdet wird. Jetzt wären Transmänner feministischerweise so zu erklären, dass sich jemand in die bessergestellte Gruppe bewegen will, aber Transfrauen beweisen, dass entweder Geschlechter nicht nur sozial konstruiert sind – denn wieso würde sich jemand wegen seiner oder auch ihrer Konstruktion umbringen wollen? – oder, dass es Vorteile für Frauen gibt, die manchen attraktiver erscheinen als die von Männern. Blasphemie! Sakrileg! Steinigt sie!!!

Denn sie vertreten die Position, dass es nur zwei Geschlechter gibt – das männliche und das weibliche, und damit ist grundsätzlich das biologische gemeint.

Nun, da es auch Intersexuelle gibt, ist auch das nicht ganz so. Aber ja, es gibt verschiedene Definitionen von „weiblich“ und „männlich“. Da aber bei 99% aller Menschen unterschiedliche Definitionen dieselbe Zuschreibung auslösen, ist das kein ganz so großes Problem. Weiterhin, die allermeisten Transpersonen möchten so leben, so wahrgenommen werden und so behandelt werden wie die jeweiligen Cispersonen, und das wird durch ein Tweet jetzt erstmal nicht verhindert.

Das ist genauso einfältig, wie sich das hier liest und tatsächlich wirkt es fast ein bisschen so, als reime sich TERF inhaltlich auf Besorgte Bürger, weil auch TERFS leugnen, anstatt zu argumentieren und dann so etwas rufen wie ‚Aber was ist mit den Toiletten?‘

Die Sorge, Transfrauen wären nur potentielle Vergewaltiger(nix:innen!), die nur eine Möglichkeit suchen, ungestraft auf Frauentoiletten zu kommen, ist sicher eine üble Unterstellung. Aber ja, was genau ist mit den Toiletten?

„Wenn du allen Männern, die glauben oder fühlen, Frauen zu sein, die Türen von Toiletten oder Umkleiden öffnest, (…) öffnest du sie allen Männern, die reinwollen. Das ist die Wahrheit.“

Naja, deshalb einfach in jedes öffentliche Gebäude eine Unisextoilette, mit einer Kabine-Waschbecken-Kombi, für alle Trans- und Intersexuelle, die gleichzeitig dieses Gebäude besuchen werden. So rein statistisch.

Also, wir wissen ja nicht, wo J.K. Rowling auf Klo geht, aber die meisten Damen*-Toiletten haben Türen.

Weshalb sich nie eine Dame* bschwert, wenn eine männliche Person die Nebenkabine oder den Waschraum benutzt. Nur Männer bestehen auf Herrenklos.

Jetzt mal ehrlich: Hat unter den Lesenden schon mal unabsichtlich jemand das Geschlechtsorgan einer anderen Person auf einer öffentlichen Toilette gesehen?

Natürlich nicht. Ich spanne immer mit Absicht. D’oh! (Das ist die eine Sache, die Transfrauen implizit vorgeworfen wird. Die andere ist das eher psychologische Unbehagen…)

Das ist ja sogar in Umkleiden eher unwahrscheinlich, weil alle Menschen, die sich in einer öffentlichen Umkleide umziehen,

Ja, das „unabsichtlich“ ist eher unwahrscheinlich. Entweder, man macht das absichtlich oder gar nicht.

und keine Fanboys des Patriarchats sind, eigentlich auch die Technik des Höflich-Aneinander-Vorbeisehens (sowie des rücksichtsvollen Verhaltens beherrschen.

Und der Klammersetzung. In meinem Patriarchat-Fortbildungs-Pro-Seminar wurde darauf sehr viel Wert gelegt. Kurz gesagt, die Transfrauen, die tatsächlich ehrlicherweise Frauen sein wollen, werden sich auch OHNE geschlechtsangleichender OP so verhalten, dass das für die anwesenden Cis-Frauen minimalinvasiv wird, und die anwesenden Cisfrauen mehrheitlich wohl auch. Problem ist die Cisfrauen-Minderheit, die keine Penisse in ihren Safe-Räumen wollen, und die unechten Trans-Frauen.

Weiteres Terf-Argument ist gern mal der Sport: Was, wenn die trans* Frauen nun viel besser als die anderen sind?

Keine Ahnung? Wen interessiert’s?

Schon mal ein Siegertreppchen gesehen, auf dem drei trans* Menschen standen? Nee, oder? Hätten die Olympischen Spiele in Tokio stattgefunden, wären z.B. von 11000 Athlet*innen einer Schätzung zufolge überhaupt nur drei trans* Menschen dabei gewesen, und das in drei verschiedenen Sportarten.

Wie gesagt, wen interessiert’s? Ach, doch! Waren das Transmänner oder Transfrauen? Aber natürlich gönne ich Transfrauen jeden Erfolg, insbesonder Bronze, Silber und Gold bei Olympia. Je offener über das Thema gesprochen wird, desto mehr Transpersonen werden sich ermutigt fühlen, ihr wahres Leben zu leben.

Aber woher kommt diese ablehnende Haltung. Wer die Klodiskussion und die Wettrennen weglässt, kommt darauf, dass es Angst ist.

Tjaaaa, weil Transpersonen besser Bücher schreiben könnten als J.K.Rowling, muss die diese natürlich bei Twitter dissen.

Besonders die Frauen, die schon lange aktivistisch im Feminismus unterwegs sind, haben Angst, dass die trans*Bewegung ihnen Bedeutung und Sichtbarkeit nimmt.

Achwas. Ich dachte immer, die täten das für die gute Sache, und Selbstinszenierung ist mehr das Ding der männlichen Möchtegern-Allys. Wieder was gelernt.

 Dass es, wenn sie trans*Personen in ihrer Bewegung aufnehmen, eben um Toiletten geht oder um Testosteronwerte bei Wettrennen statt um Abtreibung und Pay Gap.

Nuuun, Abtreibungen sind straffrei, GPG ist weitestgehend erledigt – natürlich müssen Toiletten und Testeronwerte noch ausdiskutiert werden.

Trans* Frauen sind Frauen. Jede gegenteilige Behauptung löscht die Identität und Menschenwürde von trans* Menschen aus und steht allen Hinweisen professioneller Gesundheitsorgansiationen entgegen, die über eine weitaus höhere Expertise verfügen als Jo (J.K. Rowling) oder ich.

Die Würde eines Menschen wird nicht dadurch beeinträchtigt, dass man ihn als Mann bezeichnet. Aber ansonsten ja, da tun sich Abgründe zwischen unterschiedlichen Richtungen „des“ Feminismus‘ auf. Denn wenn kein Konsens darüber besteht, was eine Frau ist, bzw., wer eine Frau ist, kann eine Bewegung, die Fraueninteressen wahrnehmen soll, nicht einheitlich arbeiten. Witzigerweise sind sich aber alle einig, dass es die Weltverschwörung des Patriarchats gibt. Ruhm und Ehre an diese!

Genau, was Harry Potter sagt.

Trennung von Kunst und Künstler. Menno!

Trans* Menschen werden diskriminiert, einfach weil sie sie selbst sind.

Wohingegen Cis*Menschen diskriminiert werden, weil sie es verdient haben?

Wenn sie auf diese Diskriminierungen hinweisen, nehmen sie biologischen Frauen weder das Klo noch den Startblock beim 100-Meter-Lauf weg.

Durch das darauf-Hinweisen nicht. Man beachte im Übrigen, dass Transfrauen eher nicht die Schuld der patriarchaischen Weltverschwörung sind.

Ein Gedanke zu “PinkStinks vs. J.K. Rowling

  1. Trans* Frauen sind Frauen. Jede gegenteilige Behauptung löscht die Identität und Menschenwürde von trans* Menschen aus

    Alter, sind die hysterisch. Und: Nein. Wenn mich jemand als „Arschloch“ bezeichnet, löscht das meine Identität als Mensch mit Würde auch nicht aus, sondern bin einfach beleidigt worden.

    Gefällt 1 Person

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