Sperma ist nicht toxisch

Achwas, wird sich der geneigte Leser oder auch meine Leserin jetzt fragen, kein Scheiß, Sherlock? Wie kommst Du da jetzt drauf?

Ich kome deswegen darauf. Nur echt mit Triggerwarnung…

Triggerwarnung: Dieser Text enthält Zitate, die verletzend sind und Gewalt androhen.

Da die Personen, die das lesen, gar nicht gemeint sind, und die Zitate erst mit etwas bösen Willen als Gewaltdrohung verstanden werden können, ist das jetzt seeehhhr vorsichtig. Wie zerbrechlich muss „der“ Feminismus sein?

Aber eigentlich geht es darum, dass Feminismus schon mal in Rage gerät, wenn irgendwelche Männer Sex entzaubern.

Wir müssen über Sex reden.

Nein. Kein Mensch muss über Sex reden.

Über Sex und über Männer.

Statt mit Männern.

Genauer gesagt darüber, wie einige – um nicht zu sagen viel zu viele – Männer über Sex mit Frauen sprechen.

Über Sex mit Frauen, nicht mit Frauen über Sex. Sprache formt das Bewusstsein. Hachja.

Denn obwohl mit Sicherheit keine “richtige”, verpflichtende oder einheitliche Sprechweise über Sexualität existiert,

…müssen „wir“ bestimmte Sprechweisen mit Schuldgefühlen verknüpfen, weil „wir“ sonst die Definitionsmacht verlieren.

gibt es doch Arten darüber zu reden, die das ganze Thema derartig verzerren, entwerten oder überfrachten,

Kein Mensch ist toxisch. Trotzdem wird Männlichkeit mit dem Adjektiv „toxisch“ verzerrt, entwertet und überfrachtet. Es geht also mal wieder nicht um bessere Sprache, sondern darum, mit Sprache andere fertig zu machen.

das es dadurch zu einer Waffe, einem Übergriff oder einer Beleidigung gemacht wird.

Im metaphorischen Sinne kann Sex tatsächlich eine Waffe, ein Übergriff oder eine Beleidigung sein, aber das wäre Sex selbst dann, wenn er von Stummen praktiziert würde. Also nein.

Das geschieht zum Beispiel, wenn in den Medien bei Fällen sexualisierter Gewalt von “Sex-Tätern” die Rede ist,

Nein. Bzw., ja, der Begriff ist etwas zu flapsig, aber Sexualität ist in solchen Fällen ja schon zur „Waffe“ geworden, bevor darüber berichtet wurde.

Oder auch wenn Väter von ihren Töchtern “Jungfräulichkeit” verlangen, die auf einem sexistischen Mythos basiert und nichts anderes darstellt, als den Versuch, die Sexualität eines Mädchens oder einer jungen Frau zu kontrollieren.

Das hat ursprünglich nichts mit einem Mythos zu tun. Bzw., der Mythos kam irgendwann dazu, aber ursprünglich hatte das rein materielle, bzw. materialistische Gründe: Mater semper certa. Wenn eine Frau vor der Ehe sexuell nicht aktiv ist, ist sie das in der Ehe evt. auch nicht mehr als ihr Mann. D.h., ihre Kinder wären dann vermutlich auch seine. D.h., ihr späterer Mann, nicht ihr Vater, verlangt das. Um deren Sexualität zu kontrollieren, offensichtlich, aber das ist der profane Hintergrund.

Und das ist nicht zuletzt auch dann der Fall, wenn Männer über den Sex, den sie haben wollen, mit Frauen, die sie begehren so reden wie der YouTuber Haptic.

Eigentlich reden sie so über Sex, ohne das auf den eigenen zu beschränken, oder auf Sex mit begehrten Frauen, oder sonstige Einschränkungen. Und ja, die betonen das mechanische, das tierische und das militärische dabei. bzw., verwenden Metaphern aus diesen Bereichen dazu. Und JA, das ist unromantisch, aber jetzt auch keine Gewaltandrohung.

Die Frage, die sich angesichts dieser Formulierungen stellt, ist weder, ob die das dürfen, noch ob das witzig gemeint sein kann. Beides muss bejaht werden.

Wenn Du was super gerne verbieten willst, aber Du hast keine Handhabe. Aber wer von dem Begriff „toxische Männlichkeit“ beleidigt ist, hat ein Problem.

Sex ist wie bereits erwähnt sehr vielschichtig.

Oben und unten, links und rechts, oben, mitt und unten, links, mitte und rechts…

Warum also gerade diese Sprache? Warum “die Lunte löschen”? Wieso “das Ranzloch durchstempeln”? Das klingt nicht gerade nach Tätigkeiten, auf die man(n) auch nur entfernt Lust hat.

Weil damit eine Sache, die als die wichtigste überhaupt zu främen sich Hormone und Gesellschaft verschworen haben, „entzaubert“ wird. Ein Gedanke ist dahinter natürlich auch, dass damit suggeriert wird, man habe ja so viel Sex, dass er zur langweiligen Routine geworden ist. D’oh!

Stattdessen klingt es nach Männern, die ein altes Spiel aus der Pubertät wieder aufleben lassen, bei dem es darum geht, mit Hilfe solcher Sprüche über die eigene Männlichkeit ins Gespräch zu kommen und sich ihrer gegenseitig zu versichern.

„Ins Gespräch kommen“ vllt. nicht, aber wie gesagt, wenn man soooo viele Wörter für Sex hat, hat man natürlich auch mindestens so viel Sex. (Ist klar, oder?)

Zum Zweck möglichst wenig bewegt oder ergriffen von dem großen Thema Sexualität zu sein.

Genau! Wo bleibt Euer Respekt? Warum erstarrt Ihr nicht in Ehrfurcht? Wieso seid Ihr von einem Vorgang, der dreiunddrölfzigmillionenfach allein in den letzten fünf Sekunden bei allen Regenwürmern der Erde vorkam, nicht so ergriffen wie von einem Sonnenuntergang?

Mann präsentiert sich als Macher, als Stecher, als “Fickbalkenbesitzer” und redet darüber, welche mann schon geknallt, beackert und genagelt hat.

Tja. Völlig wahrheitsgemäß natürlich. Große Gefühle und eine gewisse Vielzahl an Partnerinnen wirken eben nicht authentisch – wenn man schon lügt, dann doch wenigstens intelligent.

Mann wertet nicht nur Frauen, sondern zugleich auch noch sich selbst und die eigene Sexualität ab.

Nur, wenn man sich ausschließlich über die eigene Sexualität definiert. Wenn man sich noch über den Fußballverein oder den Beruf definiert, wertet man sich über diese Schienen wieder auf.

Da soll also nicht mehr dran sein als “das Rohr durchzupusten” und “den Abfluss zu reinigen”?

Abflussreiniger ist toxisch. Wenn Männlichkeit toxisch ist und Sperma männlich, wo ist da jetzt denn der Denkfehler?

Wozu dann der ganze Aufwand. Was sollen die Flirtkurse bei selbsternannten “Alpha-Männern”, Tinderprofile, Barbesuche, Dates, Beziehungen, Ehen?

Tja, Abflussfrei kostet auch Geld. Aber ja, manche hören damit auch irgendwann auch auf.

Letzendlich reden Männer mit diesen Formulierungen nicht über Sex.

Mit dem Begriff „toxische Männlichkeit“ redet man auch nicht über Männer. Aber heul doch.

Sie beschweigen Lust, Begehren, Zweifel, Neugier, Sehnsucht, Angst, Interesse und Liebe.

Mindestens drei davon machen Beziehungen auch eher unglücklich als glücklich. Sex ist leider nicht so etwas Besonderes, wie er gerne gefrämt wird.

Sie entwerten, was daran intim, geil oder auch nur nett sein könnte und verfehlen so meilenweit das Thema.

Sie beschweigen aber auch Frust, Ärger, Unzufriedenheit, Stress, Druck, Eifersucht und noch ein paar andere Dinge.

Sie ziehen alle Vergleiche nur keine passenden

Alle davon sind mindestens so passend wie „toxische Männlichkeit“.

Schade für alle Beteiligten.

Ja, ihm geht es in Wahrheit nur um die Frauen.

2 Gedanken zu “Sperma ist nicht toxisch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s