Ich finde Liebesfilme auch doof

Das heißt, ich bin hier völlig auf der Seite von Jetzt. Maskulismus und Feminismus sind doch dasselbe!

Stalking ist nicht romantisch

Eben. Andere Mütter haben auch schöne Töchter. Bitte nicht den Schwesternwitz bringen.

Ab und zu twittern Männer, dass sie im Alltag immer wieder die gleiche schöne Frau sehen und total von ihr angetan sind. Das Folgende entnehme ich echten Tweets: … Fakt ist, dass diese Tweets immer eine Menge Zuspruch bekommen und von vielen als romantisch verstanden werden.

Jaaa, Twitter. Dasselbe Twitter, wo jemand Trump-Tweets kopiert und dafür gesperrt wird? Aber ich habe mich schon als Kind gefragt, warum die männliche Seite bei sowas die Initiative ergreifen muss. Bzw., nicht mich, sondern meine Mutter. Die wusste es auch nicht.

Ich finde diese Szenarien nicht süß, sondern gruselig.

Ja, aber in beide Richtungen. Der Stalker, der den richtigen Geschmack der Frau trifft, hat ja trotzdem mehr Chancen bei ihr als der Typ, der nicht wusste, dass sie gerne Mittelalter-Metal hört. Also, stimmt – Frauen, warum sucht Ihr Euch nicht Männer, die sich keine Mühe geben, Eure Interessen herauszufinden, sondern SAGT sie ihnen eben?

Der Ursprung dieser Romantisierung liegt meiner Meinung nach unter anderem darin, dass „Hartnäckigkeit“ beim Dating in Rom-Coms und Liebesfilmen fast immer als etwas Positives dargestellt wird.

Auch das ist für beide Geschlechter ein Problem. Hartnäckigkeit für IHN wird als Tugend gefrämt, aber zugleich, und fast völlig unvermeidbar, wird Zögern eine Tugend für SIE.

Wer nur lang genug dranbleibt, wird für seine Hartnäckigkeit belohnt. Was in der Karriere vielleicht wirklich förderlich ist, ist auf zwischenmenschlicher Ebene aber toxisch.

Kein Mensch ist toxisch. Und eine gewisse Frusttoleranz ist auch in Beziehungen nicht verkehrt. Aber jahrelange Fixierung auf eine Person, die tatsächlich nicht interessiert ist, ist selten außerhalb von RomComs hilfreich. Die Frage ist, wie lang „lang genug“ ist und wann „zu lang“ anfängt.

Denn an einem „Nein“ sollte man nicht rütteln. Es bedeutet Ablehnung und nicht etwa: „Nein, aber überzeug mich doch“ oder „Ja, aber ich kann es nicht ausdrücken“.

Hmm, echt jetzt? Männern wird in romantischen Komödien vermittelt, dass ein Nein (oder allg. Ablehnung) nicht notwendigerweise für alle Ewigkeit gilt, aber Frauen lernen daraus nicht, dass Männer – oder jedenfalls die, die es wert sind – mit gespielter Ablehnung auf Ernsthaftigkeit getestet werden können? Wieso sollte das so sein? Vor allem, weil romantische Komödien jetzt nicht direkt typische Männerfilme sind, und außerdem, weil manche Frauen das im richtigen Leben durchaus machen. Nicht direkt über Jahre wie in solchen Filmen, aber irgendwie muss man die ja auch abendfüllend kriegen.

Die meisten Menschen wollen, nachdem sie abgelehnt haben, einfach ihre Ruhe und ganz sicher nicht erobert werden.

Das ist bei Telefonverkäufen so.

Die Beziehung zwischen Bella und Edward in der Twilight-Saga baut auf toxischem Verhalten auf

Kein Mensch ist toxisch! Aber, da Edward ein Vampir ist, liefert der Film ja immerhin eine plausible Erklärung.

so gibt es keine Entschuldigung dafür, wie er ihr zu Beginn der Filme an Orte folgt, sie im Schlaf beobachtet und im Laufe der Filme aus Eifersucht und Besitzanspruch von Familie und Freund*innen abschirmt.

Ok, aber er für ein blutsaugendes, gedankenlesendes Monster ist er nicht annähernd so übergriffig, wie er sein könnte. Und später schirmt er sie von sich selbst ab, indem er nach Italien fährt. Und seinen Selbstmord vorbereitet. Weil er in all den Jahren, in denen er Romeo und Julia in der Schule hatte, nichts daraus gelernt hat: im Unterschied zum Mittelalter gibt es ZIG zuverlässige Arten der Kommunikation. Romeo und Julia hätten sich einfach angerufen oder eine Sprachnachricht geschickt: „Fake meine Tod, hol mich an unserer Familiengruft ab, hdgdl, Herzchen-Emoji(3x)“ oder so.

Ich dachte, dass derartig aufmerksames, fast schon obsessives Verhalten ja nur das Ausmaß der Liebe und Zuneigung zeigen würde. Dabei ist emotionale Manipulation und Kontrolle nie romantisch.

Zwangshochzeit und Ehrenmord auch nicht, aber hey! Romeo und Julia, die schönste Liebesgeschichte evar. Funfact: Edward hält Bella für etwas besonderes, weil er ihre Gedanken nicht lesen kann. Oder, wie die Cranberrys sangen: „What’s in your head, Zombie?“ Heißt also im Umkehrschluss, als man meine Ex und mich nicht in derselben Mannschaft spielen ließ, weil wir wussten, was der/die andere dachten, war das unromantisch?

Mein Verständnis von Romantik änderte sich schnell, nachdem ich realisierte, wie toxisch in Komplimente gewebte Schuldzuweisungen sind.

Kein Mensch ist toxisch. Und Schuldzuweisungen, die nicht in Komplimente gewebt sind, sondern in obsessive Wiederholungen des Wortes „toxisch“, sind trotzdem nciht gut.

Ich finde, dass wir die Gefahr der partnerschaftlichen Übergriffigkeit und des Stalkings ernster nehmen müssen. Da hilft es nicht, wenn Rom-Coms, also das Genre, das Liebe darstellt, aber auch andere Filme, Serien und überhaupt popkulturelle Produkte, toxisches Verhalten als Romantik darstellen.

Alles klar. Keine romantischen Komödien mehr für mich.

Hurra!

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