Übers Weißsein

Diese Frage hier  bei Twitter scheint mir relativ ehrlich. Bzw., die Fragen.

Was geht in euch vor wenn ihr Leuten Rassismus-Erfahrungen abspricht oder sie anzweifelt

Keine Ahnung, ich mache das nicht.

warum kommt sofort diese Igel-Haltung wenn euch jemand „weiß“ nennt

Es kommt relativ selten vor, dass mich jemand weiß nennt. KA, wann mir das persönlich mal passiert ist. Aber meine Reaktion wäre mehr: „Achwas?“

oder euch aufzeigt, dass ihr etwas rassistisches getan habt? Was geht dann in euch vor und warum?

DAS kann ich erklären. ENTweder, ich bin ein Rassist, dann ärgere ich mich, ertappt worden zu sein, tue aber so, als sei ich beleidigt, ODER, ich bin kein Rassist, und reagiere beleidigt. ODER-oder, ich bin unbewusst Rassist, dann ist die Behauptung, ich sei nicht Herr meiner Handlungen sogar doppelt beleidigend, und ich reagiere beleidigt. Oder, ich bin „nur ein bisschen rassistisch“, dann werde ich einen Mittelweg zwischen den drei vorgenannten Alternativen einschlagen. Also beleidigt sein.

„Aber, Mycroft, wie kann man denn dann einen Rassisten auf seinen Rassismus ansprechen, ohne ihn zu beleidigen?“ – „Gegenfrage: wie kann man ein Arschloch ‚Arschloch‘ nennen, ohne es zu beleidigen? Gar nicht. Entweder rechnet man damit, dass das Arschloch beleidigt ist, oder man lässt es.“

Schreibt nicht einfach über Rassismus, schreibt bitte über Weißsein, was es heißt, weiß zu sein, was in euch vorgeht, wann ihr verstanden habt, dass ihr weiß seid.

Urlaub in Indonesien, wo glatte weiße Haare exotisch sind. Ich sag mal so, MIR muss niemand erklären, dass es übergriffig ist, anderen durch die Haare zu streichen.

Ich möchte in eure Communitys, Lebens- und Gedankenwelten eintauchen. Macht Stücke in denen ihr euch als weiß markiert, ihr werdet merken wie diffizil es ist Think Pieces zur eigenen ethnischen Identität zu machen.

Ich bin Westfale, woll? Ich bin katholisch und habe genug Vettern und Cousinen, um damit das letzte Abendmahl nachzustellen. Mit Schwarzbrot statt Weißbrot.

Erklärt und rechtfertigt euch selbst in dieser Gesellschaft anstatt Schwarze Menschen immer wieder zu fragen, was sie durchlaufen und euch Dinge zu sagen, die sie selbst viel besser niederschreiben würden. Was heißt es, ein weißer (& evtl. bildungsbürgerlicher) Mensch zu sein?

Meine Urgroßeltern – noch zur Kolonialzeit – sind mit dem Dreiklassenwahlrecht groß geworden, d.h., die Hälfte von ihnen durfte wählen. Und als Bauern und Handwerker zählten die Stimmen der anderen Hälfte auch nicht viel. Meine Großeltern durften alle wählen, sind aber Ende der dreißiger wahlberechtigt geworden, wo nicht mehr so viel Auswahl zu Wahl stand. Meine Eltern haben über den zweiten Bildungsweg studiert, und mich haben sie direkt zum Gymnasium geschickt, wonach ich studierte, und jetzt bin ich selbstständig.

über eure Nazi-Tante

Ich habe keine Nazi-Tante. Kann aber sein, dass ich Nazi-Großtanten hatte, die wären jetzt allerdings alle tot.

den einen Schwarzen Freund, den ihr immer scherzhaft „maximalpigmentiert“ genannt habt

Habe ich nicht. Weder einen Schwarzen Freund (Buh!!), noch jemanden, den ich maximalpigmentiert genannt habe (Bravo!).

Schreibt über eure Haare. Wie fühlen die sich an?

Als kind waren sie glatt und platinblond, später gewellt und mittelblond, und demnächst gewellt und wieder weiß. Ja, die meisten Menschen finden blond fremdartig und exotisch.

Was esst ihr Zuhause und warum?

Westfälisch. D’oh.

Schafft einen Diskurs von kritischem Alman-Sein.

Ich habe nichts gegen Leute in Baden-Württemberg. Einige meiner besten Freunde leben in Baden-Württemberg. Ich kriege jetzt irgendwie nicht die Kurve hin.

Zieht euch gegenseitig zur Verantwortung und besprecht die Vorteile die ihr qua Aussehen genießt und nicht anderweitig verdient habt.

Ich bin tatsächlich in der Postion zu sagen, dass ich meinen Job von meinem Vater geerbt habe, so dass das insofern nichts mit meiner Hautfarbe zu tun hat, weil ich keine Konkurrenz mit anderer Hautfarbe hatte. Selbiges gilt für meine derzeitige Wohnung.

Ok, wird man sagen, ich habe mir meinen Job und meine Wohnung nicht „verdient“. Aber ich habe beides nicht per Hautfarbe, sondern per Verwandtschaft.

Ansonsten, wo ihr könnt, macht Platz für Leute, die genauso begabt sind, aber wegen ihres Geschlechts, Herkunft, Transidentität, Akzent, Aussehen, Körperform sonst kaum bis nie gehört werden.

Meinen Job und meine Wohnung behalte ich. Und meinen Blog. Und mein Auto.

Ein Gedanke zu “Übers Weißsein

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