Aber Bento macht auch was richtig

Hier nämlich.

Eine Schwarze Frau äußert sich zum Thema Rassismus. Nagut, sie lebt in Europa und der Anlass ist die Situation in Amerika, aber immerhin.

Es fehlt nicht an Schwarzen, die sprechen, sondern an Weißen, die zuhören

Genau, Menschen sterben, wenn man ihnen die Luft abdrückt. Bzw., selbst, wenn sie nicht sterben würden, welchen Sinn hat es, einen offenbar am Boden liegenden, wehrlosen Menschen auf dem Hals zu knien?

Und ja, ein bisschen ist das wie die „Männer-sind-zu-doof-für nicht-sexistisches-Verhalten“-Argumentation. Aber wenigstens differenzierter:

Es gehört nicht zum Allgemeinwissen, dass auch Deutschland sich an kolonialen Verbrechen massiv beteiligt hat und Rassismen gegenüber Schwarzen Menschen genau aus dieser Zeit stammen und bis heute wirken.

Ehh, doch, ich wusste das, allerdings habe ich auch mehr Allgemeinwissen als andere. Und „beteiligt“ stimmt so nicht. Deutschland hat Kolonien gehabt und in denen Verbrechen begangen. Dabei hat es sorgfältig darauf geachtet, dass die Engländer, Franzosen und Niederländer ihre Verbrechen schön getrennt in ihren eigenen Kolonien begingen. Von einer „Beteiligung“ kann also keine Rede sein. (Dass das nicht so oft in der Schule vorkommt wie die Nazizeit, liegt aber nicht daran, dass man die Kolonialzeit verdrängen will…)

Kaum jemand hinterfragt, was es bedeutet, dass rassistische Wissenschaft den Grundstein für die Versklavung Schwarzer Menschen gelegt hat (Süddeutsche Zeitung).

Stimmt so nicht, die Versklavung kam zuerst und wurde im Nachhinein „wissenschaftlich“ begründet. Aber ja, der Rassebegriff wurde lange Zeit versucht, wissenschaftlich zu definieren, und das kann man hinterfragen. Bis man irgendwann merkte, dass das nur bei Nutztieren und -pflanzen – die gezielt auf bestimmte Eigenschaften gezüchtet werden – sinnvoll ist. Wenn es beim Menschen keine sinnvolle Definition für den Begriff „Rasse“ gibt, ist der Begriff demzufolge sinnlos. Ein weiterer wichtiger Grund für Definitionen.

Wir haben eine Menge aufzuarbeiten.

Wen sie wohl mit „wir“ meint? Sich selbst ja wohl nicht.

Weil Rassismus strukturell ist, muss es auch um die Strukturen gehen

Irgendwie fehlt mir eine Definition von „Strukturen“. Es gibt Rassismus, weil es rassistische Menschen gibt; weil es viele Rassisten(m/w/d) gibt, ist Rassismus ein Problem. Die Idee, dass jemand nicht rassistisch ist, aber von rassistischen Strukturen dazu gebracht wird, keine Schwarzen einzustellen, keine Wohnungen an Schwarze zu vermieten oder so lange mit einem Knie auf dem Hals eines Schwarzen zu drücken, bis dieser stirbt, kommt mir sehr abwegig vor.

Der Ansatz, die Ursprünge von Rassismus und rassistischen Vorurteilen in der Schule zu behandeln, halte ich für deutlich sinnvoller.

Das ist es, was uns zu Schwestern und Brüder macht. Die Erfahrungen, die wir teilen und der gemeinsame Kampf, diese Lebensrealität für uns zu verändern. Wenn man aktiv zuhört, dann wird man verstehen, worum es geht. 

Entweder, ich kann mich ohne gemeinsame Erfahrungen in andere Menschen hineinversetzen – das nennt man Empathie – oder nicht. Ich weiß jetzt nicht, welche der beiden Theorien hier zum Ansatz kommt.

Und vielleicht kommt man zumindest nicht mehr auf die Idee, jemandem zu sagen, er solle froh sein, dass er nicht erschossen wird.

Nun, ich bin froh, nicht erschossen zu werden. Was stimmt nicht mit mir?

Aber gut, Bento kommt auf die glorreiche Idee, jemanden zu fragen, der sich nicht nur auskennt, sondern auch betroffen ist. Was aber machen die hier?

Ok, dass Talkshows Xavier Naidoo nicht mehr einladen, liegt daran, dass Schwarze – gegenteiligen Vorurteilen zum Trotz – doch rassistisch sein können, und man das den anderen Schwarzen ja jetzt nicht zum Vorwurf machen will. Aber es hat schon mehrere Gründe, dass ich keine Talkshows sehe. Nur, Pinkstinks, dieselbe Organisation, bei der eine Frau sich zum Thema „männerfeindliche Werbung“ äußert, obwohl die auch einen Mann haben, lässt einen Weißen Rassismuskritik-Kritik üben. Eine gewisse Konsequenz hat diese Haltung ja, aber nicht jede Haltung, die man zeigt, ist auch was gutes.

Eine Männerquote UND eine Schwarzenquote zu erfüllen, ist bei so einem NGO-Budget vllt. nicht drin, aber diese Ironie. Diese allumfassende Ironie. Kennen die keine Schwarzen Journalisten und/oder Anti-Rassismus-Aktivisten, die vllt. mal gerne einen Gastbeitrag schreiben würden?

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