BDS III

Es geht weiter mit Mbembe Brief an die Deutschen. Da ich dazu gehöre, antworte ich weiterhin.

Ein aufständischer Argwohn

Der Kern meines Werkes ist ein aufständischer Argwohn, den eine utopische Ader mäßigt. Diejenigen, die mich heute verfolgen, wissen nicht, dass ich diese utopische Ader, die auf der Idee einer radikalen Ablehnung von realen Zuständen und Machtspielen gründet, in gewissen Traditionen des jüdischen Denkens gefunden habe.

„Ich habe nichts gegen Juden, Teile meiner Adern habe ich den Juden abgekuckt!“ Und viele, die Sie „verfolgen“, haben einen gewissen Argwohn gegen solche Argumente. Halloho? Sie haben in der Bibel gelesen? Sie sind katholisch erzogen worden? Sie verwenden Redensarten wie „Sündenbock“? Ja, ganz zweifellos haben Sie Kontakt mit „jüdischem Denken“ gehabt, wenn sie deren Hauptschrift kennen. Wie die meisten Antisemiten auch. D’Oh.

Jenseits der Kirche wollte ich über die Möglichkeit von Gemeinsinn, von Gemeinsam-Sein, von Gemeinschaften nachdenken, die nicht auf Glauben und Abstammung beruhen, sondern auf Vernunft und Solidarität.

Tja, es gibt auch antisemitische Marxisten. Ja, Marx war jüdischer Abstammung, aber das war Jesus auch, also: Keks! Aber so eine Kommune basiert auf den gemeinsamen Glauben in die Solidargemeinschaft, von daher sehe ich diesen Gegensatz nicht ganz. Aber ich bin auch kein Philosoph.

Wer „Afriques indociles“ (1988) aufmerksam gelesen hat, weiß, dass dies ein Schlüsselmoment dieser Suche war. Um dieses Buch zu schreiben, musste ich mich der Geschichte der Monotheismen in aller Genauigkeit widmen.

Sie könnten jetzt ja einfach eine Stelle zitieren und damit belegen, dass es Ihnen darum geht, dass Judentum zu verstehen, anstatt Vorurteile und Klischees zu bedienen. Aber nein, das wäre ja Arbeit. „Kauft mein Buch!“

Ich wollte den Charakter der Universalität der Negerkondition in der modernen Welt herausarbeiten.

Indem ich rassische Identitäten relativierte, ihre Essenzialisierung ablehnte und den Ideologien der Differenz den Rücken kehrte, wollte ich eine Theorie dessen entwickeln, was ich Gemeinsam-Sein nenne.

Ähm, wenn Sie das meinen, was ich vermute, was Sie sagen wollen, heißt das, dass Alle Schwarzen Gleich Sind. Ähmnja, dass ist genau das Problem, oder? Also, dass unterschiedliche Schwarze unterschiedlich sind ist nicht das Problem, aber dass weiße Rassisten das behaupten.

Aber gut, wie kriegen Sie von hier aus die Kurve zu den Antisemitismusvorwürfen?

Ich versuche, diese Rückkehr zur Idee einer „Menschenrasse“ mit der Idee des Lebenden insgesamt zu verknüpfen, mit der Integration der unteilbaren Biosphäre. Dies ist der Sinn der Kritik von Feindseligkeit in „Politiques de l’inimitié“ und anderen jüngeren Texten.

Wie „Apartheid Israel“? Wo? IST! Die! Kurve? Kritik Israels ist NICHT dasselbe wie „Israel ist das schlimmste seit 50 Jahren.“

Die Bibel brachte Israel in unsere Welt

Diejenigen, die mich heute ohne ersichtlichen Grund verfolgen und mir eine öffentliche Entschuldigung schulden, wollen in meinem Reisebericht über Israel 1992 den Beweis gefunden haben, dass Israel der Ausgangspunkt meiner Reflexionen ist.

Die, die das ohne ersichtlichen Grund tun, vllt., aber die, die einen ersichtlichen Grund haben, sehen ihn in einem deutlich jüngeren Buch. Kommt da noch was zu? Ja? Nein? Auf Ihre Entschuldigung werden Sie sonst lange warten, fürchte ich.

Sie bemerken dabei nicht einmal ihren eigenen Rassismus und Paternalismus.

Naja, kann vllt. sogar sein. Aber die, die Sie verteidigen, sind vllt. auch paternalistisch und positiv rassistisch. Also, wenn’s Ihnen passt, stört es Sie nicht.

Im Westen gibt es eine lange Tradition der Reiseberichte. … Die europäische Literatur ist voll von diesen Texten, in denen der Reisende eine Vorstellung von Afrika, China, Persien oder andere Weltregionen gibt. Es geht dabei nicht darum, zu sagen, wer die Afrikaner, Chinesen oder Iraner wirklich sind.

Ach, es geht schon darum, es klappt bloß nie. Oder selten.

In meiner Reisenotiz von 1992 erzähle ich in sehr flüchtiger, sogar naiver und ausgeschmückter Form, mal übertrieben und mal poetisch, meine Reiseeindrücke nach einem Seminar in Israel.

Achwas. Übertrieben. Poetisch. Sie? Wer hätte das gedacht. Trägt aber leider NULL zur Versachlichung der Debatte bei. Und wenn wir mal annehmen, dass das damalige Buch zu überzogen ist, um es als relevante Israelkritik Ihrerseits aufzufassen, das ist ja nur der halbe Punkt.

Mit der Bibel, die wir uns nicht selbst ausgesucht haben, ist Israel in unsere Vorstellungswelt eingedrungen und hat sich dort verankert. … Jeder, der sich die Mühe gemacht hat, unsere Gesellschaften zu beobachten und unsere Kulturen zu studieren, kann bezeugen, dass diese Aufnahmebereitschaft nie simuliert war.

Wenn Sie, als Kameruner oder Afrikaner allgemein, eine nicht-simulierte „Aufnahmebereitschaft“ für die Bibel hatten, dann haben Sie sie freiwillig aufgenommen und daher selbst ausgesucht. Oder jedenfalls nicht weniger freiwillig als die Europäer. Sie können nicht einerseits Ihre katholische Erziehung preisen und die „Aufnahmebereitschaft“ von Ihnen und Ihren Landsleuten, aber dann trotzdem zu tun, als wäre die Bibel (und Israel) etwas Eingedrungenes, für das Sie sich nicht verantworten oder rechtfertigen müssen.

Die Kolonisierung des Denkens

Mich trieben damals folgende Fragen um. Was heißt es, in den Mythen und Traditionen anderer zu leben? Was passiert, wenn man merkt, dass diese Mythen und Träume, die man für Wahrheiten hielt, sich als Legenden erweisen?

Hmm, soll das heißen, die Arche Noah hat es gar nicht gegeben? Waaaas? Oh, nein. Wenn Sie in Mythen und Legenden leben, also an Sie glauben, dann haben Sie sie sich zu eigen gemacht. Wenn Sie Mythen und Legenden als Mythen und Legenden, oder als Metaphern und Gleichnisse, oder als katholische Agitprop auffassen, haben Sie eine Distanzierung geschaffen. In Europa nennt man das „Aufklärung“.

Israel gehört zu den Mythen, die wir geerbt haben.

Atlantis ist ein Mythos. Israel, sowohl das Land der Antike, als auch der moderne Staat, sind empirisch nachgewiesen. Das als Mythos zu främen, geht schon in Richtung Deligitimation.

Für manche von uns ist es ein unentbehrlicher Mythos geworden.

Wer ist „uns“? Unentbehrlich, aber unentbehrliche Realität ist Israel für die Juden.

Wie soll man im Bewusstsein dessen damit umgehen, nicht als Dogma, während man sich zugleich von allen Philosophien des Absoluten zu lösen versucht?

Dogma? Dogma! Ich glaube, dass es hackt! Dogma Israel ist ja noch schlimmer als „Mythos“ Israel. Aber was ist eigentlich mit Apartheid Israel?

Es geht nicht um das genaue Wesen Israels, sondern um den Mythos, den wir geerbt haben, um den noch zur Orientierung brauchbaren Teil davon und den verzichtbaren Teil.

Wer „wir“? Sie und ich? Wir haben Israel nicht geerbt, weder mythisch noch sonstwie. Und ich brauche es auch nicht zur Orientierung, obwohl es im Orient liegt. Und SIE haben keinen Recht zu urteilen, welcher Teil von Israel verzichtbar ist. Kommen Leute nach Kamerun und sagen: „Das kann weg und das braucht man noch!“? Also, seit der Unabhängigkeit, meine ich jetzt?

Morgen das glorreiche Ende!

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