Blödsinn, Deligitimieren, Sinnlosigkeit I

Hachja.

Ein afrikanischer Philosoph wird ausgeladen, weil er in einem seiner Bücher Holocaust und Apardheit verglichen hat und Apardheit und die israelische Palästinenserpolitik. Kann man machen, muss man aber nicht. Man kann auch generell mal annehmen, dass nicht jeder, der Israel kritisiert, automatisch Antisemit und/oder Antiszionist ist. Es ist allerdings – und da bin ich auf Kleins Seite – schon offensichtlich, dass es zwischen Holocaust und Apartheit schon quantitative und qualitative Unterschiede gibt – Zweck der Maßnahme, „Begründung“ der Maßnahme, Anzahl der Toten – so dass der Vergleich eigentlich so formuliert sein sollte, dass das eine viel schlimmer ist.

Und – auf der Meta-Ebene – als Antisemitismus-Beauftragter hat man irgendwann auch keine Lust mehr zu erklären, dass „die Juden“ nicht die „neuen Nazis“ sind. Es droht auch niemand, die Buren, also weiße Südafrikaner „ins Meer zu werfen“ (Jetzt sagt bestimmt wer: „DOCH!“). Es gibt auch keine VT, nach denen Buren die Welt beherrschten, kleinen Kindern Blut abzapfen oder sich den Holocaust nur ausgedacht hätten. Und Buren haben Europa nicht verlassen, weil man sie von dort vertrieben hat. Soll heißen, die Juden in Israel haben vllt. tatsächlich mehr moralisches Oberwasser als die Buren in Südafrika. Und das sage ich als jemand, der sich über Antisemitismus-Poster lustig macht.

Ich zitiere mal von hier:

Im kolonialen Kontext war die permanente Trennungs- und damit Differenzierungsarbeit zum Teil die Folge der von den Kolonisten empfundenen Angst vor Vernichtung. Man war zwar zahlenmäßig unterlegen, aber mit gewaltigen Zerstörungsmitteln ausgestattet und lebte dennoch ständig mit der beängstigenden Vorstellung, ringsum von bösen Objekten umzingelt zu sein, …

Das trifft vllt. auf die Buren in Südafrika zu. Aber nicht auf die Nazis, die tatsächlich NICHT zahlenmäßig unterlegen waren, insbsondere nicht gegenüber den Juden.

Das Apartheidregime in Südafrika und – in einer ganz anderen Größenordnung und in einem anderen Kontext – die Vernichtung der europäischen Juden sind zwei emblematische Manifestationen dieses Trennungswahns.

Wenn man „Trennungswahn“ seeehhhhr weit fasst, vllt.; und sicher ist der burische Rassismus und der der Nazis sicher verwandt. Da solche Vergleiche aber zwangsläufig nicht nur historisch, sondern auch moralisch sind, stellt sich schon die Frage, ob die Buren, die keine Schwarzen vergast haben, nicht nur von der „Größenordnung“ her, sondern sich tatsächlich auch moralisch von den Nazis unterscheiden. Allerdings, hierzufolge:

„Die Besetzung Palästinas ist der größte moralische Skandal unserer Zeit, eine der entmenschlichendsten Torturen des Jahrhunderts, in das wir gerade eingetreten sind, und der größte Akt der Feigheit des letzten halben Jahrhunderts. Und da alles (…) ein Kampf bis zum Ende ist, da sie bereit sind, den ganzen Weg zu gehen – Gemetzel, Zerstörung, schrittweise Ausrottung –, ist die Zeit gekommen für globale Isolation.“

Von Mbembe als Vorwort zu einem Buch, das „Apartheid Israel“ heißt. Chinas Tibet-Politik? Gnaaa! Ruanda? Achwas! Srebrenica? Nie gehört! Jetzt ist es nicht so, dass bei der Ruhrtriennale noch nie mehr oder minder antisemitische Personen eingeladen wurden, so dass man sich schon fragt: „Echt jetzt? Schon WIE-der?“, und man kann natürlich trotzdem finden, dass jemand aus Afrika vllt. eine etwas andere Perspektive auf das Thema hat, als jemand aus Europa oder so. Was man aber nicht finden kann, ist, dass der Mann aus Kamerun kommt, da kann er natürlich nicht wissen, wieso das als antisemitisch wahrgenommen oder holocaustverharmlosend verwendet werden könnte, um es mal freundlich zu formulieren. Oder, man findet das, aber das ist eigentlich wiederum rassistisch, weil man dann einfach findet, dass Afrikaner das nicht verstehen könnten.

Immerhin ist Deutschland, ein Land voller Schuld-Kult, BDS-Hasser und Leute, die Israel für einen Staat halten, immerhin zivilisiert genug, Mbembe nicht einfach zu lynchen, sondern ihm in der Presse seine Sicht darlegen zu lassen. Wenn das der Führer wüsste. Morgen mehr.

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