Meine Männerfragen – #metoo

Wie stehst du zu #metoo?

Jaaaaaaaa, längere Antwort als das hier.

Von der Idee her und Teilen der Umsetzung her finde ich das gut, von anderen Teilen der Umsetzung her schlecht.

  1. Idee: Frauen diskutieren bei Twitter Probleme mit übergriffigen Männern. Gute Idee. Dass da alles von „bin vom Chef vergewaltigt worden und traue mich nicht, das zur Anzeige zu bringen, weil ich befürchte, schwere berufliche Nachteile dafür zu kriegen (und möglicherweise wird er eh nicht verurteilt, weil das schon 30 Jahre her ist)“ bis „blöder Spruch einmal im Urlaub“ in einer Reihe steht, ist vllt. etwas unglücklich, aber, wenn es um die Frage geht, welche Übergriffe sprachbewehrt sind, nicht sind und sein sollten, ist es wenig sinnvoll, sich gleich zu beschränken. Außerdem geht es ja nicht nur ums Strafrecht, sondern auch ums Arbeitsrecht und um die Präventionsfrage.
  2. Umsetzung I (gut): Das Thema kommt zur Sprache. Die Leute, die behaupten, vorher nichts davon gewusst zu haben, scheinen entweder noch sozial-distanzierter gewesen zu sein als ich, oder sie lügen. Dass die das mit Aktivismus kompensieren, ist allerdings heikel.
  3. Umsetzung II (mittel): Die Schuld wird „strukturellem“ Sexismus zugeschrieben. Wenn damit gemeint ist, dass viele sexistische und/oder übergriffige Männer in allen Teilen der Gesellschaft vorkommen, halte ich das für eine zutreffende Beobachtung. Wenn damit auch eine gewisse Omerta gemeint ist, bestimmt ist das auch so. Wenn damit gemeint ist, dass jeder Mann für jeden anderen haftbar ist, eher nicht.
  4. Umsetzung III (schlecht): „Glaubt den Frauen!“ Nein. Einfach nein. Ich rede nicht von Falschbeschuldigungen (obwohl es die auch gibt), aber ich weigere mich, bei jedem Thema, alles für wahr zu halten, was irgendwelche Leute bei Twitter schreiben. Twitter ist keine Zeitung, die Recherche betreibt (und auch nicht immer alles richtig macht), Twitter ist ein soziales Medium. Wenn 10% aller #metoo-Behauptungen falsch sind, dann sind das bei 1 Mio. 100.000. Jetzt sind 900.000 Fälle auch nicht gut, aber der Punkt ist, dass mir quasi vorgeschrieben wird, alles zu glauben, was mir erzählt wird. Nicht nur das generelle Problem, sondern jedes Detail. Spätestens, wenn es um strafrechtliche Details geht, geht das nicht mehr.
  5. Umsetzung IV (auch schlecht): „Struktureller Sexismus“ heißt anscheinend, dass man bestimmte Dinge deshalb verbieten können sollte, weil sie Vergewaltigungen (und Sexismus) propagieren würden. Weder der Beweis, dass sie das propagieren sollen, noch, dass sie das unbeabsichtigt unterstützen, muss dazu erbracht werden.
  6. Folgen (auch nicht toll): Jetzt werden – ENDLICH – die Vergewaltigungen, sexuellen Nötigungen und Belästigungen der letzten dreißig Jahre oder so juristisch aufgearbeitet. Aber es wird dabei so getan, als ob das Urteil über x zugleich ein Urteil über #metoo sei. Tja, und spätestens das ist Sippenhaft.

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