Der Optimismus in den Zeiten der Corona

Den Volksverpetzer mag ich in manchen Dingen sehr, in manchen ist er mir zu gewollt witzig, und stellenweise ist er ok, aber naiv. Aber jetzt hat er einen Gastbeitrag veröffentlicht, der all diese Aspekte in einem vereint. Magic!

Den hier nämlich.

DIE WELT NACH CORONA

Ja, es ist ein Zukunftsforscher. Aber kein Hellseher. Und seine Expertise erzeugt selbst Fragen, anstatt welche zu beantworten.

Ich werde derzeit oft gefragt,

Von wem?

wann Corona denn „vorbei sein wird”,

Wieso? Ist er nebenberuflich Virologe?

und alles wieder zur Normalität zurückkehrt.

Was heißt „normal“? In dem Zusammenhang meint jemand vllt.: „Normal Geld verdienen“ oder „Normal einkaufen gehen.“ oder „Normal zum Friseur“ (Ok, ich war nicht dabei, vllt. will das wirklich keiner wissen…)

Meine Antwort: Niemals.

Ja, dann. Nie wieder zum Frisör.

Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt.

Ich Depp dachte immer, Bifurkationen sind Gabelungen von Flüssen, die sich nicht wieder vereinen.

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können.

Er verwendet das Wort „wir“ im folgenden sehr frei. Mal ist das Publikum mitgemeint, mal nicht, und manchmal nur das Publikum, aber er selbst nicht. Wo man also „wir“ mit „ihr“ ersetzen müsste, aber Pronomina lösen sich auch auf.

Dafür möchte ich Ihnen eine Übung anbieten, mit der wir in Visionsprozessen bei Unternehmen gute Erfahrungen gemacht haben. Wir nennen sie die RE-Gnose. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht »in die Zukunft«. Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute.

„Heilige Klara von Assisi, Batman!“ – „Amen, Robin!“

DIE RE-GNOSE: UNSERE WELT IM HERBST 2020

Seine, meine, unsere. Er setzt voraus, dass dann die Krise vorbei sein wird, was ich mir auch wünsche, aber von deutlich mehr Problemen und Faktoren abhängig ist als die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens.

Es ist warm, und auf der Strasse bewegen sich wieder Menschen.

Klimawandel!

Bewegen sie sich anders?

Rückwärts? Zickzack? Im Kreis drehend?

Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher?

Bei dem Preis, den der Wein vermutlich haben wird, hoffentlich besser! Nebenbei, der Kaffee zumindest schmeckt während der Corona-Zeit auch wie vorher. Und, wenn die Cafes im September wieder aufmachen, wird es einen derartigen Run geben, dass es nicht mehr sehr gemütlich sein wird, schätze ich – DEN Unterschied sehe ich jetzt voraus.

Worüber werden wir uns rückblickend wundern?

„Wir“ heißt hier „ihr“. ER wird sich über gar nichts von dem wundern, was er hier postuliert, weil er es postuliert hat. Dieses „wir“ ist selbstverliebte Pseudo-Bescheidenheit, gemeint ist: „Ihr Leute, die Ihr meine Vision braucht!“

Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten.

Ja, dank I-Net, Telefon und Co., offensichtlicherweise.

Nach einer ersten Schockstarre fühlten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam.

Ja, man kann ohne Gewissensbisse oder Rechtfertigungsdruck auf eine Menge Stress verzichten. Das ist tatsächlich etwas, wofür die Krise gut ist. Aber das heißt nicht, dass man nicht „vereinsamt“, dass heißt nur, dass man merkt, dass man sich allein nicht „einsam“ fühlen muss. Ist außerdem auch eine Persönlichkeitsfrage, manche Menschen brauchen mehr Kommunizieren als andere.

Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen.

Binsenweisheit. Etwas zu verlieren ist etwas grundsätzlich anderes, als auf etwas zu verzichten. Beim Verzichten weiß man jederzeit, wo man es sich wiederholen kann, beim Verlieren nicht.

Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten.

Ich nicht, ehrlich gesagt. Aber ich bin auch nicht ganz repräsentativ, was das betrifft.

Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an.

Ich bin mir nicht sicher, was er meint. Aber bestimmt.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fußballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab.

Das glaube ich, wenn ich es sehe. Mit meinen eigenen Augen sehe.

WIR WUNDERN UNS, WARUM DAS SO IST.

Wenn das passieren sollte, würde ich mich in der Tat wundern, aber nicht Wunderexperte Horx.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus.

Dieses „wir“ bezieht sich auf Leute, die gelegentlich „Business-Flieger“ benutzen. Da bin ich sowas von raus – ich habe eine (1) Baustelle, die so weit weg ist, dass ich bei Ortsterminen ein Hotel nutze, aber die könnte ich nicht per Videokonferenz besuchen, weil ich per Videokonferenz keine Maße nehmen kann. Und der Zimmermann kann per Video keine Balken vernageln. Und der Dachdecker keine Dächer decken…

Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Beruf und Privatleben gehen bei mir ebenfalls fließend ineinander über. Also hier ist Corona keine Chance für mich.

Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen.

Ok, bei Trendforschern scheint das ein Problem zu sein – jetzt ist natürlich die Frage, warum Anrufbeantworter nicht sofort nach der Krise wieder in Benutzung gingen?

Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult.

Jaaa, jetzt kommen die ganzen Wannabes und nehmen einen auch noch die Bücherkultur weg. Kulturelle Aneignung!

Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich.

Okeee, Big Brother, wo keiner raus kann?

 Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern?

Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen? Wie könnte man das vergessen.

Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich?

Ob dt. Krankenhäuser zu Zeiten der Corona-Krise den massenhaften Tod von Deutschtürken und/oder Menschen über 80 planten. Ich hoffe sehr, dass das Thema sich schnell geklärt haben wird, aber DAS waren Themen.

Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out.

Najaaaa…

Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.

Dahaas könnte aber auch daran liegen werden, dass die Angst und Hysterie sich als dem tatsächlichen Umfang der Pandemie angepasst erwiesen haben wird. Hoffentlich nicht, aber nunja.

NEBENBEI ERREICHTE AUCH DIE UNENDLICHE FLUT GRAUSAMSTER KRIMI-SERIEN IHREN TIPPING POINT.

Weil….?

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten.

DAS ist eigentlich nicht naiv, sondern ahnungslos. Covid-19 ist bereits jetzt behandelbar, die Überlebensraten sind bei 99%, das Problem ist mehr, dass die Fallzahlen exponentiell wachsen (können), die Kapazitäten von Krankenhäusern aber nur linear, dass es keinen Test gibt, der schnell, zuverlässig und massenhaft verfügbar ist, und dass ein Impfstoff wohl kaum bis zum Sommer zur Verfügung stehen wird. Ein Impfstoff verhindert die Infektion, schützt das medizinische Personal und Risikogruppen und verhindert so einige wichtige Übertragungsstellen: das Krankenhaus, das Altersheim und die Arztpraxis.

Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen

Im Unterschied zu jetzt, wo Corona kein Virus ist, mit dem wir umgehen müssen?

Medizinischer Fortschritt half.

Achwas?

Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende.

Ähhh, nein? Wenn der medizinische Fortschritt im Sommer keine Verbesserungen erlaubt, wird die Krise bis zum Herbst nicht vorbei sein. Oder stellenweise schon, weil alle infiziert sind, viele gestorben, viele noch krank und der Rest immun sein wird. Die Menschen im Gesundheitssystem, die inzwischen immun UND wieder gesund sind, arbeiten die Operationen vom Sommer ab, soweit die jeweiligen Patienten noch am Leben(m/w/d) sind, sonstige Branchen kriegen allmählich wieder was zu tun.

Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag.

SO radikal sind die Einschränkungen noch nicht.

Die human-soziale Intelligenz hat geholfen.

Human-medizinische Intelligenz muss das heißen. Dank der Intelligenz der Humanmediziner bekam man die Pandemie in den Griff.

Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Dieselbe KI, mit der ich vom Schreibtisch aus Sparren messen kann?

Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien.

Und jetzt hat Technologie es uns ermöglicht, trotz Ausgangsbegrenzungen und Kontaktsperren zumindest einige unserer Arbeiten von zu Hause aus zu erledigen. Und Kontakt mit anderen zu erhalten. Und unser Leben lebenswert. Scheiß-Technik, was? Achja, und das „Medikament“ wurde auch mit Technik erforscht, hergestellt und angewandt.

Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung.

Ähh, wer tut dies?

Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Niemand verbietet es, dass man sich auch heute diese Fragen stellt. Nur stellt man sie sich schon seit Jahrtausenden, wer mit den gewonnenen Antworten nicht zufrieden ist, ist vermutlich nie zufrieden.

WIR STAUNEN RÜCKWÄRTS, WIE VIEL HUMOR UND MITMENSCHLICHKEIT IN DEN TAGEN DES VIRUS TATSÄCHLICH ENTSTANDEN IST.

Ja, ich war auch ganz gerührt wegen der hier. Und der. So lustig und human.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte

Wäre ich zynisch, würde ich sagen, dass sich möglicherweise auch welche wundern werden, wie lange der Patient in Bett #345.658 ohne Beatmungsgerät überleben konnte.

 Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleite gingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt.

Nullpunkt wohl nicht, aber wenn die einschlägigen Unternehmen pleite sind, wird es im Herbst keinen Kaffee mehr geben, den man in D. trinken könnte. Oder jedenfalls keinen zu erschwinglichen Preisen.

Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann.

„Es ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt.“ – „Was tot ist, kann niemals sterben!“ Ok, da hat er wohl schon recht, wenn Friseure et alii nicht mangels Bedarf pleite gehen, sondern mangels Betriebserlaubnis, ist das keine Konjunkturphase, sondern sozusagen „künstlich“ erzeugt. Sobald die wieder eröffnen können, werden sie boomen.

Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt.

Vorhandene Strukturen wiederaufzunehmen wird viel schneller gehen als komplett neue zu bauen. Selbst, wenn das passieren wird, passiert es nicht bis zum Herbst.

Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance.

Es ist auch zu Zeiten der Corona-Krise nicht verboten, Material zu verschiffen. Die Fracht ist nach Wochen auf See virenfrei, und die Mannschaft hätte in der Zeit Symptome. Und Handwerk ist lokal. Außer natürlich die slowakischen Schlosser, die nicht im Ruhrgebiet auf Montage gehen können. Und die polnischen Spargelstecher. Jagut, irgendwas ist immer.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte.

Ja, bestimmt. Der Teil ist der richtigste von allen.

In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten.

Und ein Klopapierbaum.

Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

Nein

Das Leben hat keinen freien Willen.

RE-GNOSE: GEGENWARTSBEWÄLTIGUNG DURCH ZUKUNFTS-SPRUNG

Let’s do the warp jump again…

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose?

Weil sie von eher abwegigen Spekulationen auf ein „Corona-Medikament“ im Sommer abhängig ist und von Friede-Freude-Eierkuchen-Kitsch trieft?

Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen.

Ist das sowas wie Spidey Spinnensinn?

Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen.

Das ist evolutionär sinnvoll und logisch überzeugend: wenn ich mir keine Gedanken über die Zukunft mache, OHNE mir dabei Gedanken über zukünftige Gefahren und Probleme zu machen, auf die ich mich so vorbereite, bräuchte ich mir überhaupt keine Gedanken über die Zukunft machen – wenn ich davon ausginge, dass die Zukunft problemlos wäre, würde ich sie eh‘ nicht ändern wollen. D’oh!

Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen.

Ja, aber innerer Wandel ist das, was man in Zukunft (anders) machen muss, um bestimmte Ziele zu erreichen. Also meinetwegen überlegt man erst, wo man hinwill, und dann, wie man dahin kommt, aber nichts von dem, was oben unter Re-Gnose steht, ist etwas, was man als Individuum erreichen kann.

WIR ALLE KENNEN DAS GEFÜHL DER GEGLÜCKTEN ANGSTÜBERWINDUNG.

Tatsächlich, ja. Man liegt dann mit der Frau im Bett, und alles super, und irgendwann macht sie Schluss, aber man weiß, was man beim nä. Mal vllt. anders macht, nur das gerade Kontaktsperre ist. Aber ja, kenne ich.

ABER DAS IST KEINE APOKALYPSE, SONDERN EIN NEUANFANG.

Die Apokalypse IST auch ein Neuanfang. Aber ja, schon klar, was gemeint ist. Andererseits ist die Corona-Krise kein Neuanfang. Wenn alle tot oder immun sind, geht das Leben für die letzteren weiter.

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird.

Je, nachdem, wie viele Tote es in den USA bis dahin gibt, wird er vllt. sogar schon vorher abgewählt. ODER wiedergewählt. Oder er begreift die Krise als Chance, das Parlament auf Dauer zu beurlaben wie in Ungarn.

Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt.

Bei der AfD merkt man ja, wie scheiße zue Grenzen sind, woll? Aber ja, kann sein, dass die daran hart scheitern.

Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt.

Wissenschaft hui, Technik pfui. Ja, das ist erstaunlich, wie ein Mann zwei sehr eng verbundene Dinge so unterschiedlich darstellt.

aber auch »futuristische« Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht.

Also statt der Gender Studies?

Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.

Ähh, WAS?

Nö. Ganz offensichtlich nö: . Man muss diskutieren, ob 10.000+ tote Italiener in einem Monat wirklich ein Indiz für die Gefährlichkeit von Covid-19 sei.

EIN VIRUS ALS EVOLUTIONSBESCHLEUNIGER

Ist das nicht jedes Virus?

Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese.

Das ist aber nett von den Krisen, dann brauchen wir keine visionären Trendforscher mehr.

Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch »Globalisierung« genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. Es kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme.

Flugzeugreisen sind ein Problem, Schifffahrt eher weniger. Gütertransport fast gar nicht. Weil die lange Reisezeit als eingebaute Quarantäne wirkt. Nicht das Bauteil aus China fehlt der dt. Fabrik, sondern die Werktätigen, die nicht zu tausenden in die Fabrik können.

Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet.

Oder, man bevorratet staatlicherseits mehr Schutzmasken.

Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität sprechen, werden die Führer von Morgen sein.

Ja, neue Führer! Endlich!

„Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.”

Slavo Zizek im Höhepunkt der Coronakrise Mitte März

Wie merkbefreit muss man eigentlich sein? Die Epidemie hat in Indien und Afrika noch nicht einmal richtig angefangen, und es ist April. APRIL! Höhepunkt der Coronakrise Mitte März, träum weiter!

JEDE TIEFENKRISE HINTERLÄSST EINE STORY,

ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen.

Ja, wie Nero. Achnee. Aber ja, schön, dass man sich auch so unterhalten kann. Was hätten die bei richtig usseligem Wetter gemacht? Und „Narrativ“ ist eigentlich das Bullshit-Wort für „gelogen“.

Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen.

Ok, das hat was. Nur ist Ökokitsch nicht so viel besser als Sozialkitsch.

2020 wird der CO2-Ausstoß der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Ich weiß nicht, wie viele Inder(m/w/d) und Afrikaner(m/w/d) an Corona-19 sterben werden, um diese Einsparungen zu ermöglichen, aber ja, der Tod macht was mit einem.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch?

Menschen töten? Aber hallo!

Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft.

Dass der nicht Jesus ist, hatte ich mir fast schon so gedacht.

Die Idee, das beste aus der Situation zu machen, finde ich ja gut. Aber wenn die Probleme einerseits sehr verharmlost werden, andererseits wichtige Schritte zur Problembewältigung irgendwie unterschlagen werden, was bringt das? Einfach nur als Vehikel, um die eigene positive Utopie zu puschen? Das würde mich nicht wundern…

Achja, den Intro-Teil kann man gut recyceln

Lest den Artikel selbst und entscheidet für euch selbst.

Freie Menschen! Aufklärung! Yäy!

Die Welt nach Corona wird anders aussehen als die Welt, die wir davor kannten.

Weniger alte Leute.

Was könnte man in Zukunft besser machen?

Mehr Atemmasken und Klopapier!

Welche Fehler erkennen wir erst jetzt, nachdem wir alle mal einen ruhigen Moment hatten, um uns über die Probleme unserer Gesellschaft Gedanken zu machen?

Zu wenig Atemmasken und Klopapier. Und zu wenig Geld für Krankenhäuser und LKW-Fahrer.

Ist der Klimawandel doch zu stoppen?

Wenn die Krise lang und schwer genug ist, auf jeden Fall.

Brauchen wir ein Bedingungsloses Grundeinkommen?

Nein, dann wird niemand mehr Spargel stechen. „Wir“ brauchen mehr polnische Zwangsarbeiter.

Müssen wir in Zukunft anders wirtschaften?

Mehr Geld für die Krankenkassen!

Warum diskutiert man erst jetzt die gerechte Bezahlung von Pflegepersonal und Krankenschwestern?

Das tat man schon vorher. Die Frage ist, warum habt IHR das nicht mitgekriegt. *g

Diskutiert den Artikel und dessen Ideen, wir freuen uns!

Immer wieder gerne!

3 Gedanken zu “Der Optimismus in den Zeiten der Corona

      1. Ebenfalls schon aus anderer quelle gesehen. Fairerweise: Die ist nicht _offensichtlich_ dumm – oder auch gar nicht, aber selbst bei 1,25x Geschwindigkeit sind das immer noch 20 Minuten. Von Söder lernen heißt Siegen lernen!

        (Und es können eh alle gerade nur dumm rumraten. Es _gibt_ ein paar Tatsachen, die wahlweise „Fake News“ oder „richtig und wichtig“ waren, aber so langsam passiert ja was, von daher:)

        – natürlich helfen Masken. Wenn nicht Dir, dann anderen; aber ggf. kann man ja auch praktisch anonym eine Bank ausrauben, gerade, ohne auf der Straße blöd angesprochen zu werden

        – das dauert noch bis mehr-oder-weniger Pfingsten (das wäre jetzt _meine_ Prognose). Es sind aktuell noch 14 Tage Ende der Osterferien BY), und in BY ist das auch langsam allen zu blöd, v.a. den neuen „kriegsbedingten“ Arbeitslosen.

        – Ich wollte jetzt wirklich nicht entscheiden müssen zwischen „es sterben X-zig Leute“ und „wir machen die Wirtschaft kaputt“. Politiker sind in D eher _nicht_ entscheidungsfreudig. Ich hoffe, wir haben Glück, und bekommen nur wenig von beidem. Schaumamal.

        – Jeder, der _mehr_ sagt als „schaumamal“, „ist schwierig“ und v.a. „wissen wir nicht“ _ist_ ein Idiot.

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