Meine Männerfragen – wann ist ein Mann männlich?

Was bedeutet für dich Männlichkeit?

Männlich und weiblich sind zunächst einmal Begriffe aus der Biologie. Bei vielen Organismen gibt es das Phänomen, dass es zwei deutlich unterschiedliche Keimzellen gibt, die sich mit jeweils einer der anderen Sorte verschmelzen müssen, damit ein neues Individuum entsteht. Die größeren mit den Zellorganellen sind die weiblichen, die kleineren, mobileren die männlichen. Bei Wirbeltieren produziert jedes Individuum normalerweise nur eine der beiden Keimzellensorten, so dass man auch die Individuen als weiblich und männlich bezeichnen kann. Bei vielen Wirbeltieren, und besonders bei vielen Säugetieren, gibt es den sogenannten Geschlechtsdimorphismus, d.h., es gibt körperliche Unterschiede (Aussehen, Klang, Geruch), an die man die männlichen bzw. weiblichen Individuen erkennen kann. 

Bei Menschen kommt hinzu, dass der natürliche Dimorphismus durch einen kulturellen Dimorphismus verstärkt wird. Jede Kultur hat bestimmte Kennzeichen in Sprache (Namen, Fürwörter, etc.), Tracht (Kleidung, Haartracht) oder sonstiges (Heiratsbräuche, Grußgesten), die mit einem Geschlecht korrespondieren und den Geschlechtsunterschied betonen. Welche das jeweils sind, ist vonKultur zu Kultur verschieden, aber soweit ich weiß gibt es keine Kultur ohne sie.

Also ist für mich Männlichkeit im weiteren Sinne quasi die Summe aller natürlichen und kulturellen Eigenschaften, die auf der männlichen Seite des Geschlechtsdimorphismus stehen, und Weiblichkeit entsprechend die Summe der weiblichen Seite.

Oder im engeren Sinne ist Männlichkeit alles, was ein Mann betont, trainiert oder sonstwie kultiviert, um sich von Frauen zu unterscheiden, um auf diese attraktiv zu wirken. Und umgekehrt. Sportlichkeit als solche ist also geschlechtsneutral, weil das bei beiden Geschlechtern attraktiv wirkt, breite Schultern und schmale Hüften hingegen gelten als männlich UND als attraktiv auf Heteras. Gibt sicher Heteras, die das anders sehen – hey, ich bin gerade solo!

Was bedeutet für dich Mannsein?

Mannsein hieß „früher“, für andere Risiken einzugehen. Im Schützengraben, in der Fabrik, überall. Eine reduzierte Lebenserwartung in Kauf zu nehmen, galt als tapfer und heldenhaft, als männlich allgemein und männlich im attraktiven Sinn.

Wenn Urwin sr. mal einfach gegen diese Rollenerwartung rebelliert hätte, hätte er länger gelebt. Gleichzeitig werden Männer wie Urwin sr. als „toxisch“ bezeichnet. Was ich beleidigend finde, aber nagut. Mit Urwin sr. wollte ich eh‘ nicht tauschen.

Ergo ist eine bessere Art, ein Mann zu sein, sich um die eigenen Belange zu kümmern. Sich nicht für andere aufzureiben. Die eigenen Risiken zu minimieren, oder – wenn schon – Risiken bewusst einzugehen, nicht aus einem dumpfen Rollenverständnis heraus.

Problem dabei ist, dass dieses Konzept von Mannsein von Frauen ebenfalls kritisiert wird. Er hier bspw. fragt, ob er sie küssen darf. Sie beschwert sich. Meiner Theorie zufolge liegt das daran, dass er versucht, sein Risiko (einer Abfuhr) zu reduzieren. Wenn es als männlich und als männlich-attraktiv gilt, Risiken einzugehen, dann natürlich alle Risiken, nicht nur für Leib und Leben, sondern auch beruflich, finanziell, sportlich und beim Flirten. Oder besonders beim Flirten, denn wenn der Mann schon Angst vor einem Korb von ihr hat, dann hat er vermutlich auch vor Dingen Angst, die gefährlicher sind als sie. Das muss zwar nicht sein, da Risikobereitschaft von verschiedenen Faktoren abhängt, aber nunja.

SIE nimmt seine Frage also möglicherweise nicht als Respekt und Rücksichtnahme wahr und als generelle Taktik, Frauenängste zu minimieren, sondern als Feigheit. Risikobefreite, unmännliche und unattraktive Feigheit.

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