Meine Männerfragen – allgemein

Weil das jetzt öfter kommt, beantworte ich diese Fragen auch mal selber. Über andere lästern macht ja Spaß, aber ist nur die halbe Miete.

„Groß, stark und mächtig“ – in dieses Bild muss heute kein Mann mehr passen.

Stimmt, kein Gesetz verbietet es mir, klein, schwach und machtlos zu sein. Ich will es halt nicht sein, weil es mir wenig brächte. Witzigerweise war im Ersten Weltkrieg die durchschnittliche Körpergröße von Männern in D. 1,67 m, heute ist sie 1,80 m. D.h., ich bin größer als der Durchschnittsmann von vor hundert Jahren. Zwar kleiner als der heutige Durchschnittsmann, aber immerhin. Ob ich stärker bin, weiß ich nicht, weil die damals zwar auch nicht ins Fitnessstudio gingen, aber so ein Bombenhagel hält ja auch fit. Und jung vor allem. Da sind ganz viele nicht alt geworden. Aber, immerhin, ich bin viel mächtiger als der Durchschnittsmann im Ersten Weltkrieg. Weil das Wahlrecht damals, naja.

Weil ich also größer, mächtiger und ungefähr so stark wie meine Urgroßväter bin, ist die Aussage, dass ich in dieses Bild nicht passen muss, egal. Ich passe in das Bild, das vor 100 Jahren mal so gezeichnet wurde. Und jetzt wird einfach ein neues Bild gezeichnet, in dass ich mich jetzt bitteschön wieder einpassen muss.

Ich stimme ja insofern zu, dass das Männerbild von vor hundert Jahren, welches meine Nutzung als Kanonenfutter vorsah, um das Reich groß, stark und mächtig zu machen, nicht SO toll ist, dass man das unbedingt reproduzieren sollte; nur, ähh, ich habe nicht das Gefühl, dass man mich einfach sein lässt, wie ich will. Anstatt meinen Kopf für ein Kaiserreich hinzuhalten, bei dem ich nicht groß mitreden durfte, bin ich jetzt gefährlich für andere (Nicht-Männer), aber gleichzeitig dafür verantwortlich, mich selbst ungefährlich zu machen. Kein Mensch ist toxisch.

Jetzt werden einige(w) vllt. sagen: „Hey, wir trauen Dir zu, Teil der Lösung und nicht des Problems zu sein! Worüber beschwerst Du Dich?“ – Nuuuuuuuuuuuuuuun:

Es ist erstens etwas paradox, Männern im Kollektiv nicht nur die Schuld für bestimmte (oder: alle) Probleme auf der Welt zu geben, aber gleichzeitig die Verantwortung, diese zu lösen. Es ist weiterhin – nicht nur von Euch, aber das ist keine Ausrede – wenig zielführend, Solidarität zu fordern, wenn man sich unsolidarisch verhält. Und ich meine nicht ‚unethisch‘, ‚unmoralisch‘ oder ‚dummdreist‘, sondern tatsächlich, dass man so keine Solidarität bekommt. Drittens, ‚He for she‘ appelliert an männliche Beschützerinstinkte. Männliche Beschützerinstinkte sind ein Rollenklischee. Rollenklischees sollen durch den Feminismus abgeschafft werden, inklusive solcher, die Männern schaden. Ergo ist ‚He for she‘ antifeministisch. Weiterhin: Kein Mensch ist toxisch!

Aber wenn man schon über Rollen redet, sollte man wenigstens „Ideal“ und „Klischee“ trennen. Männliches „Ideal“ sind Eigenschaften, die man von Männern erwartet, weil man sie für nützlich hält. Männliches „Klischee“ sind Eigenschaften, die man für typisch männlich hält, ohne sie besonders zu mögen.

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