Wo Frauen wirklich am meisten betroffen sind

Wenn bento, Jetzt und Ze:tt sich desselben Themas annehmen, kann das ja nur an dessen Relevanz liegen.

Ok, bislang ist es erlaubt, zum Arzt zu gehen, Beratungsgespräche zu führen und andere wichtige Termine wahrzunehmen. Und selbst, wenn man ungewollte schwanger ist und Corona hat, hat man einen Anspruch auf Behandlung.

Es ist auch noch kein Fall bekannt, wo es wegen Corona bzw. Kontaktverbot keine termingerechte Schwangerschaftskonfliktberatung gab. Und wenn jetzt jemand sagt: „NOCH nicht!“, nun, wenn eine Frau aus Gründen, die nicht in ihrer Verantwortung liegen, die 12-Wochen-Grenze knapp überschreitet, macht sie sich ja nicht strafbar.

Bzw., nach meinem nicht-juristischen Verständnis von Schuld und Strafbarkeit. Aber wenn professionelle Journalisten keine Juristen zu deren Einschätzung befragen, was soll der Geiz? Meine Meinung ist so gut wie jede andere.

Achnee, man könnte ja einfach versuchen, keine Ängste zu schüren, sondern einfach versuchen, den Sachverhalt zu klären. Oder vllt. ist das Thema ja auch unter Juristen umstritten? Oder vllt. gibt es ja schon Regelungen? Wen könnte man denn da mal fragen?

Es gibt derzeit zig Probleme als Folge der „de-facto-Ausgangssperre“. Natürlich sollte man behördlicherseits bei vielen Vorgängen mit „Präsenz-Pflicht“ nachdenken, ob man entweder solche auch dann verschieben darf, wenn dadurch eine Frist verstreicht, oder ob man Video-Verbindungen erlaubt. Abitur, Schwangerschaftskonfliktberatung oder der Gang zum Arbeitsamt, um zu erklären, warum man diesen Monat schon wieder keinen Job gefunden hat. Ich kann mir zwar ehrlich nicht vorstellen, dass auf absehbare Zeit eine Frau auf der Straße angehalten wird, sagt: „Ich habe einen Arzttermin!“, und dann trotzdem nach hause geschickt wird, aber dystopische Zukünfte sind dystopisch und unvorhersehbar. Dennoch…

Dass jetzt Ärzte pro Choice genau Abtreibungen priorisieren, sehe ich ja ein. Aber von all den vielen Problemen, wo es schon vor Corona Engpässe gab, picken sich gleich drei Online-Zeitungen genau das heraus, was typsicherweise keine Männer betrifft. Geschiedene Elternteile, die ihr Umgangsrechts wahrnehmen wollen? Väter, die bei der Geburt ihres Kindes dabei sein wollen? Leute, die länger auf einen Therapieplatz warten müssen, als auf einen Geburtstermin? Fortbildungen aller Art? Ok, nicht alles hat so viel Priorität und ist so zeitkritisch wie eine Abtreibung, aber zumindest Menschen, die eine Psychotherapie benötigten, weil sie akut selbstmordgefährdet sind – oder es möglicherweise nach ein paar Wochen oder Monaten Kontaktverbot werden könnten – sind genauso gefährdet, wenn gleich mehrere Psychotherapeuten(m/w/d) als Risikogruppenangehörige die Praxis schließen. Und im Unterschied zu einer Abtreibung kann man ein Gespräch tatsächlich per Video-Schaltung führen, aber manche brauchen den direkten Kontakt, wenn das was helfen soll.

Achja, die meisten Abtreibungen erfolgen ambulant. Es werden also selten Intensivstationen belegt. Auch Haus- und Lungenärzte sind eher selten mit Abtreibungen befasst. Bislang sollte es also zu keinen Interessenkonflikten kommen. Und infolge der Kontaktsperre sollten die ungewollten Schwangerschaften eigentlich auch abnehmen. Ok, Theorie und Praxis.

Und vllt. kommen die Artikel ja noch, in denen die schlimmeren Auswirkungen von Corona auf Nicht-Frauen dargestellt werden. Ansonsten ist das einfach die übliche „Katastrophe xy – Frauen besonders betroffen!“-Pointe.

2 Gedanken zu “Wo Frauen wirklich am meisten betroffen sind

  1. Und infolge der Kontaktsperre sollten die ungewollten Schwangerschaften eigentlich auch abnehmen. Ok, Theorie und Praxis.

    Genau da bin ich ehrlich gesagt nicht ganz einverstanden. Paaren wurde der Kontakt ja nicht verboten, was bei den zusammenlebenden auch eher schwierig sein dürfte.

    Pornhub (Nur Text und Statistik) z.B. verzeichnet steigende Zugriffszahlen. Von Online-Datingbörsen oder Tinder habe ich bislang noch nichts gehört. Ich würde mich allerdings auch nicht wundern, wenn es auch hier einen relativen Boom gäbe. Gleichzeitig hat z.B. Karex den Betrieb eingestellt, womit alleine dadurch die Weltproduktion an Kondomen um rund 20% gesunken ist. Die Nachfrage nach Kondomen ist seit Beginn der Krise jedenfalls gestiegen, also gegenläufig.

    Ich persönlich würde jedenfalls mit einem deutlichen Geburtenanstieg ab Weihnachten rechnen.

    Ansonsten ist das einfach die übliche „Katastrophe xy – Frauen besonders betroffen!“-Pointe.

    Dass Frauen schlimmer betroffen sind, weiß man doch schon mindestens seit Hillary. Die dazugehörigen Väter, die nach der Krise ggf. ohne Job den Unterhalt bezahlen sollen sind natürlich nur egoistische faule Schweine.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s