Außerdem, bei der Welt

Zu Frau Ataman

Ein sarkastischer, schwarzhumoriger Spruch bei Twitter ist vllt. auch gar nicht so verwerflich; man kann beleidigte Menschen um Entschuldigung bitten, man kann – wenngleich man das vllt. schon im Vorfeld trennen sollte – erklären, dass das nicht die Meinung der Organisation ist, deren Sprecherin(m/w/d) man ist, und man könnte eine Äußerung auch komplett zurücknehmen.

Oooder, man parodiert die halbherzigen Dementis von Leuten, die wegen rassistischer, sexistischer oder sonstwie abwertenden Äußerungen kritisiert werden, bspw. über „kopftuchtragende Gemüsehändlerinnen“ oder „Lückenpresse“. Nur sollte man dann vllt. trotzdem sagen: „Hey, das ist genau die Art von halbherzigen Dementi, das ich immer von Euch höre. Wo ist Euer Problem?“ Ja, man soll Witze ja nicht erklären, aber die Art, wie nicht nur Ataman verteidigt wird, sondern das auch selbst kommuniziert, legt nahe, dass diese Parodie eher unfreiwillig ist:

Mir liegt es fern, die großartige Arbeit von Ärzten und Pflegern unter Generalverdacht zu stellen.

Ein Rassist würde im Unterschied dazu sagen: „Mir liegt es fern, die großartige Arbeit von Obst- und Gemüsehändlern unter Generalverdacht zu stellen.“ Oder ein Verschwörungstheoretiker: „Fernsehen und Zeitungen machen in großen Teilen einen guten Job.“

Doch viele Menschen aus Einwandererfamilien treibt die Angst vor Rassismus um, auch in der Corona-Krise.

Rassist: „Doch viele besorgte Bürger treibt die Angst um, den Anschluss zu verlieren, gerade in der Corona-Kriese.“ oder VTer „Aber viele Menschen haben das Vertrauen in die Presse und andere Medien verloren.“

Sie denken darüber nach, welche Folgen institutioneller Rassismus in einem drohenden Ausnahmezustand haben kann.

„Sie denken darüber nach, welche Folgen Zuwanderung in einem drohenden Ausnahmezustand haben kann.“ oder: „Zur Ungewissheit kommt die Sorge, nicht über alle Tatsachen wahrheitsgemäß informiert zu werden.“

Darauf wollte ich hinweisen.

R: „Darauf wollte ich hinweisen.“ – V: „Genau, ich auch. Natürlich teile ich diese üblen Vorurteile nicht, die ich unreflektiert wiedergebe.“

Und ganz wichtig:

Ich bedauere, wenn das missverstanden wurde.

„Ich bedauere, wenn das missverstanden wurde.“ – „Ich bedauere, wenn das missverstanden wurde.“ Niemals – und ich gebe Ihnen dazu mein Ehrenwort! – niemals ist je eine derartige Aussage einfach falsch gewesen. Rassistische Verschwörungstheoretiker machen keine Fehler, warum also Frau Ataman? Deshalb bedauert man natürlich nicht, dass man etwas faktisch unzutreffendes gesagt hat. Man bedauert natürlich auch nie – Ehrenwort: nie! – dass man etwas richtiges (oder jedenfalls diskutables) so bescheuert formuliert, dass es falsch verstanden wird. Man bedauert auch nicht – und ich wiederhole: mein Ehrenwort! – dass man jemanden unabsichtlich beleidigt hätte. (Und absichtlich sowieso nicht – wieso sind diese Gemüsehändler, Journalisten und Mediziner(m/w/d) eigentlich immer so empfindlich, wenn man sie als „nutzlos“, „Lügner“ bzw. „rassistische Mörder(m/w/d)“ främt?) Und es tut einem natürlich auch nicht leid – bei meiner EHRE – dass das Vorurteil, das man angeblich wiedergegeben hätte, tatsächlich von vielen Menschen für zutreffend gehalten wird.

Nein: Man bedauert NUR, dass man falsch verstanden wurde, weil es ja die anderen sind, die entweder zu doof oder zu böswillig sind, eine(n) korrekt zu verstehen. IMMER.

Wie gesagt, als Parodie wäre das großartig.

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