Männerfragen III

Ich war am Überlegen, ob ich hier wieder mit Zusammenfassungen anfange, aber hey! Die Männer, die jetzt da auftut, sind teilweise sehr ergiebig – also kriegt jeder(m/m/m) seinen eigenen Kommentarartikel. Aber andererseits sind die auch nicht komplett „auf Linie“, was ja auch ganz nett ist.

Diesmal er hier, den ich bis jetzt gar nicht kannte, aber das ist ja mehr mein Problem.

Was bedeutet für dich Männlichkeit?

Diesmal wieder „Männlichkeit“ statt „Mannsein“. Das sind eigentlich zwei nicht ganz deckungsgleiche Begriffe, bzw., wenn der Interviewte zwischen den beiden Dingen einen Unterschied macht, erzeugen die unterschiedlichen Fragen unterschiedliche Antworten, so dass man die nicht genau vergleichen kann. Aber ist eigentlich egal, weil das 1. keine wissenschaftliche Abhandlung werden soll, und die Interviewten 2. eh‘ eher frei assoziieren – eine Antwort im Schema: „Männlichkeit ist für mich [persönliche Definition]“ kommt in dem Format anscheinend gar nicht vor. Bisher zumindest. Aber das nur allgemein.

„Ich bleib ein Mann. Nur keine Angst. / Doch deshalb Herrscher? Danke. Nein“, das habe ich schon vor 40 Jahren in meinem „Lied vom Mannsein“ gesungen.

Wer hat außer ihm eigentlich behauptet, dass alle Männer a) Herrscher sind oder b) sein sollen? a) ist empirisch betrachtet falsch und b) kann nicht funktionieren, weil es logischerweise immer mehr Beherrschte(m/w/d) als Herrscher(m/?/!) gibt. Außer im trivialen Sonderfall, dass es weder Herrschende noch Beherrschte gibt, dann sind beide Anzahlen gleich (0=0).

weil Mannsein und Herrschaft nun mal zusammengehören, habe ich mich schon immer viel mit diesen Themen auseinandergesetzt.

Jetzt sagt er selbst „Mannsein“, nicht „Männlichkeit“. Ok, wer hierzulande spricht sagen wir Frau Merkel ihr Frausein ab, weil sie uns regiert? Oder wer spricht bspw. einem Obdachlosen sein Mannsein ab, weil er mal rein gar nichts und niemanden beherrscht? Kann ja sogar sein, dass es Leute gibt, und vor 40 Jahren mehr davon gab als heute, die das tatsächlich denken, aber er scheint der Ansicht zu sein, dass diese Ansicht „nun mal“ allgemein verbreitet war und ist. Nö. Wenn die meisten Herrschenden männlich sind, sind nicht notwendigerweise alle Männer herrschend. Genauso könnte man sagen, weil (im Mittelalter (zeitweilig)) alle Geldverleiher Juden waren, seien alle Juden Geldverleiher gewesen (und immer noch). Ok, manche denken das wirklich, aber würde Wecker sagen: „Weil Judentum und Geldverleih nun mal zusammengehören, habe ich mich schon vor 40 Jahren viel damit beschäftigt.“? Ich hoffe, nicht. Bzw., wenn man sich mit solchen Vorurteilen auseinandersetzen will, als Musiker oder sonstwer, soll man diese natürlich benennen, aber einfach so zu tun, dass diese Vorurteile unhinterfragt von allen geteilt würden (außer von ihm selbst natürlich), ist mindestens ein Strohmannargument.

Inzwischen bin ich sogar radikaler, als ich es als junger Mann war. Wir haben jetzt 5000 Jahre Patriarchat, also Herrschaft der Männer, hinter uns und es hat auf voller Linie versagt.

„Radikal“ ist natürlich das alte „woke“. Und vor 5.000 Jahren sind die meisten Menschen keine 72 Jahre alt geworden, d.h., wäre Wecker vor 5.000 Jahren geboren, wäre er vermutlich schon seit 4960 Jahren tot. Allerdings, die Erhöhung der Lebenserwartung ist natürlich das alleinige Ziel der matriarchaischen Parallelgesellschaft. Wie man an der geschlechtsspezifischen Lebenserwartung sehen kann. Und drittens gibt es die patriarchaische Weltverschwörung ungefähr seit den Neandertalern. Wir haben die Gründungsurkunde aufbewahrt.

Ich selbst bin ja kein Wissenschaftler, aber es gibt Vermutungen, dass der Mensch in vorpatriarchalen Zeiten klüger war. Er hat gelebt, ohne zu zerstören oder zu knechten.

Nun, ich habe von Wissenschaftlern gelesen, die vermuten, dass das Aussterben vieler Tiere von Steinzeitmenschen verursacht wurde. Steinzeit war nicht romantisch.

Für mich ist es deshalb auch überhaupt kein Wunder, dass die „Fridays for Future“-Bewegung vor allem eine weibliche Bewegung ist.

Es ist eine Jugend-Bewegung. Dass das Gesicht der Bewegung weiblich ist, mag möglicherweise an Geschlechter-Klischees liegen, dass nämlich Frauen und Kinder Beschützerinstinkte auslösen. Aber ja, es wundert mich auch nicht.

Ich unterstütze sie, wo ich kann – zum Beispiel indem ich ihre Wichtigkeit immer wieder auf der Bühne thematisiere.

Es wirkt! Beschützerinstinkte to the rescue!

Die Hetze, die Greta Thunberg vor allem von älteren Männern entgegenschlägt, finde ich unsäglich.

Ich tatsächlich auch. Feiert mich!

Frauen haben über die vergangenen Jahre eine Stärke entwickelt, die sie vorher nicht hatten, und es ist tragisch, dass das im Moment nur in der westlichen Welt möglich ist.

Manche Frauen haben diese Stärke, manche nicht. Ist bei Männern ja auch so. Wenn Frauen aber nur in der westlichen Welt die Möglichkeit haben, diese Stärke auszuleben, wäre das ja ein Argument zu sagen, dass die hier nicht annähernd so unterdrückt sind wie in Saudi-Arabien, bspw.; aber hey, Patriarchat ist Patriarchat.

Überhaupt kommt mir diese Zeit vor wie das letzte verzweifelte Aufbäumen des Patriarchats.

Ob die das beim Hexenprozess gegen Jeanne d’Arc wohl auch gedacht haben?

Diese Menschen gehören alle in Therapie, aber sie zeigen auch, wie tief die Angst der Männer sitzt.

Weil einige Männer in Therapie gehören, haben ALLE Männer tiefsitzende Angst? Weil ein Songwriter (Horst Wessel) das Horst-Wessel-Lied getextet hat, sind demnach alle Songwriter Nazis.

Ich hoffe wirklich, dass das alles nur ein Aufbäumen vor einer echten spirituellen Revolution ist.

Was wäre denn eine unechte spirituelle Revolution? Sind wir hier beim Bullshit-Bingo?

Wie stehst du zu #metoo?

Natürlich berührt es mich, wenn ich erlebe, dass Frauen wie bei #metoo plötzlich Mut haben,

Tja, in Saudi-Arabien werden auch Mitwisser(m) bestraft. Wäre vllt. eine Motivation gewesen.

Meiner Meinung nach ist an dieser Bewegung aber auch gefährlich, dass es sehr schwer ist, solche Anschuldigung loszuwerden,

Achwas? Endlich sagt’s mal jemand! Achquatsch, das wird ja die ganze Zeit gesagt.

selbst wenn man beweisen konnte, dass da nichts dran war.

Eigentlich sollte „man“ gar nichts beweisen müssen, jedenfalls nicht bei strafbewehrten Vorwürfen. Aber die Unschuldsvermutung wurde vor 2.000 Jahren von einer Gesellschaft eingeführt, die deutlich patriarchaischer war als Saudi-Arabien heute, und ist daher böse.

Aber abgesehen davon ist es völlig richtig, dass diese geheimen Selbstverständlichkeiten öffentlich gemacht wurden und werden. Überall, wo Macht infrage gestellt wird, bin ich dabei!

„Geheime Selbstverständlichkeiten“ ist eine tolle Formulierung. Aber stelle mal bitte in Frage, ob männliche Obdachlose wirklich mehr Macht haben als Frau Merkel.

Ist heute alles besser?

 Ich muss an dieser Stelle auch Selbstkritik üben.

Ach, nee…

Auf der Bühne erzähle ich gern bei ruhigeren Programmen davon, dass meine Gedichte und Lieder immer klüger waren als ich.

DAS kenne ich, aber von meinen Butterbroten. Scheiße, wie gut die meine Arbeit machen….

In meinen Texten konnte ich Verletzlichkeit zeigen und weich sein.

Natürlich konntest Du das – die Mädels stehn auf sowas.

Aber jenseits davon war ich gern der Macho. Es gibt zum Beispiel aus meiner frühen Zeit Fotos von mir im Nerzmantel, auf denen ich mich als eine Art Zuhälter inszeniert habe.

Evo-Chris könnte Dir jetzt was davon erzählen, dass Ressourcen Männer attraktiv machen.

Ich fand dieses Männerbild toll!

Na, so ein Neanderthaler fand Nerze wärmedämmtechnisch auch gut, nur leider recht klein.

Heute haben Männer die Chance zuzulassen, dass Frauen ihnen echte Partner werden.

Partnerinnen, bitteschön.

Und früher waren das unechte Partnerinnen, oder was? Ok, manche bestimmt, aber die individuelle Partnerschaft ist nicht dasselbe wie ein Gesellschaftsvertrag.

 Aber es bringt uns auch ja selbst was: Wir haben die Frauen unterdrückt und bekämpft, weil wir unsere eigene Weiblichkeit nicht zulassen konnten.

Was meinst Du 1.) mit „Weiblichkeit“? Wenn „wir“ „unsere“ Weiblichkeit nicht „zulassen“ konnten, wieso wäre das 2.) ein Grund, Frauen zu bekämpfen? Wenn wir unsere Linkshändrigkeit nicht zulassen könnten, würden wir dann auch Linkshänder bekämpfen? Und 3.) wer ist bitteschön „wir“?

 Jetzt müssen wir anstelle dessen das Menschsein entwickeln und zulassen.

Ist „Menschsein“ jetzt dasselbe wie „Menschlichkeit“? Es ist etwas nervig, dass da keine Zwischenfragen gestellt werden.

Ich will, dass wir alle mit dem Herzen denken.

Ja, dümmer als Gedichte und Butterbrote kann das auch nicht sein. Man sieht nur mit dem Herzen gut, wenn Du „Der kleine Prinz“ gelesen hast, aber vom Denken war keine Rede.

Die höchste Errungenschaft des Homo Sapiens ist Mitgefühl und das sollten wir wiederentdecken.

Ziemlich arrogant von Dir. Als ob Tiere kein Mitgefühl hätten.

Ein Gedanke zu “Männerfragen III

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s