Frauenwoche bei Bento II

Carekrise.

Oder, in richtig reißerisch

Ja, dann schaffen wir diese Gleichberechtigung halt wieder ab – achnee, das wäre ja frauenfeindlich.

Ok, wer genau beutet Frauen aus, wenn die genauso viele Stunden im Beruf arbeiten, aber trotzdem mehr „Carearbeit“ verrichten, wozu vereinfacht alles von „Staubsaugen“ bis „pflegebedürftige Angehörige versorgen“ gezählt wird? Der Staat nicht, weil der niemanden vorschreibt, wieviel Freizeit soe in Hausarbeit, Erziehung und Pflege stecken muss (solange soe niemanden an Vernachlässigung sterben lässt (und selbst dann nicht immer)), die Arbeitgeber(m/w/d/j) nicht, weil die das exakt zero angeht, solange man keinen zweiten Beruf ergreift, und die Gesellschaft auch nicht.

Jetzt mal angenommen, ich bin alleinstehnder Angestellter, der niemanden zu betreuen hätte. Meine Vorgesetzten hätten gerne, dass ich mal Überstunden mache. Da aber auch meine Hausarbeit ansteht, habe ich drei Alternativen:

  1. meine Werktätigkeit wird bezahlt, meine Hausarbeit nicht, ergo macht Hausarbeit mehr Spaß und ich verzichte auf die Überstunden. Meine Vorgesetzten werden es sich in Zukunft mehrmals überlegen, ob sie mich jemals wieder mit Mehrarbeit behelligen.
  2. meine Werktätigkeit wird bezahlt, meine Hausarbeit ist mein Privatvergnügen. Da ich also niemanden schulde, meine Wohnung zu saugen, verzichte ich mal darauf.
  3. meine Werktätigkeit wird bezahlt, und zwar besser als eine Putzkraft. In der Zeit, in der ich sonst Staub sauge, kann ich also so viel Geld verdienen, dass ich letzteres an eine geeignete Person(m/w/d) (nagut, meist (w)) outsourcen kann, und trotzdem plus mache.

Wenn ich eine Frau wäre, gilt sinngemäß dasselbe. Wenn ich ein Paar wäre, dito. Als Paar mit Kindern erst Recht. Aber nein, das ist ein Problem, denn

Vor allem in den als „Care-Arbeit“ (bpb) bezeichneten Branchen wie Reinigung, Kinderbetreuung und Pflege, wird Arbeit so nicht gerechter, sondern noch ungerechter verteilt.

Jain. Wenn eine berufstätige Frau Carearbeit genauso outsourcet wie ein Mann, ist das natürlich erstmal nicht frauenfeindlich; vor allem, wenn man prinzipiell bereit ist, auch männliche Reinigungskräfte einzustellen.

Denn die Care-Aufgaben übernehmen, trotz positiver Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, immer noch deutlich häufiger Frauen als Männer. 

Ja, was ist die Lösung? Putzmännerquote? Demselben Artikel, der anspricht, dass in dem Job viele schwarz arbeiten, wird sicher klar sein, dass das nicht durchsetzbar ist, aber eigentlich ist das gar nicht der Punkt.

Die Gleichberechtigung und Karriere einiger Frauen im Arbeitsleben geht also zu Lasten anderer Frauen.

Diese Frauen verrichten aber keine unbezahlte Carearbeit mehr. Es ist vllt. schlecht bezahlte, unversteuerte und sozialversicherungslose Care-Arbeit, aber es ist bezahlte Carearbeit. Wenn man sieht, wie viel Geld auch Frauen bereit sind auszugeben, damit andere Frauen diese Arbeit leisten, ist mein innerer Sozialdemokrat sofort dabei, eine bessere Entlohnung zu fordern, aber mein innerer Kapitalist sagt: viel mehr gibt der Markt nicht her.

Was kann jeder Einzelne sonst noch tun, um zur Lösung des Problems beizutragen?

Ellen Hilf: Paare und Wohngemeinschaften sollten hinterfragen, ob sie wirklich eine schlecht bezahlte Putzfrau brauchen.

Ok, ich habe keine schlecht bezahlte Putzfrau, ich habe gar keine. Bei den meisten Paaren und WGs steht aber auch nur „schlecht bezahlt oder gar keine“ zur Debatte. Aber folgender Gedanke ist Blödsinn:

Wäre es selbstverständlich, dass auch Männer sich um Haushalt, Kinder und Pflegebedürftige kümmern, müssten sie nicht fürchten, dass ihre Karrierechancen sinken, wenn sie zum Beispiel die Arbeitszeit verkürzen.

Doch, müssten sie. Männer, die sich um Angehörige kümmern müssten, hätte weniger Zeit als Männer und Frauen, die das nicht tun. Ergo würde sich die Front verschieben von „zwischen Männern und Frauen“ nach „zwischen Kinderlosen und Eltern“.

bento: Was wäre die richtige Antwort auf diese Fragen?

Ellen Hilf: Personenbezogene und haushaltsnahe Dienstleistungen müssten besser vergütet werden. Und privat muss man sich fragen, ob … man bereit ist, fürs Putzen angemessen zu zahlen? Wie für andere Dienstleistungen eben auch.

Ok, es gibt eine Menge Leute, die NICHT bereit sind, andere angemessen zu zahlen. Dass die das dann trotzdem machen, liegt regelmäßig daran, dass sie es nicht selber können, sondern andere brauchen. Und das ist dann der Unterschied zwischen bspw. einer Blinddarm-OP und Staubsaugen.

Außerdem bei Bento:

Werbung, die aussieht wie ein redaktioneller Beitrag

und zwar für Bücher, denn

Wobei mit „Frauen“ vermutlich „Feministinnen“ gemeint ist. Garniert wird das mit einer so megaschleimerischen Einleitung, dass die Edeka-Werbung immerhin ehrlich wirkt:

Hallo, Mann! Du bist wahrscheinlich gerade hier, weil du sehr viele Meinungen zu einem Thema hast.

Nein, ich habe meistens nur eine Meinung je Thema.

Es geht um Frauenrechte, Frauenrollen oder darum, wie Frauen auszusehen haben, kann es sein?

Frauen haben dieselben Rechte wie Männer, sollen machen, was sie wollen und können aussehen, wie es ihnen gefällt. Ich erwarte umgekehrt, dass sie mir auch keine Vorschriften machen.

Falls ja: Toll, dass du dich dafür interessierst! Solche Leute wie dich brauchen wir in unserer Gesellschaft.

Eure Gesellschaft braucht Leute, die sich für Frauenrollen interessieren? Ok, meine nicht.

Wichtig ist aber, dass wir (als Gesellschaft, aber auch als Männer!) uns bei Diskussionen nicht im Kreis drehen

Wichtig ist beim Rauchen wie bei der Arbeit, dass der Teergehalt stimmt.

zum Beispiel, indem wir Dinge behaupten, die schon lange widerlegt sind.

Genau.

Vor allem wir Männer müssen aufpassen, nicht permanent die Strukturen und Ungerechtigkeiten zu ignorieren, unter denen die meisten Frauen jeden Tag leiden. 

Wieso? Wenn Männer benachteiligt werden, ignorieren „wir“ das doch auch.

Glücklicherweise sind in den letzten Jahren wieder einige starke Bücher von Frauen herausgekommen, die den aktuellen Stand der Diskussion zusammenfassen.

Ja, kennt Ihr den Spruch „Diskussionen schaffen Meinungen, Fakten schaffen Fakten.“? Ok, den habe ich mir auch gerade erst ausgedacht.

Bücher, die starke Thesen haben und dich sagen lassen:

„Ach, so ist es also heute, Frau zu sein. Interessant, das wusste ich gar nicht!“

Ja, ne, is‘ klar. Dass GNTM nicht direkt repräsentativ ist, habe ich mir schon fast gedacht. Und dann kommt eine Liste mit fünf Büchern, komplett mit Link zum Bestellen. Ist irgendwie doch gut, dass das ein Mann schreibt, sonst wäre das etwas viel Selbstbeweihräucherung.

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