Harley Quinn – Birds of Prey (eigentlich ihre Emanzipation, aber hey)

Nachdem ich den Film von deren Ex besprochen habe, muss ihrer natürlich auch dazu. Ja, war ganz gut, Typ schwarze Krimikomödie über eine Frau, die aufdringliche Tierhändler gerne an ihre Hyäne verfüttert. Die Hyäne ist übrigens der einzige Hinweis, dass Batman in diesem Film existiert – kennste Wayne? Jedenfalls sind alle Männer in diesem Film böse und frauenfeindlich, was ihn als feministisch qualifiziert.

Und da Harley Quinn von derselben Schauspielerin wie in Suicide Squad dargestellt wird, dessen Handlung auch erwähnt wird, ist ihr Ex der Leto-Joker. Aber weil der Joker eben der Joker ist, ist der Leto-Joker vllt. nicht dergleiche Joker wie Phoenix-Joker, aber paradoxerweise trotzdem derselbe Joker. Oder nicht ganz so paradox: Niemand weiß so recht, ob der Joker im klinischen Sinne geisteskrank ist, aber entweder hat er eine (oder mehr als eine) Geisteskrankheit, und gewisse Schwankungen in der Persönlichkeit gehören zu Symptomatik, ODER, der Joker ist ganz stabil aber tut so, als wäre er es nicht, sei es, aus Spaß, sei es, um Leuten Angst zu machen oder – wie bei Dr. Quinzel – um mit hübschen jungen Psychiaterinnen zu flirten. Nagut, der Joker hat so oder so eine ungesunde Besessenheit mit Batman. Da der Joker in dem Film aber auch nicht vorkommt – Wayne interessiert’s. Irgendwo zwei Straßen weiter liefern sie sich bestimmt gerade einen harten Kampf, eine wilde Verfolgungsjagd und/oder ein brutales Psychoduell.

Harley Quinn ist für die Batman-Zeichentrickserie als weibliches Gegenstück zum Joker entwickelt worden und erfreut sich einer umfassenden Beliebtheit, so dass gendergeflippte Versionen offenbar nicht per se schlecht sind. Zu Beginn des Filmes ist die on-off-Beziehung der beiden hart in der OFF-Phase, aber diesmal merkt Harley – eine schlaue, emotional intelligente, ausgebildete Psychiaterin, aber man ist halt meistens der eigene blinde Fleck – dass ihre Beziehung zum Joker nicht besonders gesund war. Stromschocktherapie, gemeinsame Morde, das romantischste war das Chemikalienbad und er war ihr verflixter Patient! Halloho? (Harley hätte vllt. mal selbst zur Therapie, aber Schusters Kinder gehen auch barfuß…) Außerdem macht er ihre Mitarbeit als Frau unsichtbar, wenn er über ihre gemeinsamen Diebstähle spricht (alle anderen Diebe wären froh, wenn man ihre Namen aus der Geschichte rausließe, aber Harley tickt halt anders: Feminismus!). Am Ende gelingt es ihr, alte Zöpfe abzuschneiden und ihr eigenes Ding zu machen, aber bis dahin gibt’s Charakterentwicklung.

Naja, und das ist das Hauptproblem des Filmes, alle in der gothamer Unterwelt wissen irgendwie von dem romantischen Sturz/Sprung in den Chemikalienbottich, und das Harley wieder solo ist, aber niemand will ernsthaft etwas mit so einer Psychobraut anfangen, sondern sich an ihr wegen diverser „Beschwerden“ rächen, da der Joker sie nicht mehr beschützt. Und da fängt der Film an, nicht mehr zu passen. Ich hole etwas weiter aus: auch, wenn das zum Genre „Superheldencomics“ gehört, sind die Helden, Schurken und Antihelden in der Wunderbaren Welt von Gotham City nicht so besonders „super“, d.h., sie haben selten besonders übernatürliche oder übermenschliche Fähigkeiten, sondern sind durch Talent, Übung und/oder technische Gerätschaften sowie fanatischen Eifer einfach besonders gut in dem, was sie machen. Harley bspw. hat eine extrem hohe Gewandheit und Körperkontrolle, was gut ist für akrobatische Zwischeneinlagen, Rollschuhlauf und den Umgang mit der Keule, wenn sie nicht gerade hackedicht ist, aber sie kann nicht fliegen oder einer Kugel ausweichen. Und an der Stelle ist es schade, dass sie am Ende vom Vorgängerfilm nicht von Ivy gerettet worden ist, weil das a) ein gescheiter Twist gewesen wäre, und sie b) ihr mit Alkohol und anderen Drogen helfen würde.

Problem ist, im letzten Film galt sie neben u.a. einem Meisterschützen und einem Pyrokineten (es gibt Superkräfte, sie sind bloß seltener) als ein weiteres zwangsrekrutiertes Mitglied einer Spezialeinheit, die gegen Metawesen wie Superman kämpfen sollte. Der Sinn der ganzen Prämisse wurde schon breit gekaut, aber stellen wir mal fest, dass „Angst vor dem Joker“ sicher ein Motiv ist, seine Freundin in Ruhe zu lassen, aber offenbar ist diese auch alleine noch gefährlich genug, um in Ruhe gelassen zu werden. Also, watt se Frell?

Nebenbei, auch wenn dieser Film als feministisch gilt, auch „Joker“ war nicht direkt frauenfeindlich – der Auslöser für Flecks Verwandlung in den Joker sind drei arrogante Börsenheinis, die eine Frau belästigen. Oder – wie die Schlagzeile lauten könnte:

Bento: so toll reagiert dieser Clown auf sexuelle Belästigung in der U-Bahn!

Jedenfalls, solange sie nicht gerade hackedicht ist, ist Harley durchaus in der Lage, sich ihrer Haut zu erwehren. Leider hat sie ohne Poison Ivy keine Freunde, als nächstes kommt vllt. Black Canary daran, die sie ein „Arschloch“ nennt, „das keiner leiden kann.“ Gute Freunde sind halt ehrlich. Ok, Harley könnte sich vllt. wehren, aber nicht gegen die halbe Stadt. Und weder Batman noch die Regierung sind hinter ihr her – warum eigentlich nicht? – d.h., ihre Probleme sind noch überschaubar.

Zum Glück sind ihre Gegner Männer, und Männer sind in diesem Film extrem inkompetent. An einer Stelle überfällt sie eine Polizeiwache – wisst Ihr noch in Terminator I, wo der Terminator quasi dasselbe macht und Nicht-Bishop steht am Waffenschrank und gibt die Gewehre aus? Tja, Harley ist quasi der Terminator, aber nur, weil die Gothamer Polizei zu blöd ist und NICHT die Gewehre holt. Oder das Tränengas, zwei Sachen, gegen die Harley im Gegensatz zum Terminator nicht immun ist. (Wo ist Poison Ivy, wenn man sie mal braucht?) Nagut, die Polizei ist vllt. wirklich scheiße da – wo ist Commissioner Gordon?

Aber nehmen wir mal an, dass sie das GCPD halt so besiegt hat, wieso hat sie dann Angst vor Verbrechern, die offensichtlich keine Polizeistationen überfallen? Um beschlagnahmtes Koks zurückzuholen, bspw.? Männer sind böse, aber inkompetent. Feminismus, yayHey! Ja, die einzige kompetente Person bei dieser Polizei ist eine Frau, die bei diversen Beförderungen zugunsten eines Mannes übergangen wurde. Zufall? Nein, Drehbuch! Achja, und wenn der eine Typ nicht dumm in der Gegend herumgestanden hätte, wäre er nicht bestohlen worden. Und wieso nimmt der Oberschurke als Fahrer nicht jemanden, dem er vertrauen kann? Und wenn das GCPD keinen Waffenschrank hat, Ersatzuniformen aber auch nicht? Arrgs.

Das wird allerdings ein bisschen aufgelockert durch Huntress, die ihre Leben tatsächlich Männern verdankt, und Canary, die tatsächlich eine Heldin ist, weil sie nicht nur ihre eigenen Probleme löst, sondern sich auch um die von anderen (weiblichen) Leuten kümmert. Es gibt eine Stelle, wo sie das nicht kann, obwohl man ihr ansieht, dass sie das gerne täte, und DAS, liebe Kinder, ist nicht nur gutes Schauspiel, sondern auch gutes Geschichtenerzählen. Probleme von Frauen durch Männer problematisieren, ohne das überall noch mit dicken Feminismus-Aufkleber zuzupflastern. Offenbar geht das nicht nur, sondern die Macher wissen sogar, WIE.

Aber dann kommt Ewan McGregor, Darsteller des schlimmsten Mannes im ganzen Film, und sagt sowas:

McGregor went on to say, “Misogynists in movies are often extreme: They rape, they beat women… and it is legitimate to represent people like that, because they exist and they are obviously the worst. But in the ‘Birds of Prey’ dialogues, there is always a hint of everyday misogyny, of those things you say as a man you do not even realize.”

Ähh, nein? Also, seine Rolle ist ein sehr überzogen klischeemäßiger, und ja, misogyner Oberschurke. Da sich der Film insgesamt wohl auch mehr als „überzogen“ versteht als bspw. „Joker“, der zwar einen Klischeesturm an Pech über seine Hauptperson ausschüttet, aber an sich plausible Dinge und Möglichkeiten darstellt, ist eine solche Karikatur eines Oberschurken in Ordnung. Und ja, dass seine Helfer und Helfershelfer ähnlich sind, ist ja auch konsequent. Aber wo waren die Dialoge mit „Alltagsmisogynie“? Der eine Polizist macht zu seiner Kollegin eine abfällige Bemerkung, die es im richtigen Leben auch geben könnte, aber die würde man ja als abfällig wahrnehmen. Und auch die frauenfeindlichen Schlägertypen machen jetzt nicht den Eindruck, als ob sie sich ihrer Misogynie nicht bewusst wären. Ok, möglicherweise wissen sie nicht, wie man das schreibt, oder wie man das ausspricht, und es ist für sie evt. insofern „alltäglich“, als dass sie jeden Tag schlecht zu Frauen sind. Aber das sind auch Berufsverbrecher, kein repräsentativer Querschnitt der Gesellschaft.

More directly, McGregor said that the film takes on “mansplaining… and it’s in the script in a very subtle way. I found that brilliant.”

Sehr subtil. die einzige Stelle, an die ich mich erinnern kann, in der ein Mann einer Frau etwas erklärt, ist wo McGregors Rolle Canary sein Büo zeigt. Aber immerhin fragt er sie, ob sie mal in demunddem Land in Afrika war (sie ist schwarz, wie ihr Name schon sagt), und sie sagt nein, aber dann äußert er sich recht abfällig über das Land. Ich würde die Szene eher als rassistisch als als sexistisch einordnen. Jedenfalls war das Mansplaining offenbar zu subtil, als dass ich das mitbekommen hätte, so dass die pädagogische Wirkung eher nicht zur Entfaltung kommt.

Nebenbei, der Film macht schon Spaß, aber nur, weil man sich nicht mit den Männern darin identifiziert. Dumme, böse Klischee-Männer. Die Titelfigur ist immerhin nicht dumm.

Wie schon angedeutet, meine Heldin darin ist Black Canary, obwohl die raucht. Jetzt sehe ich zum ersten Mal seit der Jahrtausendwende in einem Film jemanden mit einer Zichte, aber ausgerechnet die Person, die mit ihrer Stimme ihr Geld verdient?

Edit 25/2/2020: es wird möglicherweise im Director’s Cut erklärt, aber mir ist im Nachgang noch ein Fall von Diffusem Charakterwissen aufgefallen: Harley nimmt bei dem Überfall auf die Polizei offenbar an, dass die Person weiß, wo sich der mutmaßliche McGuffin befindet, UND, dass er nicht von der Polizei konfisziert wurde. Warum? Bzw., wieso denkt Sionis, der Harley wohl instruiert hat, das? Es kann sein, dass Sionis einfach die Polizei gefragt hat, ob ein bestimmtes Stück Diebesgut gefunden wurde, und die hat „Nein“ gesagt, aber das kommt im Film nicht vor. (Wenn er es hätte abholen wollen, hätte er sein Eigentum beweisen müssen, und es kann sein, dass er DAS nicht konnte oder wollte, aber für’s Telefon hätte es gereicht, da die Polizei natürlich verpflichtet ist, die Eigentümer von Diebesgut zu ermitteln. Da eine plausible Erklärung möglich ist, ist das nicht so ein Bug wie andere im Zusammenhang mit der Polizeistation, aber man hat die Erklärung nicht geliefert, von daher…)

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