mittlerweile bei Übermedien

Müsste das hier allgemein lesbar sein.

Die Frage hierzu ist einerseits, wieso die Vorwürfe gegen Placido Domingo, einerseits thematisiert werden, wenn andererseits ein anderer Mann „in völlig überzogener und glutäugiger Casanova-Pose abgebildet wird“; Johanna Halt kritisiert das auch selber, die Merkwürdigkeit liegt auf Seiten der Zeitschrift Oper!, und andererseits – ja, ich kann mir vorstellen, dass es für junge Künstlerinnen nicht immer leicht ist – wie sonderbar das Blatt über den Umgang mit Placido Domingo umgeht.

Der Text erörtert, es sei schwierig, zu entscheiden, was „Vorrang haben soll“: das „Rechtsgut des Mitarbeiterschutzes“ oder die „Unschuldsvermutung“.

Domingo ist auch „Mitarbeiter“. Weiterhin, Fälle, wo einem Künstler die Mitarbeit auf Verdacht gekündigt wurde, hängen auch mit der Publikumsreaktion zusammen – will noch jemand Domingo hören? Ist Kevin Spacey umgekehrt zu „verbrannt“? Mir ist klar, dass solche Überlegungen doppelt unfair sind, man darf aber nicht vergessen, dass es die gibt. (Bei Spacey kamen allerdings auch Vorwürfe aus dem aktuellen Team von „House of Cards“.) Aber gut, heikle Situation, aber:

„Sexuelle Übergriffe“ seien „schwer gerichtlich zu klären“, weil sie lang zurückliegen, aus Mangel an „direkten Zeugen“ und aufgrund der Tatsache, dass die Opfer anonym bleiben wollen.

Ja, bei den ersten beiden stimme ich zu. Das ist ein Grund, warum man – auch, wenn’s schwer fällt – solche Vorwürfe möglichst zeitnah erheben sollte. Der andere ist, dass ein Vergewaltiger, der nach 20 Jahren angezeigt wird, 20 Jahre lang weitere Frauen vergewaltigt. Oder Männer. Oder wenauchimmer.

Das mit den „anonymen Opfern“ ist so aber Quatsch. Wenn ein Opfer eines berühmten Sängers, Schauspielers oder sonstwie Prominenten anonym bleiben will, dann ist das natürlich zu respektieren. Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht werden die „Nebenklage“, wie das auf amtsdeutsch heißt, mit einem Buchstaben abkürzen, sie wird keine Pressekonferenzen abhalten müssen, und der Angeklagte(m/w/d) wird sich denken können, wer das ist. Außer, er war’s nicht. Oder, er hat ein schlechtes Namensgedächtnis. Oder, er hat so viele Opfer, dass er es nicht erraten kann. Der Wunsch der Opfer, anonym zu bleiben, hält also keine Ermittlung und kein Verfahren auf. (Und ich gehe mal davon aus, dass der oder die Beklagten befragt werden, ob sie Person xy kennen würden oder so…)

Jetzt, wo ich das schreibe, überlege ich noch, ob ich mir das Heft am Bahnhof kaufe und nachlese, ob das im Zusammenhang etwas anders klingt, aber die zitierte Formulierung jedenfalls ist Blödsinn. Sie suggeriert, dass man als Opfer nur die Wahl zwischen Anonymität oder gerichtlicher Aufarbeitung hätte. 

Nein, das stimmt nicht und das ist ziemlich übel, weil es das „Rape-Culture“-Narrativ stützt. Und weil es Opfer davon abschreckt, zur Polizei zu gehen. Selbsterfüllende Prophezeiung.

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