Danke, JETZT – bitteschön, Nilz Bökelberg

Hierfür.

Auch in Namen meiner potentiellen Töchter und Nichten und real existierender Kleincousinen.

Mit besonderen Grüßen an Nilz Bökelberg, dessen Tochter inzwischen 18 ist.

Sehr geehrter Herr Bökelberg,

 ich freue mich ja, dass Sie sich Sorgen um die Zukunft Ihrer Tochter haben, und hoffe, der obige Link kommt für Sie entweder nicht zu spät, oder, Sie haben Ihn vllt. auch so gefunden. Er ist tatsächlich sogar etwas älter als der über Ihre Tochter, die inzwischen Abi hat. Wie viele Ihrer Geschlechtsgenossinnen. Sie hat auch eine höhere Lebenserwartung als es ein Nilz Bökelberg jr. hätte, wird wahrscheinlicher studieren und im Falle einer Scheidung wird sie als Mutter wahrscheinlicher das alleinige Sorgerecht erhalten (wenn das mit Ihnen jetzt besser klappt, freut mich ehrlich für alle Beteiligten). Sie stellen fest, dass der bereinigte GPG immer noch 7% beträgt – was ich mal einfach deshalb lobe, weil so viele Menschen viel lieber auf den viel spektakuläreren unbereinigten abstellen: Herzlichen Glückwunsch, Sie können Statistiken lesen! – und fragen:

Oder gibt es einen vernünftigen Grund, warum Frauen für dieselbe Arbeit weniger verdienen als Männer?

Tja, und darauf hat Frau Loetzner vom Link ganz oben eine Erklärung – tl,dr: Nein, es gibt keinen vernünftigen Grund – Frauen verhandeln selten bis nie über Gehälter und Honorare, was nicht sehr vernünftig ist (ich muss mich da manchmal auch an die eigene Nase fassen, ja). Ich unterstelle mal, dass Sie das in Ihrer Berufslaufbahn gemacht haben und mittlerweile Ihrer Tochter beigebracht haben. Es gibt sicher sexistische Chefs (und Cheffinnen), aber kein noch so aufgeklärter, netter und antisexistischer Chef wird Ihrer Tochter mehr Geld geben als unbedingt nötig. Warum auch?

Wenn Sie ihr aber nicht beigebracht haben, ihre Interessen durchzusetzen, ist der Appell an 

Väter, Freunde, Brüder, Opas, Onkel, wir Männer.

nicht viel nützen. Warum sollte ich Ihrer Tochter mehr bezahlen als das, womit sie einverstanden ist? Es ist Aufgabe Ihrer Tochter, ihre finanziellen Interessen durchzusetzen, nicht meine und eigentlich auch nicht mehr Ihre.

Denn wenn wir nicht bald anfangen, dafür einzustehen, dass unsere Töchter und Schwestern, Freundinnen und Ehefrauen genauso viele Chancen und genauso viele Gehaltserhöhungen bekommen wie wir, wird in diesem Land nie Gerechtigkeit herrschen.

Ja, dazu noch – natürlich stünde meine Tochter ggfs. in Konkurrenz zu Ihrer Tochter. Gut, ich habe keine Tochter, aber deshalb auch „ggfs.“. Mein Punkt ist hier: „wir“ Männer versuchen ja nicht, „uns“ als Gruppe zu bereichern oder zu bevorteilen. Der Personalchef gibt dem männlichen Bewerber bei der Gehaltsverhandlung nicht nach, weil dieser sein Sohn sein könnte, oder weil er ein Mann ist, oder weil er die Kollegin diskriminieren will, sondern, weil dieser verhandelt. Und ja, Frauen, die nachverhandeln, werden bestimmt von manchen komisch wie ein Einhornzebra angekuckt, aber wenn Frauen, die verhandeln, so selten sind, sorry, was erwarten Sie dann?

In der Hoffnung, Ihnen weitergeholfen zu haben, verbleibe ich mfG.

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