Stokowski hat nicht unrecht

Doppelt verneint ist einmal bejaht. Hier.

Waaiiillll… ja, Männer, die deshalb Feminismus promoten wollen, weil ihre neugeborene Tochter zufällig eine Frau sein wird, tun das ja nicht „für Frauen“ allgemein, sondern für ihre Gene. Was jetzt wiederum ein Argument wäre, modernen Feminismus als Interessenvertretung aufzufassen, und nicht als Weltverbesserungsmaßnahme.

Der andere Punkt, der hier untergeht, ist der, dass Männer für ihre Töchter mehr Verantwortung haben, als für ihre Freundinnen, Ehefrauen, Schwestern und Mütter. Oder erst Recht für Frauen, zu denen sie in gar keiner Beziehung steht. Erwachsene Frauen. Frauen mit Wahlrecht.

Drittens, diese Väter sind die Vormünder dieser Töchter. Ist jetzt die Beschwerde, dass diese Männer andere Frauen nicht bevormunden? Vermutlich nicht, aber das ist ja die Konsequenz.

Und man könnte auch umgekehrt argumentieren, weil diese Männer keine Söhne haben, sind ihnen die Sorgen von Jungen egal. Geschlechtertauschprobe und so.

Und nebenbei, Vaterschaftsurlaub beim ersten Kind ist oft auf lange Sicht die letzte Gelegenheit, wo man zwei Monate Urlaub machen kann. Ist nicht so super uneigennützig, klar, aber hey!

Dieses Modell „Feminist durch Geburt (aber nicht die eigene)“ zu kritisieren, ist natürlich immer auch etwas heikel, weil man nicht die Falschen treffen will, die gerade auf dem richtigen Weg sind.

„Ihr seid ja nur Feministinnen, weil Ihr Frauen seid!“ ist natürlich noch weniger nett als: „Ihr seid ja nur Feministen, weil Ihr Töchter habt!“

Wenn es etwa um Gewalt gegen Frauen oder Mädchen geht, hört man oft den Motivationsspruch an Männer: „Tu was, sie könnte deine Tochter/Schwester/Nichte/… sein“. 

Hört wer? Stokowski? Und da leider Gottes es auch Gewalt gegen Partnerinnen und Kinder gibt, ist der Spruch etwas sinnlos. Entweder, der angesprochene Mann ist gegen Gewalt (oder zumindest gegen Gewalt gegen Frauen), dann braucht er keine „Motivation“ (kann aber schlecht gegen etwas unternehmen, was anderswo unter Ausschluss der Öffentlichkeit passiert), oder er IST tatsächlich „pro Gewalt“, dann interessiert ihm das Verwandschaftsverhältnis wahrscheinlich auch nicht.

Oder anders gesagt: Kümmere dich um genau diejenigen weiblichen Personen, zu denen du eine Bindung hast – oder haben könntest -, sie sind durch die Beziehung zu dir aufgewertet und nicht irgendwelche mysteriösen Bitches.

Eigentlich sollte der Spruch heißen: „Kümmere Dich um andere Personen wie um Dich selbst.“

Wenn es deine ist, pass auf. Beschütze sie, du Tiger im Körper eines Mannes.

„Wenn Du töten würdest, um Deine Mutter zu verteidigen, kannst Du auch töten, um Deinen Staat zu verteidigen.“ und „Wenn Du sterben würdest, um Deine Tochter zu retten, kannst Du ja auch sterben, um irgendwen anders zu retten.“ Hachja, die gute alte Zeit der Gewissensprüfungen.

Apropos Gewissensprüfungen. Ärzte, die Abtreibungen vornehmen, verdienen damit Geld. Normalerweise. Bei Ärztinnen ist das vllt. anders, aber dessenungeachtet. Und demzufolge hier scheinen Schwangerschaftsabbrüche nicht so selten zu sein, mehr als jede zehnte Schwangerschaft endet so. Der „Markt“ ist also vorhanden.

Es geht um den einzigen Arzt in Niederbayern, der noch Schwangerschaftsabbrüche durchführt, obwohl er schon in Rente sein könnte: „Der Letzte, der es wagt, abzutreiben“ – eine Art Heldengeschichte. 

Ja, nee, ist klar. Steht er unter Polizeischutz? Nein. Haben seine Kundinnen Probleme, ihn zu finden? Sieht nicht so aus. Hat er über sechmonatige Wartezeiten wie Depressive, die einen Therapieplatz brauchen? Nein, natürlich nicht, weil die Schwangerschaften sich dann schon fast oder ganz von alleine beenden würden. (Depressive müssen halt solange durchhalten, ohne sich umzubringen…)

Nagut, aber natürlich ist das berichtenswert, aber so?

4.500. So viele Kinder hat der Gynäkologe Michael Spandau auf die Welt geholt, sagt er – und zwar tot und allein in den letzten 15 Jahren.

Also, hier werden pro-Liver und pro-Choser zusammen auf die Barrikaden gehen. Entweder, das sind keine Kinder, dann hat er sie nicht auf die Welt geholt, oder es sind doch Kinder, dann hat es ihnen wenig genutzt, auf die Welt gekommen zu sein. Aber schöne Gratiswerbung.

Der Arzt Michael Spandau selbst sagt, er werde wütend, wenn Frauen mehrmals zu ihm kommen, also „mit der Methode Spandau verhüten“ – eine Formulierung, die im Text nicht hinterfragt wird, so als gäbe es wirklich Frauen, die einfach hobbymäßig abtrieben.

Es gibt auch Männer, die mit der Methode „Fettabsaugung“ abnehmen. Ich habe natürlich keine Ahnung, ob es wirklich Frauen gibt, die lieber eine Abtreibung bezahlen als die Pille oder sonstige Methoden, und wenn, warum Dr. Spandau hier aus dem Nähkästchen plaudert.

Aber ja, einen – wenn auch unbelieben – Beruf als Heldentum zu främen, hat jetzt nichts mit Feminismus zu tun. Jedenfalls, wenn Männer den ausüben, nehme ich an. Warum gibt es eigentlich keine FRAUEN, die Gynälologie studieren, eine Fortbildung für Abtreibungen machen und DANN eine Praxis in Niederbayern aufmachen?

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