Kritische Männlichkeit

Wäre eine Männlichkeit, die etwas oder jemanden kritisiert, oder aber, die ein „kritisches“ Maß erreicht. Wie kritischer Druck oder kritische Temperatur.

Aber was versuche ich es mit Logik, kritische Männlichkeit ist die „Alternative“ zur „toxischen Männlichkeit“. Da es tatsächlich kritische Menschen gibt, mecker ich erstmal nicht.

Jetzt mal wieder. 

„Natürlich schränkt mich meine Männlichkeit ein“, sagt Christoph. Der 24-jährige Student…

…ist natürlich zu jung, um beim Bund oder Zivi gewesen zu sein. Aber er wäre gerne „voll behaart“ gewesen. Ja, und manche Frauen hätten gerne eine Körbchengröße mehr. Gibt’s dann auch kritische Weiblichkeit? Oder könnte man ihm einfach sagen, dass man nicht trotz, sondern auch WEGEN bestimmter körperlicher Eigenschaften aufs andere Geschlecht attraktiv wirken kann?

„Auch die Norm, nicht über Gefühle zu sprechen, hing mir lange nach. Ich kämpfe immer noch damit.“

Das ist nicht direkt eine Norm. Das Problem ist, dass viele Männer und Frauen sich nicht für Deine Gefühle interessieren, und viele andere sich dafür zwar interessieren, dieses Wissen aber gegen Dich einsetzen wollen. Aber ansonsten bist Du wie die Leute, die öffentlich die Meinung vertreten, man könne nicht mehr öffentlich seine Meinung vertreten.

Dann natürlich Pseudomitleid:

Denn die Erwartungen an den Mann sind hoch. Schon 1984 sang Herbert Grönemeyer:

Ja. Ist jetzt ja nicht so, dass diese Erwartungen nur von Männern kämen, aber ja.

Die Welt ist böse.

Es war der Feminismus und später die kritische Männlichkeit, die Christoph dazu brachten, seine Männlichkeit zu hinterfragen. Was das genau ist?

Männlichkeit? Oder kritische Männlichkeit?

 „Kritische Männlichkeit ist eine Teil-Disziplin der feministischen Theorie und ohne den Feminismus nicht zu denken“, sagt Männerforscher Christoph May im Interview. 

Okeee. Und was genau besagt diese Theorie, bzw., was erforscht diese Teil-Disziplin? Und sollte man das dann nicht „Männlichkeitskritik“ nennen oder „kritische Männlichkeitsforschung“ oder irgendwie anders?

„Kritische Männlichkeit möchte den Mann kritisch und profeministisch reflektieren und in der Öffentlichkeit zur Sprache bringen“

Und, klappt das schon?

Er sagt „profeministisch“, um die Leistung der feministischen Bewegung als Mann nicht zu vereinnahmen.

Feigling!

Aber das liegt daran:

Für Männer bedeute das vor allem Selbstkritik und Awareness: 

Für Frauen natürlich nicht.

Wie bestimmen Männerbilder den Alltag?

Frauen haben bekanntlich kein Männerbild, das Einfluss auf ihren Alltag oder ihr Flirtverhalten hat.

Wieso verdient die Kollegin 21 Prozent weniger?

Moment, hier.

Warum wenden Frauen pro Tag 87 Minuten mehr Zeit für Care-Arbeit auf als Männer?

Weil Männer in der Zeit mit Risikoberufen befasst sind?

Jaaa, das gibt’s natürlich immer noch:

Noch populärer ist der Begriff der toxischen Männlichkeit.

Kein Mensch ist toxisch, aber naTÜRlich ist der Begriff „beliebter“.

Doch im Gegensatz zu dem Begriff, der erst einmal männlich-normierte Verhaltensmuster beschreibt, geht kritische Männlichkeit weiter.

Na, sowas. Es gibt keine „Norm“ für Männlichkeit.

Sie fasst zusammen, dass Männer für die Gleichberechtigung nicht nur Privilegien abgeben, sondern davon profitieren.

Indem Frauen mehr Risikoberufe ergreifen, um Männer da zu entlasten? Ich frage mehr rhetorisch, aber sagt mal einfach jemand bitte „Ja“, ja?

Und sie gibt Handlungsanweisungen.

Wir hören und gehorchen!

Auch Johann, 30, hat sich schon Gedanken über seine Männlichkeit gemacht. 

Das ist schön. Hat jetzt mit meiner Männlichkeit nichts zu tun, insofern ist es mir relativ egal.

Neben allen Privilegien, die er als weißer Mann genießt, nimmt er auch die Nachteile wahr. „Ich denke, dass mich Männlichkeit persönlich einschränkt, wenn auch unterbewusst. Ich arbeite zum Beispiel zu viel. Mehr als ich müsste“

Wenn es Dir bewusst geworden ist, ist es nicht mehr „unbewusst“. Und was genau heißt: „Mehr, als ich müsste.“? Unbezahlte Überstunden? 87 Minuten mehr die Woche, bspw.?

Dennoch habe er nicht annähernd so viele und starke Einschränkungen wie Frauen, sagt Christoph. „Ich kann, im Gegensatz zu einer Frau, immer reden und mir wird dabei zugehört, ich kann easy in den Busch pinkeln und oberkörperfrei rumlaufen, ohne dass es jemanden stört.“

Joah, dafür lebt die Frau ein paar Jahre länger, aber für diese tollen Privilegien ist das doch nur ein Trostpreis. Übrigens, über Deine Gefühle kannst Du gar nicht reden, weil Du ein Mann bist (s.o.); außerdem werden Frauen nicht wegen Exhibitionismus bestraft. Quelle

Aber ja, die Welt ist schlecht.

Sie zeigt auf, was Männer an der Gleichberechtigung aller Geschlechter gewinnen. Dass es von eigenem Vorteil ist, sich Feminist zu nennen.

Wenn Männer die Vorteile von Frauen in Hinblick auf Lebenserwartung, Flirtinitiative und Exhibitionismus bekommen, verzichte ich gerne auf oberkörperfreies In-die-Büsche-Pinkeln. Aber wenn jemanden keine größeren Privilegien einfallen als das, ist es mit diesen Privilegien entweder nicht weit her, oder aber, er hat nicht viel nachgedacht. Tolles Beispiel, so oder so.

Immerhin, im Unterschied zu gestern, überhaupt ein paar Beispiele.

Und zwar:

„Kritisch männlich zu sein, heißt für mich, Emotionen zuzulassen und auf mich zu achten – sodass es mir gut geht, ich meinem Körper näher bin, mir Schwächen eingestehen und darüber reden kann.“

Emotionen zulassen ist nicht dasselbe, wie welche zu zeigen. Und das ist tatsächlich eine Sache, die man lernen sollte, Gefühle haben ist nicht dasselbe wie Gefühle Leuten zu zeigen, die sich nicht dafür interessieren.

„Ich merke, dass ich durch diese Erkenntnisse die krassesten Einschränkungen, das Schweigen zum Beispiel, hinter mir lassen konnte“, sagt Christoph.

Wie gesagt, der andere behauptet, er könne immer reden, und es würde ihm immer zugehört werden. Mal auf die Idee gekommen, dass unterschiedliche Männer unterschiedliche Probleme haben, die daher eher weniger mit ihrem Geschlecht zu tun haben? Natürlich nicht.

Johann reflektiert heute häufiger, was er nur seines Geschlechts wegen macht, findet das aber schwierig: „Denn ich kann ja Mitglied im Fußballverein sein, weil es bei mir um die Ecke ist – oder ich mache es, weil es sich als Mann so gehört.“

Gründe, in einem Fußballverein zu sein, Mehrfachnennung möglich:

  • Spaß am Spiel
  • man hat da viele Freunde und gute Bekannte
  • es ist gut für die eigene Gesundheit
  • die Freundin/Frau findet das attraktiv

Letzteres hat tatsächlich mit der Geschlechtlichkeit zu tun, aber da auch viele Schwule sportliche Männer mögen und umgekehrt auch sportliche Frauen selten als unattraktiv betrachtet werden, was soll’s? Und inwiefern schadet von allen Dingen, die Männer so machen, ausgerechnet Fußball Frauen? Achja: kommt noch.

Was den Mann also dazu motiviert, Fußball zu spielen, sei daher schwierig herauszufinden. „Ich kann ja nicht in mein Unterbewusstsein schauen, ich kann nur schwer auseinandernehmen, was mich in meiner Sozialisation geprägt hat.“

Oben stehen vier Gründe. Welche davon auf DICH zutreffen, weiß ich nicht. Wenn keiner, ist das wohl wirklich nur ein unbewusster „Mach das so!“-Impuls. Wenn einer oder besser mehr als einer, ist das eine sinnvolle Entscheidung. Nebenbei kann man sich auch seiner Sozialisation bewusst sein. Zu sagen, dass Geschlechterklischees komplett unbewusst UND komplett sozialisiert sind, ist eigentlich nur Främing. Sagte ich Främing? Ich meinte, dummes Zeug.

Männerfußball ist tatsächlich frauenfeindlich, weil der dortige GPG* schon ziemlich groß ist.

Christoph May schlägt zum Thema Fußball vor: „Um die mediale Übermacht von Männerfussball zu stoppen, empfiehlt es sich: nicht gucken, nicht hingehen, abschalten.“

Ok, selbst Fußball spielen und Profifußball schauen sind zwei Paar Schuhe. Wenn Johann gerne Profifußballlerinnen unterstützen will, indem er eine Frauenmannschaft unterstützt, deren Fanartikel kauft, zu den Spielen fährt, auch, wenn’s weit ist und dergleichen mehr, kann er ja trotzdem weiter in seinem Sportverein Fußball spielen. Aber nein:

Stattdessen solle man in Teams mit Maximum 20 Prozent Männeranteil spielen

18,2 %. Zwei von elf sind rund 18,2 Prozent, nicht 20. Aber wenn er’s mit der Logik nicht so hat, was bedeutet ihm wohl Mathe? Und welcher Frauenfußballverein nimmt Männer auf? Und welcher andere Frauenfußballverein will gegen den dann spielen?

und sich jede Meisterinnenschaft anschauen

Ja, gut. Aber wenn einfach Frauen keinen Männerfußball mehr gucken, sondern genausoviel Frauenfußball wie Männer Männerfußball, wäre der Drops doch auch gelutscht. (Als Fußballhasser gucke ich beides nicht.)

Dass er damit nicht unbedingt die Mehrheit der Männer erreicht, ist ihm bewusst. Er versteht seine Tipps als Instrumente, den Status quo, also das Machtgefälle zwischen Mann und Frau, erst einmal fühlbar zu machen.

Die Mehrheit der Frauen erreicht er so aber auch nicht. Welches Machtgefälle hält Frauen davon ab, Fußball zu spielen? Inwieweit wird die freie Entfaltung von Frauen dadurch eingeschränkt, dass Männer Fußball spielen? Und ist der GPG im Profifußball, wo Männer ungefähr zwei Stellen mehr vorm Komma haben als die Frauen, tatsächlich die Hauptbaustelle, wenn insgesamt nur sehr wenige Menschen in D. Profifußball spielen? Okehe!

Durch kritische Männlichkeit entdecke er zum Beispiel tolle Bücher, Songs und Serien von Frauen, die er vorher nicht gesehen hatte.

Ja, wie sieht so ein Song wohl aus?

edit: *also bei den Profis, logischerweise, außerdem habe ich ein paar Tippfehler korrigiert

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