Flirt-Tips by Pinkstinks

Jedenfalls könnte man das bei DER Überschrift erwarten.

Die Frage, wie man „richtig“ flirtet, wäre ja eigentlich wie die Frage, wie man sich „richtig“ bewirbt: „Welche Dinge sollte ich tun oder unterlassen, um meine Erfolgsaussichten zu erhöhen, wobei ich mir klar bin, dass es schon deshalb keine Erfolgsgarantie geben kann, weil meine Konkurrenz ggfs. besser ist?“

Aber Pinkstinks macht sich mehr hierüber Sorgen:

Viele Menschen waren plötzlich sehr besorgt: Wie soll das nur funktionieren zwischen Männern und Frauen, wenn vorher so viele Regeln und rote Linien eingezogen werden? 

Ok, jetzt könnte man sich einfach ein paar Regeln ausdenken, meinetwegen die, dass Frauen, die angeflirtet werden wollen, eine grüne Schleife am linken Handgelenkt tragen (oder einen grünen Punkt am Namensschild – true story). Aber nein, das wäre ja zu einfach.

Um auf ähnlich gelagerte Beiträge zu verweisen, wird mit schlecht geheuchelter Besorgnis gefragt:

Da kann man ja nie wieder miteinander flirten

Aus DEM Link dieser schlaue Satz:

Es gibt immer einen besseren Weg. Und wenn es ihn nicht gibt, dann ist da eben mal kein Weg – in ihr Leben, in ihr Herz, in ihre Hose.

Okeee, jedes Unternehmen ist mit dem Risiko eines Misserfolges behaftet. Aber könntet Ihr wenigstens sagen, was man sagen oder tun muss, damit Flirten garantiert nicht als Belästigung zählt?

Einvernehmlicher.

Ok, woran erkenne ich, dass die Frau angesprochen werden will, ohne sie anzusprechen? Selbst, wenn ich Kopfhörer, Buch und Presswehen mal komplett als Ausschlusskriterium werte, bleibt ja eine sehr große Grauzone.

Respektvoller.

Normalerweise sieze ich als Zeichen von Respekt. Soll ich dieses Vorgehen aufs Flirten übertragen?

Oder es eben zu lassen.

Tja, darauf soll es wohl hinauslaufen. Irgendwie kommt nicht ein einziges Zeichen, was als „Flirtaufforderung“ gelten kann, und auch kein einziges Beispiel für einen Flirt, der nicht als sexuelle Belästigung gilt. Und der Grund dafür ist noch nichtmal, dass einige Männer George Clooney sind und andere nicht, sondern tatsächlich auch der, dass Frauen unterschiedlich sind. Aber anstatt einfach zuzugeben, dass das Thema derartig einzelfallabhängig ist, dass man da keinen allgemeinen Leitfaden angeben kann (*räusper), wird so getan, als wären einfach Männer an ihren Problemen selber schuld. Warum ausgerechnet an diesem nicht.

Dann wird’s fast progressiv:

Oder sollen jetzt etwa die Frauen die Initiative ergreifen? Können die das überhaupt? Und falls ja, wollen die das?

Ja, das wäre mal eine gute Idee. Und ja, Frauen können das. Aber warum sollten sie das wollen? Männer wollen das ja auch nicht. Aus dem Text, der DA direkt verlinkt wird, 

Und gerade weil wir tatsächlich eine Kultur des Flirtens haben, die darauf basiert, dass Männer den ersten Schritt machen, sollten wir uns ernsthaft Gedanken darüber machen, welche Optionen wir Männern an die Hand geben, um mit einer solchen Ablehnung umzugehen.

dies:

Eine Forsa-Umfrage unter 1003 Frauen und 1002 Männern zwischen 18 und 49 hat jetzt ergeben, dass rund 72 % der Männer sich wünschen, von einer Frau direkt angesprochen zu werden.

wohingegen:

Die Umfrage ergab auch, dass sich tatsächlich nur circa 39 % der Frauen überhaupt trauen, einen Mann anzusprechen.

Warum sollte auch irgendwer(m/w/d) den ersten Schritt machen wollen? Man exponiert sich, man setzt sich dem Urteil seines Gegenübers aus und, wenn man ein Mann ist, jedenfalls, wird man evt. noch als Belästiger bezeichnet.

Apropos

…sollten wir uns ernsthaft Gedanken darüber machen, welche Optionen wir Männern an die Hand geben, um mit einer solchen Ablehnung umzugehen.

Praktisch alle Männer, außer den allerattraktivsten und den superschüchternen, haben Erfahrungen mit Körben. Wie man DAMIT klarkommt, wissen Männer besser als Frauen. (Nicht alle Männer, aber trotzdem.) Manche kommen damit schlechter klar als andere…

Die Frage ist aber, wie man sich entweder gar keinen Korb einfängt, oder aber zumindest nicht bei #metoo landet.

Dass Leute heutzutage nicht mehr „in Cafes“ erotisch etwas riskieren (die älteren unter uns erinnern sich, wie beim Kaffeekränzchen heiße Blicke und Zettelchen ausgetausch wurden), läge aber nicht an #metoo, sondern an Tinder. Jain. Erstens setzt Tinder Flirtbereitschaft voraus, so dass #metoo-Vorwürfe hier deutlich leichter zu vermeiden sind, so dass #metoo mit ein Grund ist, dass Tinder und Co so floriert, zweitens mindert Tinder das Risiko einer Absage, weil a) das Gegenüber zumindest grundsätzlich interessiert ist, b) der Aufwand geringer ist, und c) die Absagen nicht so weh tun. Es wird also faktisch weniger riskiert als „im Cafe“. Aber gut, soll Tinder jetzt die Lösung sein?

Keine Ahnung, denn darum geht’s ja gar nicht. Es geht um Männer, die nach einem Korb austicken und die Frau beschimpfen und beleidigen.

Männer, die auf eine eigentlich vollkommen angemessene Ablehnung so oder ähnlich reagieren scheinen nicht der Ausnahme-, sondern leider eher der Regelfall zu sein

Ja, so wie abgelehnte Arbeitsuchende typischerweise die Firma verfluchen. Ja, solche Männer gibt es, aber es gibt auch Fahrradfahrer(m/w/d), die Bürgersteige benutzen. Daraus abzuleiten, dass das der Regelfall sei, und sich Fahrradfahrer grundsätzlich ändern müssten, ist einfach nur Vorurteil und dumm.

Und ja, es mag sein, dass sich Männer verschätzen, ob Frauen sexuell interessiert sind oder nicht; aber laut dem Link werden einfach Fotos gezeigt, an denen man so etwas generell schlechter als in der Wirklichkeit erkennen kann, und zweitens gibt es ja mindestens drei Möglichkeiten:

  1. die Frau ist sexuell interessiert
  2. die Frau ist sexuell nicht interessiert
  3. die Frau ist sexuell interessiert, aber nicht an mir

Speziell letzter Fall ist per Foto gar nicht sinnvoll abfragbar, womit ich die Methodologie des obigen Experimentes hoffentlich genug hinterfragt habe.

Dass immer das worst-case-Szenario aus Sicht der Frau dargestellt wird, obwohl eine Flirtkultur, bei der der Mann den ersten Schritt macht, dazu designet ist, das Risiko für die Frau zu reduzieren, legt schon den Gedanken nahe, dass es hier gar nicht darum geht, dem Mann zu helfen.

Achja, folgendes:

Wie sagt frau ihm, dass sie kein Interesse hat, ohne dass er vollkommen ausrastet?

Tja, das ist fast egal. Die meisten Männer rasten bei so etwas nicht aus, weder vollkommen noch überhaupt, und die, die das doch tun, rasten immer aus, egal, was die Frau sagt. Leider kann man das Männern nicht ansehen, und das liegt jetzt nicht daran, dass Frauen sich nicht in Männer hineinversetzen können.

Nebenbei, das ist genauso eine erbärmliche Suggestivfrage wie: „Wie muss man seinen osteuropäischen Mietnomaden die Kündigung übermitteln, ohne von ihnen abgestochen zu werden?“ Vorurteile, anyone?

Aber, falls das eine ernstgemeinte Frage war, alles, was harmloser ist als: „Fick Dich selber, Oppa!“, ist normalerweise ok.

Die „Ich habe einen Freund/Ehemann“ Karte muss dabei von Frauen viel zu oft gezogen werden.

Wieso „zu oft“? Das ist Höflichkeit. Wenn ich bei Pinkstinks zum Essen eingeladen wäre, und man bietet mir Nachschlag an von etwas, was mir nicht schmeckt, sage ich doch auch: „Danke, ich bin satt!“, statt „Igitt, das mag ich nicht!“ Trotzdem hätte ich keine Angst, dass der Koch ausrastet, wenn ich: „Igitt, das mag ich nicht!“ sage. Oder? ODER?

Warum muss frau sich erst als Eigentum eines markieren, damit ein interessierter Mann seine Besitzanspruchsphantasien aufgibt?

Wenn ein Mann – hypothetischerweise – angeflirtet werden würde, der diesen Flirtversuch ablehnen will, würde der das auch so sagen. Das hat nichts mit „Eigentum“ und „Besitzanspruchsphantasien“ zu tun, sondern damit, dass man dem Gegenüber(m/w/d) sagen will, dass es nicht an ihm(m/w/d) liegt (zu dumm, zu hässlich, whatevar), was entweder die Wahrheit ist oder eine Höflichkeitslüge wie „Ich bin schon satt“. Aber ja, wenn Ihr Wert auf Ehrlichkeit legt, sagt die Wahrheit. Ändert nichts am Austicken.

Übrigens funktioniert die „ich bin vergeben“-Taktik praktisch nur, wenn sich die beiden nicht oder fast nicht kennen. Sooo oft kann die also gar nicht vorkommen. (Und manche Leute behaupten, dass manche Frauen auch deshalb „bin vergeben“ sagen, damit das nicht wie ein Test aussieht, wie hartnäckig der Mann ist, weil ernsthaft Interessierte es nach einer weniger kategorischen Ablehnung nochmal versuchen, und die Frau die „weniger ernsthaften“ so aussortieren kann. Also, dass „Nein“ nicht unbedingt „Nein“ hieße. Aber das ist natürlich nur ein frauenfeindliches Vorurteil, in Wahrheit ist Flirten eine einfache Angelegenheit und nicht so ein Psychospielchenstress, oder? ODER?)

Aber schön, nachdem die hirnlosen Trolle unter uns – der Rest konnte es sich denken – erfahren haben, wie man sich nach dem erfolglosen Flirten nicht verhält, wie soll denn jetzt der Flirtversuch eigentlich aussehen?

Ja, so:

Weg vom Prinzip, wenn du mir nicht zu Willen bist, dann werte ich dich ab. Das muss doch möglich sein.

Nachdem – basierend auf Anekdotischer Evidenz, wie das Zauberwort heißt – Männer pauschal als Arschlöcher abgewertet wurden, weil die nicht machen, was pinkstinks von ihnen will, ja dankeschön.

Gegenvorschlag: Frauen werden – tunlichst von feministischer Seite – ermutigt, beim Flirten die Initiative zu ergreifen. Heißt für mich als Mann, dass eine Frau, die mich nicht anflirtet, auch nichts von mir will, bzw., dass ich eine Frau, die einen anderen anflirtet, oder einE andere, erst recht nichts von mir will, und ich kann mir eine Menge Herzblut und -leid ersparen.

„Aber Mycroft, würde das nicht bedeuten, dass Frauen sich etwa ändern sollten?“ – „Gut kombiniert, Sherlock, gut kombiniert.“

7 Gedanken zu “Flirt-Tips by Pinkstinks

  1. „pinkstinks“ klingt ja mehr nach einer Art Selbsthilfegruppe für Frauen mit Hygieneproblemen im Intimbereich und weniger nach einer journalistisch wertvollen Quelle.
    Die Lektüre des Artikels hat mich jetzt auch nicht vom Gegenteil überzeugt.

    Das Problem, wie ein Mann, selbst mit den allerbesten Absichten, eine Frau ansprechen kann, ohne sich dem Vorwurf der Belästigung auszusetzen, wird kurz angedeutet und dann zugunsten undifferenzierten Männerbashings ignoriert.

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    1. Eigentlich geht’s denen um sexistische – lies: „frauenfeindliche“ – Werbung.
      Ist ja im Prinzip auch ok, aber wenn die anfangen, etwas für Männer zu sagen, kommt regelmäßig so etwas bei herum.

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      1. Pinkstinks ist eine von jenen zahlreichen NGOs (Nichtregierungsorganisationen), die mit Hilfe staatlicher Zuschüsse ihre feministische Agenda medienwirksam (nicht unbedingt massenwirksam) verbreiten dürfen.

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      2. Kampf gegen rosa Kitsch ist ja ein edles Ziel.
        Und wenn die einfach sagen würden: „Nur noch online flirten – sie hat ihre grundsätzliche Flirtbereitschaft zum Ausdruck gebracht, und er wird geblockt, wenn er ausfällig wird.“ wäre der Artikel nicht so lang geworden.

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  2. „Eine Frau reagiert auf den Wunsch eines Mannes, sie kennenzulernen, mit der denkbar freundlichsten Absage. Anschließend bezeichnet er sie als „hässliches Fickstück“ und als „fette Schlampe“. Außerdem fordert er sie auf, sich zu erhängen. Männer, die auf eine eigentlich vollkommen angemessene Ablehnung so oder ähnlich reagieren scheinen nicht der Ausnahme-, sondern leider eher der Regelfall zu sein.“

    Der Link verweist auf Studie, die besagen das Männer das Interesse von Frauen an ihnen oft falsch einschätzen. Das Männer im Regelfall mit „hässliches Fickstück“ und „fette Schlampe“ reagieren, sagen die Studien nicht. Das scheint Feministinnen-Wissen zu sein.

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  3. Ich finde es immer wieder genial wie Bento, Vice und all die ähnlichen Quatschmagazine Clickbait als Quellenangaben tarnen, wie an dem Beispiel schön zu sehen: „… sondern leider eher der Regelfall zu sein.“
    Eine steile Behauptung wird mit einem Link unterlegt, man klickt darauf in der Hoffnung auf faktische Untermauerungen, gelangt aber nur zu einem anderen Artikel, der sich vage auf ein ähnliches Thema bezieht.
    Mindestens einen solchen Link gibt es in jedem Bento-Artikel.

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