Feminismus und Dienstpflicht

Ich habe mal gegoogelt, was „die“ Feminismen in D. von der Einführung einer allgemeinen Diesntpflicht halten. Und „allgemein“ heißt diesmal: „auch für Frauen“.

Ich fand beim Alice-Schwarzer-Feminismus dies. Ist von 2002, also aus einem Jahr, in dem die ersten, die es betreffen könnte, wohl gerade geboren waren. (Ist aber ganz weit oben bei Google…)

Auch EMMA ist gegen die Wehrpflicht. Ich habe mich zwar seit 1978 für das Recht von Frauen zum Dienst an der Waffe eingesetzt, war aber gleichzeitig immer gegen die Pflicht zum Wehrdienst, auch für Männer.

Das mag sein, aber im ganzen Artikel fehlt die Aussage, dass eine Wehrpflicht nur für Männer Männer benachteiligt. Entweder, sie hält das für völlig evident, oder sie weiß es selber nicht. Ich räume gerne ein, dass ein Verbot von Frauen in der Bundeswehr auch Frauen benachteiligt, der Nachteil für Männer ist aber größer. (Und, wenn jemand von pinkstinks mitliest, dass das jetzt anders ist, ist weder der Verdienst irgendeines Feminismus‘, noch fühle ich mich veranlasst, die Probleme von Frauen in Bereichen zu lösen, wo die von Männern größer sind.)

Seit dem 1.1.2001 nun ist der uneingeschränkte Zugang zur Bundeswehr, inklusive Dienst an der Waffe, endlich auch für deutsche Frauen eine Selbstverständlichkeit.

Tja, d.h., Frauen dürfen sich aussuchen, ob sie zum Bund wollen oder nicht, Männern wird’s vorgeschrieben. Die (kleinere) Benachteiligung von Frauen wurde also aufgehoben, der größere für Männer aber nicht. Danke, Schwarzer!

Der Einzug der Frauen in die männerbündischen Kasernen löste prompt die zu erwartenden Probleme aus.

Das finde ich tatsächlich auch gut.

Hierzu muss ich sagen, dass ich als Ex-Zivi meine Meinung zu dem Thema etwas geändert habe. Früher fand ich’s komplett doof, heute kann ich das Argument nachvollziehen, dass der Zwang, bestimmte Dinge zu tun, Leute zusammenbringt, die sonst nie im Leben im selben Raum gewesen wären. Das hat mir zu bestimmten Erfahrungen verholfen (ob gut oder schlecht, sei mal dahingestellt) und es ist gut gegen gewisse „Staat im Staate“-Strukturen. Ich sag mal so: Ein Wehrmachtsverklärer in der Kaserne unter Leuten, die das Thema komplett oder teilweise anders sehen, ist eine Meinung unter vielen. Lauter Wehrmachtsverklärer in der Kaserne, weil die militärkritischen Altersgenossen Geschichte studieren oder Sozialarbeiter werden, führt möglicherweise zu einer gewissen Geschichtsklitterung. Mal vorsichtig formuliert. Klar gibt’s auch Wehrmachtsverklärerinnen, aber eine möglichst pluralistische Truppe – also auch mit Frauen – wäre fast automatisch besser.

Gut möglich, dass die europäischen Richter auch in dieser Frage – keine Wehrpflicht oder Pflichtjahr für beide? – Deutschland eines Tages gar keine Wahl mehr lassen…

Hallo, Frau Schwarzer? Wehrpflicht für beide? Hallo? Eine Wehrpflicht für Frauen, die dann ggfs. verweigern, wäre eigentlich das Gegenstück zur Abschaffung jeglicher Dienstpflicht. Eine allgemeine Dienstpflicht, die gleichwertig Bund, Feuerwehr, THW, Alten- und Krankenpflege, Sonderschulen und noch ein paar Dinge mehr beinhaltet, wäre eine dritte Option. Nichts gegen dritte Optionen, aber man beachte, dass eine Wehrpflicht für Frauen für Schwarzer nicht zur Debatte steht bzw. gestellt wird.

Real geht der Trend in der Tat in die Richtung (Berufsarmee), und das nicht nur wegen der unumgänglich notwendigen Qualifizierung einer Interventionstruppe. Denn selbst die Wehrpflicht für Männer ist in Wahrheit ja keine mehr. Von rund 400.000 Wehrdienstpflichtigen deutschen Männern pro Jahr verweigert inzwischen knapp jeder Zweite (2001: 182.420); vom Rest ist rund jeder Dritte „wehrdienstuntauglich“ (2001: 83.500). Nur etwa jeder vierte junge Mann im Wehrdienstalter rückt also wirklich ein in die Kaserne (2002: 120.000).

Blöde Frage: Ja, und? 182.420 junge Männer, die eher mäßig bezahlte Care-Arbeit verrichten, sind doch trotzdem ein Argument FÜR die Dienstpflicht. Gerade, weil es auch sowas wie Pflegenotstand gibt und so.

 Frauen haben dafür ihre Pflichtjahre im Haushalt? Aber gerade das wollen wir doch abschaffen! Und wenn wir von den Männern ernsthaft erwarten, dass sie die Hälfte des Hauses übernehmen – ja, dann müssen wir Frauen auch die Hälfte der Welt übernehmen.

Es gibt in D. keine Pflicht für Frauen, Hausfrau zu sein. Das letzte Gesetz, was zumindest in die Richtung ging, wurde schon lange vor 2001 abgeschafft. Auf Totalverweigerung hingegen stand prinzipiell Gefängnis

DAS mit „Pflichtjahren im Haushalt“ gleichzusetzen, ist schon dreist.

Ich plädiere darum für eine Art „Gemeinschafts-Pflichtjahr“ für beide Geschlechter.

Ok, aber das hieße: „allgemeine Dienstpflicht“. Vllt. mit dem Zusatz: „jetzt in Echt!“

Dann könnten die Männer sich nicht länger hinter dem Argument verstecken: „Schließlich leisten wir ja Wehrdienst“,

Das Argument ist meistens: „Schließlich arbeite ich Vollzeit!“, und die meisten Männer würden eher sagen: „Schließlich habe ich Zivildienst geleistet!“, was allerdings ein schwaches Argument wäre, aber was soll man von Frau Schwrzer auch erwarten?

und die Frauen würden entweder auch mal kämpfen lernen (was nicht schaden kann),

„Kämpfen lernen“? „Kann nicht schaden?“ Ok, mir hat man mal gesagt: „Kleine Leute mit Abi (also wie ich) kommen in den Panzer.“ Die Mädchen in meiner Abistufe waren meist so groß wie ich, brauchten aber teilweise keine Brille und wären daher besseres Militärmaterial gewesen. Und was nutzt der Umgang mit einer Waffe, einem Fahrzeug oder einer Kriegsmaschine, die man alle drei nicht legalerweise privat benutzen darf? Ich frage für Schulkollegen…

oder aber früh genug real erleben, was so ein soziales Jahr wirklich bedeutet – bevor sie sich auf 20 soziale (Kinder)Jahre einlassen.

Ähh, nein. Bzw., kommt ganz drauf an, was die machen, aber sehr wahrscheinlich: nein. Ich hatte – obwohl ich im Hol-und-Bringe-Dienst war – einen Monat Zivischule. Tolle Sache, da gab’s die Mondmotte in der Bibliothek. Die Mondmotte! Geilste SF-Kurzgeschichte eVAR. Oder gleichauf mit „Marsodysseee“. Jedenfalls brachte man uns viel bei übers Altwerden, Sterben, Dekubitus, (Alsters)diabetes, Dekubitus, Schlaganfälle, Dekubitus, Hebe-und-Trage-Techniken, Dekubitus und dann nochmal extra Dekubitus. Dekubitus ist schon eine schlimme Sache, aber nix, was einem mit kleinen Kindern erwartet. Fun-fact: Es kam auch das Thema Sterbehilfe zu Sprache; und zumindest einige Bundis scheinen kaum über Tod und Sterben geredet zu haben, obwohl Soldaten bekanntlich keine Mörder sind…

Sicherlich lösbar wäre auch das Argument, ein Pflichtjahr für beide Geschlechter verstoße gegen „das Grundrecht auf Freiheit vom Arbeitszwang“. … Genau dieses Grundrecht wird bei den zivildienstleistenden Männern ja schon heute eingeschränkt.

Tja, diese Offensichtlichkeit findet Frau Schwarzer erwähnenswert.

Auch den jungen Frauen und Männern selbst könnte so ein Gemeinschaftsjahr gut tun. Vielleicht würde es dem im ungezähmten Kapitalismus zunehmenden Trend zur Individualisierung sowie dem im TV/Computer-Zeitalter mitgaloppierenden Realitätsverlust entgegensteuern.

Individualisierung ist nichts per se Schlechtes, und ich werde nicht notwendigerweise ein „Massenmensch“, wenn ich ein unfreiwilliges soziales Jahr ableiste; es ist aber „mein“ Input als Individuum, das mit Militär, Altenpflege oder sonstwas wenig zu tun hat, was dem Militär, der Altenpflege oder sonstwem neue Impulse geben kann. Ja, so arrogant kann ich auch sein. Aber selbst wenn nicht, Frau Schwarzer hat weder ein freiwilliges soziales Jahr gemacht, noch 20 soziale Kinder-Jahre. Realitätsverlustmäßig müsste sie ganz vorne mit dabei sein.

Wie vereinbare ich eigentlich mein Engagement für Pflichtjahr und Soldatinnen mit meiner Kritik am Krieg?

Weil Sie persönlich zwar für eine Dienstplicht, aber nicht für eine Wehrdienstpflicht sind? Weil Sie, wenn Sie nicht die Notwendigkeit, aber zumindest die Existenz einer Armee akzeptieren, wollen, dass da auch Frauen bei sind? Weil Sie Frauen zugestehen, eine andere Meinung haben als Sie, und deshalb zum Bund gehen? Nein:

Die Frage von Krieg&Frieden ist eng verknüpft mit den Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern.

Genau! Frauen leiden ja bekanntlich mehr als Männer in Kriegen. Ihre Väter, Brüder, Söhne und Ehemänner sterben ja.

Je stärker diese Hierarchie durch die Emanzipation der Frauen ins Wanken gerät, umso kriegerischer wird die Stimmung bei den Männern

Emanzipation löst Kriege aus? Ok, DAS ist jetzt ein sehr antifeministischer Spruch. Gut, dass der nicht von mir kam.

Es steigt die Bereitschaft, Konflikte mit Gewalt auszutragen – auch im Weltmaßstab.

Naja, eigentlich sank ab 2000 diese Bereitschaft, gemessen an der Zahl der Opfer. Ist inzwischen leider wieder anders, aber damals war das dummes Zeug.

Das beweist die aktuelle Konfliktforschung und dokumentiert das EMMA-Dossier in diesem Heft über „Neue Helden“. Je wehrhafter also die Frauen werden und je einfühlsamer die Männer, umso größer sind die Chancen für Gleichheit und damit Frieden

Beleg fehlt. Außerdem ist die Aussage, dass Männer aggressiver werden, wenn die „Hierachie“ ins Wanken gerät, nicht einfühlsamer. Männer, diese dummen, vorhersagbaren Reiz-Reaktion-Maschinen.

Ansonsten wäre das ein Argument, nur noch Frauen zum Bund einzuziehen und Männer nur noch Zivis werden zu lassen. Oder zumindest Wehrdienst für Frauen einzuführen, und wer von denen nicht „wehrhaft“ werden will, muss halt verweigern wie andere Menschen auch. Hachja.

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